Männerquote für Zahmedizin?

Im Artikel „Männer verzweifelt gesucht“ fordert der freie Verband deutscher Zahnärzte (FVDZ), wieder mehr Männer für das Studium der Zahnmedizin zu gewinnen.

Da das Studium der Zahnmedizin zulassungsbeschränkt ist, und Frauen im aktuellen Schulsystem häufiger und mit besseren Noten Abitur machen (was aber natürlich niemand eigenartig, geschweige denn männerfeindlich, findet), sind anscheinend mittlerweile (fast) 100% der Zahnmedizin-Studierenden Frauen, und es wird möglicherweise bald eine Frauenquote von 100% bei den Absolventinnen geben.

Aus feministischer Sicht bestimmt ein toller Erfolg.

Dies führe aber, so der FVDZ, zu einem Mangel an zahnärztlicher Versorgung, weil die meisten Absolventinnen sich schließlich dazu entschieden, Kinder zu haben, und 65% – 70% der Zahnärztinnen mit Kindern nach der Babypause nicht mehr als Zahnärztin weiterarbeiteten.

Nun haben Feministinnen jahrelang behauptet, es sei volkswirtschaftlich sinnvoll und effizienzsteigernd, wenn mehr Frauen berufstätig seien.
Aber wenn es stimmt, dass Frauen ihre Ausbildung seltener oder weniger dauerhaft zur Anwendung bringen als Männer, dann bedeutet jede Frau, die anstatt eines Mannes einen Studienplatz z.B. in Zahnmedizin bekommt, statistisch gesehen eine Verringerung der später tatsächlich arbeitenden Zahmediziner.
Und das verringert die Effizienz des Bildungssytems und ist volkswirtschaftlich schlecht.

Wie aber kommt es, dass die Quote von Frauen, die ihren studierten Beruf auch ausüben, in vielen Fächern geringer ist als die Quote der Männer?
Nun, Feministinnen behaupten, dass liege am sexistischen Arbeitsumfeld und der immer noch zu geringen Frauenquote. Aber dieses Argument zieht bei Zahnärztinnen wohl kaum. ZahnärztInnen arbeiten allein, umgeben nur von meist 100% weiblichen MTAs und Sprechstundenhilfen. Und dennoch ist die Quote der arbeitenden Zahnärztinnen eher gering.

Ich denke, es liegt an stereotypen Vorstellungen vom idealen „Lebensweg“, also Schule-Abschluss-Ausbildung-Beruf und dann vielleicht Kinder, in Kombination mit dem genderfeministischen Dogma, Frauen müssten Karriere machen wollen, müssten wie Männer sein, das mit den wirklichen Bedürfnissen der meisten Frauen nichts zu tun hat.

Die Frauen, die sozusagen aus Angst davor, Bildungschancen zu verpassen, etwas studieren, was sie dann doch nicht ausfüllt, die ihre besten Jahre dafür opfern, sind Opfer unserer Gesellschaft, die frühe Mutterschaft als „Fehler“, leichtsinnig und unfeministisch, stigmatisiert, und die es kaum ermöglicht, erst Kinder auf die Welt zu bringen und dann zu studieren und Karriere zu machen. Kinderbetreuung können sich leider eher nur Berufstätige leisten, darum ist die Folge Studium->Kinder unter heutigen Bedingungen eine kluge Wahl.

Die Beschwerde der FVDZ deutet auf mehrere gesellschaftliche Tragödien hin, auf eine verfehlte Politik, die nur Verlierer produziert: Männer, die aufgrund der Bevorzugung von Frauen im Schulsystem bestimmte Studiengänge nicht studieren dürfen. Frauen, die sich durch feministische Dogmen einerseits und reale Schwierigkeiten beim Studium mit Kindern andererseits dazu drängen lassen, etwas zu studieren, wofür sie nicht „brennen“. Und im Endeffekt eine Gesellschaft, die Geld zum Fenster herauswirft für Ausbildungen, die dann nicht zum Einsatz kommen.

Reinhold G. und die Vorratsdatenspeicherung

Der baden-württembergische Innenminister Reinhold Gall (SPD) hat es heute vermocht, einen absoluten Tiefpunkt in der Debatte um die Vorratsdatenspeicherung zu setzen:

(Ich nehme mal an, dass dieser Account trotz fehlendem „blauen Häckchen“ tatsächlich Reinhold Gall gehört.)

