Ich bin ein BIPoC!

Es ist einigermaßen tragisch, dass der europäische Antirassismus anscheinend am ideengeschichtlichen Tropf des US-amerikanischen Antirassismus hängt.
Wie ist es sonst zu erklären, dass man Begriffe wie „People of Color“ in ein Land importiert, wo „Farbige“ als abwertend gilt? Es ist doch absurd, den gleichen Begriff in einer anderen Sprache für weniger abwertend zu erklären, nur weil er in dieser Sprache eben angeblich nicht abwertend gemeint ist. Das gleiche gilt für „Race“. Böse in Deutsch, okay in Englisch… das ergibt keinen Sinn.

Noch unerklärlicher ist mir allerdings die Übernahme der Abkürzung „BIPoC“ für „Black, Indigenous, People of Color“, was eine Bezeichnung für Schwarze, indigene Völker, und … ehm… Nicht-Weiße sein soll, also für alle (vermeintlich) rassistisch diskriminierten Gruppen. Die Übernahme in den deutschen Sprachgebrauch finde ich daher so verunglückt, weil Weiße in Europa indigen sind. Ich bin also hier ein BIPoC. Und schon ist der Begriff zumindest in Europa total sinnentleert, weil er überhaupt nicht mehr abgrenzt.

Wenn man darüber nachdenkt, ist es somit ein wahrhaft antirassistischer Begriff, weil er wirklich alle Menschen mit einschließt. Quasi ein Kampfbegriff der Egalitären.

Tragischer- und paradoxerweise ist genau das wahrscheinlich das letzte, was die angeblichen Antirassisten — die den Begriff nutzen, um Menschen in Kategorien aufzuteilen, die rein zufällig den Kategorien entsprechen, die angeblich nur Rassisten benutzen — beabsichtigt hatten.

Und das ist das Kernproblem von Antirassisten: Im Bestreben, Diskriminierungen identifizieren zu können, müssen sie genau die Kategorien reproduzieren, die sie abzulehen vorgeben. Damit ist diese Ansatz, die Kategorien zu überwinden, von vorneherein zum Scheitern verurteilt.

Mehr Frauen in Führungspositionen! Mehr Mobbing!

Eine Gleichverteilung von Frauen und Männern in Führungspositionen ist ein Traum radikaler Feministinnen.

Leider wird das vielleicht für immer ein Traum bleiben: Denn Frauen werden am Arbeitsplatz am häufigsten von anderen Frauen gemobbt. Während Männer gleichberechtigt mobben, mobben Frauen fast immer (nur) andere Frauen. Je mehr Frauen also in einer Firma sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Frauen gegenseitig wegmobben. Auch weibliche Kunden mobben „am liebsten“ weibliche Mitarbeiter.

Quoten führen übrigens häufig dazu, dass Frauen sich in Führungspositionen unsicher fühlen, ob sie ihren Job wirklich verdient haben, was dann dazu führt, dass sie vermehrt mobben, vor allem Frauen, die sie ja ggf. von der Spitze verdrängen könnten.
Viele Frauen führen also zu einem schlechteren Arbeitsumfeld für Frauen, und zu mehr Mobbing zu Lasten von Frauen. Entsprechend sind Firmen mit mehr Männern bessere Arbeitsplätze für Frauen. Und die feministische Forderung nach einer 50:50-Verteilung von Frauen und Männern könnte vor allem zu mehr psychischen Problemen bei Frauen führen.

So gesehen ist es wahrscheinlich, dass auch Frauen früher oder später klar werden wird, dass die 50%-Forderung radikalfeministischer Dogmatismus ist, und nicht zu ihrem Wohl – es sei denn, Frauen schaffen es irgendwann, ihre Frauenfeindlichkeit und ihre toxische Weiblichkeit in den Griff zu bekommen und weniger zu mobben :-D

Es gibt keine unbezahlte Care-Arbeit!

Alle paar Wochen beglückt mich der Journalismus mit (noch) einem Artikel darüber, dass Frauen soviel „unbezahlte Care-Arbeit“ verrichten würden.
Darum seien sie durch Altersarmut gefährdet.

Zumindest für verheiratete Frauen dürfte das aber kaum zutreffen, gibt es doch a) das Konstrukt der Zugewinngemeinschaft, so dass bei einer Trennung die Hälfte der erzielten „Zugewinne“ während der Ehe an die Frau geht, und b) die Witwenrente, also das Konstrukt, dass ein Teil der Rente des gestorbenen Partners weiter gezahlt wird, an die Frau (oder den Mann, auch wenn es Witwenrente heißt).

Nun könnte man diskutieren, ob dieser Teil, der weiter gezahlt wird, zu klein ist oder „passt“, und ob die Anrechnung von Erziehungszeiten für die gesetzliche Rente großzügig genug ist, um den sogenannten „Gender Parenting Gap“ zu schließen, also den Unterschied im beruflichen Fortkommen, der entsteht, wenn ein Partner mehr, der andere weniger „Erziehungsarbeit“ leistet.

Doch egal wie man es dreht oder wendet — „unbezahlte Care-Arbeit“ gibt es in einer Ehe nicht. Man profitiert immer am Verdienst des Partners, egal ob man eine Frau oder ein Mann ist. Und wenn man in die Grundsicherung fällt, dann bezahlt einen ja immer noch der Staat für die Care-Arbeit.

„Rasse“ aus dem Grundgesetz streichen?

Das Wort „Rasse“ soll gemäß aktuellen Forderungen aus dem Grundgesetz getilgt werden.
Der Grund: Das Konzept der Rasse sei für Menschen sinnlos und evolutionsbiologisch nicht begründbar; sein Einsatz könne nur zu Rassismus führen. Durch die Verwendung des Wortes „Rasse“ erkenne der Gesetzgeber quasi die Existenz von „Rassen“ an.

