Die evangelische Kirche und die Nächstenliebe

Auf Twitter schreibt Ulf Porschardt angesichts der vielen Forderungen nach Evakuierung der (potenziellen) Flüchtlinge und Asylbewer aus dem abgebrannten Lager von Moria:

Ich finde, er spricht damit etwas Wichtiges an, was für mich als Mitglieder der evangelischen Kirche zunehmend unverständlich ist, nämlich diese sendungsbewusste Haltung, die evangelische Kirche müsse — auch wenn wir alle wissen, dass sie dazu gar nicht die Ressourcen hat — zumindest symbolisch versuchen, möglichst viele Menschen aus ärmeren Ländern zu retten und in die EU zu holen. Dabei sind gerade die Menschen, die es schaffen, bis an die Grenze der EU zu kommen, meist gar nicht die Ärmsten und Schwächsten. Die bleiben vielmehr in ihren Ländern, und leiden und sterben, ohne dass die Öffentlichkeit oder die EKD dafür sonderlich interessieren würden, abgesehen davon natürlich, dass die „standardmäßigen“ Hilfsprogramme der Diakonie etc. natürlich weiterlaufen.

Eine Sonderbehandlung, ein Extra an Fürsorge bekommt man aber anscheinend nur, wenn man medienwirksam an den Toren der EU rüttelt. Und das finde ich falsch.

Es ergibt keinen Sinn, den hohen Wert der Nächstenliebe als christlicher Wert (nur bzw. gerade) genau dann zu entdecken, wenn das Licht der Öffentlichkeit auf einem Problem ruht. Warum investiert die EKD nicht in Impfungen in Afrika oder Südostasien, um dort das Leid zu lindern? Warum bevorzugt sie, mit höherem finanziellen Aufwand Glücksritter aus Seenot zu retten, die mit ihrer Aktion noch dazu die EU in Probleme bringen? Obwohl sie, zum Beispiel als syrische Flüchtlinge, auch in der Türkei und Israel um Anerkennung als Flüchtling nachsuchen könnten?

Jesus, der heilige Martin, der gute Samariter — sie handeln alle in ihrem unmittelbaren Umfeld und praktizieren tatsächlich „Nächsten-Liebe“. Christentum, glaube ich, muss, wenn es weiter existieren will, wieder vermehrt eine Graswurzelbewegung sein, mit einem Anspruch auch und vor allem lokal zu wirken. Frei nach dem Motto der Antifa würde ich sagen, Christentum ist Handarbeit, und Nächstenliebe, die sich abstrakt in die Ferne richtet und nicht spontan praktiziert wird, sondern PR-wirksam dort stattfinden soll, wo das Schlaglicht der Medienöffentlichkeit gerade ruht, ist gar keine Nächstenliebe, sondern moralische Machtprojektion mit dem Ziel der Selbsterhöhung.

Zahlende, möglicherweise weniger frömmelnde, pragmatisch und auch ein stückweit egoistisch denkende (sprich: fehlbare, sündhafte, etc.) Mitglieder wie ich sind dem Vorstand der EKD wahrscheinlich weniger wichtig als ihr Image und ihr Selbstbild. Ich behaupte: Die EKD-Führung will sich vor allem selbst ein Denkmal bauen; um die Menschen, die sie da retten will am Rande der EU, geht es gar nicht, sonst müsste man durch zweckutilitaristische Überlegungen dazu kommen, dass Hilfe an anderer Stelle viel effizienter möglich wäre.

Warum mischt sich die EKD überhaupt in weltliche Belange der Migrationspolitik ein, und warum hat mich in meinen über 40 Jahren Kirchenmitgliedschaft nie der zuständige Pfarrer quasi initiativ besucht und gefragt, wie es mir geht oder was ich denke was die Gemeinde tun könnte oder sollte?

Die Statistik spricht für sich: Immer mehr Kirchenmitglieder können mit der EKD nichts anfangen, sehen keinen Gegenwert für ihre Kirchensteuer, wenden sich ab. Und ich denke es hat damit zu tun, dass „die da oben“ in der Kirche eher PR-Nächstenliebe auf Distanz zu praktizieren als zu versuchen, tatsächliche Nächsten-Liebe vor Ort zu organisieren.