Warum ist das ein Tiefpunkt? Nun, es gibt mehrere Gründe.

Erstens ist natürlich die Suggestion, die VDS würde helfen, Kinderschänder zu überführen, totaler Käse. Denn wenn man mal kurz nachdenkt, wie die SPD-Mitglieder Edathy und Tauss überführt wurden, so ist dies jeweils ganz ohne Vorratsdatenspeicherung passiert, über klassische Polizeiarbeit.
Im Fall Tauss wurden seine Kontaktdaten bei einem anderen Verdächtigen gefunden, im Fall Edathy wurden Bestell- und Bankverbindungsdaten bei einer verdächtigten Firma entdeckt.
Die „Überführung von Kinderschändern“ per Vorratsdatenspeicherung ist also nur ein Strohmannargument, um mit dem emotionalen Argument des Kinderschutzes den Abbau der Bürgerrechte zu verteidigen.

Zweitens sind Grundrechte eben nicht „relativierbar“. Nach aktueller Rechtslage1 ist zum Beispiel die sogenannte Rettungsfolter nicht legal, also die Folter bzw. Bedrohung eines Verdächtigen, um eine mögliche größere Gefahr abzuwehren. Auch im Falle der „Rettungsfolter“ wird mit der hypothetischen großen Gefahr (für die vom Verbrecher versteckte Geisel, durch die von den Terroristen versteckte Atombombe…) argumentiert, die abgewehrt werden soll, um die Grundrechte eines Menschen auf Basis von Vermutungen außer Kraft zu setzen. Und nach genau diesem Muster „(imaginäre) Große Gefahr rechtfertigt großen Grundrechtseingriff“ wird auch jetzt wieder argumentiert.

Das ist eine Schande für die große Traditionspartei SPD. Man kann nur hoffen, dass eine kommende größere Wahlniederlage die SPD wieder zur Vernunft bringen wird.

  1. Also bis die GroKo auch hier ein Grundrecht abschafft []

Piratenpartei Programm 2017

„Dank“ der unterirdischen Performance der SPD und der Tatsache, dass man der FDP möglicherweise auch nicht unbedingt über den Weg trauen sollte, könnte es ja doch noch mal was werden mit den Piraten, nachdem sich die links-bizarre Stalinisten-Truppe jetzt zur „die Linke“ verzogen zu haben scheint.

Es gäbe ja viele Punkte, die ich als Pirat gutheißen würde für ein Wahlprogramm 2017. Aber um den inneren Zusammenhalt nicht zu gefährden und sich nicht bei schwierigen Themen auf dem falschen Fuß erwischen zu lassen, empfehle ich, allein auf

  1. Abwehr der Vorratsdatenspeicherung und generell der Totalüberwachung
  2. Abwehr von TTIP, CETA, TIPA und anderen die Handlungsmöglichkeiten der Regierung ggf. behindernden Verträgen

zu setzen. Diese Themen sind nicht so haarig wie Flüchtlingspolitik, Steuern, Sterbehilfe, Feminismus, Rüstungskontrolle, Bildungspolitik, Beschneidung und tausend weitere Dinge, wo ich auch gerne sofort bestimmte Positionen beschlossen hätte, die aber einfach zu kontrovers sind, um da Einigkeit in der Piratenpartei herzustellen und dann auch noch Mehrheiten in der Bevölkerung dafür zu bekommen.

Je mehr Themen man im Wahlkampf hat, desto wahrscheinlicher werden Wähler wegen eines der Themen beschließen, eine Partei NICHT zu wählen. Darum ist der Wahlkampf der Altparteien auch so weichgespült. Die sind ja nicht wirklich blöd, sondern haben Erfahrung und gute Berater.

Eine Partei braucht nicht mehr als ein oder zwei Themen, denn mehr kann man im Wahlkampf nicht platzieren. Jedes Thema mehr schadet, weil es die Geschlossenheit gefährdet, zusätzliche Angriffsfläche bietet, und die Aufmerksamkeit des Wählers überfordert.

Darum plädiere ich dafür: Als Themen für den Piratenpartei-Wahlkampf 2017 VDS und TTIP/CETA/TIPA nehmen.

Freies Mandat und Vollprogramm

Menschen wählen Parteien, weil sie sich von diesen Parteien eine bestimmte Politik erhoffen.
Welche Politik dies ist, wird durch das Parteiprogramm der Partei bestimmt.

