GNTM-Finale-Bombendrohung — Feministischer Terror?

Aufgrund einer Bombendrohung durch eine Frau musste gestern die Sendung “Germany’s Next Top Model” abgebrochen werden.

Ich schreibe diesen Artikel in der Annahme, dass sich herausstellen wird, dass diese Person gemeint hat, die Finalsendung aufgrund ihrer “Frauenfeindlichkeit” verhindern zu müssen. Dass diese Annahme falsch sein könnte ist natürlich möglich; ich halte das aber für unwahrscheinlich.

Möglicherweise wurde die Täterin aufgehetzt durch eine Flut sich feministisch gebender Artikel, die die doch eher harmlose Model-Casting-Show in die Nähe einer Menschenrechtsverletzung rücken wollen, die andeuten, GNTM verursache Magersucht, und die jungen Frauen die Fähigkeit absprechen, sich selbst-bestimmt dafür zu entscheiden, bei GNTM teilzunehmen.

Aus der Sicht dieser “Opfer-Feministinnen” sind junge Frauen nämlich gar nicht fähig, wirklich frei zu entscheiden bei GNTM teilzunehmen. Vielmehr werden sie vom bösen Fernsehen und dem Patriarchat manipuliert, teilnehmen zu wollen, und sind also1 (quasi gehirngewaschene) Opfer der cis-heterosexistischen Gesellschaft, die Frauen in die Rolle “unterwürfige Modepuppe” hineindrängt.
Denn diese feministischen Kritik-Autorinnen selbst (siehe wiederum hier) sind nicht einmal in der Lage, genug Selbstkontrolle aufzubieten um davon abzulassen, diese schlimm frauenfeindliche Sendung, die sie zutiefst verachten, jedes Jahr wieder komplett anzuschauen. Und sie schließen anscheinend von sich auf andere.

Allerdings ist an dieser Opfer-feministischen Propaganda ungefähr alles falsch.

Denn Magersucht entsteht im allgemeinen durch mehrere Faktoren, und wenn sie durch ein gestörtes Körperbild verursacht wird, dann doch eher durch die unrealistischen, Photoshop-bearbeiteten Bilder in Magazinen, mit um 15% verlängerten Beinen, vergrößerten Brüsten, retouchierter Haut etc., als durch digital in dieser Hinsicht unbearbeitet gezeigte Kandidatinnen in einer TV-Show. Es könnte auch gut sein, dass die vom Genderfeminismus betriebene Ablehung der Frauenrolle oder die vom Feminismus begrüßte Verbreitung der Alleinerziehung ausschlaggebende auslösende Faktoren für Magersucht sind. Der Magersucht-Vorwurf ist also vollkommen spekulativ.

Und natürlich können Frauen Eigen-Verantwortung übernehmen und selbst-bestimmt handeln. Vielleicht nicht die, die es nicht schaffen, ihren Fernseher auszuschalten; aber das bedeutet nicht, dass die Kandidatinnen von GNTM nicht mit Begeisterung und aus freien Stücken an der Sendung teilnehmen (können).
Ich schrieb ja bereits, dass ich die Darstellung von Models als “fremdbestimmte strunzdumme Kleiderständer” für “sexistische Kackscheiße”2 halte.
Tatsächlich zeigt die ständige Kritik an GNTM, die die Teilnehmerinnen stets von Kritik ausspart und als Opfer darstellt, wie wenig Selbstbestimmung gerade Feministinnen jungen Frauen zutrauen. Das ist doch als feministische Position völlig absurd!
Ist es so schwierig zu begreifen, dass eine Freiheit, die nicht missbraucht werden kann, keine richtige Freiheit ist? Sich “falsch” entscheiden zu können ist integraler Bestandteil von Wahlfreiheit. Ein Feminismus, der tatsächlich an starken, autonomen, eigenverantwortlichen Frauen interessiert ist, müsste die Wahlfreiheit aller Frauen verteidigen, anstatt manchen Frauen zu unterstellen, sie wären gar nicht in der Lage, eigenverantwortlich und für sich richtig zu entscheiden. Eigen-Verantwortung bedeutet, die Folgen seines Handelns zu verantworten, dafür geradezustehen. Wer bei GNTM mitmacht, der wird ggf. im Fernsehen vorgeführt; wer Ökotrophologie studiert, wird sicher nicht in einen Dax-Vorstand kommen. Und wer eine Bombendrohung gegen GNTM ausspricht, und wahrscheinlich zu blöd ist, dabei anonym zu bleiben, der muss die Verantwortung für die Räumung einer Halle mit zigtausenden Zuschauern übernehmen, auch finanziell. Die Bomben-Droherin kann also schon mal Privatinsolenz anmelden. Und das ist auch gut so, denn:

Natürlich ist GNTM kein Sklavinnen-Markt und keine Menschenrechtsverletzung, die aufzuhalten einen Bombenanschlag oder eine Bombendrohung rechtfertigen würde. Dass es soweit gekommen ist, dass das nicht mehr Konsens zu sein scheint, müssen sich die fleißigen ArtikelschreiberInnen anlasten lassen, die die vielen “gut gemeinten” GNTM-Kritiken geschrieben und so den Boden für diese Art von Fanatismus bereitet haben.

