Das alternative Gender-Feminismus 101, Teil 1: Die Grundlagen des Genderfeminismus

Der Feminismus hat Akzeptanz-Probleme. Der Grund dafür ist, dass die aktuell am stärksten wahrnehmbare Strömung des Feminismus, der “Gender-Feminismus”, sich vom klassischen Gleichberechtigungs-Feminismus sehr weit entfernt hat, so dass die meisten Menschen sie nicht mehr verstehen.

In diesem meinen Gender-Feminismus 101 will ich daher verschiedene Aspekte des Gender-Feminismus für “Nicht-Genderfeministen” versuchen zu erklären. So objektiv ich es eben kann.

Ich möchte mit1 DER Grundannahme des Genderfeminismus anfangen. Wenn man diese als wahr annimmt, kann man die weiteren Aspekte des Genderfeminismus quasi “logisch folgern”. Und das ist wohl auch der Grund, warum so viele GenderfeministInnen durchaus intelligente, zu logischem Denken fähige Menschen sind.

Das Problem mit der Grundannahme des Genderfeminismus ist, dass sie nicht stimmt. Und das ist auch der Grund dafür, dass die Folgerungen, die sich aus der Voraussetzung dieser Annahme als wahr ergeben, Außenstehenden als völlig wirr erscheinen müssen.

Die Grundannahme des Genderfeminismus lautet, dass Frauen und Männer bis auf den Körperbau gleich sind. Talente, Interessen, Fähigkeiten – alles bei Geburt gleich.
Die offensichtlichen, schon relativ früh wahrnehmbaren Unterschiede werden mit “sozialer Konditionierung” erklärt, was bedeutet, dass diese Unterschiede anerzogen sein sollen.

Das ist allerdings mehrfach widerlegt. Sogar bei Neugeborenen sind bereits unterschiedliche Interessen belegt. Und wer Kinder hat, dem wird aufgefallen sein, dass Geschlechterunterschiede bereits in einem Alter auftreten, in dem “soziale Konditionierung” quasi unmöglich ist.

Wie auch immer – der Genderfeminismus, der für viele heute als “der” Feminismus gilt, geht von dieser Grundannahme der Geschlechtergleichheit aus.

Und konstruiert auf dieser Grundlage ein Weltbild, dass die Widersprüche zwischen der Realität und dieser Annahme erklären soll.

Zum Beispiel ist es eine Tatsache, dass die Interessen von Frauen und Männern im Durchschnitt unterschiedlich sind, und dass Frauen eher zu sogenannten sozialen Berufen neigen, Männer eher zu technischen Berufen. Und das hat nichts mit Diskriminierung zu tun, sondern mit geschlechtsspezifischen Präferenzen, Neigungen, Wünschen und Interessen die dazu führen, dass Frauen und Männer im Durchschnitt ein deutlich anderes Berufswahlverhalten zeigen.

Das aber darf im Genderfeminismus auf keinen Fall wahr sein, weil das Dogma der Geschlechtergleichheit verlangt, dass Frauen und Männer gleiche Präferenzen, Neigungen, Wünsche und Interessen haben müssten.

Als Erklärung für diese Unterschiede konstruiert der Genderfeminismus darum die “soziale Konditionierung” und Diskriminierung, die sichtbar und unsichtbar Frauen und Männer in2 Geschlechterrollen quasi hineinzwingen soll.

Als “Beweis” für diese Konditionierung wird dann z.B. herangezogen, dass Jungen und Mädchen unterschiedlich bekleidet werden, unterschiedliche Spielzeuge bekommen etc.; die ebenfalls naheliegende Erklärung, dass Jungen und Mädchen unterschiedliche Dinge tragen wollen, weil ihnen unterschiedliche Dinge gefallen, und die Bekleidungsindustrie dieses Bedürfnis einfach nur bedient, weil es ihren Umsatz steigert, wird kategorisch ausgeschlossen.
Aber der Genderfeminismus braucht sowieso keine Beweise für irgendetwas, denn man versteht sich dort auf die Kunst des Zirkelschlusses: Da (Dogma!) es keine Unterschiede gibt zwischen Männern und Frauen, aber bei Erwachsenen welche vorhanden sind, MUSS es die soziale Konditionierung geben. Unterschiedliche Kleidung und Spielzeuge sind Unterschiede in der Sozialisation. Die soziale Konditionierung ist die einzige Erklärung für die Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Also müssen unterschiedliche Kleidung und Spielzeuge Anteil haben an dieser Konditionierung. Und deshalb liegt es auf der Hand, dass es die soziale Konditionierung gibt. Und so weiter, immer im Kreis.

An dieser Stelle müssen wir eine weitere Annahme einführen, und zwar: Frauen werden benachteiligt.

Dass Männer und Frauen in verschiedenen Bereichen des Lebens ungleich verteilt sind, bedeutet ja erstmal gar nichts, könnte theoretisch auch Zufall sein.
Wenn man jedoch von der Annahme ausgeht, dass es neurobiologische Unterschiede gibt, die bei Frauen und Männern zu im Schnitt deutlich unterschiedlichen Präferenzen, Neigungen, Interessen, Talenten etc. führen, und wenn man davon ausgeht, dass Frauen und Männer gleichberechtigt und selbstbestimmt ihre Persönlichkeiten entfalten und die Berufe ergreifen, die ihnen am besten gefallen, dann sind die Ungleichverteilungen heute (zumindest in den liberalen rechtsstaatlichen demokratischen Gesellschaften) lediglich Folge der real existierenden durchschnittlichen Geschlechter-Präferenzunterschiede. Jedes Individuum verfolgt seine eigenen Interessen, und hinterher kommt eine Verteilung heraus, die entsprechend der geschlechtsspezifischen Präferenzunterschiede die unterschiedlichen getroffenen Wahlen abbildet.