Die Rettungslotterie oder: Moria und Ethik

Aktuell wird immer wieder gefordert, alle Menschen aus dem abgebrannten Lager in Moria in Griechenland zu holen und in der EU zu verteilen.
Das wäre natürlich auch sehr schön, aber ist es auch ethisch geboten?

Sehr vielen Menschen auf der Welt geht es schlecht, noch immer hungern fast eine Milliarde Menschen, täglich sterben zehntausende an Hunger und Krankheiten. Wir Europäer wissen das, wir könnten jeden Ort der Welt in wenigen Stunden erreichen, wir hätten die Mittel, jeden einzelnen zu retten, wenn wir wollten. Aber wir tun es nicht. Denn wir wissen insgeheim, dass wir nicht jede/n retten können. Wir töten sozusagen durch Unterlassen, immer schon, seit Jahren, jeden Tag zigtausendfach. Das ist schlimm — dennoch tun wir es und denken nicht weiter darüber nach.

Wenn wir moralisch verplichtet sind, jedem zu helfen, dem der Tod droht, wegen Menschwürde, Ethik, Humanismus, aber angesichts unsere am Ende doch begrenzten Kapazitäten nicht wirklich können, wäre es dann nicht gerechter bzw. ethisch geboten, unter den ca. 1 Milliarde Menschen, denen es schlecht geht, eine Lotterie zu veranstalten, bei der jeden Tag 100 oder 1000 Gewinner gezogen werden, und dann diese Leute zu retten? Auf der ganzen Welt, nach dem Zufallsprinzip?
Anstatt gerade die zu retten, die gerade nicht die Schwächsten sind, sondern Menschen, die immerhin die Ressourcen und die Kraft hatten, sich (illegal) bis in die EU durchzuschlagen. Diese Menschen denen vorzuziehen, die unsichtbar weit weg tatsächlich entkräftet und hoffnungslos sein, soll moralisch geboten und Ausdruck unserer europäischen Werte sein?

(Ich denke nicht.)

Solingen, weibliche Verantwortlichkeit, Mental Load bzw. „toxische Mütterlichkeit“

Frauen erhalten für gleiche Verbrechen geringere Gefängnisstrafen, weil bei Frauen verstärkt Gründe gesucht werden, warum genau die Frau die Tat begangen haben könnte. Es wird als davon ausgegangen, dass Frauen für ihre Taten nur teilweise oder irgendwie „weniger“ verantwortlich sind. Bei Männern hingegen wird eher vorausgesetzt bzw. angenommen, dass Männer für ihre Taten selbst voll verantwortlich sind.

Feministinnen behaupten zwar, auch diese Ungleichbehandlung sei „Patriarchat“ und geben sicher auch vor, diese Ungleichbehandlung bekämpfen zu wollen, praktisch aber wird natürlich von Feministinnen überhaupt nichts getan, um hier für eine Gleichbehandlung von Frauen und Männern zu sorgen. Weder gibt es Maßnahmen, Strafmaße für Männer zu verringern, noch Bemühungen, Gerichtsverhandlungen ohne Berücksichtigung des Geschlechts der Angeklagten zu führen.

Dass Frauen als weniger verantwortlich gelten, zeigt sich wieder bei dem mehrfachen Kindermord in Solingen. Bezüglich des Motivs der Mutter heißt es: Die Ermittler vermuten, dass die alleinerziehende Mutter von sechs Kindern nach der Trennung von ihrem Mann die Tat in einem Zustand emotionaler Überforderung begangen hat.

Sprich: Die Mutter ist irgendwie nicht schuld daran, dass sie fünf Kinder auf komplizierte Weise getötet hat. Sie war ja überfordert! Ehe lief nicht so gut etc., da kann man ja schon mal auf die Idee kommen, die Kinder zu ermorden (Sarkasmus).