Das mag alles richtig sein, aber mit einer Umformulierung des Grundgesetzes werden wir weder den Rassismus aus der Welt schaffen, noch das Konzept „Rasse“ auflösen, noch sonst irgendetwas Positives erreichen. Das hat mehrere Gründe:

  1. In den USA ist das Wort „race“ anscheinend nicht wirklich rassistisch konnotiert. Es ist fraglich, ob Deutschland dauerhaft eine eigene Sprachkultur aufrecht erhalten kann, wo man das englische Wort „race“ mit komplizierten Phrasen übersetzen muss. Ein Beispiel: Rassenunruhen werden in Zukunft wie genannt?! Aus Gründen evolutionsbiologisch irrelevanter sichtbarer visueller Unterschiede mit rassistischer Auswirkung stattfindende zwischenmenschliche Auseinandersetzungen?
    Wenn die Phrasen, die man brauchen würde, um um den Elephanten im Raum herumzulavieren, irgendwann zu einer Abkürzung eingedampft worden sein würden, weil die Verwendung der Phrasen sonst nicht praktikabel wäre, hätte man nichts anderes geschaffen als ein neues, „besseres“ Synonym für „Rasse“. Also viel Aufwand betrieben für nichts außer kurzzeitiger Symbolwirkung. Und Symbolwirkung bewirkt nichts außer eines guten Gefühls bei all denjenigen, die sowieso schon überzeugt waren. Also nichts.
  2. Das Konzept „Rasse“ ist auch für den Antirassismus unverzichtbar. Nur wenn verstanden werden kann, wie Rassisten denken, wie sie Menschen in Gruppen und „Rassen“ einteilen und dadurch Diskriminierung betreiben, kann man antirassistisch arbeiten. Auch die Geschichte (nicht nur des Kolonialismus) lässt sich nur verstehen, wenn man das Konzept erfasst und versteht. Schon deshalb ist das Konzept „Rasse“ selbst niemals mehr aus der Welt zu schaffen. Ganz abgesehen davon, dass „Rassen“ in der Tierzucht etabliert sind, und eine Übertragung des Konzepts auf Menschen keine allzu große Transferleistung ist. Eine Transferleistung, die jederzeit wieder vorgenommen werden kann, allen gedanklichen Brandmauern zum Trotz.
  3. Das Konzept von physiognomisch bzw. von äußeren Geburtsmerkmalen her unterschiedlich aussehenden Menschen findet auch in der Kognitions-Psychologie Verwendung. Der Cross-Race-Effect beschreibt zum Beispiel die Anpassung des Gehirns an die vorherrschenden äußeren Merkmale der Mehrheitsgesellschaft und die daraus resultierenden Schwierigkeiten, die Gesichter von Menschen mit vergleichsweise anderem Aussehen ebenso treffsicher auseinanderzuhalten wie die Gesichter von Menschen, die dem mehrheitlichen Aussehen ähnlich sind.
    Nach äußeren Merkmalen zu differenzieren ist nach Erkenntnissen der Kongnititionspsychnologie in unserem Gehirn angelegt. Wir können dagegen nichts tun. Schon gar nicht, indem wir ein „böses Wort“ aus der Sprache tilgen.
    Es dürfte, wie bereits angesprochen, sehr mühsam sein, in der immer stärker englischsprachigen wissenschaftlichen Literatur gegen das Wort „race“ anzukämpfen oder in deutschen Übersetzungen passende Ersetzungen zu finden. Ich nehme natürlich in den Kommentaren gerne Vorschläge an, wie man das griffige „Cross-Race-Effect“ ins Deutsche übersetzen könnte, ohne das böse Wort Rasse zu verwenden. Den Ausdruck nicht zu übersetzen wäre natürlich auch eine Möglichkeit, aber nicht mehr als ein Ausweichmanöver. Wenn wir schon da angekommen wären mit unseren hilflosen Versuchen, das Wort „Rasse“ zu vermeiden, könnten wir ja auch „Rasse“ im Grundgesetz durch das *vollkommen andere* Wort „Race“ ersetzen.

Die Streichung von „Rasse“ im Grundgesetz ist schon deshalb nicht notwendig bzw. falsch, weil das Wort im Grundgesetz in einem anti-rassistischen Kontext vorkommt bzw. die Bundesrepublik als anti-rassistischen Staat konstituiert. Darum wäre es geradezu absurd, diese klare Formulierung aus Zeitgeist-Erwägungen heraus durch einen tagespolitisch opportunen Euphemismus zu ersetzen.
Nur wer es unbedingt will, kann in der Formulierung eine implizite „Anerkennung“ der Anwendung des Konzepts von Rasse auf Menschen erkennen, obwohl der Artikel im Grundgesetz das Gegenteil aussagt. Aber ein juristischer Text muss nicht mit den aktuellesten Ansichten der Evolutionsbiologie hinsichtlich der Frage übereinstimmen, ob es Sinn ergibt, das Konzept „Rasse“ auf Menschen anzuwenden, sondern er muss in der real existierenden Welt die beabsichtigte Wirkung entfalten können, und das ist beim Artikel 3 des Grundgesetzes ohne Zweifel der Fall, denn es begreift tatsächlich jeder, was gemeint ist, sogar die, die sich aus Gründen der Symbolwirkung an der Formulierung stören.

Jeder Versuch, das Konzept von Rasse durch Nicht-Verwendung des es bezeichnenden Wortes zu bekämpfen, ist aus den oben genannten Gründen zum Scheitern verurteilt, und lässt diejenigen, die diesen Versuch unternehmen, als verkopfte Theoretiker erscheinen. Denn aus den oben genannten Gründen kann niemand wirklich davon ausgehen, dass symbolische Wortsubstitutionen irgendetwas bewirken außer, dass wir bald ein neues Synonym für „Rasse“ haben würden, ohne jegliche praktische Auswirkung auf die Existenz von Rassismus, „Rassismus begünstigenden“ neurobiologischen bzw. kognitionspsychologischen Tatsachen, und Rassisten. Die „Evolution“ der Bezeichnungen für „PoC“ (Don’t translate to „Farbige“!) jedenfalls lässt nicht unbedingt vermuten, dass irgendwas erreicht werden würde außer einer neuen Möglichkeit für eine wahrscheinlich oftmals auch nur scheinbar besonders antirassistischen Avantgarde, sich als besonders antirassistisch zu präsentieren und andere aufgrund der Verwendung des „falschen“ Wortes zu diskreditieren.

Steigt die häusliche Gewalt alleinerziehender Frauen gegen ihre Kinder?