Aber die genderfeministische Annahme Nr. 1 lautet, dass die Geschlechter gleich sind. Und daraus, wird gefolgert, dass die — unter dieser Annahme eigentlich unerklärlichen &mdash, Ungleichverteilungen und Präferenzunterschiede dadurch verursacht sein müssen, dass die Geschlechter dazu konditioniert oder manipuliert, quasi gezwungen werden, eigentlich unnatürlichen Geschlechterrollen gemäß zu handeln.

Aber auch die Annahme, dass die Geschlechter Rollen aufgezwungen bekämen hieße noch nicht, dass hier irgendeine der beiden Gruppen benachteiligt wird, denn es könnten ja auch beide Geschlechter zwar jeweils andere Rollen haben, aber dennoch im Mittel gleich gut gestellt sein. Und wenn ein Geschlecht durch die Rollenzuteilung schlechter gestellt sein sollte, dann müssten das nicht zwingend die Frauen sein. Es wäre auch denkbar, dass die Männer, die kürzer leben, häufiger tödliche Arbeitsunfälle haben, öfter Opfer von Gewaltkriminialität werden und früher auch öfter mal Soldat werden und für das Vaterland sterben durften die Arschkarte gezogen haben und die Frauen die weitaus bessere Rolle bekommen haben.

Aber der Genderfeminismus geht davon aus, dass die Frauen die schlechtere Rolle bekommen haben und daher benachteiligt sind. Ich kann persönlich nicht nachvollziehen.3

Die beiden Annahmen

1) Vollkommende Gleicheit der Geschlechter und
2) Benachteiligung von Frauen (durch die [aufgezwungene] “Frauenrolle”)

sind die Dogmen des Genderfeminismus. Das erste Dogma ist wissenschaftlich widerlegt und auch aus der Anschauung heraus deutlich abwegig, das zweite Dogma steht auch auf tönernen Füßen, denn man kann für jedes Geschlecht ebenso viele angebliche Vor- wie Nachteile finden, und ob ein Aufrechnen irgendwelcher statistischer Daten wie Lebensdauer, Selbstmordrate, Zufriedenheit, Einkommen, Blutdruck und Lieblingsfarbe in Bezug auf eine geschlechtsspezische Bevor- oder Benachteiligung irgendwelche Aufschlüsse erlaubt erscheint mir zweifelhaft.

Da es sich aber um Dogmen handelt, diskutieren Genderfeministinnen grundsätzlich nicht über darüber. Daran kann man sie übrigens gut und schnell erkennen :-)

Denn es ist einem Genderfeministen nicht möglich, diese Dogmen in Zweifel zu ziehen. Wer einmal beschlossen hat, an diese Dogmen zu glauben, der wird immer stärker in das in sich geschlossene Glaubenssystem des Genderfeminismus hineingezogen, der baut auch sein Selbstbild auf die Gültigkeit dieser Dogmen auf, und der ist irgendwann überhaupt nicht mehr in der Lage die Grundlagen seiner Weltsicht in Zweifel zu ziehen.

Im nächsten Teil des alternativen Genderfeminismus 101 werde ich dann versuchen zu erläutern, wie der Genderfeminismus die angebliche Benachteiligung von Frauen und die angebliche, aber nicht nachweisbare Konditionierung von Frauen in ihre angeblich schlechtere Rolle mit der Existenz einer globalen Verschwörung namens “Patriarchat” erklärt, und warum die Frauenquote nach der Logik des Genderfeminismus die einzige Chance ist, “das Patriarchat” zu zerschlagen.

  1. meiner Meinung nach []
  2. dann letztlich rein zufällig entstandene []
  3. Es scheint fast so, als fänden Genderfeministinnen die Dinge, die Männer im Schnitt machen, im Schnitt irgendwie cooler als die Dinge, die Frauen im Schnitt machen. []

At ESA, people are allowed to wear sexist T-shirts!!!1!

Internet feminists have complained about an ESA scientist wearking a T-shirt they think is sexist, because it depicts “sexualized comic characters”.

Well, this is kind of absurd, think I thought feminists where against slut-shaming, but these feminists, in all honesty, claim to fear that this T-shirt may repel women from becoming (rocket) scientists.

Actually, I studied informatics, and as I know women who have the interest in tech required to succeed in the technical/mathematical fields, they are not easily repelled by anything.
Maybe in the gender-studies departments where average internet feminists hide in women-only safe spaces, women exist who are so mentally unstable you can severely shock them with comic art.

But real, normal, average women can never ever be hindered from the pursuit of their interests, cannot be prevented from choosing their favorite major in university, by someone wearing a T-shirt, no matter what it’s depicting.
And I think that women were so easily to repel is a ridiculous claim. It is rendering women as weak, helpless, mentally unstable people who need to be protected from even so negligible “threats” as men wearing T-shirts with comic characters. It’s exactly the picture of women as “damsels in distress” they are painting, which other internet gender feminists claim to fight against.

But let us as assume, for some moment, that women generally were that easily offended by depictions of women internet gender feminists do not think are the way women according to gender feminist morale should be depicted, or by “sexualized” things.

If so: How comes that so many women study arts and psychology?.

You know, psychology means you may be confronted with all kinds of odd facts about humans, including sexually pathologically disturbed men, even more disturbed than those wearing “sexist” T-shirts in public.

And arts, even worse, means you may have to deal with the history of arts, which is, according to internet gender feminists, a history of patriarchy, suppression of woman, and poisoned with misogynistic depictions of women, including the work of Helmut Newton and others.