Tatsächlich scheint es so, als wäre die Mutter unfähig gewesen, sich Hilfe zu holen, unfähig gewesen, Verantwortung und Kontrolle abzugeben. Ich würde hier von einer Art „toxischer Mütterlichkeit“ sprechen, also der am Ende tödlichen Unfähigkeit, zu akzeptieren, dass sie ihre Rolle als Mutter nicht in der Art und Weise ausfüllen könnte, die ihren eigenen Ansprüchen gerecht geworden wäre.

Feminstinnen sprechen ja gerne von „mental load“ in Bezug auf die mentale Belastung, die es bedeutet, die häuslichen Dinge am Laufen zu halten, wenn es darum geht, Männer dafür verantwortlich zu machen, wenn Frauen sich selbst überfordern.

Aber „mental load“ stellt niemanden von der Verantwortung frei, die eigenen Grenzen zu erkennen und nötigenfalls Aufgaben, Verantwortung und Kontrolle abzugeben oder die Verteilung neu zu verhandlen — jedenfalls, bevor man anfängt, Menschen umzubringen.

Helikoptermütter sind selbst dafür verantwortlich, dass sie sich eine extreme „Mental Load“ aufbürden. Mütter, die ihre Kinder im SUV direkt vor die Schule fahren, sind selbst verantwortlich, dass sie ihren Kindern den Schulweg nicht zutrauen und gleichzeitg durch den erhöhten Verkehr die Kinder aller anderen Eltern gefährden.
Und Mütter, die sechs Kinder in die Welt setzen und dann mit der „mental load“ nicht klarkommen, sind nicht nur selbst verantwortlich dafür, sechs Kinder in die Welt gesetzt zu haben, sie sind auch für die resultierende „mental load“ verantwortlich und für die Art und Weise, wie sie damit umgegangen sind. Es gibt keine Entschuldigung dafür, ganz langsam, Kind für Kind, in die Überforderung gerutscht zu sein, seine Ehe ruiniert und dann die Kontrolle verloren zu haben.

Gleichberechtigung muss auch bedeuten, dass die gleichen Maßstäbe angelegt werden, wenn Frauen oder Männer Verbrechen begehen. Wir müssen aufhören, nach irgendwelchen Entschuldigungen oder hypothetischen besonderen Umständen und externen Ursachen zu suchen, wenn Frauen Verbrechen begehen. Frauen müssen genau wie Männer mit der vollen Härte des Gesetzes bestraft werden, sonst wird es keine wirkliche Gleichberechtigung geben. Denn solange man Frauen nicht zumutet, genau so in der Verantwortung zu stehen wie Männer, wir man Ihnen auch nicht zutrauen, im gleichen Maß Verantwortung zu übernehmen wie Männer.

Warum gibt es weniger Frauen als Männer in der Politik?

Es scheint so zu sein, dass nicht nur weniger Frauen mit Politik anfangen, sondern Frauen auch eher mit der Politik wieder aufhören, während Männer — je nach Interpretation — entweder „durchziehen“ oder „an ihren Sesseln kleben“:

Kristina Schröder zieht sich aus der Bundespolitik zurück

Sahra Wagenknecht ist die Aussteigerin des Jahres

Hamburger FDP-Chefin Suding zieht sich aus der Politik zurück

Wenn dem so ist, wird es unmöglich sein, in der Politik Parität zu erreichen, auch wenn man Frauen irgendwie dazu bringen könnte, paritätisch politische Arbeit zu leisten — vielleicht mit einer Art Zwangsverpflichtung zu politischem Engagement, so wie Schöffen- oder Wehrdienst? — denn wenn Frauen sich schneller wieder aus der Politik verabschieden, auch bzw. vor allem wenn sie erfolgreich sind, dann werden Männer immer „überrepräsentiert“ sein1.

Da es so scheint, dass eine dauerhafte Teilnahme am Politikbetrieb gewisse „toxisch-männliche“ Nehmerqualitäten voraussetzt, während Frauen Politik eher als zeitlich begrenztes Projekt zu sehen scheinen, das nicht der einzige Lebensinhalt sein sollte, wird sich das auch mittel- und langfristig nicht ändern lassen, es sei denn, dem Feminismus gelingt es doch noch, die Geschlechtsunterschiede zu nivellieren, was ich aber für extrem unwahrscheinlich halte.