  1. so wie auch alle SexdienstleiterInnen und alle Frauen, die ihrer feministischen Ideologie-Variante nicht folgen wollen []
  2. Entschuldigen Sie das sprachliche Niveau; es handelt sich hier um einen gängigen Netz-Feministinnen-Ausdruck []

Der Genderfeminismus und LGBTI-Allies – Schwule

Wie schon in ersten Artikel dieser “Serie” will ich hier kurz laut darüber nachdenken, inwiefern bestimmte Gruppen sich als “Allies” für den Genderfeminismus eignen, der ja behauptet, sich für die Rechte von “Queers” / LGBTI einzusetzen, natürlich auch für Schwule.

Doch inwiefern sollte es für Schwule attraktiv sein, “Allies” von Genderfeministinnen zu sein?

Meiner Meinung nach überhaupt nicht, denn als biologische Männer sind Schwule natürlich trotz allem Gender-Geschwafel für Genderfeministinnen immer nur Menschen zweiter Klasse. Schwule Paare würden von weiteren Maßnahmen zur Bevorzugung von Frauen und Benachteiligung von Männern doppelt hart getroffen. Und dass Feministinnen für ihre ach-so-geliebten “Allies” wirklich bereit wären z.B. so weit zu gehen, dass sie z.B. das Sorgerecht eines schwulen Paares für ein adoptiertes Kind nicht jederzeit wieder von der biologischen Mutter anfechtbar gestalten würden – das glaube ich, wenn ich es sehe.

Aber vielleicht könnte der feministische Kampf gegen die cis-hetero-normativ-sexistische Kultur, die angeblich zu Homophobie und Diskriminierung von Schwulen führt, ein Grund sein, feministischer Ally zu werden?

Ich habe meine Zweifel. Denn wenn man sich die Coming Outs verschiedener früherer “Homo-Heiler” und Studienergebnisse über homoerotische Phantasien bei Homophobikern ansieht, dann erscheint es so, dass die ganze “cis-heterosexuelle Homophobie” nur eine feministische Erfindung ist.

Allem Anschein nach geht Schwulenfeindlichkeit und Homophobie in den meisten Fällen gar nicht von “cis-heterosexuellen” Männern aus, sondern vor allem von verkappt schwulen und bisexuellen Männern, die nicht damit klarkommen, dass sie schwul oder bisexuell sind bzw. homoerotische Phantasien haben.
Die aggressivsten Schwulen-Hasser scheinen schwule Männer zu sein, die ihr (inneres) Coming Out nicht auf die Reihe bekommen.

Dabei ist ein Coming-Out heute eigentlich keine große Sache mehr. Wenn es bei der CSU schwule Spitzenkräfte und sogar in der AfD einen Arbeitskreis schwuler Mitglieder gibt, wo soll da überhaupt diese cis-heteronormative Gesellschaft noch stattfinden, die der Genderfeminismus bekämpfen zu müssen glaubt? Wo soll da die “strukturelle Gewalt” gegen Schwule, die “systemimmanente Oppression” von Schwulen (und was sich der Genderfeminismus noch an Floskeln ausgedacht hat) eigentlich ihre Quelle haben?

Und wie soll die Bekämpfung der angeblichen cis-heteronormativen Gesellschaft gegen schwule Schwulenhasser helfen? Wo doch die wirklich cis-heteronormativen Menschen (abgesehen vielleicht von sexuell unsicheren Teenagern und “Menschen mit, sagen wir mal, religiös motivierter Schwulenfeindlichkeit”), überhaupt keine Probleme mit Schwulen haben, weil es auch keinen Grund, kein Motiv dafür gibt.

Also – ich sehe nicht, was der Feminismus für seine schwulen Allies tun könnte oder wollte. Warum also sollten schwule Männer den Feminismus unterstützen?

Über sachdienliche Hinweise in den Kommentaren würde ich mich freuen :-)

Libyen, das Mittelmeer, Nepal und die Pflicht, zu helfen

Während wir in Europa im Wesentlichen gut leben, sterben jeden Tag auf der Welt zigtausende Menschen an Hunger, Krieg und Krankheit.