So, shouldn’t these disciplines repel women very strongly? Shouldn’t arts and psychology be completely male-dominated, if the claims of internet gender feminists regarding how easily women were offending were even remotely true?
Obviously, the women-easy-to-repel-theory of the internet gender feminist fashion police is completely made up. Obviously most women are not repelled by the things internet gender feminists think are unbearable not only for them, but most women.

So please, internet gender feminist fashion police: Please don’t fuss about scientists T-shirts. Stop displaying women as more interested in clothes but in science, stop displaying women as mentally weak people who could be repelled from studying what they want by guys with T-shirts depicting female comic characters.

Interessiert keinen, aber: Krankenpfleger töten mehr Menschen als alle Terroristen, Nazis etc. zusammen

Wieder einmal wird ein Krankenpfleger angeklagt, Patienten heimtückisch getötet zu haben. Alle paar Jahre wird so ein Fall aufgedeckt, denn so etwas kommt öfter vor. Es gibt deshalb sogar Untersuchungen über die Psychologie von Todesengeln.

Also ermorden psychisch kranke Krankenpfleger in Deutschland mehr Menschen als alle Neonazis, Terroristen und Extremisten zusammen. Aber während zumindest beim Rechtsterrorismus nachgeforscht wird, warum die Ermittlungsbehörden so versagt haben, dass 10 Menschen getötet werden konnten, interessiert das bei der erheblich höheren Zahl von Morden in Krankenhäusern: Niemanden.

Und das ist ein Skandal.
Wie kann es sein, dass in Krankenhäusern so gut wie nie nach einer Todesursache geforscht wird?
Immer noch darf in Deutschland jeder Arzt einen Totenschein ausstellen, und viel zu häufig wird einfach von irgendwem, der in der Gerichtsmedizin-Vorlesung im vierten Semester geschlafen hat, “natürliche Todesursache” angekreuzt. Und deshalb werden psychisch kranke “Todesengel” in Deutschland viel zu spät erkannt und gestoppt. Und wer weiß, was ggf. alles für “Kunstfehler” vertuscht werden dadurch, dass diejenigen, die die Todesursache festellen Kollegen von denjenigen, die ggf. die Fehler gemacht haben?

Dass sich Deutschland viel zu wenige Gerichtsmediziner leistet und bei Todesfällen viel zu selten qualifizierte Leichenschauen durchgeführt werden ist natürlich seit Jahren bekannt.
Gerade wegen der schwierigen finanziellen Situation der Krankenhäuser in Deutschland ist aber die Obduktionsquote in Kliniken sogar rückläufig. Qualitätssicherung kostet nur!
Beste Bedingungen also für “Todesengel”, denn bei einer Obduktionsquote von weniger als 5% (Schweden: ca. 30%) ist die Entdeckungsswahrscheinlichkeit eher gering. Rechnerisch gesehen steigt die Wahrscheinlichkeit einer Obduktion eines Patienten erst bei 14 Patienten auf über 50%, also könnte ein “Todesengel” statistisch gesehen in Deutschland durchschnittlich 14 Menschen töten, bevor er (oder sie) entdeckt wird.

Aber auch in anderen Bereichen ist der Mangel an Gerichtsmedizinern fatal: Wer z.B. in Deutschland vergewaltigt, missbraucht oder misshandelt wird, hat nur wenige Chancen, die Tat nachweisen zu können, wenn die Befunde nicht von einem Facharzt für Rechtsmedizin erhoben werden. Denn wenn nur ein normaler Arzt die Befunde aufnimmt, kann jeder bessere Rechtsanwalt mit Hilfe eines Sachverständigen viele Beweismittel in der Luft zerreißen.

Von daher ist die lächerlich geringe Zahl von Gerichtsmedizinern in Deutschland in mehrfacher Hinsicht ein Skandal und wir sollten überlegen, ob einer der reichsten Nationen der Welt der Schutz von Alten, Kranken und Gewaltopfern und die Verfolgung von Mördern und Gewalttätern nicht die paar Euro für eine angemessene Versorgung mit Gerichtsmedizinern wert sein sollte.

Was erlauben GDL?

Die Aufregung über den Streik der GDL nervt.

Entweder es gibt ein Streik-Recht; dann kann die GDL das nicht “gefährende” oder “missbrauchen”, indem sie es nutzt, denn ein Recht ist dafür da, es zu gebrauchen, und nicht nur dafür, auf dem Papier zu stehen.

Klar ist es blöd, dass die Lokführer so wichtig sind und so viel lahmlegen können. Aber wenn sie so unverzichtbar sind, weil Firmen etc. sich auf die Bahn verlassen und durch “Just-in-Time”-Anlieferung Geld für Lagerhaltung sparen, dann sollten diese Firmen auch etwas mehr Geld zahlen können, das man dann den Lokführern geben kann, oder zumindest aufhören über die Lokführer zu jammern, nur weil ihre eigene Lagerhaltung nicht existent und ihr Risikomanagement für den Fall “Eisenbahnstreik” nicht vorhanden ist.

Es gäbe doch Lösungsmöglichkeiten: Selbstfahrende Züge vielleicht.

Die Politiker, die sich jetzt aufkeksen dass man bei der Bahn gefälligst nicht streiken dürfe (denkt doch mal an die Kinder Menschen!), die haben die Deutsche Bahn halb privatisiert, halb Staatsunternehmen sein lassen, und den Wettbewerb auf der Schiene nicht so ermöglicht, dass auch ein anderes Unternehmen Züge von Hamburg nach Berlin fahren lassen könnte als halt dieser eine Konzern. Gäbe es mehrere größere Bahnunternehmen, wäre es zumindest unwahrscheinlich, dass alle Lokführer zeitgleich streiken würden. Von daher soll die Politik bitte die Klappe halten. Die hat’s doch mit verbockt.