Entsprechend bliebe als letzte Möglichkeit eine Begrenzung der Amts- oder Wahlperioden für Männer, aber verfassungsrechtlich problematisch werden könnte.

Wie dem auch sei, die Paritäts-Forderungen radikaler Feministinnen werden uns sicher auch in Zukunft weiter gut unterhalten, wenn sie weiter — ironischerweise — an der Unwilligkeit von Frauen scheitern, sich dauerhaft in der Tretmühle Politik zu engagieren.

Da werden die Paritäts-Feministinnen vielleicht mal die Komfort-Zone ihrer öffentlich finanzierten politiknahen „NGO“s verlassen und sich selbst politisch engagieren müssen?

  1. Wobei ich mir die Idee, es müsse eine Gleichverteilung nach biologischem Geschlecht in der Politik geben, nicht zu eigen mache []

Frau Stokowski und die #Cancelculture

Wenn man das Werk eines Künstlers (oder die Aussagen eines Politikers) nicht mag und das äußert, dann ist das Kritik.
Wenn man dabei herabsetzend oder beleidigend vorgeht, nennt man das heute „Hetze“, früher Schmähkritik oder vielleicht Beleidigung.

Und wenn man behauptet oder impliziert, das Werk sei deshalb schlecht, weil der Künstler selbst schlecht sei, das schlechte oder falsche Werk sei also ein Abbild des „verdorbenen Charakters“ des Künstlers, die Kunst sei also aufgrund des „entarteten Charakters“ des Erschaffers so falsch, böse, schlecht etc. wie es eben sei, und wenn man deswegen dann versucht, den Künstler durch öffentlichen Druck, Hetze oder Gewalt an weiteren Werken zu hindern, bzw. die Grundlage seines Schaffens (Job, finanzielle Mittel, persönliches Image) zu zerstören, so dass er in Folge dessen keine weiteren „schlechten“ Werke erstellen kann oder nicht weiter wagt, dies zu tun und/oder die Werke zu veröffentlichen, dann spricht man (neuerdings) von „CancelCulture“.

Weil es nämlich dann nicht mehr um Kritik (am Werk) geht, sondern um den Aufbau von Druck im Sinne von psychischer und physischer Gewalt sowie um konkrete, schädigende Attacken im persönlichen Lebensbereich und im Beruf gegen den Künstler selbst.

Nur wenige Menschen können diesem Druck widerstehen.
Als in Deutschland vor längerer Zeit ein Kabarettist auftrat, saßen im Publikum zwei Männer und notierten alles, was er Kritisches sagte.
Der Kabarettist ging daraufhin ins Publikum und fragte die möglichen Angestellten einer staatlichen Polizeibehörde „Kommen Sie mit – oder soll ich mitkommen?“. Und kam damals damit durch. Heute würde er vielleicht von „Aktivisten“ verprügelt, so wie Werner Finck auch sehr gut hätte von der Gestapo verhaftet oder der SA gefoltert werden können.

Im Prinzip macht es keinen Unterschied, ob man Werner Finck nicht mag oder Lisa Eckhart (die noch dazu explizit eine Kunstfigur ist) oder Til Lindemann, und ob der Druck gegen einen Künstler von offiziellen Stellen oder von einem Internet-Mob ausgeht. Jeder Künstler sollte seine Kunst veröffentlichen dürfen, ohne deswegen Drohungen oder Gewalt ausgesetzt zu sein. Was nicht verboten ist, muss erlaubt sein, und (Meinungs-)“Freiheit ist das Recht zu sagen, was andere nicht hören wollen“ (Orwell). Wo sich mehrere Leute organisieren, um gemeinsam durch Vorwürfe und Drohungen einen Künstler zum Schweigen zu bringen, wo ein Boykott-Aufruf nicht nur die Forderung beihaltet, niemand solle sich das aktuelle Programm des Künstlers ansehen, bzw. niemand solle dessen Werke kaufen, sondern auch der Künstler und sogar die Veranstalter und alle Fans per „Guilt by association“ zum Ziel von Beschuldigungen und Drohungen werden, da hört Kritik auf, und dort beginnt „CancelCulture“. Denn dort wird nicht das Werk kritisiert, sondern dessen Verbreitung soll durch Druck auf den Künsterl und auch auf Veranstalter, Verlage, Fans etc. aktiv verhindert werden.