Weitgehend ohne irgendwelche Belege erschienen in den letzten Wochen und Monaten zahlreiche Artikel, Feministinnen befürchteten einen Anstieg der häuslichen Gewalt — natürlich nur gegen Frauen!
Die 20 bis 50% männlicher Opfer hatte man natürlich vergessen. Dennoch starteten die anscheinend besonders fortschrittlichen Länder NRW und Bayern eine Hilfe-Hotline für männliche Opfer von Gewalt.

Ein Anstieg der häuslichen Gewalt wurde glücklicherweise auch nirgendwo wirklich beobachtet. Weder in NRW, noch in Sachsen oder sonstwo.
Dennoch wird weiterhin in zahlreichen Artikeln gemutmaßt, es müsse aber doch eigentlich einen Anstieg geben, ja, man hat das Gefühl, Feministinnen sind regelrecht enttäuscht, dass es keinen Anstieg gab. Man erwartet jetzt darum nach den ersten Lockerungen (endlich!) einen Ansturm auf die Frauenhäuser. Anscheinend ist für feministische Autorinnen die Vorstellung nachgerade unerträglich, dass Corona keinen Einfluss auf häusliche Gewalt hat. Oder diese vielleicht sogar zurückgehen könnte, weil z.B. Eifersucht keinen Sinn ergibt, wenn alle den ganzen Tag zuhause sind.

Aber da es ja anscheinend en vogue ist, über einen Anstieg der Gewalt zu spekulieren, möchte ich mich auch gerne einmal beteiligen:

Da Alleinerziehende häufig ziemlich allein sind mit ihren Kindern, frage ich mich, ob man überhaupt schon untersucht hat, ob diese in der Krise häufiger zu häuslicher Gewalt gegen ihre Kinder neigen. Der ganze Stress, die schwierige Situation, die angeblich ach-so-große „mental load“, weil ja die Krise vor allem Frauen trifft, die die ganze Care-Arbeit leisten (…); da wäre es doch verwunderlich, wenn hier nicht hin und wieder eine überforderte Alleinerziehende zulangen würde.

Von Maßnahmen zur Unterstützung der Kinder überforderter Alleinerziehender habe ich aber noch gar nichts gelesen. Oder Tasks-Forces der Jugendämter, die vor Ort nach dem Rechten sehen.
Liegt das vielleicht daran, dass negative Berichte über diese von feministischen AktivistInnen bevorzugte Familienform politisch nicht erwünscht sind?
Oder steigt auch hier die Gewalt einfach nicht an?


Update vom 3.6.2020: Bei einer Studie der TU München wurden nur Frauen nach Gewalterfahrungen während der Corona-Krise gefragt. Allerdings konnte man aus den Ergebnissen wegen mangelnder Vergleichbarkeit mit vorherigen Studien keinen Anstieg der Gewalt ableiten.
Die Theorie zu überprüfen, dass auch Frauen vermehrt gegenüber Kindern gewalttätig werden, wurde durch die alleinige Befragung von Frauen vermieden.
Ein Schelm, wer hinter diesem Studiendesign eine Absicht vermutet, „falsche“ Ergebnisse zu verhindern.


Es gibt ein interessantes Video zu dem Thema:

Twitter rechnet mit #CoronaElternRechnenAb ab

Auf Twitter und „Edition F“ haben drei „feministische Aktivistinnen“ eine Aktion gestartet, um symbolisch auf die Ungerechtigkeit aufmerksam zu machen, dass sie während des Corona-Lockdowns Einkommensverluste haben, weil sie sich um ihre Kinder kümmern müssen.

Mittel dieser Aktion sind Rechnungen, die sie dem Staat für Aufwände für sogenannte „Care-Arbeit“ stellen. „Care-Arbeit“ ist dabei ein Begriff für Tätigkeiten wie den eigenen Haushalt führen, den eigenen Garten pflegen, die eigenen Haustiere, Kinder und Familienangehörigen versorgen, hier habe ich schon darüber geschrieben.

CoronaElternRechnenAb

Die Aktion ging allerdings ziemlich nach hinten los, sie wurde von den meisten Kommentatoren in der Luft zerrissen.

Und das hat meiner Meinung nach folgende Gründe, die ich hier — auch für die Initiatorinnen — mal aufschreiben will, damit sie vielleicht verstehen, warum ihre Aktion nicht auf Gegenliebe gestoßen ist:

  1. Der Staat setzt seine Betreuungsleistungen nicht ohne Grund aus. Sondern wegen höherer Gewalt, hier einer Art Naturkatastrophe, was üblicherweise Vertragspartner von einer Haftung freistellt. Entsprechend absurd ist die Idee, hier Schadenersatz verlangen zu können.
  2. Es ist egoistisch und unverschämt, eine Entschädigung zu verlangen, obwohl der Staat gar nicht anders handeln kann, als seine Leistung einzustellen, ohne seine Beamten und Angestellen in höchste Gefahr zu bringen. Nicht zuletzt weil ErzieherInnen und LehrerInnen sehr häufig Frauen sind, ist es massiv unverständlich, wie man als Feministin Schadenersatz dafür fordern kann, dass der Staat Frauen nicht in lebensgefährliche Arbeitseinsätze zwingt. Würde der Staats das tun, wären die gleichen Feministinnen die ersten, die dagegen protestierten. Und in dem Fall dann völlig zu Recht.
  3. Die Höhe der Rechnungen erscheint grotesk übertrieben. Nicht nur, dass allein die Idee absurd erscheint, als Elternteil überhaupt Geld für die Betreuung der eigenen Kinder verlangen zu können — denn die Erziehung und Pflege von Kindern ist, wie auf Twitter ausgeführt wurde, sogar deren verfassungsmäßig Pflicht und Schuldigkeit1 — auch erschließt sich nicht, warum ungelernte Hilfskräfte einen Lohn verlangen können sollten, der weit über dem Marktpreis liegt. Üblicherweise kostet eine Woche Ganztagskindergarten pro Kind zwischen 50€ und maximal 300€, hier als Unqualifizierte einen Preis von 675€ aufzurufen erscheint präpotent und dumm.
  4. Schließlich und endlich offenbart sich hier das völlig überzogene Anspruchsdenken radikaler Feministinnen. Das Konzept „Alleinerziehung“ ist in sich prekär, denn eine Person kann weder beide Elternteile ersetzen, noch die ganze Erziehungs- und Erwerbsarbeit leisten, die zwei Elternteile leisten können. Der Staat hat eine Menge getan, mit der Mütterrente, dem Elterngeld, dem Anspruch auf Teilzeit, der Zugewinngemeinschaft, der Witwenrente, um Eltern und vor allem auch Mütter sozial abzusichern und sie für den Ausfall der Erwerbsarbeit durch das Kinderkriegen zu entschädigen. Aber vollkommen egalisieren lassen sich die Nachteile der Alleinerziehung eben nicht. Man kann nicht allein gleichzeitig Job und Familie auf dem gleichen Level führen wie zwei Eltern, die ggf. beide Vollzeit arbeiten können, aber dennoch, durch versetzte Arbeitszeiten, mehr für die Kinder da sein können als eine Alleinerziehende es kann.
    Dass in der Corona-Krise die Nachteile der Alleinerziehung nicht wie üblich durch den Staat großzügig ausgeglichen werden, und dadurch das Alleinerziehenden-Lebensmodell als die prekäre Lebensform entlarvt wird, die sie im Kern ist, macht die Alleinerziehenden-Vertreterinnen unter den Feministinnen wütend. Dadurch ist zu erklären, warum den Protagonistinnen gar nicht aufgefallen zu sein scheint, wie egozentrisch und verwöhnt es rüberkommt, wenn man Rechnungen dafür schreibt, dass man seinen eigenen Kram selbst erledigen muss.
  5. Last but not least ist es witzig, wie wirtschafts-libertär der Genderfeminismus durch diese Rechnungen rüberkommt. In der Krise fällt ihm nichts besseres ein als die totale Ökonomisierung innerfamiliärer Beziehungen. Das Kind ist kein Kind, sondern ein Cost-Center. Fürsorge ist keine Fürsorge, sondern Care-Arbeit. Einmal ins Bett bringen, bei 2,3-fachem Satz wegen besonderer Schwierigkeit nach Gebührenordnung Alleinerziehende, macht 19,43€. Solidarität gibt es nicht mehr! Nur noch Ich!-Ich!-Ich!-AGs von Opferfeministinnen, die für jede Interaktion Verrechnungspreise aufrufen. Gewinne werden privatisiert, Aufwände per Rechnung an den Staat sozialisiert; sogar der Westerwelle-FDP wäre das ein Stück zu krass gewesen.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass der symbolische Protest gegen die Belastung mit „Care-Arbeit“ deswegen fehlgeschlagen ist, weil die Aktivistinnen überhaupt nicht mehr mit der Lebenswelt der meisten Menschen verbunden sind.

Statt als symbolischer Protest gegen die Mehrbelastung mit Care-Arbeit kommen die Rechnungen als übertriebene, größenwahnsinnige Forderungen von in egozentrischem Anspruchdenken verhafteten, verwöhnten Prinzessinnen („spoiled brats“) rüber, die sich plötzlich in der Situation sehen, die Konsequenzen aus eigenen Entscheidungen und höherer Gewalt selbst tragen zu müssen. Die in ihrem Narzissmus keine bessere Idee haben, als „der Gesellschaft“ Rechnungen zu schreiben, weil auch sie von den negativen wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise betroffen sind, weil auch sie in Zeiten einer Pandemie tatsächlich mal gezwungen werden, ihre Komfortzone zu verlassen.

  1. Art. 6 Abs. 2 GG []

Männerfeminismus

Wie ich mittlerweile gelernt zu haben glaube, ist das richtige „Framing“ in der Kommunikation tatsächlich von entscheidender Bedeutung.
Umso wichtiger scheint es mir zu sein, dem radikalen Feminismus das Framen der Männerrechtsbewegung als rechts und frauenfeindlich möglichst zu erschweren.

Erfinden wir also den „Männerfeminismus“, um den scheinbaren Gegensatz von Männern und Feminismus sozusagen semantisch zu eliminieren und gleichzeitig das Eintreten für Männer feministisch zu machen. Denn wir bekennen uns ja zum Feminismus und zur Gleichberechtigung, meinen damit aber auch tatsächlich gleichen Einsatz auch für die Rechte und gegen die Sorgen und Nöte von Männern.

Männerfeminismus wird bei Google am 2020-06-11 nur 48 mal gefunden

Die Möglichkeit eines Männerfeminismus ist dadurch gegeben, dass Feminismus bedeutet, sich für Gleichberechtigung einzusetzen. Entsprechend muss auch die Möglichkeit gegeben sein, sich für Rechte und Anliegen von Männern einzusetzen, denn natürlich können auch Männer benachteiligt sein.

Folglich ist „Männerfeminismus“ kein Oxymoron, sondern eine logische Fortentwicklung des Feminismus, der Männer empowert, sich für Männerangelegenheiten einzusetzen, und endlich Männer verbal einschließt und nicht nur mitmeint.

Entsprechend plädiere ich an alle an Gleichberechtigung interessierten Männerrechtler, den Begriff „Männerfeminismus“ zu übernehmen, um durch dieses Framing unfaire Angriffe von radikalfeministischer Seite wie „Smearing„, Unterstellungen von Antifeminismus etc. ins Leere laufen zu lassen oder zumindest zu erschweren. Wenn es gelingt, den Begriff Männerfeminismus als Bezeichnung für einen Feminismus mit männlichem Blick zu etablieren, könnte das für die Männerrechtsbewegung ein großer Vorteil sein.

Corona Gender Death Gap

In der Corona-Krise zeigt sich, dass Männer häufiger sterben als Frauen. Auch in Ländern, wo Menschen angeblich besonders gesund leben (Italien) oder Männer und Frauen gleich häufig rauchen (Dänemark).

Dennoch fällt keiner Feministin ein, mal den „Corona Gender Death Gap“ zu disktuieren, und darüber nachzudenken, ob man nicht etwas tun sollte, um Männer besonders zu schützen.
Es wird ja immer behauptet, beim Feminismus gehe es um Gleichberechtigung. Es gehe darum, auch Männer – notfalls vor sich selbst – zu schützen.

