Archiv der Kategorie: Medien

Das Versagen der Grünen Jugend

Der „Fall“ Sarah Lee Heinrich zeigt: Für die Grüne Jugend, die sich selbst als sehr modern und digital sieht (obwohl ihre Mutter, die Grünen, das Internet nach Kräften bekämpft haben), ist das Internet immer noch #Neuland.
Sonst hätte man möglicherweise die Kandidaten für die Wahl zum Bundessprecher darauf vorbereitet, dass sie nach der Wahl in der Öffentlichkeit stehen werden, und dass dann politische Gegner in ihren „Social“-Media-Profilen nach Dingen suchen werden, die man gegen sie verwenden kann.

Sarah Lee Heinrich hat in ihrem Twitter-Feed einige Dinge geschrieben, die man ohne Zweifel sehr gut als alterstypisches Geschwätz grüner Jugendlicher abtun könnte. Aber als Sprecherin, deren politische Statements teilweise thematisch mit diesem Geschwätz in Verbindung stehen oder gebracht werden können, täte man natürlich gut daran, diese Jugendsünden vor seiner Wahl zu beseitigen oder zumindest eine Strategie zu entwickeln, wie man damit umgehen will.

Weder Frau Heinrich noch die Grüne Jugend scheinen hier vorgesorgt zu haben. Offensichtlich gibt es kein Bewusstsein dafür, wie das Internet funktioniert, wie steigende Aufmerksamkeit, und Aufmerksamkeit von außerhalb der eigenen, wohlwollenden Bubble, sich auswirken können. Man kann nur hoffen, dass die Jugendorganisationen Prozesse einführen, um ihre Spitzenleute in Zukunft besser zu schützen. Wobei natürlich der beste Schutz wäre, unter einem mit dem eigenen Namen assoziierten Account nicht allzuviel Blödsinn zu schreiben. Aber auch das hat den Leuten bei der Grünen Jugend wohl niemand beigebracht.

Die Ampelkoalition kommt.

Nach der Bundestagswahl 2021 gibt es drei mögliche Koalitionen:

  1. GroKo
  2. Schwarze Ampel / Jamaika
  3. Ampel

Die GroKo wäre potenziell tödlich für die gerade wundersamerweise wieder erstarkte SPD, also ist sie ausgeschlossen.
Jamaika können die Grünen nicht bringen, weil die SPD mehr Stimmen hat als die Union. Auf der man ja auch stärker herumgehackt hat.

Über den Spruch „Lieber nicht regieren als falsch regieren.“ von Christian Lindner hat man sich indes bei allen Parteien so lange und intensiv lustig gemacht, dass jetzt eine Verweigerung einer Regierungsbeteiligung für SPD und Grüne faktisch ebenfalls ausgeschlossen ist. Schon allein wegen des angeblichen Klimanotstands können die Grünen kaum in die Opposition gehen.
Die Grünen sind also quasi zur Ampel verurteilt, ebenso wie die SPD als größte Fraktion.

Somit hat meiner Ansicht nach die FDP alle Trümpfe in der Hand. Gegen die FDP kann es nur Koalitionen geben, die ihre Gegner zerstören würden.
Entsprechend sollte die FDP jetzt in der Lage sein, einiges rauszuverhandeln.
Vielleicht werden die Grünen länger brauchen, die Basis dazu zu bringen, der Ampel zuzustimmen; aber am Ende wird sie kommen.

ACAB vs. Babyhitler oder: Warum traut niemand Baerbock zu, was Kurz macht?

Mich wundert, das bisher in der Debatte um die Kanzlerkandidatur von Annalena Charlotte Alma Baerbock, aka. ACAB, niemand auf die idee gekommen ist, einen Vergleich zum Kanzler von Österreich, Sebastian Kurz (kürzlich vom Satiriker Sonneborn als Baby-Hitler verunglimpft), anzustellen.

Baerbock ist 1980 geboren, Kurz 1986. Warum also sollte Baerbock „zu jung“ sein? Müsste dieser Altersunterschied nicht Aufhänger für alle Feministinnen sein, wieder das Patriarchat am Werke zu sehen bei der „Kampagne“ gegen Baerbock? Weil ja junge weiße Männer ganz ähnliche Posten bekommen, die man Baerbock nicht zutraut?
Nun, wenn man die Lebensläufe der beiden ansieht, dann sieht man, dass Sebastian Kurz vor seiner Karriere in verschiedenen Ämtern bereits Bundesvorsitzender der „Jungen Volkspartei“ war. Er hat sich also in der Partei bereits in sehr jungen Jahren hochgekämpft. Was Annalena Baerbock als Frau bei den Grünen nie musste.
Sebastian Kurz war anschließend im Rahmen einer Blitzkarriere Mitglied des Wiener Gemeinde- und Landrats, dann Staatssekretär und schließlich Bundesminister, bevor er Bundeskanzler von Österreich werden konnte.

Und das ist wahrscheinlich der Grund, warum niemand Baerbock mit Kurz vergleicht – weil Baerbock schlecht aussehen würde. Kurz ist offensichtlich ein „political animal“, ein guter Redner, charismatisch, durchsetzungsfähig, der sich in den Funktionen, die er innehatte, jeweils schnell für höheres empfohlen hat.
Baerbock hingegen hat eine schlechte rednerische Begabung und keine Erfahrung in öffentlichen Ämtern. Alle ihre Karriereschritte scheinen auf Frauenförderung und Vitamin B zu basieren. Zudem hat sie sich als Abschreiberin unmöglich gemacht, und ist jetzt mit dem Verdacht konfrontiert, ihr Promotions-Stipendium zu Unrecht bekommen zu haben. Warum sollte irgendwer dieser Frau zutrauen, Deutschland zu führen?

Ist Annalena Baerbock Opfer ihres Umfelds? Wurde sie gut beraten?

Man kann die Baerbock-Geschichte auch anders sehen als als Geschichte einer Karrieristin, deren Lügengebäude unter dem Blick der kritischen Öffentlichkeit zusammenbricht: Was, wenn Annalena Baerbock tatsächlich ein Opfer ihres Umfeld ist, dass ihr seit 2004 erzählt, sie sei hochqualifiziert und auserwählt, es in höchste Kreise und Ämter zu schaffen? Lebt sie möglicherweise in ihrer eigenen Echokammer, und es hat ihr niemand gesagt, dass Politik außerhalb des grünen Safe-Space ein Hauen und Stechen ist? Dass die Union die Kanzlerschaft mit wirklich allen Mitteln verteidigen wird? Dass ihr Lebenslauf Schwächen hat, und dass das Ausrufen der Kanzlerkandidatur (was ja, wenn man ehrlich ist, vollkommen unnötig war; zum Kanzler gewählt wird üblicherweise der Spitzenkandidat der stärksten Bundestagsfraktion, egal, ob er sich vorher Kanzlerkandidat genannt hat, oder nicht) den Fokus auf sie lenken würde, und auf ihre möglicherweise doch etwas dünne Qualifikation?