Entsprechend enttäuschend und schal ist die aktuelle Kolumne „Cancel Culture für Anfänger“ von Frau Stokowski im Spiegel, die ich aufgrund ihrer Armseligkeit hier nicht verlinken möchte, die die CancelCulture verharmlost und sogar für gar nicht existent erklärt.

Erster Absatz: CancelCulture bedeutet erstmal nur Kritik (falsch).
Zweiter Absatz: Wortspiele, langweilige Erläuterungen trivialer Fremdwörter, Verharmlosung der #CancelCulture mit schlechter Strohmannargumentation.
Dritter Absatz: Fingerübungen im freien Assoziieren unter Alkoholeinfluss (?)
Vierter Absatz: Herablassende Äußerungen über Kollegen, außerdem irgendwas mit Hitler und Lindemann und natürlich Relativierungen, dass so ein kleiner Boykott und ein wenig Ächtung ja nicht so schlimm sind.
Fünfter Absatz („‚Cancel Culture‘ heißt also, manche Leute mögen manche Leute oder deren Arbeit nicht?“): Verharmlosung von Mobbing und Doxing und Suggestion, es träfe ja doch meistens die Richtigen[tm]. Außerdem kriegen viele Leute ja wieder ein Job, wenn sie ihren durch öffentliche Ächtung und Mobbing verloren haben. Alles nicht so schlimm!
Sechster Absatz: Framing, „CancelCulture“ sei eine ‚rechte Erfindung‘.
Siebter Absatz: Drohungen durch die Antifa (Heute: Besorgte Warnungen aus der Nachbarschaft), die es ja nicht gibt, gibt es nicht, darum wurde Lisa Eckhardt vollkommen ohne Grund ausgeladen. Und eine CancelCulture gibt es natürlich nicht.

Interessanterweise ist CancelCulture (nehmen wir mal an, es gäbe sie) eine zutiefst menschliche, wenn auch schäbige Sache.

Natürlich würde auch ich gerne sehen, dass Frau Stokowski beim Spiegel gefeuert würde, damit sie die Reichweite des Spiegels nicht weiter für die Verbreitung ihrer schlechten Artikel nutzen könnte. Und sicher habe ich auch schon weniger freundliche Dinge über Frau Stokowski geschrieben.

Aber im Gegensatz zu woken Aktivisten würde ich mir keine absurden Vorwürfe ausdenken und direkt dem Spiegel schreiben, man möge Frau Stokowski doch feuern, weil sie ein schlechter Mensch sei.
Ich würde mich nicht mit einem Internet-Mob verabreden, eine Buchpräsentation von ihr zu stören oder ihr Privathaus mit Farbbeuteln zu bewerfen, ihre/n Partner/in zu bedrohen oder ihre Kinder anzuspucken, wie das so oder so ähnlich mit dem FDP-Politiker Thomas Kemmerich passiert ist.
Und das ist der Unterschied zwischen Kritik und CancelCulture: Kritik richtet sich primär gegen das Werk bzw. eine politische Position, und nur mittelbar auch gegen dessen Schöpfer (indem sie ihn als Schöpfer schlechter Werke darstellt). #CancelCulture richtet sich gegen den Menschen als solcher. Kritik ist Gegnerschaft, CancelCulture ist Feindschaft.

Hat Frau Stokowski das wirklich nicht verstanden?

Farm der Tiere und das Paritätsgesetz in Thüringen

Das Paritätsgesetz in Thüringen wurde für verfassungswidrig erklärt.