Aber nun, da es Indizien gibt, dass Männer aus biologischen Gründen, in Bezug auf ihr Immunsystem benachteiligt sein könnten in der Corona-Pandemie, zum Beispiel, weil sie nur ein X-Chromosom haben und andere Hormon-Spiegel (oder mehr ACE-Rezeptoren, die Corona braucht, um in Zellen einzudringen), ist es merkwürdig still, was Maßnahmen angeht, Männer zu schützen.

Statt dessen hört man — wie eigentlich immer — nur davon, dass Frauen besonders betroffen seien. Alleinerziehende Mütter (die sich das meist selbst ausgesucht haben), Pflegekräfte, Kassiererinnen (die den Job selbst gewählt haben; hätten ja auch Elektrikerin werden können, wurde ja Werbung dafür gemacht beim Girl’s Day…), alle sind angeblich ganz besonders betroffen. Auch vor einem Anstieg der häuslichen Gewalt gegen Frauen wurde gewarnt (der bisher ausgeblieben ist), vor einem Anstieg der Gewalt alleinerziehender Mütter gegen ihre Kinder (der irgendwie naheliegend wäre) wurde nicht gewarnt. Warum Männer, die in Kurzarbeit geschickt wuden, nicht irgendwie auch besonders betroffen sein sollen, bzw. warum nicht einfach alle Menschen unabhängig vom Geschlecht betroffen sein können, bzw. warum immer nur herausgestellt wird, dass Frauen besonders betroffen seien, erschließt sich mir nicht.

Und für die tatsächlich häufiger schwer erkrankenden bzw. sterbenden Männer wird nichts getan, jetzt, da mal die Gelengeheit wäre zu beweisen, dass es beim Feminismus nicht nur darum geht, immer mehr Privilegien für Frauen herauszuschlagen. Man könnte ja hier auch mal Einkaufszeiten nur für Männer einrichten, oder Schutzmasken und Material bevorzugt an Männer abgeben, oder andere Maßnahmen ergreifen, um die Nachteile der Männer zu kompensieren. Aber darüber wird nicht einmal nachgedacht. Männer sind eben das verzichtbare Geschlecht und sollen sich notfalls opfern.

Es zeigt sich wieder ganz deutlich, dass Feminismus sich nicht für Gleichberechtigung einsetzt, sondern die Probleme, Nöte und Bedürfnisse von Männern weiter gezielt ignoriert und mit zweierlei Maß misst: Frauen sind für ihre individuellen Entscheidungen nicht verantwortlich (sondern der Kapitalismus, die Werbung, die Gesellschaft, die strukturelle Gewalt durch das Patriarchat) und müssen darum vor allen negativen Konsequenzen geschützt werden, Männer sind im Zweifel an allem selbst schuld und sollen halt sterben.
Wenn hingegen Frauen benachteiligt wären, wäre der Aufschrei groß und es würden alle Hebel in Bewegung gesetzt, den Nachteil auszugleichen.

Historikerin verbreitet Sexismus beim Deutschlandfunk

Die Historikerin Hedwig Richter darf beim Deutschlandfunk — unhinterfragt — verbreiten, Männer seien anfälliger für Verschwörungstheorien in Bezug auf die Verbreitung von Corona.

Soll das dieser seriöse, öffentlich-rechtliche Journalismus sein? Wenn tumbe Geschlechter-Stereotypen immer dann unwidersprochen verbreitet werden können, wenn sie Männer schlecht aussehen lassen?

Wenn man davon redet, dass Männer anfälliger seien für Verschwörungstheorien, dann sollte man vielleicht zumindest das Verhältnis von Frauen zu Männern erwähnen, die angeblich diesen Verschwörungstheorien anhängen. Ist das eher so 2 zu 3 oder 1 zu 100?
Und man sollte vielleicht erklären, wie man diesen angeblichen Männerüberhang ermittelt haben will. Anonyme Umfrage, Auswertung der angenommenen Geschlechter anonymer Social-Media-Accounts, irgendwas? Es könnte ja so sein, dass Frauen ihre Meinung einfach nicht so oft an die große Glocke hängen. Sondern eher so still und heimlich Heilkristalle im Garten aufstellen und Corona wegpendeln und irgendwie unauffälliger neben der Spur sind als Männer.

Natürlich ist es auch möglich, dass es stimmt, dass Männer tatsächlich und generell anfälliger für Verschwörungstheorien sind, aber wenn das so ist, dann sollte man bei der Analyse nicht auf dem Level stehen bleiben, dass es vielleicht „mit einer Krise der Männlichkeit“ zu tun haben könnte.

Frau Richter lässt es so aussehen, als wäre das biologische Geschlecht ein ausreichender Grund, weswegen Männer angeblich häufiger Verschwörungstheorien anhingen. Weil Männer ja bekanntermaßen ganz häufig rechthaberische Arschlöcher sind, die lieber abstrusen unlogischen Stuss glauben, als Unwissenheit einzugestehen?! Oder was will uns Frau Richter mit dieser pauschalen Aussage genau sagen?!

Vielleicht liegt es ja am immer höheren Anteil von Kindern, die ohne Vater aufgewachsen sind, oder an ständigem Männer-Bashing im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, dass es tatsächlich eine Krise der Männlichkeit gibt, die dann wiederum zu negativen Effekten führt.

Jedenfalls hätte man sich eine tiefergehende Analyse gewünscht im Gebühren-finanzierten Radio, das es sich ja leisten könnte, etwas in die Tiefe zu gehen, statt unterkomplexe sexistische Soundbites über den Äther rauszublasen.

Wahrscheinlich muss man hier aber auch den Deutschlandfunk bzw. den Moderator dafür in die Verantwortung nehmen, dass man dieses tagesaktuelle Thema in einem so dünnen Beitrag zu quasi reiner Misandrie verarbeitet hat.