Jeder Kandidat schon für einen Stadtratsposten muss sich vor der Kandidatur gut überlegen, was ggf. auf ihn zukommen könnte. Üblicherweise wird er von Parteifreunden auch auf die möglichen negativen Folgen einer Kandiatur hingewiesen.

Und wer Kanzler von Deutschland werden will, sollte sich entsprechend ganz genau überlegen, was für oder gegen ihn spricht, welche Leichen er ggf. im Keller hat, und sich gut beraten lassen, von Menschen, die ganz offen all die Dinge ansprechen, die passieren könnten, die der politische Gegner nutzen könnte, um ihn zu diskreditieren.

Hat Baerbock wirklich geglaubt, dass sie über den Dingen steht und dass sie ohne extrem kritische Durchleuchtung ihrer Person ins Kanzleramt kommt? Natürlich, die Doktorarbeit von Helmut Kohl soll auch eher bescheiden gewesen sein, und Joschka Fischer hatte auch kaum formale Bildung; aber immerhin hat er anscheinend tatsächlich versucht, die Arbeiter der Opel AG zur Revolution anzustacheln, und sich auch sonst engagiert, charismatisch und durchaus kenntnisreich gezeigt; leider Dinge, die Baerbock aktuell eher abgehen.

Gibt es vielleicht, wie der Blogger Hadmut Danisch spekuliert, grüne Seilschaften, die mit Hilfe der Böll-Stiftung grünen Nachwuchsparteikadern Geldmittel und wichtige Titel verschaffen und diese in höchste Ämter zu bringen versuchen? Dann wäre es möglich, dass Annalena Baerbock ein Produkt dieser grünen Parteikaderschmiede ist, und von dieser Förderorganisation zur Kandidatur getrieben worden ist, bevor sie tatsächlich dafür bereit war.
Oder aber, Baerbock war so erfolgsverwöhnt und überzeugt davon, dass sie mit ihrer üblichen Art schon irgendwie durchkommen werde, dass sie selbst ihren Hut in den Ring geworfen hat. Dann wäre eine spannende Frage, ob ihr Umfeld sie richtig beraten hat, oder ob es sie vielleicht gar nicht mehr richtig erreicht hat, kurz, woran es liegt, dass sie ohne großartige Qualifikation, aber mit einem zusammenkopierten Buch in den Wahlkampf gegangen ist.
Angeblich soll es ja einen Machtkampf gegeben haben zwischen Baerbock und Habeck. Falls das der Fall gewesen sein sollte, fragt man sich, was in aller Welt bei den Grünen intern falsch gelaufen ist, dass eine rhetorisch mäßige Blenderin fast ohne wirklich relevante Erfahrung gegen jemanden wie Robert Habeck gewinnen konnte. Lag es wirklich vor allem daran, dass man für den „politischen Neuanfang“ mit einer „jungen Frau“ ins Rennen gehen wollte? Wenn dem so gewesen sein sollte, dürfte damit wohl bewiesen sein, dass Ageismus und Sexismus auch den Bestmeinendsten früher oder später auf die Füße fallen.

Wahrscheinlich werden wir das in ein paar Jahren wissen, wenn Baerbock oder jemand aus ihrem Umfeld auspacken wird, wie sich die Kanzlerkandiatur der Annalena Baerbock tatsächlich ergeben hat.

Frau Stokowskis Faible für True Crime

Frau Stokowski echauffiert sich im Spiegel über sogenannte „true crime“-Inhalte, in denen Details realer Verbrechen auf reißerische Weise nacherzählt werden. Natürlich hat sie vollkommen recht, dass diese Art von, sagen wir, „Leidens-Porn“, extrem fragwürdig ist. Dennoch hat sie natürlich gründlich recherchiert und eine Menge dieser Formate konsumiert.

Eigenartig ist auch deshalb, dass sie in ihrem ganzen Artikel vergisst zu erwähnen, dass es das ganze True-Crime-Genre sehr wahrscheinlich nur gibt, weil (zu 80%) Frauen die Geschichten gerne konsumieren. Kaum vorstellbar, dass das Genre mit 80% weniger Kunden so florieren würde wie jetzt.

Auch scheinen die entsprechenden Artikel oder Sendungen auffällig oft von Frauen verfasst oder präsentiert zu werden. Vielleicht hätte man also kurz darauf eingehen sollen, wie Frauen durch ihren Konsum dieser Horrorgeschichten zur Reproduktion und Verbreitung derselben beitragen und somit nicht ganz unwahrscheinlich die Familien der Opfer unbegrenztem Leiden aussetzen (Retraumatisierung?).
Aber natürlich, wenn man eine Kolumnen-Reihe schreibt, die sowieso nur von radikalen Feminist*innen mit einem entsprechenden Weltbild gelesen oder ertragen wird, dann kann man es sich nicht leisten, vom „Team Frauen“ zu verlangen, Verantwortung zu übernehmen für das eigene Konsumverhalten. Man will es sich ja nicht mit der Leserschaft verscherzen. Dabei kann gesellschaftliche Veränderung natürlich nicht stattfinden, wenn die größere Hälfte der Bevölkerung durch ihr Verhalten dagegen arbeitet.

Doch so „lernen“ wir aus dem Artikel: Die True-Crime-Formate sind irgendwie böse und stützen das Patriarchat, das bekannterweise ständig Frauen ermorden lässt, die aus der Reihe tanzen. Und schuld daran sind irgendwie und letzten Endes wie immer „die Männer“ und „das System“, und Frauen sind machtlose und unschuldige Opfer, die nichtmal als Gruppe Verantwortung tragen, wenn sie durch ihre Konsumverhalten die Ausstrahlung gequirlter Scheiße befördern.

Susanne Kaiser macht sich die Welt, wie sie ihr gefällt

Eine Frau Susanne Kaiser (Autorin für die grüne Böll-Stiftung) hat im Tagesspiegel einen Artikel geschrieben mit dem schönen Titel „Warum der Rückfall ins Autoritäre männlich ist“, den ich nicht direkt verlinke, um ihre Klickzahlen nicht um einen Klick zu erhöhen.