Nun sind die Piraten eine Partei, die für das „Freie Mandat“ eintritt, also dafür, dass Abgeordnete nur ihrem Gewissen verpflichtet sein sollen.
Das bedeutet: Abgeordnete sollten sich nicht der Parteimeinung bzw. der Fraktionsdisziplin unterwerfen, sondern ihren eigenen Kopf haben.

Das Problem daran ist, dass die Wähler sich auf deutsch gesagt verarscht fühlen (werden), wenn Abgeordnete einer Partei, die sie gewählt haben, nicht so stimmen, wie es im Wahlkampf versprochen wurde.

Je mehr also im Wahlkampf an Positionierung versprochen wurde, desto wahrscheinlicher ist es also für eine Partei, die für das „Freie Mandat“ eintritt, dass ihre Abgeordneten gegen das eigene Parteiprogramm stimmen.
Das bedeutet: Je umfangreicher das Parteiprogramm ist, desto häufiger wird es in den eigenen Fraktionen Stimmen gegen die Programmposition geben, desto häufiger werden Wähler enttäuscht sein, desto stärker leidet die Glaubwürdigkeit der Partei.

Und darum sind Vollprogramm und „Freies Mandat“ in der Praxis unvereinbar.

Die Piratenpartei muss sich darum entscheiden: Entweder ein schlankes Programm, dass sich auf die Kernthemen konzentriert und ansonsten bei anderen Themen die Abgeordneten frei entscheiden lässt, oder ein Vollprogramm und dazu eine eiserne Fraktionsdisziplin wie bei den Altparteien.

Ich bin für ein kompaktes Programm mit Kernthemen und das Freie Mandat. Das Vollprogramm, der Versuch, auf allen Politikfeldern alles abzudecken, ist ein Irrweg, ein Holzweg, auf den uns die Altparteien und die mit diesen verbundenen Journalisten locken wollen.
Wir müssen den Mut haben zu sagen, dass wir unseren Abgeordneten bei allen Themen, die wir nicht in unserem Programm abdecken, die freie Wahl lassen werden, wie sie stimmen. Wir müssen den Mut zur programmatischen Lücken haben und darauf vertrauen, dass unsere Themen genug Menschen bewegen können, um politisch erfolgreich zu sein. Ein Vollprogramm würde bedeuten, auf fast allen Politikfeldern personell und von der Kompetenz her unterlegen zu sein. Gewählt werden werden wir aber nur, wenn wir Menschen überzeugen. Und das können wir nur, wenn wir nur zu den Schlachten antreten, wo wir überzeugen und gewinnen können, also in den Politikfeldern, wo wir überlegen Kompetenz haben. Darum ist die Kombination Kernthemen und freies Mandat für mich für die Piratenpartei „alternativlos“.

GNTM-Finale-Bombendrohung — Feministischer Terror?

Aufgrund einer Bombendrohung durch eine Frau musste gestern die Sendung „Germany’s Next Top Model“ abgebrochen werden.

Ich schreibe diesen Artikel in der Annahme, dass sich herausstellen wird, dass diese Person gemeint hat, die Finalsendung aufgrund ihrer „Frauenfeindlichkeit“ verhindern zu müssen. Dass diese Annahme falsch sein könnte ist natürlich möglich; ich halte das aber für unwahrscheinlich.

Möglicherweise wurde die Täterin aufgehetzt durch eine Flut sich feministisch gebender Artikel, die die doch eher harmlose Model-Casting-Show in die Nähe einer Menschenrechtsverletzung rücken wollen, die andeuten, GNTM verursache Magersucht, und die jungen Frauen die Fähigkeit absprechen, sich selbst-bestimmt dafür zu entscheiden, bei GNTM teilzunehmen.

Aus der Sicht dieser „Opfer-Feministinnen“ sind junge Frauen nämlich gar nicht fähig, wirklich frei zu entscheiden bei GNTM teilzunehmen. Vielmehr werden sie vom bösen Fernsehen und dem Patriarchat manipuliert, teilnehmen zu wollen, und sind also1 (quasi gehirngewaschene) Opfer der cis-heterosexistischen Gesellschaft, die Frauen in die Rolle „unterwürfige Modepuppe“ hineindrängt.
Denn diese feministischen Kritik-Autorinnen selbst (siehe wiederum hier) sind nicht einmal in der Lage, genug Selbstkontrolle aufzubieten um davon abzulassen, diese schlimm frauenfeindliche Sendung, die sie zutiefst verachten, jedes Jahr wieder komplett anzuschauen. Und sie schließen anscheinend von sich auf andere.