Jedenfalls kann ich mir nicht vorstellen, dass Hedwig Richter auf das Ergebnis ihrer Schnell-Befragung durch den Deutschlandfunk besonders stolz ist. Zu deren Verteidigung immerhin zu erwähnen ist, dass sie an einer Stelle herausstellt, dass der Anteil der Männer, die an Corona-Verschwörungstheorien glauben, insgesamt sehr gering sei.1

Was mich zu folgendem Schlusssatz kommen lässt:
Solange eine nicht-geringe Zahl von Frauen, auch in wichtigen Positionen, in Deutschland der Verschwörungstheorie bzw. -ideologie anhängen, die männliche Hälfte der Bevölkerung halte die weibliche mit Hilfe unerklärlicher, übermächtiger, unsichtbarer, auf geheimnisvolle Weise in grauer Vorzeit etablierter Mechanismen in einem Zustand von Rechtlosigkeit und Ohnmacht, kann ich die These, Frauen seien weniger anfällig für Verschwörungstheorien, nicht wirklich nachvollziehen.

  1. Den sexistischen Grundtenor des Beitrags korrigiert das aber leider nicht. []

Die Zeit verdient Geld mit Wohlfühl-Texten für Linksintellektuelle, die eigentlich doch keine Revolution wollen

Mit dem Artikel „Dieters Paradies“ ist der Autorin Mely Kiyak ein bemerkeswertes Kunststück gelungen.

Sie kombiniert durch die Auswahl des (Kartoffel!) Vornamens Dieter, der für „alte weiße Männer“ steht, als Bezeichner für den Strohmann in ihrem Text, Ageismus, Männerfeindlichkeit, Deutschenfeindlichkeit und „Kapitalismuskritik“ in einem bemerkenswerten Machwerk, dass vor allem eins zeigt, nämlich die Überheblichkeit des links-intellektuellen Milieus, und dessen zunehmende Verachtung für den Lebensstil derer, die man vor 40 Jahren noch als Zielgruppe linker Politik gesehen hätte, nämlich „die einfachen Menschen“.

Die einfachen Menschen. Sie sind dumm und böse und primitiv und begreifen nicht mal, wie dumm und böse und primitiv sie sind!

Was macht er denn so, der dumme Durchschnittsdeutsche? Der erste Absatz gibt Aufschluss:

(Er) bummelt am Wochenende zu Deichmann, verspeist in der Einkaufspassage im Tchibo einen überdimensionierten Schokokeks, trinkt dazu eine Tasse Kenia-Blend, bisschen Handys angucken bei Saturn, nachmittags Fußball, Schweinebauch grillen, paar Flaschen Bier und mindestens einmal im Jahr Pauschalurlaub. Trotz Internetanschluss bucht er immer im Reisebüro, weil dort seine Tochter ihre Ausbildung zur Reisekauffrau macht, und da kriegt er nochmal fett Prozente.

Der Durchschnittsdeutsche hat also wenig Geld. Darum kauft er günstige Schuhe und achtet darauf, nicht zu viel auszugeben. Dennoch gönnt er sich manchmal einen Kaffee oder einen Keks, schaut sich schöne Produkte an, lenkt sich mit Fußball ab, und grillt mit Freunden.

Tja… schon schlimm. Dass Menschen sich an kleinen Dingen erfreuen können. Wo sie doch Kuskus essen, Bio-Rotwein schlürfen und im Bio-Versand handgenähte Mokassins kaufen könnten! Nur dann dürften Sie doch wirklich glücklich sein, voller Stolz auf ihre Rechtschaffenheit!

Es tut mir wirklich leid Frau Kiyek, aber jeder Menschen hat das Recht, eigene Entscheidungen zu treffen, und wenn es jemanden glücklich macht, Bier zu trinken, zu grillen und Kekse von Tchibo zu essen, dann hat das okay zu sein, auch für Sie.

Mal weiter im Text. Was macht er denn noch alles falsch, der hässliche Durchschnittsdeutsche?

Also… er

  • kauft bei Tchibo Kaffee und Kuchen und bei Nordsee den Alaska Seelachsfilet Mittagsteller
  • (hält) bei Orion ein bisschen Ausschau nach sexyschmusi Spielzeug

Schon schlimm alles. Der böse Kapitalismus hat Fangquoten für Fisch eingeführt um nachhaltige Fischerei zu ermöglichen und die Überfischung zu vermeiden. Böse staatliche Stellen empfehlen ständig, mehr Fisch zu essen, weil angeblich so gesund. Und dann machen das sie Leute auch noch. Der böse Kapitalismus bietet den Menschen Sexspielzeug für ein sexpositives Leben an. Und dann kaufen die das auch noch. Weil Männer Sex mögen! Voll schlimm. NICHT.

Was hat Frau Kiyak noch so an Vorhaltungen im Köcher? Nun, diese Elemente eines stinknormalen Lebens ergeben, Zitat


Ein gewöhnliches Dieterleben an einem gewöhnlichen Samstag, das ohne Kinderarbeit, Menschenausbeutung, Umweltverschmutzung, Konsumismus nicht auskommt.

Warum eigentlich ist der hässliche dumme Durchnittsdeutsche hier ein Mann? Ist es nicht so, dass man Samstags mehr Frauen als Männer beim Shopping sieht? Ist es nicht so, dass Frauen 70% der bösen konsumistischen Kaufentscheidungen treffen und weit mehr Wergwerf-Mode und Tierversuchs-Kosmetik kaufen als Männer? Weniger Rad fahren, mehr Pauschalreisen buchen? Klar – Fakten stören nur, wenn man Kapitalismus-Bashing betreibt, und bei der linksintellektuellen Zielgruppe kommt Männer-Bashing auch viel besser an, als die Verantwortung auch von Frauen für die Existenz unseres Systems gleichberechtigt zu kritisieren. Ich wollte es ja nur mal anmerken, dass es dem Artikel auch an geschlechterpolitischer Redlichkeit fehlt.

Aber da ist noch etwas: Tatsächlich ist die Umweltverschmutzung in der Marktwirtschaft geringer als im Sozialismus. Tschernobyl und das Chemiekombinat Bitterfeld werden anscheinend von progressiven linksintellektuellen Zeit-Schreiberinnen gerne verdrängt.

Die EU achtet peinlich genau auf die Kategorisierung chemischer Substanzen als giftig, umweltschädlich, krebserregend, Gewässer-gefährdend. Sogar vor Spülmittel wird mittlerweile auf der Packung gewarnt. Es gibt Hotlines falls man Fragen haben sollte wie giftig. Kostenlos! Und wenn man sich doch vergiftet kommt ggf. ein Hubschrauber um Dir den Arsch zu retten. Atomkraftwerke werden zurückgebaut. Vom Sozialismus verseuchte Böden aufwendig gereinigt. Und so weiter. Sprich: Nirgendwo wir mehr auf Sicherheit und Umweltschutz geachtet als bei uns, im bösen Kapitalismus!