Ich habe ein Problem mit dem Artikel, denn:
Negative Eigenschaften oder Konzepte wie „Autoritarismus“ männlich zu assoziieren, obwohl es keinen Grund gibt, anzunehmen, dass Frauen weniger autoritär agieren oder Autoritarismus geschlechtsspezifisch sei, ist sexistisch. Ich möchte im Folgenden zeigen, dass der Text nicht mehr ist als eine Ansammlung männerfeindlicher Behauptungen und einseitig zu Ungunsten von Männern ausgewählter Fakten. Ein unredlicher Text, der die Spaltung zwischen den Geschlechtern vertieft, für ein feministische Publikum, das feministische Mythen bereits so tief verinnerlicht hat, dass es jedem feministischen Relotius, der ihm erzählt, was es hören will, aus der Hand frisst.

Beginnen wir mit dem Anrisstext:

Für Männer bedeutet der neoliberale Wandel einen Abstieg auf Positionen, die Frauen gewohnt sind. Was sie umso verbitterter dagegen ankämpfen lässt. Ein Essay.

Denken wir kurz nach und erinnern uns an das Zeitalter der Industriealisierung, als Männer 60 Stunden Wochen in Bergwerken geschuftet haben, um dann kurz vor der Rente an Staublunge zu sterben. Oder an das Kaiserreich, wo Männer das schöne Privileg hatten, mehrere Jahre lang Wehrdienst zu leisten und die Chance darauf, in einem Krieg gegen Dänemark, Frankreich, oder auch die ganze Welt erschossen oder zerfetzt zu werden. Und denken wir kurz an den Anteil der Männer an den Obdachlosen und an den Menschen ohne Schulabschluss und an den Strafgefangenen.

Das sind die Positionen, die Männer für den Großteil der Geschichte gewohnt waren und noch gewohnt sind. Was also soll es heißen, dass „der neoliberale Wandel“ für die Männer „einen Abstieg“ bedeutet, auf „Positionen, die Frauen gewohnt sind“?
Männer haben schon immer den Bodensatz der Gesellschaft gebildet. Frauen wurden schon immer so gut wie möglich geschont. Der Feminismus aber schaut immer nur an die Spitze, und wird darum Opfer des sogenannten „Gipfelirrtums„, indem er immer nur die erfolgreichsten Männer sieht, aber diese nicht mit den erfolglosesten verrechnet, bevor er Frauen und Männer vergleicht. Nur dann sind nämlich die im Schnitt in der Masse vielleicht sogar noch erfolgreicheren Frauen scheinbar „unterprivilegiert“. Abgesehen davon, dass „neoliberaler Wandel“ eine sinnlose Worthülse ist, die zu definieren ich Frau Kaiser gerne hiermit auffordern möchte.

Aber gehen wir mal weiter im Text:

Zu Beginn der Covid-19-Pandemie ging eine Fotomontage um die Welt. Sie zeigte die Gesichter der sieben Staats- und Regierungsoberhäupter, die ihre Länder am besten durch die Krise manövrierten und am souveränsten Führung demonstrierten. Die Länder hießen Taiwan, Neuseeland, Island, Finnland, Norwegen, Dänemark, Deutschland – und die Gesichter waren allesamt weiblich..

Frau Kaiser hat also eine Auswahl von Ländern mit weiblichen Regierungschefs aufgetrieben. Die haben angeblich ihre Länder „am besten“ durch die Corona-Krise manövriert. Und „am souveränsten“.

Erster Kritikpunkt: Die Krise ist noch nicht vorbei. Abgerechnet wird zum Schluss, und dann werden wir sehen, wer auf welchen Platz kommt.
Zweiter Kritikpunkt: In Deutschland bestimmen die Länder über die Corona-Maßnahmen; Frau Merkel hat also weder geführt noch manövriert.
Dritter Kritikpunkt: Taiwan, Neuseeland und Island sind Inseln, die schlicht ihre Grenzen zugemacht haben, um weitere Infektionen abzuwehren, mit Quarantäne und Zwangs-Tests für Einreisende. Merkwürdig, dass das an dieser Stelle keine Erwähnung findet. Ein Schelm, wer als Grund vermutet, dass es nicht ins Narrativ von überlegener weiblicher Führung und bösem männlich-autoritär-erfolglosem Gehabe passen würde, dass einige der erfolgreichsten Corona-Bewältiger-Regierungschefinnen ihren Erfolg knallharten „autoritär-männlichen“ Grenzschließungen verdanken. Diese Tatsache unter den Tisch fallen zu lassen belegt meiner Meinung nach sehr gut, wie Frau Kaiser ihren Artikel in bester Relotius-Manier so konstruiert hat, dass am Ende ihre Geschichte und ihre feministische Haltung über Wahrhaftigkeit und Wahrheit triumphieren.

Aber zurück zum erstaunlichen Erfolg der handverlesenen weiblich regierten Länder: Finnland, Norwegen und Dänemark haben den Vorteil, dass sie nicht unbedingt als Reise- oder Transitländer gelten oder besonders dicht besiedelt sind. Umso einfacher sind dort also „gute Corona Zahlen“ zu fabrizieren. Das hätte man vielleicht auch erwähnen können.
Weiterer Kritikpunkt: Länder, in denen Frauen regieren, gehören häufig zu den entwickelsten Ländern der Welt. Unter den entwickelsten Ländern der Welt solche mit guten Corona-Zahlen zu finden ist tendeziell eher einfach. Entsprechend ist die Auflistung von hoch entwickelten Ländern mit weiblichen Regierungsschefs und die Gegenüberstellung mit drei eher erfolglosen und von Männern regierten Schwellen-Ländern als scheinbarer Beweis der Überlegenheit weiblicher Führung einfach nur billigste männerfeindliche Polemik.

Was mich zum letzten Kritikpunkt bringt: Was bedeutet — abgesehen davon, dass die Krise noch gar nicht vorbei ist — eigentlich „am besten durch die Krise manövrieren“? Die geringste prozentuale Zahl an Infektionen zu haben, oder die geringste Rate an Todesfällen?

Das Land mit den meisten Todesfällen pro 1 Million Einwohner ist aktuell (2020-11-16) laut „Worldometers“ Belgien, das von Sophie Wilmès regiert wird, einer Frau. Bolivien schneidet auch eher schlecht ab, und wird von Jeanine Áñez regiert. Im Sommer war die Todesrate in den USA pro 1 Mio. Einwohner geringer als die in Deutschland. Wurden da die USA vorübergehend besser regiert als Deutschland?
Mein Punkt ist: Frau Kaiser wirft mit implizierten Behauptungen um sich, blendet jegliche Gegenargumente aus, und bleibt Beweise für ihre sexistische These, Frauen gingen besser mit Corona um als Männer, vollkommen schuldig; ja sie definiert überhaupt nicht, welchen Maßstab sie anlegt um „gut“ und „schlecht“ zu unterscheiden.