Der Helfer in uns sagt, wir sollten versuchen, diese Menschen zu retten. Darum spenden Menschen Geld für Rettungsaktionen, darum nimmt die EU Flüchtlinge auf, darum wird eine Seenotrettungsaktion auf dem Mittelmeer geplant. Der Helfer in uns will nach dem kategorischen Imperativ handeln, will moralisch richtig handeln, will so handeln, wie er sich wünschen würde behandelt zu werden, wäre er in Not.

Der Egoist in uns sagt, wir haben kein Geld, die ganze Welt zu retten. Wir wollen die Energiewende schaffen, wir wollen Inklusion in den Schulen, wir wollen eigentlich auch mehr Lehrer, Polizisten, Stellen in der Forschung, die Abschaffung von Hartz-IV, und höhere Renten. Der Egoist in uns will Brot für die Welt, aber Kuchen für Europa und Torte für Deutschland.

Beide, der Helfer und der Egoist, versuchen nun, logisch zu argumentieren, warum ihre Sicht “richtig” ist. Ist es nicht richtig, wenn Deutschland der Welt zeigt, wie man ohne fossile Brennstoffe auskommen könnte, wäre das nicht auch gut für die dritte Welt? Ist es nicht falsch, selektiv zu helfen, jeweils denen, auf deren Elend die Medien gerade den Fokus unserer Aufmerksamkeit lenken? Ist es nicht falsch, pro gerettetem Menschenleben auf dem Mittelmeer mehrere hundert Euro für eine Rettungsmission zu zahlen, wenn man an anderer Stelle, in Nepal oder dem Niger, für mehrere hundert Euro gleich mehrere dutzend Leute retten könnte? Ist es nicht richtig, überhaupt zu helfen, irgendwo anzufangen? Ist es nicht zynisch, den “Preis” von Menschenleben zu errechnen, und dann nur dort zu helfen, wo Helfen billig ist? Andererseits: Ist es moralisch richtig(er), solche Überlegungen nicht anzustellen, damit man dort helfen kann “wo man will”, ggf. dort, wo gerade die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit ist, und sich nicht rechtfertigen muss, warum man nicht an anderer Stelle mit den gleichen Mitteln mehr, andere Menschen rettet?
Wenn wir nicht helfen, machen wir uns dann mitschuldig, durch unterlassene Hilfeleistung? Und machen wir uns weniger mitschuldig, wenn diejenigen, die leiden und sterben, weiter z.B. von der EU entfernt oder nicht in den Medien sind?

Es gibt keine guten Antworten auf diese Fragen. Die Welt für alle zu einem lebenswerten Ort zu machen wird ein langer Kampf.
Es gibt keine Sofortlösungen, und wenn man eine Strategie entwickeln will, wie man langsam, Stück für Stück, mehr Länder stabilisieren und zu erfolgreichen Volkswirtschaften machen kann, wir das nicht ohne fragwürdige Entscheidungen gehen, wo und wie man helfen will.
Denn wenn man nicht allen sofort helfen kann, dann ist jede Entscheidung, irgendwo zu helfen, auch eine Entscheidung dafür, irgendwo nicht zu helfen, und damit eine unmoralische Leben-und-Tod-Entscheidung im Stil eines römischen Imperators.

Zudem wohnt in jedem von uns ein Helfer – und ein Egoist. Natürlich wollen wir helfen, die Probleme der dritten Welt zu lösen, aber unsere “First-World-Problems” sollen auch gelöst werden.

Und so kommt es auch, dass auch Journalisten und Politiker sich sowohl über deutsche Luxusprobleme als auch über das Elend in der Welt aufregen können, ohne den Widerspruch zu realisieren, den es bedeutet, wenn man jede Menge Geld zum Beispiel in Fischtreppen, Denkmalschutz oder Resozialisierung von Intensivstraftätern investieren will, obwohl das im Endeffekt heißt, dass das Geld für diese Dinge nicht verwendet werden kann, um an anderer Stelle Menschenleben zu retten. Das heißt: Alte Steine und Fische sind uns, also auch so Berufs-Betroffenheits-PolitikerInnen jeder coleur, mitunter wichtiger als Menschenleben, und darum ist es im Endeffekt ziemlich absurd, jetzt so zu tun, als ob von der Rettung von Menschen im Mittelmeer oder in Nepal unsere moralische Integrität und die Glaubwürdigkeit von Europa als Hort der Menschenrecht abhinge.
Denn wenn man einmal ein paar Minuten darüber nachdenkt müsste ja jedem klar werden, dass das mittelfristig unlösbare Problem der ungerechten Ressourcenverteilung auf der Welt ein Dilemma darstellt, welches unter jedem Aspekt “moralisches Handeln” überhaupt nicht zulässt.