Wäre die Bahn wirklich ein normales privates Unternehmen, dann könnte es ja ggf. auch wegen der hohen Gehaltsforderungen seiner Leute pleite gehen, aber bei der DB als “systemrelevanten” Unternehmen, dass sowieso vom Staat gerettet würde, lässt es sich natürlich entspannt streiken als Gewerkschaft.

Aber wenn die Bahn schon “systemrelevant” ist, und man von Seiten der Politik nicht für Konkurrenz sorgen will bzw. die Bahn als Infrastrukturunternehmen weiter staatlich kontrollieren will: Dann sollte man die Bahn konsequenterweise wieder verstaatlichen und die Lokführer wieder verbeamten, anstatt diesen albernen Eiertanz um die Bahn und die GDL weiter aufzuführen.

Wie auch immer: Dieses blöde GDL-Streikrechtmissbraucher-Mimimi will ich nicht mehr hören.

Der wirkliche Vorteil eines Delegiertensystems.

Fulleren hat zum Thema Delegiertensystem gebloggt.

Er führt als Vorteile eines Delegiertensystems folgenden Dinge an, meint aber wohl eigentlich damit angebliche Nachteile des basisdemokratischen Systems:

– schlecht vorbereitete Stimmberechtigte
– Teilnehmer gehören zur Zeitelite
– Teilnehmer gehören zur Geldelite
– Teilnehmerzahl ist zu gering um repräsentativ zu sein
– Ort des Parteitags verfälscht das Ergebnis
– Regionen werden unter/überrepräsentiert

Ich will mich aber gar nicht lange damit aufhalten. Denn ich glaube, dass Fulleren es sich entweder etwas einfach macht und sich nur mit Strohmann-Argumenten auseinandersetzt, oder aber wichtige Vorteile des Delegiertensystems nicht wahrgenommen hat. Das beste Argument Pro Delegiertensytem lässt er einfach unerwähnt:

Das Delegiertensystem ist im Grunde bzw. im Kern ein verteilter, rundenbasierter Algorithmus, der die Entscheidungsfindung nach dem Prinzip von “Divide and Conquer” organisiert und parallelisiert und damit die Effizienz der Antragsberatung mehrfach verbessert.

Die Basisdemokratie hingegen ist — zumindest in der Piratenpartei — einfach das Fehlen jeder intelligenten Steuerung des Ablaufs der politischen Willensbildung.

Rick Falkvinge, immerhin Gründer der Piratenpartei, schreibt in seinem Buch “Swarmwise” darum auch nicht etwa, dass es eine tolle Idee wäre, eine Organisation mit nur einem Entscheidungsgremium zu gründen. Statt dessen schreibt er von hierarchischen Organisationsformen mit bestimmten optimalen Gruppengrößen, die Kommunikationsoverhead vermeiden, als Methode einen Schwarm effizient zu organisieren.

Und er hat absolut Recht mit seinen Überlegungen, denn wenn Gruppen bestimmt Größen überschreiten, ist keine sinnvolle Arbeit mehr möglich, weil dann einfach nicht mehr jeder mit jedem sprechen kann und nicht mehr jeder jeden kennt. Darum gibt es in Firmen auch eher kleine Teams, darum hat das Bundeskabinett keine 50 Mitglieder. Aufsichtsräte und Vorstände sind zwischen 5 und 12 Personen groß, und bei Landesparteitagen von “Altparteien” gibt es zwischen 200 und 400 Delegierten (was eigentlich schon zu viele sind), aber keine 2000 Teilnehmer wie bei einem BPT der Piratenpartei.

Was ist wohl effizienter – wenn 2000 Leute an einem Wochenende an einem Ort gleichzeitig alle Anträge diskutieren, die alle zusammen erstellt haben, wobei jeder bei 2 Tagen Parteitag (16h a 60 Minuten = 960 Minuten, geteilt durch 2000 ergibt 0,48 Minuten = 28,8 Sekunden) nur weniger als eine Minute Redezeit hat?

Oder ist es effizienter, wenn die 2000 Leute sich in der ersten Runde eines verteilten Algorithmus auf z.B. 50 kleine Gruppen aufteilen, die nicht alle Anträge diskutieren, sondern nur die, die aus der eigenen Gruppe kommen, und dann schonmal die offensichtlich spinnerten und nicht mehrheitsfähigen aussortieren, und nur die erfolgversprechenden in die nächste Runde geben, zusammen mit Leuten, die diese Anträge in der nächsten Runde vertreten können?
In der nächsten Runde, oder den nächsten Runden, mit weniger vielen, vielleicht etwas größeren, aber weiter mehrfach parallel und mit geringem Kommunikationsoverhead arbeitenden Gruppen können dann Dubletten eliminiert werden und alle Anträge nochmal ausdiskutiert werden, und in der letzten, großen Endrunde werden dann die mittlerweile gereiften und konsolidierten Anträge endgültig beschlossen.

Jede einzelne dieser Gruppen in den verschiedenen Runden hat weniger Kommunikationsoverhead als der 2000-Mann-BPT, und arbeitet effizienter. Hinzu kommen die Gewinne durch die Parallelisierung und die Eliminierung von Dubletten-Anträgen, die dazu führen, dass die Endrunde dieses Algorithmus unter viel besseren Vorbedingungen startet (mit weniger, besser vorbearbeiteten, mehrheitsfähigeren Anträgen) als ein basisdemokratischer Parteitag.