Dann kommt noch:

Dass die tonangebenden Medien weibliche Führungspersonen priesen, blieb nicht ohne Folgen. In der Halböffentlichkeit der sozialen Medien, der Kommentarspalten und der Internetforen brach sich Frust Bahn, wie jedes Mal, wenn Frauen sich in Bereichen bewähren, die von vielen immer noch als Männerdomänen angesehen werden.

Was soll ich sagen: Wenn die „tonangebenden Medien“ auch schlecht recherchierten, einseitig Frauen als — aufgrund ihres Geschlechts überlegen führende — Übermenschinnen darstellenden sexistischen Unsinn als „Preisung“ auf weibliche Führungspersonen geschrieben haben sollten, dann wundert es mich nicht, dass sich „Frust Bahn gebrochen“ haben soll.
Wer sexistische Scheiße ins Internet kübelt, der bekommt sexistische Scheiße zurück.

Leider hat nicht jeder die Zeit und die Möglichkeit, so wie ich ausführlich zu analysieren und zu kommentieren, warum es unseriös ist, Inselstaaten und Binnenländer zu vergleichen, warum es tendenziös ist, sämtliche Regierungschefinnen bei der Corona-Abwehr überhaupt nicht erfolgreicher Staaten zu unterschlagen, warum es tendenziös ist, die autoritären Maßnahmen der erfolgreichen Regierungschefinnen mit keinem Wort zu erwähnen, et cetera.

Der Rest des Artikels ist nicht weiter der Rede wert, man stelle sich einfach eine auf der vorher konstruierten verzerrten Realität aufbauende schlechte Kolumne von Margarethe S. vom Spiegel vor.

Sexistischer Unsinn wird auch dadurch nicht weniger menschenfeindlich und spalterisch, dass er als „feministisch“ verkauft wird. Männern negative Eigenschaften und geringere Fähigkeiten zuzuschreiben und so zu tun, als wären Frauen bessere Menschen und alles Schlechte („Neoliberaler Wandel“!!!) ginge nicht etwa auch maßgeblich auf das Konto von z.B. Margareth Thatcher oder Blythe Masters, sondern allein auf das Konto böser Dunkelmänner, ist nicht progressiv, sondern männerfeindlich.
Zu ihrer Entschuldigung bleibt eigentlich nur zu sagen, dass Sie anscheinend ein Buch verkaufen will, um ihr prekäres Leben als weibliche-feministischer Relotius finanziell etwas komfortabler zu gestalten. Wahrscheinlich hat sie ihren erstaunlich schlechten Artikel nur im Hinblick darauf geschrieben, ihre Klickzahlen hochzutreiben.

Hoffen wir, dass sich das Machwerk nicht verkauft.

Frau Stokowski und die #Cancelculture

Wenn man das Werk eines Künstlers (oder die Aussagen eines Politikers) nicht mag und das äußert, dann ist das Kritik.
Wenn man dabei herabsetzend oder beleidigend vorgeht, nennt man das heute „Hetze“, früher Schmähkritik oder vielleicht Beleidigung.

Und wenn man behauptet oder impliziert, das Werk sei deshalb schlecht, weil der Künstler selbst schlecht sei, das schlechte oder falsche Werk sei also ein Abbild des „verdorbenen Charakters“ des Künstlers, die Kunst sei also aufgrund des „entarteten Charakters“ des Erschaffers so falsch, böse, schlecht etc. wie es eben sei, und wenn man deswegen dann versucht, den Künstler durch öffentlichen Druck, Hetze oder Gewalt an weiteren Werken zu hindern, bzw. die Grundlage seines Schaffens (Job, finanzielle Mittel, persönliches Image) zu zerstören, so dass er in Folge dessen keine weiteren „schlechten“ Werke erstellen kann oder nicht weiter wagt, dies zu tun und/oder die Werke zu veröffentlichen, dann spricht man (neuerdings) von „CancelCulture“.

Weil es nämlich dann nicht mehr um Kritik (am Werk) geht, sondern um den Aufbau von Druck im Sinne von psychischer und physischer Gewalt sowie um konkrete, schädigende Attacken im persönlichen Lebensbereich und im Beruf gegen den Künstler selbst.

Nur wenige Menschen können diesem Druck widerstehen.
Als in Deutschland vor längerer Zeit ein Kabarettist auftrat, saßen im Publikum zwei Männer und notierten alles, was er Kritisches sagte.
Der Kabarettist ging daraufhin ins Publikum und fragte die möglichen Angestellten einer staatlichen Polizeibehörde „Kommen Sie mit – oder soll ich mitkommen?“. Und kam damals damit durch. Heute würde er vielleicht von „Aktivisten“ verprügelt, so wie Werner Finck auch sehr gut hätte von der Gestapo verhaftet oder der SA gefoltert werden können.

Im Prinzip macht es keinen Unterschied, ob man Werner Finck nicht mag oder Lisa Eckhart (die noch dazu explizit eine Kunstfigur ist) oder Til Lindemann, und ob der Druck gegen einen Künstler von offiziellen Stellen oder von einem Internet-Mob ausgeht. Jeder Künstler sollte seine Kunst veröffentlichen dürfen, ohne deswegen Drohungen oder Gewalt ausgesetzt zu sein. Was nicht verboten ist, muss erlaubt sein, und (Meinungs-)“Freiheit ist das Recht zu sagen, was andere nicht hören wollen“ (Orwell). Wo sich mehrere Leute organisieren, um gemeinsam durch Vorwürfe und Drohungen einen Künstler zum Schweigen zu bringen, wo ein Boykott-Aufruf nicht nur die Forderung beihaltet, niemand solle sich das aktuelle Programm des Künstlers ansehen, bzw. niemand solle dessen Werke kaufen, sondern auch der Künstler und sogar die Veranstalter und alle Fans per „Guilt by association“ zum Ziel von Beschuldigungen und Drohungen werden, da hört Kritik auf, und dort beginnt „CancelCulture“. Denn dort wird nicht das Werk kritisiert, sondern dessen Verbreitung soll durch Druck auf den Künsterl und auch auf Veranstalter, Verlage, Fans etc. aktiv verhindert werden.

Entsprechend enttäuschend und schal ist die aktuelle Kolumne „Cancel Culture für Anfänger“ von Frau Stokowski im Spiegel, die ich aufgrund ihrer Armseligkeit hier nicht verlinken möchte, die die CancelCulture verharmlost und sogar für gar nicht existent erklärt.