Michael S. oder: Der Zusammenbruch des Poststrukturalismus

Der Blogger Michael S. schrieb vor einigen TAgen in seinem Blog im Beitrag “Warum wir eine Netzinnenpolitik brauchen, warum er den Kampf gegen “Maskulinisten” für höchst wichtig hält, wie er durch Lobbyarbeit z.B. Facebook oder Twitter auf seine genderfeministische Linie bringen will.

Wer Michael S. schon öfter gelesen hat, der weiß, dass er gern Männerrechtler bzw. Gender-Feminismus-kritische Humanisten in den gleichen Topf wirft wie Anti-FeministInnen, MaskulinistInnen, RassistInnen und Nazis. Und dass er sich in einem Kulturkampf der guten Feminist_ixs gegen das Reich des Bösen (bevölkert von Männern, und patriarchal gehirngewaschenen Frauen) wähnt, dass er also ein überzeugter Anhänger der genderfeministischen Ideologie ist.

Doch dem Genderfeminismus schwimmen die Felle davon. Die auf poststrukturalistischen Thesen basierende Idee, “Gender” sei vom biologischen Geschlecht entkoppelt, die Geschlechterrollen könnten deshalb “dekonstruiert” und aufgelöst werden, stellt sich als nicht vereinbar mit der Wirklichkeit heraus. Über ein Jahrzehnt “Girls Day” hat die Berufswahl von Frauen kaum beeinflusst, im feministischen Schweden haben sich die Unterschiede bei der Berufswahl von Frauen und Männern sogar noch verstärkt.
Durch die seit Jahrzehnten bestehende tatsächliche Gleichberechtigung von Frauen glaubt einfach niemand mehr die “Erzählung”1 dass die vom Genderfeminismus postulierte Unterdrückung von Frauen tatsächlich stattfindet; darum müssen Feminstinnen zunehmend zu Taschenspielertricks wie der absichtlichen Falschdarstellung von Tatsachen greifen, wie z.B. beim “Gender Pay Gap”.

Die These bzw. Hoffnung, die Realität sei mit der Wahrnehmung der Realität “rückgekoppelt”, hat sich nicht erfüllt. Die Wirklichkeit durch Umdeutung (durch “Erzählungen”) nachhaltig zu verändern, wie vom Poststrukturalismus postuliert und vom Genderfeminismus erhofft, ist nicht gelungen.
Wie auch andere Ideologien zuvor kann der Genderfeminismus zwar die Wahrnehmung der Realität ein Stück weit verbiegen, aber weder dauerhaft, noch bei einer Mehrheit der Menschen.

Unterbewusstsein und Triebe sind nicht durch “alternative Erzählungen” (oder: Propaganda) umzuprogrammieren. Stalins Seeleningenieure konnten keine Menschen schaffen, die zum Kommunismus passen, und auch der Genderfeminismus und seine Seeleningenieure werden daran scheitern, dass der Mensche (an sich) im Innersten kein Interesse an einer Abschaffung von Geschlechtern oder Geschlechterrollen hat.

Wie auch andere Ideologien zuvor hat der Genderfeminismus seine Halbwertszeit überschritten, und die Gender-Studies drohen als Pseudowissenschaft zur Legitimierung der genderfeministischen Ideologie entlarvt zu werden, und wie der wissenschaftliche Sozialismus oder die Physiognomik trotz fleißig produzierter Papierberge voller angeblicher “Ergebnisse” und vorübergehender Anerkennung als “Wissenschaft”, in der Versenkung zu verschwinden.

Auch liberale, neue journalistische Formate wie Cicero oder der Freitag bringen alle paar Tage oder Wochen (Gender-)Feminismus-kritische Artikel, der überfällige Backlash ist also voll im Gange.

Michael S. kämpft darum mit seinen Artikeln und Forderungen nach Ächtung und Ausgrenzung von “Maskus” etc. verzweifelt gegen diesen gesellschaftlichen Klimawandel, gegen die Entlarvung der Ideologie, deren Verteidigung er sich seit Jahren verschrieben hat, als ideologischer Unsinn.
Denn was wäre in einer Welt, in der Frauen tatsächlich gleichberechtigt sind, eigentlich paternalistischer als jemand, der sich selbst als feministischer Ally inszeniert?
Tatsächlich geht es für S. als Absolvent der angewandten Kulturwissenschaften nicht nur um seine Selbstinszenierung, es geht auch um den Wert seines akademischen Abschlusses, seine publizistische Glaubwürdigkeit, seine berufliche Zukunft.