Auch Menschenausbeutung und Kinderarbeit gehen stetig zurück, wo der Wohlstand dank Marktwirtschaft zunimmt. Und das ist überall auf der Welt. Auch in Bangladesch und Afrika. Wie es übrigens vor über 100 Jahren auch in Deutschland war, wo Kinderarbeit im Bergbau und in der Landwirtschaft üblich waren und Deutschland das Billiglohnland Europas war.

Aber mal weiter im Märchen vom bösen Kapitalismus:

Dieter war einmal bei König der Löwen in Hamburg, und letztlich hat es ihm nichts gebracht, da macht er lieber Streamingabend, da kriegt er für weniger Geld mehr.

„Dieter“ hat also Geld für echte Menschen ausgegeben. Es hat ihm nicht gefallen, unserem von Frau Kiyek konstruierten Strohmann-Dieter, darum schaut er jetzt Streaming-Serien.

Tja sorry, so ist es eben in einer freiheitlichen Demokratie, man darf seine Freizeit selbst gestalten. Man darf Streaming besser finden als Theater, und wenn man die Anreise (vielleicht mit dem Flugzeug?) etc. einkalkuliert, dann ist Streaming wahrscheinlich auch noch umweltfreundlicher als Musicals.
Dass der Besuch eines Musicals eine ziemlich elitäre Sache sein könnte (schon ab 139€ pro Person!), die allein wegen der begrenzten Sitzplätze nur wenigen zur Verfügung steht, darauf kommt Frau Kiyek anscheinend gar nicht. Wer bei Deichmann kauft, der hat keine 139€ pro Person für ein Musical, schon gar nicht, wenn man sich dafür über 17 Monate Netflix oder Amazon Prime leisten kann.
Tut mir wirklich leid, Frau Kiyek, aber ich finde „Dieter“ immer noch ziemlich vernünftig, auch wenn sie versuchen, ihn maximal unsympathisch zu konstruieren:

Der Dieter, das darf man nicht falsch verstehen, ist kein schlechter Mensch, der hat das Herz auf dem rechten Fleck, aber er kann jetzt auch nicht die ganze Welt retten, und bis er sich einen Maiskolben in Alufolie mit Niedrigtemperaturmethode gart, muss schon einiges passieren.

Was für ein Vorwurf – der Mensch, der nur sein kleines Glück sucht, hat keine Ambitionen, die Welt zu retten! Das ist eklig, und irgendwie hat das auch was mit Maiskolben und einer Niedrigtemperaturmethode zu tun. Okay, im Endeffekt sind es diese kleinen, eigentlich überflüssigen Details, die eine Erzählung plastisch werden lassen, das wusste auch schon Herr Relotius, und immerhin, Frau Kiyek behauptet ja gar nicht, dass ihre Erzählung über den dummen deutschen Dieter real sei, sie versucht nur, den Eindruck zu erwecken, mit dem „guten Zweck“, den Kapitalismus zu bekämpfen.

Wobei mich ein böser Verdacht beschleicht: Was, wenn der Zeit-Verlag Frau Kiyek nur beschäftigt, um die linksprogressive Leserschaft bei Laune zu halten, die — eigentlich — ebenfalls so stinknormale Dieter-Leben lebt, aber halt mit maximalem Selbst-Ekel und innerer Verweigerung(!)? Was, wenn Frau Kiyek Teil einer Illusionsmaschine ist, die sich im Kapitalismus gut eingerichtet hat und ihr Geld damit verdient, Pseudo-Widerstand gegen den Kapitalismus zu leisten? Die Gewinne macht mit Menschen, die „gegen Gewinne“ sind, aber zu träge, irgendetwas zu tun, was darüber hinausgehen würde, die „Zeit“ zu kaufen und wohlige Schauer der Gerechtigkeit zu empfinden, wenn sie Frau Kiyeks Artikel liest?

Aber der Artikel geht ja noch weiter. Nachdem wir also festgestellt haben, dass „der Dieter“ ein armseliges Würstchen ist, das wir verachten müssen, auch wenn er mitfinanziert hat Griechenland und den Euro zu retten, auch wenn er mitfinanziert Flüchtlinge aufzunehmen und Entwickungshilfe auf der ganzen Welt zu leisten, auch wenn er die EU-Programme zur Klassifizierung chemischer Substanzen mitbezahlt, und außerdem Gender-Lehrstühle und Programme für Umweltschutz und nachhaltige Fischerei und Giftnotrufhotlines und Krötenzäune und alle anderen Dinge, an die wir uns in unserem durch und durch bösen und innerlich verrotteten System gewöhnt haben…

Sprich: Auch wenn er soviel von seinem Lohn abgegeben hat, dass ihm später Altersarmut per gesetzlicher Rente droht und er sich nur Schuhe bei Deichmann leisten kann, muss Frau Kiyek diesem ausgedachten Durchschnittsmann virtuell kräftig in die Eier treten, weil er sich in diesem System eingerichtet hat und versucht, das Beste daraus zu machen.

Was erlaubt sich der dumme deutsche Durchschnittsmann eigentlich, im Hier und Jetzt zu leben, gemäß dem Motto, dass „das gute Leben niemals kommt, wenn man es nicht im Hier und Jetzt sucht“?1

Wo doch Frau Kiyek an der Weltrevolution arbeitet, um, ich zitiere, (die) katastrophale(n) Scheiße namens Kapitalismus ohne soziales Antlitz, (die) nicht zufriedenere Bürger hervorgebracht hat, sondern zunehmend Frustrierte und Radikalisierte abzuschaffen?

Wobei interessant ist, warum genau unser System mit Krankenversicherung, Rentenversicherung, Grundsicherung, Wohngeld, Kindergeld, Elterngeld, Recht auf Bildung etc. „kein soziales Antlitz“ haben soll? Hat Frau Kiyek die Statistiken zur Lebenszufriedenheit in Deutschland vielleicht beim Schreiben ihrer Kolumne absichtlich nicht recherchiert, weil diese widerlegen würden, dass die Menschen frustriert seien, wie sie behauptet?