Erster Absatz: CancelCulture bedeutet erstmal nur Kritik (falsch).
Zweiter Absatz: Wortspiele, langweilige Erläuterungen trivialer Fremdwörter, Verharmlosung der #CancelCulture mit schlechter Strohmannargumentation.
Dritter Absatz: Fingerübungen im freien Assoziieren unter Alkoholeinfluss (?)
Vierter Absatz: Herablassende Äußerungen über Kollegen, außerdem irgendwas mit Hitler und Lindemann und natürlich Relativierungen, dass so ein kleiner Boykott und ein wenig Ächtung ja nicht so schlimm sind.
Fünfter Absatz („‚Cancel Culture‘ heißt also, manche Leute mögen manche Leute oder deren Arbeit nicht?“): Verharmlosung von Mobbing und Doxing und Suggestion, es träfe ja doch meistens die Richtigen[tm]. Außerdem kriegen viele Leute ja wieder ein Job, wenn sie ihren durch öffentliche Ächtung und Mobbing verloren haben. Alles nicht so schlimm!
Sechster Absatz: Framing, „CancelCulture“ sei eine ‚rechte Erfindung‘.
Siebter Absatz: Drohungen durch die Antifa (Heute: Besorgte Warnungen aus der Nachbarschaft), die es ja nicht gibt, gibt es nicht, darum wurde Lisa Eckhardt vollkommen ohne Grund ausgeladen. Und eine CancelCulture gibt es natürlich nicht.

Interessanterweise ist CancelCulture (nehmen wir mal an, es gäbe sie) eine zutiefst menschliche, wenn auch schäbige Sache.

Natürlich würde auch ich gerne sehen, dass Frau Stokowski beim Spiegel gefeuert würde, damit sie die Reichweite des Spiegels nicht weiter für die Verbreitung ihrer schlechten Artikel nutzen könnte. Und sicher habe ich auch schon weniger freundliche Dinge über Frau Stokowski geschrieben.

Aber im Gegensatz zu woken Aktivisten würde ich mir keine absurden Vorwürfe ausdenken und direkt dem Spiegel schreiben, man möge Frau Stokowski doch feuern, weil sie ein schlechter Mensch sei.
Ich würde mich nicht mit einem Internet-Mob verabreden, eine Buchpräsentation von ihr zu stören oder ihr Privathaus mit Farbbeuteln zu bewerfen, ihre/n Partner/in zu bedrohen oder ihre Kinder anzuspucken, wie das so oder so ähnlich mit dem FDP-Politiker Thomas Kemmerich passiert ist.
Und das ist der Unterschied zwischen Kritik und CancelCulture: Kritik richtet sich primär gegen das Werk bzw. eine politische Position, und nur mittelbar auch gegen dessen Schöpfer (indem sie ihn als Schöpfer schlechter Werke darstellt). #CancelCulture richtet sich gegen den Menschen als solcher. Kritik ist Gegnerschaft, CancelCulture ist Feindschaft.

Hat Frau Stokowski das wirklich nicht verstanden?

Farm der Tiere und das Paritätsgesetz in Thüringen

Das Paritätsgesetz in Thüringen wurde für verfassungswidrig erklärt.

Irritierend ist, dass „zufällig“ beide weiblichen RichterInnen (Renate Licht, Elke Heßelmann) keine Verfassungswidrigkeit der sexistischen Regeln für die Listenaufstellung der Parteien erkennen konnten bzw. wohl eher wollten.
Hier entsteht der Eindruck, dass sie beide nicht in der Lage sind, objektiv und gemäß der Verfassung zu urteilen, wenn sie persönlich betroffen sind, bzw. dass die DGB-Funktionärin Licht ggf. sogar eigene politische Wünsche über verfassungsrechtliche Realitäten stellt. Es drängt sich der Eindruck auf, dass es sich hier um Quotenfrauen handeln könnte.

Aber wie dem auch sei, die „tageszeitung“ und Teile des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sind der Auffassung, dass man auch anders hätte urteilen können, hätte man die Verfassung anders „interpretiert:“

Natürlich ist es Aufgabe von Verfassungsrichtern, die Verfassung richtig auszulegen. Aber wenn dort eben steht „Frauen und Männer sind gleichberechtigt“, dann kann man daraus eben nicht ableiten, dass Frauen bei innerparteilichen Wahlen Vorrechte haben dürfen.

Man sieht hier leider, dass für ÖRR und linke Parteien der Zweck die Mittel heiligt – und wenn nötig, dann sollen eindeutige Verfassungstexte einfach „anders interpretiert“ werden. Parallelen zu Orwells „Farm der Tiere“, wo die Verfassung nachträglich von den Schweinen „anders interpretiert“ wird, sind leider nicht zufällig. Wenn es nach linken Journalisten geht, sollen Frauen einfach noch etwas gleicher als gleich sein:

Historikerin verbreitet Sexismus beim Deutschlandfunk

Die Historikerin Hedwig Richter darf beim Deutschlandfunk — unhinterfragt — verbreiten, Männer seien anfälliger für Verschwörungstheorien in Bezug auf die Verbreitung von Corona.

Soll das dieser seriöse, öffentlich-rechtliche Journalismus sein? Wenn tumbe Geschlechter-Stereotypen immer dann unwidersprochen verbreitet werden können, wenn sie Männer schlecht aussehen lassen?

Wenn man davon redet, dass Männer anfälliger seien für Verschwörungstheorien, dann sollte man vielleicht zumindest das Verhältnis von Frauen zu Männern erwähnen, die angeblich diesen Verschwörungstheorien anhängen. Ist das eher so 2 zu 3 oder 1 zu 100?
Und man sollte vielleicht erklären, wie man diesen angeblichen Männerüberhang ermittelt haben will. Anonyme Umfrage, Auswertung der angenommenen Geschlechter anonymer Social-Media-Accounts, irgendwas? Es könnte ja so sein, dass Frauen ihre Meinung einfach nicht so oft an die große Glocke hängen. Sondern eher so still und heimlich Heilkristalle im Garten aufstellen und Corona wegpendeln und irgendwie unauffälliger neben der Spur sind als Männer.

Natürlich ist es auch möglich, dass es stimmt, dass Männer tatsächlich und generell anfälliger für Verschwörungstheorien sind, aber wenn das so ist, dann sollte man bei der Analyse nicht auf dem Level stehen bleiben, dass es vielleicht „mit einer Krise der Männlichkeit“ zu tun haben könnte.

Frau Richter lässt es so aussehen, als wäre das biologische Geschlecht ein ausreichender Grund, weswegen Männer angeblich häufiger Verschwörungstheorien anhingen. Weil Männer ja bekanntermaßen ganz häufig rechthaberische Arschlöcher sind, die lieber abstrusen unlogischen Stuss glauben, als Unwissenheit einzugestehen?! Oder was will uns Frau Richter mit dieser pauschalen Aussage genau sagen?!