Und er kämpft mit Waffen, die immer stumpfer werden. Nach Jahrzehnten, in denen sich sozialdemokratische politische Positionen weithin durchgesetzt haben, und die Parteien insgesamt immer weiter nach links gerückt sind — so dass jetzt möglicherweise rechts neben der CSU Platz für die AfD sein könnte — wirkt es lächerlich, mit der Faschismus-Keule auf alles einzuschlagen, was nicht “progressiv” genug erscheint.

Sogar die taz bringt mittlerweile kritische Artikel zur Überdrehtheit progressiver Diskursführung, wenn man die so nennen will; und die einzige wirklich rechtsextreme Partei in diesem Land ist allem Anschein nach eher “Honeypot”-Projekt des Verfassungsschutzes als eine wirklich von überzeugten Rechten getragene politische Organisation. Wer alle Menschen rechts von der Mitte der SPD bei jeder sich bietender Gelegenheit als Nazis, Rassisten, Maskus etc. beschimpft, den kann auf Dauer niemand ernst nehmen.

Michael S.’ Forderung nach einer “Netzinnenpolitik”2, vorgebracht auf einer Veranstaltung einer parteinahen Stiftung einer Partei, die auf dem Gebiet der Netzpolitik sowieso eine Nullnummer ist, wird also weitgehend ungehört verhallen. Michael S. wird keine strategisch wichtigen Plattformen auf die richtige, also seine, Seite ziehen, weil die Mehrheit der Menschen nicht auf seiner Seite ist.

  1. im poststrukturalistischen Sinn []
  2. Super kreativ gegenderter Neologismus übrigens… []

G36-Mimimi

Schon wieder ein Rant: Was mich auch nervt, ist das Mimimi um das G36. Als wäre es irgendwie wichtig, dass das G36 unter irgendwelchen Bedingungen nicht genau trifft.
Wieviele Soldaten hat Deutschland denn auf der Welt in Einsätzen wo es oft heiß wird, oder wo ständig längere Feuergefechte zu erwarten sind? Im Moment so… ca. keine?

Auf jeden Fall nicht genug, als dass jetzt sofort alle Gewehre ersetzt werden müssten. Zu Ausbildungszwecken wird das G36 ja wohl noch reichen. Immerhin ist man jahrzehntelang mit total abgefuckten G3 ausgekommen, und da war kaum jemals eins vernünftig eingeschossen.

Für die (fiktiven) Kampftruppen im Dauereinsatz könnten wir ja in der Schweiz ein paar Sig 550 kaufen, obwohl man sich da wohl auch nicht sicher sein kann, ob die Schweiz die auf Dauerfeuer-Fähigkeit im Dschungelkampf getestet hat. Bei Heckler und Koch gäb’s auch noch das HK416, von Steyr gäb’s das berühmte Steyr AUG.

Abgesehen davon, dass wahrscheinlich niemand vor hat, demnächst mehr als nur ein paar hundert Bundeswehrsoldaten in einem Kampfeinsatz zu haben, kostet ein Gewehr auch nur so ca. 2.500€, vielleicht weniger, wenn man 1.000 Stück nimmt. Die Bundeswehr hat ca. 35.000 Mann Eingreifkräfte, neue Gewehre für alle kosteten dann 87.5 Mio. Euro. So what? Wieviel kosten die A400M? Oder diese Hubschrauber, die nicht funktionieren? Wieviel hat das Euro-Hawk-Debakel gekostet?

Und da nerven mich die Medien mit einer wochenlangen Debatte um Gewehre, die in weitgehend fiktiven Szenarien ggf. weniger toll schießen, wegen Peanuts?

Eiertanz um die GDL

Ich muss leider heute etwas ausfallend werden, denn: Ich kann die Scheiße nicht mehr hören!

Die Gewerkschaft der Lokführer mag durch ihre Struktur in der Lage sein, eine Art von “Minimax”-Streik zu führen, der Massengewerkschaften wahrscheinlich verboten würde.
Aber: Es gibt in Deutschland Gewerkschaften, und diese haben Rechte, und die Gesellschaft muss es einfach ertragen, wenn jemand seine Rechte auch nutzt. Denn eine Freiheit. die man nicht missbrauchen kann, ist keine Freiheit.

