Eingefrorene Eizellen oder: Die (Un-)Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Machen wir uns nichts vor. Es gibt keine “Vereinbarkeit von Beruf und Familie”, jedenfalls nicht in dem Sinne, dass man gleichzeitig voll berufstätig sein und mit ganzer Kraft an einer Karriere arbeiten kann.

Man kann seine Kraft zwischen Beruf und Familie verteilen. Workaholics und Vollzeit-Eltern bilden dabei die Extreme; dazwischen gibt es alle möglichen anderen Modelle der Verteilung der eigenen Kraft auf Beruf oder Familie.

Aber wie auch immer man seine Kraft verteilt: Natürlich kann man nicht gleichzeitig seinen Kindern die ideale Kindheit mit anwesenden und aktiven Elternteilen bieten und nebenher Karriere machen, mit Überstunden, Stresszeiten, Weiterbildungen, Jobwechseln. Eltern machen weniger, langsamer oder überhaupt nicht Karriere, entweder beide, oder der Elternteil, der sich stärker für die Familie als für den Job entscheidet. Das ist bei Männern genau so wie bei Frauen.

Dass uns, dass Frauen und Männern dennoch von Politik und irgendwelchen Nachrichtenmagazinen bzw. Frauenzeitschriften stetig eingeredet wird, eine tolle Karriere sei ebenso Pflicht wie eine glückliche Familie ist meiner Meinung nach eine Irreführung, auf die wir nicht hereinfallen sollten, weil wir sonst nur unglücklich werden können mit unserer nicht-perfekten Familie und unserer nicht-perfekten Karriere und der scheinbaren Ungerechtigkeit, dass man einfach keine zwei Dinge gleichzeitig tun kann.

tl;dr;:Die “Vereinbarkeit von Beruf und Familie” im Sinne von Beides-haben-Können ist eine Lüge, die wir glauben, weil wir sie so gern glauben wollen, obwohl wir es besser wissen sollten.

Das Angebot von Silicon-Valley-Unternehmen, Frauen das Einfrieren von Eizellen zu finanzieren, empfinde ich in diesem Zusammenhang als weitere groteske Ausbaustufe des offensichtlich unhaltbaren Versprechens, in seiner begrenzten Lebenszeit doch irgendwie alles haben zu können, tolle Karriere, Selbstverwirklichung, Haus, Nestbau, Familie, Barbequeue mit den Enkeln in der Vorstadt…

Dieses Angebot soll helfen, die Familiengründung (ad infinitum?) zu verschieben, zumindest aber aus dem Zeitraum der höchsten Leistungsfähigkeit heraus. Entsprechend der verbreiteten Vorstellung davon, in welchen Phasen ein “erfolgreiches Leben” ablaufen sollte.

Ich halte die Entwicklung unserer Vorstellungen von so einem Leben allerdings für eine krasse Fehlentwicklung.

Die Vorstellung vom “erfolgreichen” Leben sieht meiner Meinung nach so aus: Nach der glücklichen Kindheit kommt die erfolgreiche Schulzeit, dann Ausbildung/Studium, dann die berufliche Karriere. Dabei findet man dann den Traumpartner, und dann wird die Familie gegründet, natürlich nicht, bevor genug Geld für das geräumige Passiv-Haus im Grünen und den SUV einer süddeutschen Automarke beiseite gelegt worden ist…

In Wirklichkeit ist es aber so, dass jüngere Menschen sich natürlich leichter tun, Kinder zu bekommen und aufzuziehen, weswegen frühes Kinder-Kriegen günstig wäre. Wer mit dreißig — aus heutiger Sicht: schon — die ersten Kinder bekommt muss einsehen, dass es eigentlich doch schon etwas spät ist, weil man mit 20 die durchgeschrieenen Nächte mit Säuglingen oder kranken Kleinkindern leichter weggesteckt hätte. Und auch unter dem Aspekt der Fruchtbarkeit oder dem Aspekt der Verfügbarkeit fitter Großeltern zur Kinderbetreuung wäre eine frühe Familiengründung günstig. Es gilt nur irgendwie als falsch oder gar asozial Kinder in die Welt zu setzen, wenn man keine Ausbildung oder kein Studium oder noch keine relevante Karriere vorweisen kann. Obwohl man sich natürlich viel schwerer tut, nach dem Erreichen eines bestimmten Lebensstandards und einer bestimmten Karrierestufe diese Dinge aufzugeben um kleine, zeitraubende, teure Monster in die Welt zu setzen, was Kinder einfach manchmal sein können.

Wenn unsere Gesellschaft tatsächlich ein “lebenslanges Lernen” ermöglichen würde, wenn es tatsächlich jedem jederzeit möglich wäre eine Ausbildung oder ein Studium neu aufzunehmen oder fortzusetzen, wenn die Menschen keine Angst hätten bzw. haben müssten, nach einer frühen Familiengründung unqualifiziert und ohne gute weitere Bildungsmöglichkeiten sozial abzurutschen, dann könnte man die “Ideal-Reihenfolge” von Schule-Ausbildung/Studium-Karriere-Familie ggf. durchbrechen.
Dann würden Eltern ihren Kindern nicht gut zureden (müssen), “erstmal die Ausbildung/das Studium” fertigzumachen oder “erstmal Karriere zu machen”, “erstmal etwas zu sparen”, vielleicht sogar “erstmal ein Haus zu bauen”, etc..
Und wenn wir aufhören würden uns einzureden, es gäbe eine Art von “Vereinbarkeit von Beruf und Karriere”, die jedem alles ermöglicht, dann könnten wir vielleicht entspannter an das Thema Familiengründung herangehen und aufhören, auf “den idealen Zeitpunkt” für die Familiengründung zu warten, der natürlich niemals kommt, weil es ihn nicht gibt; zumal es immer großartig ist, ein Kind zu bekommen.