Gut der basisdemokratische Parteitag verspricht Partizipation für alle, aber man muss kein Genie und Mathecrack sein um zu erkennen, dass ein basisdemokratischer Bundesparteitag mit 2000 Leuten nicht etwa bedeutet, dass jeder partizipieren kann, sondern eher bedeutet, dass kaum jemand wirklich gehört wird. Bei 2000 Leuten gibt es theoretisch (2000² + 2000) / 2 Kommunikationsbeziehungen, also 2.001.000 Paarungen von Kommunikationspartnern. Die können niemals zustande kommen, was bedeutet, dass in so einer großen Gruppe vor allem aneinander vorbeigeredet wird, und nicht miteinander. Von daher ist “Partizipation durch Basisdemokratie” ein Versprechen, das sich nie erfüllt, und darum haben wohl auch die Grünen die Basisdemokratie schließlich abgeschafft.

Natürlich könnte man einen verteilten politischen Beschluss-Algorithmus auch anders organisieren als die Altparteien, z.B. nicht an Kreise, Bezirke, Landesgrenzen, Hierarchie-Ebenen der Parteiorganisation gebunden, sondern vielleicht dynamisch nach Anzahl der Interessierten, oder nach Themengebieten getrennt. Auf die Vorteile der Parallelisierung und Verteilung dieses rundenbasierten Systems zu verzichten, nur um “anders” zu sein ist hingegen meiner Meinung nach völliger Irrsinn. Lieber würde ich an der Art und Weise, wie und wie lange Delegierte gewählt werden, herumschrauben, um zu verhindern, dass Delegierungen einhergehen mit einer Art dauerhaftem Machtzuwachs und einer deutlich höheren Möglichkeit, eigene Themen zu platzieren. Zum Beispiel könnte man darauf verzichten, dass Gliederungs-Vorstände (z.B. Landesvorstände) Anträge direkt in eine der Endrunden des Beratungsalgorithmus einspeisen können, anstatt wie alle anderen in der ersten Runde einsteigen zu müssen.

Auch wenn man die Delegiertensysteme der Altparteien mit einigen guten Gründen kritisieren kann – das zugrundeliegende System der mehrstufigen Antragsberatung und der Delegierung für die nachfolgenden Runden ist meiner Meinung nach der Basisdemokratie so deutlich und klar überlegen, dass man dieses System als solches eigentlich nicht ablehen kann. Entweder Fulleren hat das nicht gesehen, oder aber er ist absichtlich nicht auf diese eigentliche Kernfrage eingegangen. Beides kann ich mir eigentlich nicht vorstellen, und bleibe insofern ratlos zurück und warte auf etwaige Kommentare.

Eingefrorene Eizellen oder: Die (Un-)Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Machen wir uns nichts vor. Es gibt keine “Vereinbarkeit von Beruf und Familie”, jedenfalls nicht in dem Sinne, dass man gleichzeitig voll für seine Familie da sein und mit ganzer Kraft an einer Karriere arbeiten kann.

Man kann seine Kraft zwischen Beruf und Familie verteilen. Workaholics und Vollzeit-Eltern bilden dabei die Extreme; dazwischen gibt es alle möglichen anderen Modelle der Verteilung der eigenen Kraft auf Beruf oder Familie.

Aber wie auch immer man seine Kraft verteilt: Natürlich kann man nicht gleichzeitig seinen Kindern die ideale Kindheit mit anwesenden und aktiven Elternteilen bieten und nebenher Karriere machen, mit Überstunden, Stresszeiten, Weiterbildungen, Jobwechseln. Eltern machen weniger, langsamer oder überhaupt nicht Karriere, entweder beide, oder der Elternteil, der sich stärker für die Familie als für den Job entscheidet. Das ist bei Männern genau so wie bei Frauen.

Dass uns, dass Frauen und Männern dennoch von Politik und irgendwelchen Nachrichtenmagazinen bzw. Frauenzeitschriften stetig eingeredet wird, eine tolle Karriere sei ebenso Pflicht wie eine glückliche Familie ist meiner Meinung nach eine Irreführung, auf die wir nicht hereinfallen sollten, weil wir sonst nur unglücklich werden können mit unserer nicht-perfekten Familie und unserer nicht-perfekten Karriere und der scheinbaren Ungerechtigkeit, dass man einfach keine zwei Dinge gleichzeitig tun kann.

tl;dr;:Die “Vereinbarkeit von Beruf und Familie” im Sinne von Beides-haben-Können ist eine Lüge, die wir glauben, weil wir sie so gern glauben wollen, obwohl wir es besser wissen sollten.

Das Angebot von Silicon-Valley-Unternehmen, Frauen das Einfrieren von Eizellen zu finanzieren, empfinde ich in diesem Zusammenhang als weitere groteske Ausbaustufe des offensichtlich unhaltbaren Versprechens, in seiner begrenzten Lebenszeit doch irgendwie alles haben zu können, tolle Karriere, Selbstverwirklichung, Haus, Nestbau, Familie, Barbequeue mit den Enkeln in der Vorstadt…

Dieses Angebot soll helfen, die Familiengründung (ad infinitum?) zu verschieben, zumindest aber aus dem Zeitraum der höchsten Leistungsfähigkeit heraus. Entsprechend der verbreiteten Vorstellung davon, in welchen Phasen ein “erfolgreiches Leben” ablaufen sollte.

Ich halte die Entwicklung unserer Vorstellungen von so einem Leben allerdings für eine krasse Fehlentwicklung.