Wenn man meint, die Bahn sei so “systemrelevant”, dass ein Streik der Lokführer nicht zu verschmerzen sei, dann soll man doch bitte entweder die Lokführer wieder verbeamten, oder die Lokführer durch Computer ersetzen. Wenn demnächst Autos auf freier Strecke autonom fahren können sollen, dann kann es doch nicht so schwer sein, eine Bahn, die im Endeffekt vom Stellwerk gesteuert wird, wo der Lokführer nur die Geschwindigkeit regeln kann, automatisch zu steuern.

Aber das ständige unqualifizierte Gemaule der Politik über die GDL – das ertrage ich nicht länger.

Recht auf Wahlfreiheit bei “Clouds”, und mehr.

Ich hatte kürzlich das zweifelhafte Vergnügen, Windows 8.1 auf einem Ultrabook in Betrieb zu nehmen.
Nur mit etwas Mühe konnte ich das Anlegen eines Microsoft-Kontos vorerst verhindern, doch bei der Inbetriebnahme von Skype ließ es sich dann nicht mehr vermeiden.
Und nur mit Mühe und Not konnte ich das Gerät davon überzeugen, dass ich nicht meine gesamten persönlichen Dokumente in die Microsoft-Cloud hochladen und meinen Suchverlauf Microsoft für Werbe- und Optimierungszwecke zur Verfgügung stellen will.

Das gleiche Problem hat man mit den meisten Mobiltelefonen: Es werden nicht-entfernbare Applikationen mitgeliefert, und jeder Hersteller versucht, die Kunden auf seine Angebote zu lotsen.
Der Kunde soll abhängig gemacht werden von irgendwelchen Cloud-Speichern und Internet-basierten Anmelde-Verfahren, angeblich im Namen der Sicherheit.

Aber ich habe keine Lust, meine Geräte nur nutzen zu können, wenn ich Online bin, oder nur mit einem Konto von Firma X, oder nur wenn ich Zugriff auf die Cloud von Firma Y habe.
Kluge Menschen wissen: Es gibt keine “Cloud”, es gibt nur die Computer anderer Leute. Und meine Daten lasse ich ungern bei anderen Leuten liegen, ich habe sie lieber bei mir.

Und ich möchte auch in Zukunft die Möglichkeit haben, das so zu halten.
Wir brauchen daher meiner Meinung nach endlich ein verbrieftes Recht, auf eigenen Geräten eigene Software zu installieren. Dass man einen Bootloader freischalten darf oder dass man auf seinem PC ein nicht-signiertes OS laufen lassen kann darf kein Gefallen sein, den Hersteller Nutzern tun, es muss ein Recht sein, dass Bürger haben.
Und es muss auch ein Recht darauf geben, Online-Authentifizierungsmechanismen abzuschalten, und Cloud-Speicher-Anbieter frei zu wählen. Dass Anbieter durch technische Maßnahmen Nutzer in ihr jeweiliges “Ökosystem” einsperren wollen ist nicht hinnehmbar. Was ist schon das “Bundling” von Windows mit dem Internet-Explorer, das einst verboten wurde, gegen die Verschmelzung von Betriebssystem, “App-Store”, Cloud-Anbieter, Musikdienst, Medienbibliothek etc.?
Hier drohen Nutzerinteressen und Wettbewerb unter die Räder zu kommen, weil niemand die Regeln des Marktes so anpasst, dass Kundeninteressen tatsächlich gehört werden. Im Moment kümmert sich niemand bei den Unternehmen um die Kundeninteressen, da die Annahme ist, dass man jetzt Marktanteile erobern muss um keine Chancen zu verpassen; und die Kunden haben ja sowieso keine große Wahl…

Hier ist meiner Meinung nach die Politik gefragt, das Abstecken von Claims zu verhindern, und Nutzerrechte zu verteidigen, beziehungsweise die Entmündigung von Nutzern und das Abgreifen von deren Daten zu verhindern. Und das wäre vielleicht auch ein Programmpunkt für die Piratenpartei – die Verteidigung der Menschen gegen die Hilf- und “Alternativlosigkeit” schon beim Einrichten eines Computers, wo man heuten nur die Möglichkeit hat, sich den irren Regeln von Konzernen zu unterwerfen, oder das Gerät zurückzugeben.

Gedanken zum Protokoll der Marina vom 2015-04-11

Ich habe mir das Protokoll durchgelesen. Schön finde ich, dass jetzt verstanden ist, dass Politik Marketing ist. Es geht nicht darum, die Köpfe zu gewinnen.

Es geht darum, das Bauchgefühl zu gewinnen und die Köpfe nicht abzuschrecken.