Allerdings ist an dieser Opfer-feministischen Propaganda ungefähr alles falsch.

Denn Magersucht entsteht im allgemeinen durch mehrere Faktoren, und wenn sie durch ein gestörtes Körperbild verursacht wird, dann doch eher durch die unrealistischen, Photoshop-bearbeiteten Bilder in Magazinen, mit um 15% verlängerten Beinen, vergrößerten Brüsten, retouchierter Haut etc., als durch digital in dieser Hinsicht unbearbeitet gezeigte Kandidatinnen in einer TV-Show. Es könnte auch gut sein, dass die vom Genderfeminismus betriebene Ablehung der Frauenrolle oder die vom Feminismus begrüßte Verbreitung der Alleinerziehung ausschlaggebende auslösende Faktoren für Magersucht sind. Der Magersucht-Vorwurf ist also vollkommen spekulativ.

Und natürlich können Frauen Eigen-Verantwortung übernehmen und selbst-bestimmt handeln. Vielleicht nicht die, die es nicht schaffen, ihren Fernseher auszuschalten; aber das bedeutet nicht, dass die Kandidatinnen von GNTM nicht mit Begeisterung und aus freien Stücken an der Sendung teilnehmen (können).
Ich schrieb ja bereits, dass ich die Darstellung von Models als „fremdbestimmte strunzdumme Kleiderständer“ für „sexistische Kackscheiße“2 halte.
Tatsächlich zeigt die ständige Kritik an GNTM, die die Teilnehmerinnen stets von Kritik ausspart und als Opfer darstellt, wie wenig Selbstbestimmung gerade Feministinnen jungen Frauen zutrauen. Das ist doch als feministische Position völlig absurd!
Ist es so schwierig zu begreifen, dass eine Freiheit, die nicht missbraucht werden kann, keine richtige Freiheit ist? Sich „falsch“ entscheiden zu können ist integraler Bestandteil von Wahlfreiheit. Ein Feminismus, der tatsächlich an starken, autonomen, eigenverantwortlichen Frauen interessiert ist, müsste die Wahlfreiheit aller Frauen verteidigen, anstatt manchen Frauen zu unterstellen, sie wären gar nicht in der Lage, eigenverantwortlich und für sich richtig zu entscheiden. Eigen-Verantwortung bedeutet, die Folgen seines Handelns zu verantworten, dafür geradezustehen. Wer bei GNTM mitmacht, der wird ggf. im Fernsehen vorgeführt; wer Ökotrophologie studiert, wird sicher nicht in einen Dax-Vorstand kommen. Und wer eine Bombendrohung gegen GNTM ausspricht, und wahrscheinlich zu blöd ist, dabei anonym zu bleiben, der muss die Verantwortung für die Räumung einer Halle mit zigtausenden Zuschauern übernehmen, auch finanziell. Die Bomben-Droherin kann also schon mal Privatinsolenz anmelden. Und das ist auch gut so, denn:

Natürlich ist GNTM kein Sklavinnen-Markt und keine Menschenrechtsverletzung, die aufzuhalten einen Bombenanschlag oder eine Bombendrohung rechtfertigen würde. Dass es soweit gekommen ist, dass das nicht mehr Konsens zu sein scheint, müssen sich die fleißigen ArtikelschreiberInnen anlasten lassen, die die vielen „gut gemeinten“ GNTM-Kritiken geschrieben und so den Boden für diese Art von Fanatismus bereitet haben.

  1. so wie auch alle SexdienstleiterInnen und alle Frauen, die ihrer feministischen Ideologie-Variante nicht folgen wollen []
  2. Entschuldigen Sie das sprachliche Niveau; es handelt sich hier um einen gängigen Netz-Feministinnen-Ausdruck []

Der Genderfeminismus und LGBTI-Allies – Schwule

Wie schon in ersten Artikel dieser „Serie“ will ich hier kurz laut darüber nachdenken, inwiefern bestimmte Gruppen sich als „Allies“ für den Genderfeminismus eignen, der ja behauptet, sich für die Rechte von „Queers“ / LGBTI einzusetzen, natürlich auch für Schwule.

Doch inwiefern sollte es für Schwule attraktiv sein, „Allies“ von Genderfeministinnen zu sein?