Interessant wäre ja auch, welches System die gute Frau Kiyek denn installieren will, nachdem sie das aktuelle System des bisher womögich besten Deutschlands aller Zeite beseitigt hat.
Bisher hat kein nicht-marktwirtschaftliches System das Level an Wohlstand, Umweltschutz, Lebenserwartung und Sicherheit hervorgebracht wie die soziale Marktwirschaft. Jetzt, in der „Corona-Krise“, wo sich insgeheim die Überlegenheit des marktwirschaftlichen Systems zeigt, das innerhalb von Monaten, nicht erst beim nächsten Fünf-Jahres-Plan, auf die aktuelle Entwicklung reagieren kann, frohlocken die Linken und hoffen, dass jetzt endlich genug „Dieters“ unzufrieden sein werden um die soziale Marktwirtschaft zu stürzen.

Merkwürdig natürlich, wie man genug Leute auf seine Seite ziehen will, indem man ihren ganzen Lebensstil als Ausdruck naiver Dummheit und Denkfaulheit und Raffgier und Armseligkeit darstellt.
Was mich wieder zur These zurückbringt, dass Frau Kiyek eigentlich nur Unterhaltung für Linksintellektuelle produziert, die gerne auf die dumme Masse herabschauen, ohne wirklich ein Interesse zu haben, eine Revolution zu starten, nach der am Ende die Yoga-Klamotten bei Waschbär-Versand teurer werden könnten.

Der Artikel geht dann immer noch weiter, Frau Kiyek schwadroniert von einer „Fluchtfreiheit“, die es meiner Kenntnis nach nicht gibt, und von einer Überproduktion von Waren, die es in der Marktwirtschaft auch immer nur temporär gibt, weil — das muss jetzt sein! — der Markt, also Angebot und Nachfrage, die Produktion regeln.

Dann wird noch auf den Automobilkonzernen herumgehackt, die ja nur die wichtigsten Arbeitgeber in Deutschland sind und die Arbeiter beschäftigen, die früher mal die Zielgruppe für linke Politik waren und befreit werden sollten. Die aber für die Kiyeks von heute nur noch Witzfiguren sind, Lumpenproletariat, das für die Revolution nicht zu gebrauchen ist, weil es Schweinefleisch aus Stallhaltung grillt und Streaming-Serien und Sex mag.

Frau Kiyek dreht gegen Ende des Artikels in jeder Hinsicht ab:

Ernst gemeinte Frage: Was muss eigentlich passieren, damit eine Gesellschaft einmal nur seine Arbeits- und Lebensbedingungen, seine Wirtschaftsform, seine politischen Maßstäbe reflektiert? Zwei Weltkriege, Teilung und Wiedervereinigung, Terror und Seuchen sind es jedenfalls nicht. Was muss noch kaputt gehen, explodieren, sterben, damit mit schlechten Angewohnheiten endlich Schluss ist?

Was muss eigentlich im Kopfe einer Autorin passieren, damit man über 100 Jahre Geschichte mit Kaiserreich, Weimarer Demokratie, NS-Diktatur, SED-Diktatur, liberale Demokratie und Marktwirtschaft irgendwie in einen Topf wirft und so tut, als würden „die Deutschen“ nicht genug über ihre Gesellschaft nachdenken?
Wie verblendet muss man sein, um zu ignorieren, dass die Arbeits- und Lebensbedingungen in Deutschland und die politischen Maßstäbe sich immer weiter verbessert haben? Hat Frau Kiyek die 68er vergessen? Die sozialpolitischen Reformen der 1970er, die Strafrechtsreform, die Reform des Familienrechts, des Abreibungsrechts, den Asylkompromiss, Schwulenrechte, die vielen großen und kleinen Kämpfe der letzten Jahrzehnte, wo die Gesellschaft hart mit sich gerungen hat um besser zu werden?

Wie sehr muss man sich wünschen, irgendwelche Argumente gegen die liberale Demokratie und die soziale Marktwirtschaft zu finden, damit man sich in solche absurden, geschichtsvergessenen Tiraden hineinsteigert?

Na egal, wenn man schon so weit gekommen, dann kann man am Ende dem dummen deutschen Dieter auch noch Nationalismus vorwerfen und vorschlagen, die Automobilarbeiter sollten doch Spargel stechen, nachdem man ihre Arbeitsplätze hat vor die Hunde gehen lassen:

Dann geht die Automobilbranche eben komplett kaputt. Sollen die Beschäftigten eben statt zu schrauben Spargel stechen oder Erdbeeren oder was auch immer ernten. Gibt ja immer was zu pflücken in diesem Land. Wenn schon Nationalismus, das will der Dieter bisweilen ja gern, dann richtig Nationalismus und nicht Tagelöhner aus dem Ausland holen. Muss der Dieter eben Selbststecher werden.

Auf die Weise stellt Frau Kiyek sicher, dass diese Leute sicher nicht bei der Revolution mitmachen wollen, die Frau Kiyek auch selbst ganz sicher nicht will. Denn dann würde sie ihren Job als Schreiberin antikapitalistischer Kolumnen verlieren, und könnte abends nicht mehr Netflix schauen und ein schönes Leben als Autorin und Intellektuelle führen.

Außerdem garantiert die gezielte Provokation größerer Teile der Bevölkerung heftige Kritik in den sozialen Medien, die Frau Kiyek dann helfen, sich als von Hassrede betroffene Frau mit Migrationshintergrund zu inszenieren, die wegen ihrer fortschrittlichen Meinung — nicht etwas wegen ihres Hohns und Spotts und ihrer Verachtung für Durchschnittsmenschen — von „Rechten“ verfolgt würde. Die — übrigens als eine der wenigen Mediengesellschaften profitable und wachsende — Zeit-Gruppe freut sich. Der Rubel rollt. Dank Schmähkritik an einfachen Menschen, zur Belustigung der Zeit-lesenden Elite, die eigentlich nichts weniger will als eine Revolution.

  1. Die Motivation, das Leben so zu genießen, wie es eben geht, sollte doch Frau Kiyek nachvollziehen können. Sie hat da ja so ein Buch geschrieben. []