Dass der “CCC uns nicht mehr vertraut” setzt voraus, dass der CCC uns jemals vertaut hätte. Ist das so? Der CCC war meiner Meinung nach schon immer auf Distanz zur Piratenpartei, sogar 2009 auf dem 25C3 wurde ein Auftritt der Piraten nicht unbedingt überschwenglich begrüßt, wenn ich mich nicht irre.
Die Existenz des CCC hängt davon ab, seine Mitglieder zu integrieren, darum konzentriert man sich dort auf ganz wenige Sachthemen und geht politischen Festlegungen aus dem Weg. Dass die Piratenpartei quasi zerbrochen ist, liegt genau daran, dass die Piratenpartei diese Weisheit des CCC nicht hatte und nicht hat und auch weiterhin anscheinend nicht versteht, wie wichtig es ist, ganz wenige gemeinsame Themen zu betonen und spaltende Themen totzuschweigen.
Klar, das konnte so in einer “Transparenzpartei” nicht funktionieren, und das ist genau der Grund, warum die Piraten mit Transparenz und Führungslosigkeit so gescheitert sind.

Es ist wichtig, dass man jetzt endlich diese Themen findet, die alle vereinen. Und ich denke, Bürgerrechte im digitalen Zeitalter sind weiter ein Top-Thema, das weit tragen kann, wenn man es ansprechend verkauft, und auch so ziemlich das einzige Thema, über das in der Piratenpartei Konsens herrscht.

Skeptisch bin ich aber beim Thema “Arm der digitalen Revolution” / digitale Partei.
“Politik 2.0″/”Alles mit Internet machen” war der sprichwörtliche Hammer, den die Piratenpartei eine Zeit lang fest in der Hand hielt, um dann doch feststellen zu müssen, dass nicht alle Probleme Nägel sind.
Alle technokratischen Wahnindeen, mit genug Netzwerk, Krypto etc. könne man die Demokratie mal eben kurz revolutionieren (SMV, LQFB) haben sich ja mittlerweile weitgehend zerschlagen.

Die Piratenpartei muss aufpassen, nicht als Partei der Internet-Spinner, Nerds, Phantasten und Besserwisser wahrgenommen zu werden, wie es bisher oft der Fall war. Hätten genug Leute Rick Falkvinges Buch Swarmwise gelesen, dann wäre die ganze Sache vielleicht nicht so in die Hose gegangen. Dann wäre z.B. niemand auf die Idee bekommen, einen basisdemokratischen Bundesparteitage einzuführen.

Und ich auch noch vor dem Thema BGE warnen. Das ist wieder so ein Avantgarde-Thema, das sich meiner Vermutung nach nur so hartnäckig hält, weil es ein Steckenpferd von manchen einflussreichen Leuten ist. Aber es ist zu erklärungsbedürftig, um als Wahlkampfthema geeignet zu sein, es ist keine Sache, die man in drei Sätzen erklären kann, kein Thema, das Herz und Bauchgefühl anspricht.

Basis Entscheid Online

Eine Freundin hatte mich gefragt, ob ich ggf. etwas beitragen könnte zum “Basisentscheid Online”.
Das ist schon ziemlich lange her. Ich habe aber immerhin oft darüber nachgedacht, wie man das Problem des Basisentscheids bezüglich der Freiheit, der Gleichheit und der Geheimhaltung der Wahl irgendwie lösen könnte. Das hier ist das Ergebnis.

Bei einer Wahl hat man verschiedene Probleme: Erstens das Problem, dass die Wahl gleich sein soll. Das heißt, jeder hat eine Stimme, und es wird sichergestellt, dass Stimmen weder unterschlagen werden noch zusätzliche Stimmen “erfunden” werden. Bei der Urnenwahl geht das über das Wählerverzeichnis, mit dessen Hilfe und mit Hilfe der Wahlbenachrichtigung oder des Personalausweises jeder Wahlberechtigte identifiziert bzw. authentifiziert wird.

Beim Einwerfen der Stimme in die Urne wird der gefaltete Wahlzettel “anonymisiert”. Dadurch wird die Freiheit der Wahl sichergestellt.

Dass die Urne nicht irgendwie manipuliert ist wird sichergestellt, indem vorher Wahlhelfer von verschiedenen Interessengruppen die Urne überprüfen. Außerdem wird durch die Verteilung der Wahl auf zig Wahlbezirke eine Wahlmanipulation erschwert, weil eine effiziente Wahlmanipulation eine ziemlich groß angelegte Verschwörung benötigen würde. Denn wer nicht alle Bezirke manipulieren kann, muss in den wenigen kontrollierten Bezirken stark manipulieren, um in Bezug auf das Gesamtergebnis einen Effekt zu erzielen; weil auch die Einzelergebnisse der Bezirke veröffentlicht werden, fällt die Manipulation im Allgemeinen auf.