Meiner Meinung nach überhaupt nicht, denn als biologische Männer sind Schwule natürlich trotz allem Gender-Geschwafel für Genderfeministinnen immer nur Menschen zweiter Klasse. Schwule Paare würden von weiteren Maßnahmen zur Bevorzugung von Frauen und Benachteiligung von Männern doppelt hart getroffen. Und dass Feministinnen für ihre ach-so-geliebten „Allies“ wirklich bereit wären z.B. so weit zu gehen, dass sie z.B. das Sorgerecht eines schwulen Paares für ein adoptiertes Kind nicht jederzeit wieder von der biologischen Mutter anfechtbar gestalten würden – das glaube ich, wenn ich es sehe.

Aber vielleicht könnte der feministische Kampf gegen die cis-hetero-normativ-sexistische Kultur, die angeblich zu Homophobie und Diskriminierung von Schwulen führt, ein Grund sein, feministischer Ally zu werden?

Ich habe meine Zweifel. Denn wenn man sich die Coming Outs verschiedener früherer „Homo-Heiler“ und Studienergebnisse über homoerotische Phantasien bei Homophobikern ansieht, dann erscheint es so, dass die ganze „cis-heterosexuelle Homophobie“ nur eine feministische Erfindung ist.

Allem Anschein nach geht Schwulenfeindlichkeit und Homophobie in den meisten Fällen gar nicht von „cis-heterosexuellen“ Männern aus, sondern vor allem von verkappt schwulen und bisexuellen Männern, die nicht damit klarkommen, dass sie schwul oder bisexuell sind bzw. homoerotische Phantasien haben.
Die aggressivsten Schwulen-Hasser scheinen schwule Männer zu sein, die ihr (inneres) Coming Out nicht auf die Reihe bekommen.

Dabei ist ein Coming-Out heute eigentlich keine große Sache mehr. Wenn es bei der CSU schwule Spitzenkräfte und sogar in der AfD einen Arbeitskreis schwuler Mitglieder gibt, wo soll da überhaupt diese cis-heteronormative Gesellschaft noch stattfinden, die der Genderfeminismus bekämpfen zu müssen glaubt? Wo soll da die „strukturelle Gewalt“ gegen Schwule, die „systemimmanente Oppression“ von Schwulen (und was sich der Genderfeminismus noch an Floskeln ausgedacht hat) eigentlich ihre Quelle haben?

Und wie soll die Bekämpfung der angeblichen cis-heteronormativen Gesellschaft gegen schwule Schwulenhasser helfen? Wo doch die wirklich cis-heteronormativen Menschen (abgesehen vielleicht von sexuell unsicheren Teenagern und „Menschen mit, sagen wir mal, religiös motivierter Schwulenfeindlichkeit“), überhaupt keine Probleme mit Schwulen haben, weil es auch keinen Grund, kein Motiv dafür gibt.

Also – ich sehe nicht, was der Feminismus für seine schwulen Allies tun könnte oder wollte. Warum also sollten schwule Männer den Feminismus unterstützen?

Über sachdienliche Hinweise in den Kommentaren würde ich mich freuen :-)

Libyen, das Mittelmeer, Nepal und die Pflicht, zu helfen

Während wir in Europa im Wesentlichen gut leben, sterben jeden Tag auf der Welt zigtausende Menschen an Hunger, Krieg und Krankheit.

Der Helfer in uns sagt, wir sollten versuchen, diese Menschen zu retten. Darum spenden Menschen Geld für Rettungsaktionen, darum nimmt die EU Flüchtlinge auf, darum wird eine Seenotrettungsaktion auf dem Mittelmeer geplant. Der Helfer in uns will nach dem kategorischen Imperativ handeln, will moralisch richtig handeln, will so handeln, wie er sich wünschen würde behandelt zu werden, wäre er in Not.

Der Egoist in uns sagt, wir haben kein Geld, die ganze Welt zu retten. Wir wollen die Energiewende schaffen, wir wollen Inklusion in den Schulen, wir wollen eigentlich auch mehr Lehrer, Polizisten, Stellen in der Forschung, die Abschaffung von Hartz-IV, und höhere Renten. Der Egoist in uns will Brot für die Welt, aber Kuchen für Europa und Torte für Deutschland.