Vielleicht liegt es ja am immer höheren Anteil von Kindern, die ohne Vater aufgewachsen sind, oder an ständigem Männer-Bashing im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, dass es tatsächlich eine Krise der Männlichkeit gibt, die dann wiederum zu negativen Effekten führt.

Jedenfalls hätte man sich eine tiefergehende Analyse gewünscht im Gebühren-finanzierten Radio, das es sich ja leisten könnte, etwas in die Tiefe zu gehen, statt unterkomplexe sexistische Soundbites über den Äther rauszublasen.

Wahrscheinlich muss man hier aber auch den Deutschlandfunk bzw. den Moderator dafür in die Verantwortung nehmen, dass man dieses tagesaktuelle Thema in einem so dünnen Beitrag zu quasi reiner Misandrie verarbeitet hat.

Jedenfalls kann ich mir nicht vorstellen, dass Hedwig Richter auf das Ergebnis ihrer Schnell-Befragung durch den Deutschlandfunk besonders stolz ist. Zu deren Verteidigung immerhin zu erwähnen ist, dass sie an einer Stelle herausstellt, dass der Anteil der Männer, die an Corona-Verschwörungstheorien glauben, insgesamt sehr gering sei.1

Was mich zu folgendem Schlusssatz kommen lässt:
Solange eine nicht-geringe Zahl von Frauen, auch in wichtigen Positionen, in Deutschland der Verschwörungstheorie bzw. -ideologie anhängen, die männliche Hälfte der Bevölkerung halte die weibliche mit Hilfe unerklärlicher, übermächtiger, unsichtbarer, auf geheimnisvolle Weise in grauer Vorzeit etablierter Mechanismen in einem Zustand von Rechtlosigkeit und Ohnmacht, kann ich die These, Frauen seien weniger anfällig für Verschwörungstheorien, nicht wirklich nachvollziehen.

  1. Den sexistischen Grundtenor des Beitrags korrigiert das aber leider nicht. []

Die Zeit verdient Geld mit Wohlfühl-Texten für Linksintellektuelle, die eigentlich doch keine Revolution wollen

Mit dem Artikel „Dieters Paradies“ ist der Autorin Mely Kiyak ein bemerkeswertes Kunststück gelungen.

Sie kombiniert durch die Auswahl des (Kartoffel!) Vornamens Dieter, der für „alte weiße Männer“ steht, als Bezeichner für den Strohmann in ihrem Text, Ageismus, Männerfeindlichkeit, Deutschenfeindlichkeit und „Kapitalismuskritik“ in einem bemerkenswerten Machwerk, dass vor allem eins zeigt, nämlich die Überheblichkeit des links-intellektuellen Milieus, und dessen zunehmende Verachtung für den Lebensstil derer, die man vor 40 Jahren noch als Zielgruppe linker Politik gesehen hätte, nämlich „die einfachen Menschen“.

Die einfachen Menschen. Sie sind dumm und böse und primitiv und begreifen nicht mal, wie dumm und böse und primitiv sie sind!

Was macht er denn so, der dumme Durchschnittsdeutsche? Der erste Absatz gibt Aufschluss:

(Er) bummelt am Wochenende zu Deichmann, verspeist in der Einkaufspassage im Tchibo einen überdimensionierten Schokokeks, trinkt dazu eine Tasse Kenia-Blend, bisschen Handys angucken bei Saturn, nachmittags Fußball, Schweinebauch grillen, paar Flaschen Bier und mindestens einmal im Jahr Pauschalurlaub. Trotz Internetanschluss bucht er immer im Reisebüro, weil dort seine Tochter ihre Ausbildung zur Reisekauffrau macht, und da kriegt er nochmal fett Prozente.

Der Durchschnittsdeutsche hat also wenig Geld. Darum kauft er günstige Schuhe und achtet darauf, nicht zu viel auszugeben. Dennoch gönnt er sich manchmal einen Kaffee oder einen Keks, schaut sich schöne Produkte an, lenkt sich mit Fußball ab, und grillt mit Freunden.

Tja… schon schlimm. Dass Menschen sich an kleinen Dingen erfreuen können. Wo sie doch Kuskus essen, Bio-Rotwein schlürfen und im Bio-Versand handgenähte Mokassins kaufen könnten! Nur dann dürften Sie doch wirklich glücklich sein, voller Stolz auf ihre Rechtschaffenheit!

Es tut mir wirklich leid Frau Kiyek, aber jeder Menschen hat das Recht, eigene Entscheidungen zu treffen, und wenn es jemanden glücklich macht, Bier zu trinken, zu grillen und Kekse von Tchibo zu essen, dann hat das okay zu sein, auch für Sie.

Mal weiter im Text. Was macht er denn noch alles falsch, der hässliche Durchschnittsdeutsche?

Also… er

  • kauft bei Tchibo Kaffee und Kuchen und bei Nordsee den Alaska Seelachsfilet Mittagsteller
  • (hält) bei Orion ein bisschen Ausschau nach sexyschmusi Spielzeug

Schon schlimm alles. Der böse Kapitalismus hat Fangquoten für Fisch eingeführt um nachhaltige Fischerei zu ermöglichen und die Überfischung zu vermeiden. Böse staatliche Stellen empfehlen ständig, mehr Fisch zu essen, weil angeblich so gesund. Und dann machen das sie Leute auch noch. Der böse Kapitalismus bietet den Menschen Sexspielzeug für ein sexpositives Leben an. Und dann kaufen die das auch noch. Weil Männer Sex mögen! Voll schlimm. NICHT.

Was hat Frau Kiyak noch so an Vorhaltungen im Köcher? Nun, diese Elemente eines stinknormalen Lebens ergeben, Zitat


Ein gewöhnliches Dieterleben an einem gewöhnlichen Samstag, das ohne Kinderarbeit, Menschenausbeutung, Umweltverschmutzung, Konsumismus nicht auskommt.

Warum eigentlich ist der hässliche dumme Durchnittsdeutsche hier ein Mann? Ist es nicht so, dass man Samstags mehr Frauen als Männer beim Shopping sieht? Ist es nicht so, dass Frauen 70% der bösen konsumistischen Kaufentscheidungen treffen und weit mehr Wergwerf-Mode und Tierversuchs-Kosmetik kaufen als Männer? Weniger Rad fahren, mehr Pauschalreisen buchen? Klar – Fakten stören nur, wenn man Kapitalismus-Bashing betreibt, und bei der linksintellektuellen Zielgruppe kommt Männer-Bashing auch viel besser an, als die Verantwortung auch von Frauen für die Existenz unseres Systems gleichberechtigt zu kritisieren. Ich wollte es ja nur mal anmerken, dass es dem Artikel auch an geschlechterpolitischer Redlichkeit fehlt.