Irritierend ist, dass „zufällig“ beide weiblichen RichterInnen (Renate Licht, Elke Heßelmann) keine Verfassungswidrigkeit der sexistischen Regeln für die Listenaufstellung der Parteien erkennen konnten bzw. wohl eher wollten.
Hier entsteht der Eindruck, dass sie beide nicht in der Lage sind, objektiv und gemäß der Verfassung zu urteilen, wenn sie persönlich betroffen sind, bzw. dass die DGB-Funktionärin Licht ggf. sogar eigene politische Wünsche über verfassungsrechtliche Realitäten stellt. Es drängt sich der Eindruck auf, dass es sich hier um Quotenfrauen handeln könnte.

Aber wie dem auch sei, die „tageszeitung“ und Teile des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sind der Auffassung, dass man auch anders hätte urteilen können, hätte man die Verfassung anders „interpretiert:“

Natürlich ist es Aufgabe von Verfassungsrichtern, die Verfassung richtig auszulegen. Aber wenn dort eben steht „Frauen und Männer sind gleichberechtigt“, dann kann man daraus eben nicht ableiten, dass Frauen bei innerparteilichen Wahlen Vorrechte haben dürfen.

Man sieht hier leider, dass für ÖRR und linke Parteien der Zweck die Mittel heiligt – und wenn nötig, dann sollen eindeutige Verfassungstexte einfach „anders interpretiert“ werden. Parallelen zu Orwells „Farm der Tiere“, wo die Verfassung nachträglich von den Schweinen „anders interpretiert“ wird, sind leider nicht zufällig. Wenn es nach linken Journalisten geht, sollen Frauen einfach noch etwas gleicher als gleich sein:

Am 11. Juli ist Gender Empathy Gap Day

Wie jedes Jahr auch 2020 am 11.7. wieder der Gender Empathy Gap Day, der daran erinnen soll, dass Jungen und Männern im allgemeinen weniger Mitgefühl und Empathie entgegengebracht wird als Frauen.

Aber was bedeutet „Gender Empathy Gap“ (Geschlechter-Unterschied beim Mitgefühl) überhaupt?

Ein Beispiel:
Als 2014 die islamistische Terrorgruppe Boko Haram dutzende Jungen tötete, interessierte das niemanden. Aber als Boko Haram dann 200 Mädchen entführte, war es eine Nachricht, Michele OLbama hat sich für die Freilassung eingesetzt, und es gab sogar eine „globale Allianz“ gegen Boko Haram.

Und das Interesser der Menschen und der Öffentlichkeit war entsprechend. Entführe Mädchen sind interessant und Grund für eine globale Allianz, tote Jungen interessieren niemanden:

Wenn man erst einmal auf den Gender Empathy Gap aufmerksam geworden ist, dann kann man ihn fast überall sehen.

Wenn zum Beispiel IKEA impotente ältere Männer verspottet (womöglich ist der Verlust der Potenz nicht ganz so einfach?), kann der Werberat kein Problem erkennen:

Wenn Frauen in der Werbung geschlagen würden, dann gäbe es einen Aufschrei, aber wenn Männer geschlagen werden … ist das anscheinend gesellschaftlich akzeptiert:

Und haben Sie schon einmal von Christopher Frank gehört? Er verschwand im Alter von 2 Jahren in Leipzig. Wäre er ein blondes Mädchen gewesen und in Spanien verschwunden, hätten möglicherweise die Medien berichtet und nicht nur die Initiative „Vermisste Kinder“ hätte nach ihm gesucht. So aber haben Sie alle von Maddie gehört, aber niemand von Christopher.

Es ist tatsächlich so, dass es die Menschen, inklusive Männern, sich weniger für das Schicksal von Männern interessieren, als für das Schicksal von Frauen. Wäre es nicht allen egal, würde man hier wohl von „strukturelle Benachteiligung von Männern“ sprechen.
Und daran soll der „Gender Empathy Gap Day“ erinnern.

Warum dieser ausgerechnet am 11.7. ist, hat einen bitteren Grund:

Der 11.7. ist der Tag, an dem in Srebrenica im Balkan-Krieg tausende Jungen und Männer ermordet wurden.