Das schöne an der Urnenwahl ist, dass relativ transparent und nachvollziehbar ist, dass diese Mechanismen funktionieren.

Bei Brief- oder Computerwahl gibt es diese Transparenz nicht, eher einen “Single Point of Failure”, eine einzige Stelle, an der ggf. intransparent alles manipuliert werden kann, nämlich der eine Server oder der eine Briefkasten; und darum sollte man mit solchen Verfahren prinzipiell keine Wahlen veranstalten.

Wie könnte man also unter diesen Umständen doch noch einen Basis-Entscheid, ggf. online, hinbekommen?

Klar, eine Möglichkeit ist es, nur offene oder namentliche Wahlen verteilt bzw. online durchzuführen, dann treten die ganzen Probleme einer geheimen Wahl nicht auf.

Aber wenn man auch geheime Wahlen durchführen will, erscheint es mir von entscheidender Bedeutung zu sein, die Dezentralität beizubehalten, also zu verhindern, dass es einen oder wenige Punkte gibt, wo eine Manipulation erfolgen kann, und sicherzustellen, dass die Auswertung der Stimmen durch bekannte Personen verschiedener Lager gemeinsam durchgeführt werden muss.

Das hieße dann also: Mehrere Wahl-Server mit unabhängig installierter Software, die mehrere Leute geprüft haben, mehrere Briefkästen, die während der gesamten Wahlperiode von mehreren Leuten bewacht werden, etc..

Das wiederum bedeutet einen eher hohen personellen und zeitlichen Aufwand, und dann stellt sich die Frage, ob ein auf diese Weise durchgeführter Basisentscheid, Online oder per Brief oder sonstwie, überhaupt noch einen Vorteil hat gegenüber z.B. einem “verteilten Bundesparteitag”.

Jetzt, nach reiflicher Überlegung, denke ich, dass ein verteilter Bundesparteitag, wo dann verschiedene lokale, gemischte Wahlkommissionen die jeweiligen Stimmen auswerten, in dessen Rahmen dann verschiedene Basisentscheide veranstaltet werden könnten, die realistischere Alternative darstellt.

Der Genderfeminismus und LGBTI – Transsexuelle

Der Genderfeminismus versucht uns einzureden, es gäbe keine wirklich relevanten Unterschiede zwischen den Geschlechtern, das biologische Geschlecht sei irrelevant, und die Geschlechterrollen nur anerzogen.

Und gleichzeitig versucht der Genderfeminismus, sexuelle Minderheiten, als Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transsexuelle, Intersexuelle (etc.) vor seinen Karren zu spannen, als vermeintlich ebenfalls von der imaginären patriarchalen Weltverschwörung unterdrückte Gruppen.

Allerdings verstehe ich nicht, wie Transsexuelle zum Genderfeminismus passen. Ganz offensichtlich haben diese doch einen starken Drang, die zu ihrem biologischen Geschlecht “passende” Geschlechterrolle abzulegen, und die Rolle des anderen Geschlechts anzunehmen.
Dieser übermächtige Drang widerlegt doch eher den Genderfeminismus, als dass er ihn stützt. Denn allein die Existenz eines “Hirngeschlechts”, also hormonell oder epigenetisch verursachter neurobiologischer Besonderheiten, die dazu führen, dass die Wahrnehmung des eigenen Geschlechts nicht zum eigenen Körper passt, kann erklären, warum jemand — gegen alle gesellschaftlichen Widerstände, trotz aller Probleme mit seiner Umwelt — alles tut, um seine Geschlechterrolle und auch seinen Körper dem selbst-wahrgenommenen Geschlecht anzupassen.

Hätte der Genderfeminismus recht mit seiner These, die Geschlechterrollen seien nur “antrainiert”, dann dürfte diese Konditionierung doch niemals so versagen, dass jemand nicht nur fähig ist, sich dieser Konditionierung zu widersetzen, sondern sich sogar gezwungen sieht, entgegen der Konditionierung das andere Geschlecht anzunehmen. Transsexuelle sind also eigentlich als “Allies” von Genderfeministen völlig ungeeignet, sie müssten im Prinzip als VerräterInnen verfolgt werden, weil schon ihre bloße Existenz die Genderideologie ad absurdum führt.

Warum also tut der Genderfeminismus zumindest so, als würde er auch die Interessen von Transsexuellen vertreten wollen, als wären Transsexuelle genau so willkommene Allies wie andere “queers”?