Beide, der Helfer und der Egoist, versuchen nun, logisch zu argumentieren, warum ihre Sicht „richtig“ ist. Ist es nicht richtig, wenn Deutschland der Welt zeigt, wie man ohne fossile Brennstoffe auskommen könnte, wäre das nicht auch gut für die dritte Welt? Ist es nicht falsch, selektiv zu helfen, jeweils denen, auf deren Elend die Medien gerade den Fokus unserer Aufmerksamkeit lenken? Ist es nicht falsch, pro gerettetem Menschenleben auf dem Mittelmeer mehrere hundert Euro für eine Rettungsmission zu zahlen, wenn man an anderer Stelle, in Nepal oder dem Niger, für mehrere hundert Euro gleich mehrere dutzend Leute retten könnte? Ist es nicht richtig, überhaupt zu helfen, irgendwo anzufangen? Ist es nicht zynisch, den „Preis“ von Menschenleben zu errechnen, und dann nur dort zu helfen, wo Helfen billig ist? Andererseits: Ist es moralisch richtig(er), solche Überlegungen nicht anzustellen, damit man dort helfen kann „wo man will“, ggf. dort, wo gerade die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit ist, und sich nicht rechtfertigen muss, warum man nicht an anderer Stelle mit den gleichen Mitteln mehr, andere Menschen rettet?
Wenn wir nicht helfen, machen wir uns dann mitschuldig, durch unterlassene Hilfeleistung? Und machen wir uns weniger mitschuldig, wenn diejenigen, die leiden und sterben, weiter z.B. von der EU entfernt oder nicht in den Medien sind?

Es gibt keine guten Antworten auf diese Fragen. Die Welt für alle zu einem lebenswerten Ort zu machen wird ein langer Kampf.
Es gibt keine Sofortlösungen, und wenn man eine Strategie entwickeln will, wie man langsam, Stück für Stück, mehr Länder stabilisieren und zu erfolgreichen Volkswirtschaften machen kann, wir das nicht ohne fragwürdige Entscheidungen gehen, wo und wie man helfen will.
Denn wenn man nicht allen sofort helfen kann, dann ist jede Entscheidung, irgendwo zu helfen, auch eine Entscheidung dafür, irgendwo nicht zu helfen, und damit eine unmoralische Leben-und-Tod-Entscheidung im Stil eines römischen Imperators.

Zudem wohnt in jedem von uns ein Helfer – und ein Egoist. Natürlich wollen wir helfen, die Probleme der dritten Welt zu lösen, aber unsere „First-World-Problems“ sollen auch gelöst werden.

Und so kommt es auch, dass auch Journalisten und Politiker sich sowohl über deutsche Luxusprobleme als auch über das Elend in der Welt aufregen können, ohne den Widerspruch zu realisieren, den es bedeutet, wenn man jede Menge Geld zum Beispiel in Fischtreppen, Denkmalschutz oder Resozialisierung von Intensivstraftätern investieren will, obwohl das im Endeffekt heißt, dass das Geld für diese Dinge nicht verwendet werden kann, um an anderer Stelle Menschenleben zu retten. Das heißt: Alte Steine und Fische sind uns, also auch so Berufs-Betroffenheits-PolitikerInnen jeder coleur, mitunter wichtiger als Menschenleben, und darum ist es im Endeffekt ziemlich absurd, jetzt so zu tun, als ob von der Rettung von Menschen im Mittelmeer oder in Nepal unsere moralische Integrität und die Glaubwürdigkeit von Europa als Hort der Menschenrecht abhinge.
Denn wenn man einmal ein paar Minuten darüber nachdenkt müsste ja jedem klar werden, dass das mittelfristig unlösbare Problem der ungerechten Ressourcenverteilung auf der Welt ein Dilemma darstellt, welches unter jedem Aspekt „moralisches Handeln“ überhaupt nicht zulässt.

Michael S. oder: Der Zusammenbruch des Poststrukturalismus

Der Blogger Michael S. schrieb vor einigen TAgen in seinem Blog im Beitrag „Warum wir eine Netzinnenpolitik brauchen, warum er den Kampf gegen „Maskulinisten“ für höchst wichtig hält, wie er durch Lobbyarbeit z.B. Facebook oder Twitter auf seine genderfeministische Linie bringen will.