Aber da ist noch etwas: Tatsächlich ist die Umweltverschmutzung in der Marktwirtschaft geringer als im Sozialismus. Tschernobyl und das Chemiekombinat Bitterfeld werden anscheinend von progressiven linksintellektuellen Zeit-Schreiberinnen gerne verdrängt.

Die EU achtet peinlich genau auf die Kategorisierung chemischer Substanzen als giftig, umweltschädlich, krebserregend, Gewässer-gefährdend. Sogar vor Spülmittel wird mittlerweile auf der Packung gewarnt. Es gibt Hotlines falls man Fragen haben sollte wie giftig. Kostenlos! Und wenn man sich doch vergiftet kommt ggf. ein Hubschrauber um Dir den Arsch zu retten. Atomkraftwerke werden zurückgebaut. Vom Sozialismus verseuchte Böden aufwendig gereinigt. Und so weiter. Sprich: Nirgendwo wir mehr auf Sicherheit und Umweltschutz geachtet als bei uns, im bösen Kapitalismus!

Auch Menschenausbeutung und Kinderarbeit gehen stetig zurück, wo der Wohlstand dank Marktwirtschaft zunimmt. Und das ist überall auf der Welt. Auch in Bangladesch und Afrika. Wie es übrigens vor über 100 Jahren auch in Deutschland war, wo Kinderarbeit im Bergbau und in der Landwirtschaft üblich waren und Deutschland das Billiglohnland Europas war.

Aber mal weiter im Märchen vom bösen Kapitalismus:

Dieter war einmal bei König der Löwen in Hamburg, und letztlich hat es ihm nichts gebracht, da macht er lieber Streamingabend, da kriegt er für weniger Geld mehr.

„Dieter“ hat also Geld für echte Menschen ausgegeben. Es hat ihm nicht gefallen, unserem von Frau Kiyek konstruierten Strohmann-Dieter, darum schaut er jetzt Streaming-Serien.

Tja sorry, so ist es eben in einer freiheitlichen Demokratie, man darf seine Freizeit selbst gestalten. Man darf Streaming besser finden als Theater, und wenn man die Anreise (vielleicht mit dem Flugzeug?) etc. einkalkuliert, dann ist Streaming wahrscheinlich auch noch umweltfreundlicher als Musicals.
Dass der Besuch eines Musicals eine ziemlich elitäre Sache sein könnte (schon ab 139€ pro Person!), die allein wegen der begrenzten Sitzplätze nur wenigen zur Verfügung steht, darauf kommt Frau Kiyek anscheinend gar nicht. Wer bei Deichmann kauft, der hat keine 139€ pro Person für ein Musical, schon gar nicht, wenn man sich dafür über 17 Monate Netflix oder Amazon Prime leisten kann.
Tut mir wirklich leid, Frau Kiyek, aber ich finde „Dieter“ immer noch ziemlich vernünftig, auch wenn sie versuchen, ihn maximal unsympathisch zu konstruieren:

Der Dieter, das darf man nicht falsch verstehen, ist kein schlechter Mensch, der hat das Herz auf dem rechten Fleck, aber er kann jetzt auch nicht die ganze Welt retten, und bis er sich einen Maiskolben in Alufolie mit Niedrigtemperaturmethode gart, muss schon einiges passieren.

Was für ein Vorwurf – der Mensch, der nur sein kleines Glück sucht, hat keine Ambitionen, die Welt zu retten! Das ist eklig, und irgendwie hat das auch was mit Maiskolben und einer Niedrigtemperaturmethode zu tun. Okay, im Endeffekt sind es diese kleinen, eigentlich überflüssigen Details, die eine Erzählung plastisch werden lassen, das wusste auch schon Herr Relotius, und immerhin, Frau Kiyek behauptet ja gar nicht, dass ihre Erzählung über den dummen deutschen Dieter real sei, sie versucht nur, den Eindruck zu erwecken, mit dem „guten Zweck“, den Kapitalismus zu bekämpfen.

Wobei mich ein böser Verdacht beschleicht: Was, wenn der Zeit-Verlag Frau Kiyek nur beschäftigt, um die linksprogressive Leserschaft bei Laune zu halten, die — eigentlich — ebenfalls so stinknormale Dieter-Leben lebt, aber halt mit maximalem Selbst-Ekel und innerer Verweigerung(!)? Was, wenn Frau Kiyek Teil einer Illusionsmaschine ist, die sich im Kapitalismus gut eingerichtet hat und ihr Geld damit verdient, Pseudo-Widerstand gegen den Kapitalismus zu leisten? Die Gewinne macht mit Menschen, die „gegen Gewinne“ sind, aber zu träge, irgendetwas zu tun, was darüber hinausgehen würde, die „Zeit“ zu kaufen und wohlige Schauer der Gerechtigkeit zu empfinden, wenn sie Frau Kiyeks Artikel liest?

Aber der Artikel geht ja noch weiter. Nachdem wir also festgestellt haben, dass „der Dieter“ ein armseliges Würstchen ist, das wir verachten müssen, auch wenn er mitfinanziert hat Griechenland und den Euro zu retten, auch wenn er mitfinanziert Flüchtlinge aufzunehmen und Entwickungshilfe auf der ganzen Welt zu leisten, auch wenn er die EU-Programme zur Klassifizierung chemischer Substanzen mitbezahlt, und außerdem Gender-Lehrstühle und Programme für Umweltschutz und nachhaltige Fischerei und Giftnotrufhotlines und Krötenzäune und alle anderen Dinge, an die wir uns in unserem durch und durch bösen und innerlich verrotteten System gewöhnt haben…

Sprich: Auch wenn er soviel von seinem Lohn abgegeben hat, dass ihm später Altersarmut per gesetzlicher Rente droht und er sich nur Schuhe bei Deichmann leisten kann, muss Frau Kiyek diesem ausgedachten Durchschnittsmann virtuell kräftig in die Eier treten, weil er sich in diesem System eingerichtet hat und versucht, das Beste daraus zu machen.

Was erlaubt sich der dumme deutsche Durchschnittsmann eigentlich, im Hier und Jetzt zu leben, gemäß dem Motto, dass „das gute Leben niemals kommt, wenn man es nicht im Hier und Jetzt sucht“?1

Wo doch Frau Kiyek an der Weltrevolution arbeitet, um, ich zitiere, (die) katastrophale(n) Scheiße namens Kapitalismus ohne soziales Antlitz, (die) nicht zufriedenere Bürger hervorgebracht hat, sondern zunehmend Frustrierte und Radikalisierte abzuschaffen?