Die Vorstellung vom “erfolgreichen” Leben sieht meiner Meinung nach so aus: Nach der glücklichen Kindheit kommt die erfolgreiche Schulzeit, dann Ausbildung/Studium, dann die berufliche Karriere. Dabei findet man dann den Traumpartner, und dann wird die Familie gegründet, natürlich nicht, bevor genug Geld für das geräumige Passiv-Haus im Grünen und den SUV einer süddeutschen Automarke beiseite gelegt worden ist…

In Wirklichkeit ist es aber so, dass jüngere Menschen sich natürlich leichter tun, Kinder zu bekommen und aufzuziehen, weswegen frühes Kinder-Kriegen günstig wäre. Wer mit dreißig — aus heutiger Sicht: schon — die ersten Kinder bekommt muss einsehen, dass es eigentlich doch schon etwas spät ist, weil man mit 20 die durchgeschrieenen Nächte mit Säuglingen oder kranken Kleinkindern leichter weggesteckt hätte. Und auch unter dem Aspekt der Fruchtbarkeit oder dem Aspekt der Verfügbarkeit fitter Großeltern zur Kinderbetreuung wäre eine frühe Familiengründung günstig. Es gilt nur irgendwie als falsch oder gar asozial Kinder in die Welt zu setzen, wenn man keine Ausbildung oder kein Studium oder noch keine relevante Karriere vorweisen kann. Obwohl man sich natürlich viel schwerer tut, nach dem Erreichen eines bestimmten Lebensstandards und einer bestimmten Karrierestufe diese Dinge aufzugeben um kleine, zeitraubende, teure Monster in die Welt zu setzen, was Kinder einfach manchmal sein können.

Wenn unsere Gesellschaft tatsächlich ein “lebenslanges Lernen” ermöglichen würde, wenn es tatsächlich jedem jederzeit möglich wäre eine Ausbildung oder ein Studium neu aufzunehmen oder fortzusetzen, wenn die Menschen keine Angst hätten bzw. haben müssten, nach einer frühen Familiengründung unqualifiziert und ohne gute weitere Bildungsmöglichkeiten sozial abzurutschen, dann könnte man die “Ideal-Reihenfolge” von Schule-Ausbildung/Studium-Karriere-Familie ggf. durchbrechen.
Dann würden Eltern ihren Kindern nicht gut zureden (müssen), “erstmal die Ausbildung/das Studium” fertigzumachen oder “erstmal Karriere zu machen”, “erstmal etwas zu sparen”, vielleicht sogar “erstmal ein Haus zu bauen”, etc..
Und wenn wir aufhören würden uns einzureden, es gäbe eine Art von “Vereinbarkeit von Beruf und Karriere”, die jedem alles ermöglicht, dann könnten wir vielleicht entspannter an das Thema Familiengründung herangehen und aufhören, auf “den idealen Zeitpunkt” für die Familiengründung zu warten, der natürlich niemals kommt, weil es ihn nicht gibt; zumal es immer großartig ist, ein Kind zu bekommen.

Vielleicht könnten wir den Trend zu einer immer späteren Familiengründung umkehren, und vielleicht könnten wir dann einfach über Firmen lachen, die ihren Mitarbeiterinnen durch Eizellen-Einfrier-Angebot “helfen”, ihre naive Wunschvorstellung von der Machbarkeit eines zweihundertprozentigen Lebens mit 100% Karriere und 100% Familienglück weiterzuleben, bis es vielleicht für eine Familie doch zu spät ist.

Amazon Prime – my ass!

Vor noch ca. einem Jahr dauerten auch “normale” Sendungen bei Amazon meist nur einen Tag.
Heute werden immer öfter die drei Tage gerissen, obwohl man annehmen sollte, das Amazons Logistik eher besser als schlechter geworden ist.

Meine Vermutung, schon seit Monaten, ist, dass durch eine künstliche Verschlechterung des “normalen” Serivce-Niveaus für Nicht-Prime-Kunden der Anreiz zum Abschluss einer Prime-Mitgliedschaft erhöht werden soll.

Eine Überlastung des Amazon-Versandapparats kann bestimmt nicht der Grund dafür sein, dass Nicht-Prime-Sendungen länger dauern – denn dann müssten sich die Verzögerungen auch über die drei-Tages-Grenze hinweg aufstauen.
Und es scheint auch nicht so, als würden Prime-Sendungen teurer versendet. Der einzige Unterschied scheint zu sein, dass Amazon Prime-Sendungen schneller zusammenstellen und ausliefern lässt.

Der Grund dafür, dass ich überzeugt bin, dass Amazon die Nicht-Prime-Sendungen absichtlich künstlich verzögert ist folgender: Amazon hat ein Interesse daran, *alle* Kunden zu Prime-Kunden zu machen. Das bedeutet, dass die Logistik so gestaltet sein muss, dass Prime-Versand für *jeden* Kunden möglich ist. Bestimmt hat Amazon keine zwei verschiedenen Lagerhäuser und Logistik-Unternehmen für Prime- und Nicht-Prime-Kunden. Folglich kann der Grund dafür, dass Prime-Kunden ihre Pakete schneller bekommen nur sein, dass der Versand zu Nicht-Prime-Kunden absichtlich verzögert wird.

Und auf Service-Verschlechterung-als-Mittel-um-Leuten-Zusatzleistungen-Anzuschnacken stehe ich ja überhaupt nicht. Diesen Mist mache ich weder beim HD-Fernsehen mit, noch bei Versandhändlern. Und darum werde ich versuchen, meine Einkäufe bei Amazon soweit als möglich zu beschränken – und für “Prime” extra bezahlen werde ich auch nicht. Denn unter Kundenservice verstehe ich Etwas anderes als Kunden zusätzliches Geld aus der Tasche ziehen zu wollen, und Marktwirtschaft bedeutet ja zum Glück, dass ich als Kunde Händler boykottieren kann, die diese Art von Kundenfreundlichkeit betreiben.