Das konnte nur deswegen geschehen, weil die UN bereits zwei Jahre zuvor Frauen und Kinder aus der Stadt evakuiert hatten, den Männer und Jungen aber die Evakuierung verweigert wurde. Denn Frauen und Mädchen wurden aufgrund ihres Geschlechts als automatisch gefährdeter eingestuft, das mögliche Leiden der Jungen und Männer (und deren Gefährdung durch den vorrückenden Krieg) wurde hingegen (Gender Empathy Gap) als weniger relevant eingestuft.

Genaueres kann man auch beim https://alternativlos-aquarium.blogspot.com/ lesen.

Bundeswehr-Mindestquote für Frauen! Für weibliche Perspektive und Waffen-Parität! Frauen-Wehrpflicht jetzt!

Bei der Bundeswehr gibt es zu viele Rechte.
Das ist insofern nicht sehr verwunderlich, da heute alle Dinge, die die Bundeswehr ausmachen (Patriotismus, Waffen, die Möglichkeit, für das Vaterland zu sterben, Kampf etc.) rechts konnotiert sind. Einen linken Soldaten kann es somit gar nicht mehr geben.

Und weil Linke meist sowieso lieber darüber schreiben, wie rechts die Bundeswehr doch sei, als selbst durch persönlichen Einsatz die Bundeswehr linker zu machen, wird sich daran sicher auch nichts ändern.

Es sei denn, wir führen eine Wehrpflicht für Frauen ein!

Sollte es nicht eine Parität bei der Bewaffnung der Bevölkerung geben? Kann nicht das Patriarchat jederzeit zurückkehren, solange Männer den Großteil aller Waffen besitzen und kontrollieren? Iran 1979 kann sich jederzeit wiederholen, ohne genug Frauen in der Bundeswehr.

Un wenn, wie man so oft liest, überall immer alles besser wird mit mehr Frauen, warum sollte das dann nicht auch bei der Bundeswehr funktionieren!

Die weibliche Perspektive, die zusätzliche Diversität, die weibliche Intuition, diese vielen großartigen Dinge sollten doch auch im Kampfeinsatz eine wunderbar effizienzsteigernde Wirkung entfalten und die Bundeswehr besser machen können.
Man muss kein Mann sein, um ein Sturmgewehr zu bedienen, einen Panzer oder eine Drohne zu steuern. Im gemischten Team geht das Töten viel leichter von der Hand, und sicher werden auch viel bessere Entscheidungen getroffen, wer oder was zu vernichten ist.

Wir erinnern uns doch alle an die positiven Artikel über die kurdisch-jesidischen Kämpferinnen, oder, viel früher, die Kämpferinnen der UCK im Kosovo. Die Bewunderung unserer Journalisten für diese Patriotinnen. Eine Mindestquote von 50% Frauen in der Bundeswehr könnte also Patriotismus vielleicht wieder zu etwas Gutem machen, und die Bundeswehr wieder positiv framen. Der erste Islamist, der von einer Frau erschossen wird, die erste Sprengfalle, die eine Pionierin entschärft, der erste Bunker, den eine Kampfpilotin zerstört, ständig gäbe es positiv-feministische Nachrichten, die auch Mädchen zeigen, dass auch sie nicht von der pragmatischen-robusten Verteidigung unserer Freiheit ausgeschlossen sind.

Es ist also höchste Zeit, dass auch deutsche Feministinnen unter Waffen kommen.

Denn Frauen sind ja angeblich auch viel weniger rechts. Mit Frauen ließe sich also auch dieses Problem ratzfatz lösen.

Also — Parität bei den Waffen, weniger Rechte, mehr weibliche Perspektive beim Kämpfen — die Vorteile von mehr Frauen in der Armee liegen auf der Hand.
Darum muss die Wehrpflicht für Frauen und die Mindestquote von 50% Frauen in der Bundeswehr jetzt kommen! Da ja sogar die CDU jetzt eine Frauenquote hat, sollte dem doch nichts mehr im Weg stehen…

Wenn die Regierung Digitalisierung wollte, würde sie Kartenleser fördern

Seit fast 10 Jahren gibt es den elektronischen Personalausweis mit eID-Funktion.

Gute Kartenleser dafür mit allen sinnvollen Sicherheits-Funktionen kosten allerdings ca. 100 Euro, weswegen die Nutzung der eID sich seit Jahren nicht richtig durchsetzt.