Wobei interessant ist, warum genau unser System mit Krankenversicherung, Rentenversicherung, Grundsicherung, Wohngeld, Kindergeld, Elterngeld, Recht auf Bildung etc. „kein soziales Antlitz“ haben soll? Hat Frau Kiyek die Statistiken zur Lebenszufriedenheit in Deutschland vielleicht beim Schreiben ihrer Kolumne absichtlich nicht recherchiert, weil diese widerlegen würden, dass die Menschen frustriert seien, wie sie behauptet?

Interessant wäre ja auch, welches System die gute Frau Kiyek denn installieren will, nachdem sie das aktuelle System des bisher womögich besten Deutschlands aller Zeite beseitigt hat.
Bisher hat kein nicht-marktwirtschaftliches System das Level an Wohlstand, Umweltschutz, Lebenserwartung und Sicherheit hervorgebracht wie die soziale Marktwirschaft. Jetzt, in der „Corona-Krise“, wo sich insgeheim die Überlegenheit des marktwirschaftlichen Systems zeigt, das innerhalb von Monaten, nicht erst beim nächsten Fünf-Jahres-Plan, auf die aktuelle Entwicklung reagieren kann, frohlocken die Linken und hoffen, dass jetzt endlich genug „Dieters“ unzufrieden sein werden um die soziale Marktwirtschaft zu stürzen.

Merkwürdig natürlich, wie man genug Leute auf seine Seite ziehen will, indem man ihren ganzen Lebensstil als Ausdruck naiver Dummheit und Denkfaulheit und Raffgier und Armseligkeit darstellt.
Was mich wieder zur These zurückbringt, dass Frau Kiyek eigentlich nur Unterhaltung für Linksintellektuelle produziert, die gerne auf die dumme Masse herabschauen, ohne wirklich ein Interesse zu haben, eine Revolution zu starten, nach der am Ende die Yoga-Klamotten bei Waschbär-Versand teurer werden könnten.

Der Artikel geht dann immer noch weiter, Frau Kiyek schwadroniert von einer „Fluchtfreiheit“, die es meiner Kenntnis nach nicht gibt, und von einer Überproduktion von Waren, die es in der Marktwirtschaft auch immer nur temporär gibt, weil — das muss jetzt sein! — der Markt, also Angebot und Nachfrage, die Produktion regeln.

Dann wird noch auf den Automobilkonzernen herumgehackt, die ja nur die wichtigsten Arbeitgeber in Deutschland sind und die Arbeiter beschäftigen, die früher mal die Zielgruppe für linke Politik waren und befreit werden sollten. Die aber für die Kiyeks von heute nur noch Witzfiguren sind, Lumpenproletariat, das für die Revolution nicht zu gebrauchen ist, weil es Schweinefleisch aus Stallhaltung grillt und Streaming-Serien und Sex mag.

Frau Kiyek dreht gegen Ende des Artikels in jeder Hinsicht ab:

Ernst gemeinte Frage: Was muss eigentlich passieren, damit eine Gesellschaft einmal nur seine Arbeits- und Lebensbedingungen, seine Wirtschaftsform, seine politischen Maßstäbe reflektiert? Zwei Weltkriege, Teilung und Wiedervereinigung, Terror und Seuchen sind es jedenfalls nicht. Was muss noch kaputt gehen, explodieren, sterben, damit mit schlechten Angewohnheiten endlich Schluss ist?

Was muss eigentlich im Kopfe einer Autorin passieren, damit man über 100 Jahre Geschichte mit Kaiserreich, Weimarer Demokratie, NS-Diktatur, SED-Diktatur, liberale Demokratie und Marktwirtschaft irgendwie in einen Topf wirft und so tut, als würden „die Deutschen“ nicht genug über ihre Gesellschaft nachdenken?
Wie verblendet muss man sein, um zu ignorieren, dass die Arbeits- und Lebensbedingungen in Deutschland und die politischen Maßstäbe sich immer weiter verbessert haben? Hat Frau Kiyek die 68er vergessen? Die sozialpolitischen Reformen der 1970er, die Strafrechtsreform, die Reform des Familienrechts, des Abreibungsrechts, den Asylkompromiss, Schwulenrechte, die vielen großen und kleinen Kämpfe der letzten Jahrzehnte, wo die Gesellschaft hart mit sich gerungen hat um besser zu werden?

Wie sehr muss man sich wünschen, irgendwelche Argumente gegen die liberale Demokratie und die soziale Marktwirtschaft zu finden, damit man sich in solche absurden, geschichtsvergessenen Tiraden hineinsteigert?

Na egal, wenn man schon so weit gekommen, dann kann man am Ende dem dummen deutschen Dieter auch noch Nationalismus vorwerfen und vorschlagen, die Automobilarbeiter sollten doch Spargel stechen, nachdem man ihre Arbeitsplätze hat vor die Hunde gehen lassen:

Dann geht die Automobilbranche eben komplett kaputt. Sollen die Beschäftigten eben statt zu schrauben Spargel stechen oder Erdbeeren oder was auch immer ernten. Gibt ja immer was zu pflücken in diesem Land. Wenn schon Nationalismus, das will der Dieter bisweilen ja gern, dann richtig Nationalismus und nicht Tagelöhner aus dem Ausland holen. Muss der Dieter eben Selbststecher werden.

Auf die Weise stellt Frau Kiyek sicher, dass diese Leute sicher nicht bei der Revolution mitmachen wollen, die Frau Kiyek auch selbst ganz sicher nicht will. Denn dann würde sie ihren Job als Schreiberin antikapitalistischer Kolumnen verlieren, und könnte abends nicht mehr Netflix schauen und ein schönes Leben als Autorin und Intellektuelle führen.

Außerdem garantiert die gezielte Provokation größerer Teile der Bevölkerung heftige Kritik in den sozialen Medien, die Frau Kiyek dann helfen, sich als von Hassrede betroffene Frau mit Migrationshintergrund zu inszenieren, die wegen ihrer fortschrittlichen Meinung — nicht etwas wegen ihres Hohns und Spotts und ihrer Verachtung für Durchschnittsmenschen — von „Rechten“ verfolgt würde. Die — übrigens als eine der wenigen Mediengesellschaften profitable und wachsende — Zeit-Gruppe freut sich. Der Rubel rollt. Dank Schmähkritik an einfachen Menschen, zur Belustigung der Zeit-lesenden Elite, die eigentlich nichts weniger will als eine Revolution.

  1. Die Motivation, das Leben so zu genießen, wie es eben geht, sollte doch Frau Kiyek nachvollziehen können. Sie hat da ja so ein Buch geschrieben. []