“Undogmatische Linke”

Wie man hört, verlässt der berühmt-berüchtigte Oliver Höfinghoff die Piratenpartei.

Bemerkenswert finde ich dabei vor allem, dass er gesagt haben soll, “dass eine »linke-undogmatische« Partei im Berliner Parteienspektrum durchaus einen Platz haben könnte.”.

Denn: Undogmatisch ist meiner Meinung nach das absolute Gegenteil dessen, was die Berliner Piraten und Oliver Höfinghoff die letzten Jahre an “politischer Performance” abgeliefert haben. So vielen Dogmen hinterherzulaufen, und sich selbst dennoch für undogmatisch zu halten, diese extreme Ausbaustufe eines ganz eigenen Weltbilds, das außer der eigenen Filterbubble niemand mehr versteht, muss man erstmal erreichen.

Die AfD und der “gesellschaftliche Konsens” in der Nachwende-BRD – ein Rant

Die AfD hat es in Landtage geschafft. Und dass, obwohl die AfD rückwärtsgewandt, rechts, etc. sein soll, wie deren politische Gegner nicht müde werden zu wiederholen. Warum also?

Nun: Es scheint mir, dass viele Dinge, die in den Medien und von den Meinungsführern und -führerinnen als “gesellschaftlicher Konsens” verkauft werden, gar nicht gesellschaftlicher Konsens sind; und dass dieser Nicht-Konsens nun durch die AfD offenbar wird, die dem Anschein nach als einzige im bürgerlichen Milieu (selbst-)positionierte Partei Positionen abseits dieses angeblichen Konsenses im Angebot hat. Positionen übrigens, die noch vor gar nicht allzu langer Zeit CDU-Positionen waren, bis sich die CDU unter Angela Merkel zur Partei der taktischen Beliebigkeit entwickelt hat.

Und – was wird uns nicht alles als “gesellschaftlicher Konsens” verkauft, gegen den zu argumentieren falsch, dumm und “rechts”, neoliberal oder rückschrittlich sein soll.

Die Ganztags-Einheits-Schule mit Inklusion auch von verhaltensgestörten Kindern, staatliche Gleichstellungs-Programme im Namen des Genderfeminismus, die Zwei-Verdiener-Familie mit Kindern in der Ganztagsbetreuung, die umlagefinanzierte Rente, das Master-Bachelor-ECTS-Studiensystem – alles Dinge, die angeblich gesellschaftlicher Konsens sein sollen. Oder zumindest Dinge, gegen die sich im Moment keine Partei offen positionieren will, wodurch der Eindruck entsteht, diese Dinge müssten gesellschaftlicher Konsens sein.

Dinge, bei denen der wissenschaftliche Nachweis des Nutzens und der Richtigkeit größtenteils fehlt, und die — wenn überhaupt — bei einer Volksabstimmung nur knappe Mehrheiten hinter sich haben dürften.

Einige dieser Dinge sind meiner Meinung nach ausgemachter Blödsinn, der den Menschen nicht gut tut. Möglicherweise irgendwo gut gemeinte, aber eben nicht wirklich gute Konzepte, die den eigentlichen Wünschen und Bedürfnissen der Menschen zuwiderlaufen.

Dass eine Partei Erfolg hat, die Positionen abseits vom politischen Konsens über den angeblichen gesellschaftlichen Konsens anbietet, überrascht mich darum überhaupt nicht. Überraschend bzw. amüsant finde ich hingegen die gequälten Erklärungsversuche für diesen Erfolg, die dadurch zustande kommen, dass ein Großteil der Journalisten den angeblichen gesellschaftlichen Konsens so internalisiert haben, dass sie überhaupt nicht mehr in der Lage sind, diesen zu anzuzweifeln oder zu hinterfragen.

Klar, in der AfD gibt es Leute, die Mist erzählen, der ungefähr an das Niveau von Erika Steinbach (CDU) rankommt, aber ihre Positionen bleiben dennoch für viele Menschen attraktiv, die mit den “Konsenspositionen” von Linke/Grüne/SPD/CDU/CSU nicht übereinstimmen.

IT-Security – Das Nicht-Handeln der Regierungen

Ich bin kein IT-Security-Experte, aber ich frage mich schon, warum bei der IT-Security so rumgeeiert wird.

Ständig wird von Politikern in Sonntagsreden mehr Sicherheit gefordert. Aber die Politik reagiert überhaupt nicht darauf, dass der “Markt” anscheinend recht gut daran verdient, dass die aktuellen, am meisten verbreiteten Rechnerarchitekturen eher unsicher sind – was nicht so sein müsste.
Aber möglicherweise wissen die meisten Politiker auch gar nicht, dass IT-Unsicherheit nicht gottgegeben, sondern größtenteils Folge unglücklicher früherer Hardware- und Software-Designentscheidungen ist.

Was spricht eigentlich gegen sicherere Prozessoren, Calling-Conventions, und allgemein eine sichere Hardware- und Software-Architektur?

Wenn man sich ansieht, wie die meisten Remote-Exploits funktionieren, so zeigt sich fast immer das gleiche Schema:

Es wird ein Puffer-Überlauf ausgenutzt, um auf dem Stack die Rücksprungadresse so zu ändern, das eingeschleuster oder “missbrauchbarer” vorhandener Code angesprungen wird, wodurch der Angreife die Kontrolle über den Rechner übernehmen kann. Zusätzlich wird entweder Shell-Code eingeschleust oder mittels “Return Oriented Programming” konstruiert, in beiden Fällen unter Ausnutzung ungünstiger Eigenschaften des x86-Befehlssatzes, wie z.B. der heute eher nutzlosen NOP-Operation oder der unterschiedlich langen, nicht-alignten Op-Codes. Alles Dinge, die man ändern könnte.