Wer Michael S. schon öfter gelesen hat, der weiß, dass er gern Männerrechtler bzw. Gender-Feminismus-kritische Humanisten in den gleichen Topf wirft wie Anti-FeministInnen, MaskulinistInnen, RassistInnen und Nazis. Und dass er sich in einem Kulturkampf der guten Feminist_ixs gegen das Reich des Bösen (bevölkert von Männern, und patriarchal gehirngewaschenen Frauen) wähnt, dass er also ein überzeugter Anhänger der genderfeministischen Ideologie ist.

Doch dem Genderfeminismus schwimmen die Felle davon. Die auf poststrukturalistischen Thesen basierende Idee, „Gender“ sei vom biologischen Geschlecht entkoppelt, die Geschlechterrollen könnten deshalb „dekonstruiert“ und aufgelöst werden, stellt sich als nicht vereinbar mit der Wirklichkeit heraus. Über ein Jahrzehnt „Girls Day“ hat die Berufswahl von Frauen kaum beeinflusst, im feministischen Schweden haben sich die Unterschiede bei der Berufswahl von Frauen und Männern sogar noch verstärkt.
Durch die seit Jahrzehnten bestehende tatsächliche Gleichberechtigung von Frauen glaubt einfach niemand mehr die „Erzählung“1 dass die vom Genderfeminismus postulierte Unterdrückung von Frauen tatsächlich stattfindet; darum müssen Feminstinnen zunehmend zu Taschenspielertricks wie der absichtlichen Falschdarstellung von Tatsachen greifen, wie z.B. beim „Gender Pay Gap“.

Die These bzw. Hoffnung, die Realität sei mit der Wahrnehmung der Realität „rückgekoppelt“, hat sich nicht erfüllt. Die Wirklichkeit durch Umdeutung (durch „Erzählungen“) nachhaltig zu verändern, wie vom Poststrukturalismus postuliert und vom Genderfeminismus erhofft, ist nicht gelungen.
Wie auch andere Ideologien zuvor kann der Genderfeminismus zwar die Wahrnehmung der Realität ein Stück weit verbiegen, aber weder dauerhaft, noch bei einer Mehrheit der Menschen.

Unterbewusstsein und Triebe sind nicht durch „alternative Erzählungen“ (oder: Propaganda) umzuprogrammieren. Stalins Seeleningenieure konnten keine Menschen schaffen, die zum Kommunismus passen, und auch der Genderfeminismus und seine Seeleningenieure werden daran scheitern, dass der Mensche (an sich) im Innersten kein Interesse an einer Abschaffung von Geschlechtern oder Geschlechterrollen hat.

Wie auch andere Ideologien zuvor hat der Genderfeminismus seine Halbwertszeit überschritten, und die Gender-Studies drohen als Pseudowissenschaft zur Legitimierung der genderfeministischen Ideologie entlarvt zu werden, und wie der wissenschaftliche Sozialismus oder die Physiognomik trotz fleißig produzierter Papierberge voller angeblicher „Ergebnisse“ und vorübergehender Anerkennung als „Wissenschaft“, in der Versenkung zu verschwinden.

Auch liberale, neue journalistische Formate wie Cicero oder der Freitag bringen alle paar Tage oder Wochen (Gender-)Feminismus-kritische Artikel, der überfällige Backlash ist also voll im Gange.

Michael S. kämpft darum mit seinen Artikeln und Forderungen nach Ächtung und Ausgrenzung von „Maskus“ etc. verzweifelt gegen diesen gesellschaftlichen Klimawandel, gegen die Entlarvung der Ideologie, deren Verteidigung er sich seit Jahren verschrieben hat, als ideologischer Unsinn.
Denn was wäre in einer Welt, in der Frauen tatsächlich gleichberechtigt sind, eigentlich paternalistischer als jemand, der sich selbst als feministischer Ally inszeniert?
Tatsächlich geht es für S. als Absolvent der angewandten Kulturwissenschaften nicht nur um seine Selbstinszenierung, es geht auch um den Wert seines akademischen Abschlusses, seine publizistische Glaubwürdigkeit, seine berufliche Zukunft.

Und er kämpft mit Waffen, die immer stumpfer werden. Nach Jahrzehnten, in denen sich sozialdemokratische politische Positionen weithin durchgesetzt haben, und die Parteien insgesamt immer weiter nach links gerückt sind — so dass jetzt möglicherweise rechts neben der CSU Platz für die AfD sein könnte — wirkt es lächerlich, mit der Faschismus-Keule auf alles einzuschlagen, was nicht „progressiv“ genug erscheint.