In der Corona-Krise fällt uns das nun auf die Füße. Und trotz aller Lippenbekenntnisse tut die Politik nichts, um z.B. digitale Unterschriften, sichere EMail-Verschlüsselung etc. zu fördern.

Warum finanziert die Regierung nicht als Konjunkturmaßnahme jedem Haushalt einen vollausgestatteten Kartenleser?

„Farm der Tiere“ bei der taz oder: Wollen die älteren taz-RedakteurInnen ihr Lebenswerk den Intersektionalen überlassen?

Nachdem Hengameh Yaghoobifarah in der taz einen umstrittenen Artikel geschrieben hat, der nicht nur laut Analyse von Thomas Fischer Polizisten als Müll bezeichnet, den die taz gleichwohl als irgendwie „satirisch gemeint“ verteidigt, frage ich mich, wie das mit der taz weitergehen soll.
Anscheinend gibt es massive Risse in der Redaktion, die zwischen älteren, eher egalitär-liberalen Linken, und jüngeren, intersektional-dogmatischen Linken verlaufen.

Nun frage ich mich, ob die älteren Redakteure, die sozusagen ihr Leben lang für Gleichberechtigung, Antisexismus, Antirassismus etc geworben haben, tatsächlich wollen, dass ihre Zeitung von einer intersektionalen, und damit implizit anti-egalitären, anti-liberalen, und unter dem Vorwand von Antisexismus und Antirassismus sexistischen und rassistischen „jungen Garde“ übernommen wird? Möchte man als taz-Redakteur quasi sehenden Auges darauf warten, dass man von der jung-linken Kulturrevolution als alter weißer Kartoffel-Redakteur publizistisch an die Wand gestellt wird, wenn sich die Machtverhältnisse irgendwann vollends zugunsten der „jungen Wilden“ gedreht haben?

Wir wissen ja jetzt alle schon, wie das ablaufen wird: Die „Alten“ werden als aus der Zeit gefallene Krypto-Nazis, die jahrelang aus ihrer publizistischen Machtposition heraus Frauen und migrantische Minderheiten kleingehalten hätten, abgekanzelt und dann vom Hof gejagt werden.
Es wird so dargestellt werden, als hätten diese verdienten RedakteurInnen in Wirklichkeit jahrelang das Parteiblatt der NPD herausgebracht, und nicht Deutschland erfolgreichste klar linke Wochenzeitung.
Das entsprechende Narrativ wird sich schon stricken lassen. Wurden bei der taz nicht Praktikantinnen per Keylogger von alten weißen Lustgreisen ausgespäht? War die taz nicht in Wirklichkeit immer nur eine Bastion Weiß-deutscher akademischer Alt-Linker, die die Welt immer nur aus ihrer kleinkarierten Kartoffel-Sicht interpretiert haben? Die sich (nur) solange in Solidarität mit Minderheiten geübt haben, wie diese Minderheiten nicht wirklich zu einer Konkurrenz geworden waren? Die sich jetzt dem Fortschritt in eine neue Epoche anti-liberalen anti-egalitären linken Journalismus‘ verweigern?

Die liberal-egalitäre Linke in der taz hat der intersektionalen Linken in ihrem Blatt Raum geboten, aber ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass die Intersektionalen der liberal-egalitären Linken Raum bieten werden, wenn sie erst an der Macht sind.

Ich erwarte eher, dass sich die Geschichte wie bei Animal Farm entwickeln wird: Die Republik wird durch eine Diktatur ersetzt, die alte Garde wird aus dem Weg geräumt, und die neuen Machthaber rechtfertigen ihren Machtanspruch damit, dass sie irgendwie gleicher sind als gleich — das passt doch super zur Privilegientheorie der Intersektionalen.

Entsprechend sollten die älteren taz-Redakteure schleunigst entweder die Intersektionalisten kaltstellen, also entmachten und entlassen, oder aber ihr Zeug packen und eine „klassische taz“ forken, bevor sie es sind, die metaphorisch zum Abdecker transportiert werden.