  1. Warum verhindert man die Überschreibbarkeit der Rücksprungadressen nicht durch einen sicheren Befehlssatz, der bei jedem Unterfunktionsaufruf die älteren Bereiche des Stacks per MMU vor Zugriffen aus dem aktuellen Funktionsaufruf schützt, oder durch die Hardware-gestützte Speicherung der Rücksprungadressen auf einem separaten Stack, auf den das laufende Programm gar keinen Zugriff hat? Es ist doch nicht notwendig, dass die änderbaren lokalen Variablen und die eigentlich nicht notwendigerweise zu ändernden Rücksprungadressen in einem vom ausgeführten Programm beschreibbaren Speicherbereich liegen. Ich halte diese Vermischung von lokalen Variablen und quasi “Rücksprungkonstanten” für einen gefährlichen Designfehler.

  2. Um Code ausführen zu können braucht man entweder einen Shell-Code, den man von außen einschleust, oder Techniken wie Return-Oriented-Programming, bei denen man vorhandenen Code zu einem schädlichen Programm zusammenpuzzelt.
    Es gibt Schwächen z.B. in der x86-Architektur, die diese Techniken erleichtern, wie z.B. den NOP-Opcode, oder die Tatsache, dass Opcodes unterschiedliche Längen haben können und nicht an Wort-Grenzen ausgerichtet sein müssen, wodurch man dann Befehls-Sequenzen für das ROP einfacher zusammepuzzeln kann.
    Diese Schwächen könne man in einem auf Sicherheit optimierten Prozessor ausbügeln und damit das Schreiben von Exploits ganz wesentlich erschweren.

Warum passiert nichts?

Es wäre sehr viel möglich, sowohl auf Seiten der Hardware, aber auch beim Betriebssystem, wenn der Wille bestünde, an dieser Stelle etwas zu tun. Hier sollte die Politik sich vielleicht einfach mal trauen, etwas anzuschieben, denn die “freie Wirtschaft” versagt an dieser Stelle ganz offensichtlich schon seit Jahren. Klar, Sicherheit ist meist kein Verkaufsargument, solange kein Hacker-Angriff erfolgt ist; statt dessen zählen Giga-Herz, Kompatibilität, Tera-Flops, MIPS, SAP-Transaktionen-pro-Sekunde, Leistung pro Watt und vieles mehr.

Auch weil bei Hardware- und Softwarearchitektur immer nur kleine Schritte gemacht werden verdienen sich Kriminelle und “White Hats” dumm und dämlich, spionieren Geheimdienste Länder aus etc., und die Politik sieht zu und glaubt anscheinend immer noch, dass “das der Markt regeln wird”. Das würde er ziemlich sicher auch, wenn die Politik durch entsprechende Vorschriften und Leitlinien dafür sorgen würde, dass es sich lohnt, sichere Produkte zu produzieren.
Wenn Produkte, die z.B. europäischen Richtlinien für die IT-Produktsicherheit nicht genügten, in der EU nicht verkauft werden dürften oder “Sicherheits-Klasse F”-Aufkleber bekämen, dann würden sich auch die großen US-Konzerne bewegen; wenn nicht Intel und Microsoft, dann vielleicht AMD oder IBM oder die Freunde aus Fernost.
Vielleich würde sogar eine europäische IT-Industrie wiederauferstehen, was nicht unmöglich scheint angesichts der Tatsache, dass immer noch oder wieder Fertigungsstraßen auch für Elektronik in der EU errichtet werden und z.B. der Raspberry Pi in England produziert wird.

Warum reicht der ePerso nicht mal für ein sicheres Mail-Zertifikat?

Wir haben übrigens den tollen elektronischen Personalausweis mit der Möglichkeit der qualifizierten elektronischen Signatur. Aber damit kann man sich nichtmal ein sicheres X.509-Zertifikat für sein Email-Programm erstellen. Was soll die Scheiße?
Es würde die Regierung ein paar tausend Euro und ein Lächeln kosten eine CA aufzuziehen, die X.509-Zertifikate generiert und signiert, wenn man sich mit seinem ePerso authentifiziert hat. Aber was soll’s…

Also, zusammenfassend: Der Zustand der IT-Sicherheit in Deutschland, Europa und der Welt liegt auch daran, dass weder in der Politik noch in der Wirtschaft echtes Interesse besteht, hier etwas zu ändern. Man könnte ziemlich schnell ziemlich viel erreichen, wenn man denn wollte. Apple konnte seine Prozessor-Architektur binnen weniger Jahre von Motorola 68k auf PowerPC auf x86 ändern, und jedesmal Emulatoren für den Betrieb von Altsoftware mitliefern, ohne das sich wirklich jemand darüber beschwert hätte, dass die alten Programme auf dem neuen Prozessor nicht mehr nativ liefen.
Aber in der Windows-Intel-PC-Welt hält man an der Rückwärtskompatibilität zur PC-Steinzeit fest, als wollte wirklich heute noch jemand MS-DOS 3.3 auf seinem Intel i7 laufen lassen können, und als wäre es nicht ein leichtes, die ganze verfügbare Software einfach für eine andere Plattform zu kompilieren, so wie das bei Linux anscheinend sehr gut geht.

Hier gilt es, politischen Druck zu erzeugen, damit IT-Architekturen, die seit 30 Jahren quasi unverändert und rückwärtskompatibel sind, die IT-Sicherheit nicht weiter gefährden.