Sogar die taz bringt mittlerweile kritische Artikel zur Überdrehtheit progressiver Diskursführung, wenn man die so nennen will; und die einzige wirklich rechtsextreme Partei in diesem Land ist allem Anschein nach eher „Honeypot“-Projekt des Verfassungsschutzes als eine wirklich von überzeugten Rechten getragene politische Organisation. Wer alle Menschen rechts von der Mitte der SPD bei jeder sich bietender Gelegenheit als Nazis, Rassisten, Maskus etc. beschimpft, den kann auf Dauer niemand ernst nehmen.

Michael S.‘ Forderung nach einer „Netzinnenpolitik“2, vorgebracht auf einer Veranstaltung einer parteinahen Stiftung einer Partei, die auf dem Gebiet der Netzpolitik sowieso eine Nullnummer ist, wird also weitgehend ungehört verhallen. Michael S. wird keine strategisch wichtigen Plattformen auf die richtige, also seine, Seite ziehen, weil die Mehrheit der Menschen nicht auf seiner Seite ist.

  1. im poststrukturalistischen Sinn []
  2. Super kreativ gegenderter Neologismus übrigens… []

G36-Mimimi

Schon wieder ein Rant: Was mich auch nervt, ist das Mimimi um das G36. Als wäre es irgendwie wichtig, dass das G36 unter irgendwelchen Bedingungen nicht genau trifft.
Wieviele Soldaten hat Deutschland denn auf der Welt in Einsätzen wo es oft heiß wird, oder wo ständig längere Feuergefechte zu erwarten sind? Im Moment so… ca. keine?

Auf jeden Fall nicht genug, als dass jetzt sofort alle Gewehre ersetzt werden müssten. Zu Ausbildungszwecken wird das G36 ja wohl noch reichen. Immerhin ist man jahrzehntelang mit total abgefuckten G3 ausgekommen, und da war kaum jemals eins vernünftig eingeschossen.

Für die (fiktiven) Kampftruppen im Dauereinsatz könnten wir ja in der Schweiz ein paar Sig 550 kaufen, obwohl man sich da wohl auch nicht sicher sein kann, ob die Schweiz die auf Dauerfeuer-Fähigkeit im Dschungelkampf getestet hat. Bei Heckler und Koch gäb’s auch noch das HK416, von Steyr gäb’s das berühmte Steyr AUG.

Abgesehen davon, dass wahrscheinlich niemand vor hat, demnächst mehr als nur ein paar hundert Bundeswehrsoldaten in einem Kampfeinsatz zu haben, kostet ein Gewehr auch nur so ca. 2.500€, vielleicht weniger, wenn man 1.000 Stück nimmt. Die Bundeswehr hat ca. 35.000 Mann Eingreifkräfte, neue Gewehre für alle kosteten dann 87.5 Mio. Euro. So what? Wieviel kosten die A400M? Oder diese Hubschrauber, die nicht funktionieren? Wieviel hat das Euro-Hawk-Debakel gekostet?

Und da nerven mich die Medien mit einer wochenlangen Debatte um Gewehre, die in weitgehend fiktiven Szenarien ggf. weniger toll schießen, wegen Peanuts?

Eiertanz um die GDL

Ich muss leider heute etwas ausfallend werden, denn: Ich kann die Scheiße nicht mehr hören!

Die Gewerkschaft der Lokführer mag durch ihre Struktur in der Lage sein, eine Art von „Minimax“-Streik zu führen, der Massengewerkschaften wahrscheinlich verboten würde.
Aber: Es gibt in Deutschland Gewerkschaften, und diese haben Rechte, und die Gesellschaft muss es einfach ertragen, wenn jemand seine Rechte auch nutzt. Denn eine Freiheit. die man nicht missbrauchen kann, ist keine Freiheit.

Wenn man meint, die Bahn sei so „systemrelevant“, dass ein Streik der Lokführer nicht zu verschmerzen sei, dann soll man doch bitte entweder die Lokführer wieder verbeamten, oder die Lokführer durch Computer ersetzen. Wenn demnächst Autos auf freier Strecke autonom fahren können sollen, dann kann es doch nicht so schwer sein, eine Bahn, die im Endeffekt vom Stellwerk gesteuert wird, wo der Lokführer nur die Geschwindigkeit regeln kann, automatisch zu steuern.

Aber das ständige unqualifizierte Gemaule der Politik über die GDL – das ertrage ich nicht länger.