Vielleicht könnten wir den Trend zu einer immer späteren Familiengründung umkehren, und vielleicht könnten wir dann einfach über Firmen lachen, die ihren Mitarbeiterinnen durch Eizellen-Einfrier-Angebot “helfen”, ihre naive Wunschvorstellung von der Machbarkeit eines zweihundertprozentigen Lebens mit 100% Karriere und 100% Familienglück weiterzuleben, bis es vielleicht für eine Familie doch zu spät ist.

Amazon Prime – my ass!

Vor noch ca. einem Jahr dauerten auch “normale” Sendungen bei Amazon meist nur einen Tag.
Heute werden immer öfter die drei Tage gerissen, obwohl man annehmen sollte, das Amazons Logistik eher besser als schlechter geworden ist.

Meine Vermutung, schon seit Monaten, ist, dass durch eine künstliche Verschlechterung des “normalen” Serivce-Niveaus für Nicht-Prime-Kunden der Anreiz zum Abschluss einer Prime-Mitgliedschaft erhöht werden soll.

Eine Überlastung des Amazon-Versandapparats kann bestimmt nicht der Grund dafür sein, dass Nicht-Prime-Sendungen länger dauern – denn dann müssten sich die Verzögerungen auch über die drei-Tages-Grenze hinweg aufstauen.
Und es scheint auch nicht so, als würden Prime-Sendungen teurer versendet. Der einzige Unterschied scheint zu sein, dass Amazon Prime-Sendungen schneller zusammenstellen und ausliefern lässt.

Der Grund dafür, dass ich überzeugt bin, dass Amazon die Nicht-Prime-Sendungen absichtlich künstlich verzögert ist folgender: Amazon hat ein Interesse daran, *alle* Kunden zu Prime-Kunden zu machen. Das bedeutet, dass die Logistik so gestaltet sein muss, dass Prime-Versand für *jeden* Kunden möglich ist. Bestimmt hat Amazon keine zwei verschiedenen Lagerhäuser und Logistik-Unternehmen für Prime- und Nicht-Prime-Kunden. Folglich kann der Grund dafür, dass Prime-Kunden ihre Pakete schneller bekommen nur sein, dass der Versand zu Nicht-Prime-Kunden absichtlich verzögert wird.

Und auf Service-Verschlechterung-als-Mittel-um-Leuten-Zusatzleistungen-Anzuschnacken stehe ich ja überhaupt nicht. Diesen Mist mache ich weder beim HD-Fernsehen mit, noch bei Versandhändlern. Und darum werde ich versuchen, meine Einkäufe bei Amazon soweit als möglich zu beschränken – und für “Prime” extra bezahlen werde ich auch nicht. Denn unter Kundenservice verstehe ich Etwas anderes als Kunden zusätzliches Geld aus der Tasche ziehen zu wollen, und Marktwirtschaft bedeutet ja zum Glück, dass ich als Kunde Händler boykottieren kann, die diese Art von Kundenfreundlichkeit betreiben.

“Undogmatische Linke”

Wie man hört, verlässt der berühmt-berüchtigte Oliver Höfinghoff die Piratenpartei.

Bemerkenswert finde ich dabei vor allem, dass er gesagt haben soll, “dass eine »linke-undogmatische« Partei im Berliner Parteienspektrum durchaus einen Platz haben könnte.”.

Denn: Undogmatisch ist meiner Meinung nach das absolute Gegenteil dessen, was die Berliner Piraten und Oliver Höfinghoff die letzten Jahre an “politischer Performance” abgeliefert haben. So vielen Dogmen hinterherzulaufen, und sich selbst dennoch für undogmatisch zu halten, diese extreme Ausbaustufe eines ganz eigenen Weltbilds, das außer der eigenen Filterbubble niemand mehr versteht, muss man erstmal erreichen.

Die AfD und der “gesellschaftliche Konsens” in der Nachwende-BRD – ein Rant

Die AfD hat es in Landtage geschafft. Und dass, obwohl die AfD rückwärtsgewandt, rechts, etc. sein soll, wie deren politische Gegner nicht müde werden zu wiederholen. Warum also?

Nun: Es scheint mir, dass viele Dinge, die in den Medien und von den Meinungsführern und -führerinnen als “gesellschaftlicher Konsens” verkauft werden, gar nicht gesellschaftlicher Konsens sind; und dass dieser Nicht-Konsens nun durch die AfD offenbar wird, die dem Anschein nach als einzige im bürgerlichen Milieu (selbst-)positionierte Partei Positionen abseits dieses angeblichen Konsenses im Angebot hat. Positionen übrigens, die noch vor gar nicht allzu langer Zeit CDU-Positionen waren, bis sich die CDU unter Angela Merkel zur Partei der taktischen Beliebigkeit entwickelt hat.

Und – was wird uns nicht alles als “gesellschaftlicher Konsens” verkauft, gegen den zu argumentieren falsch, dumm und “rechts”, neoliberal oder rückschrittlich sein soll.

Die Ganztags-Einheits-Schule mit Inklusion auch von verhaltensgestörten Kindern, staatliche Gleichstellungs-Programme im Namen des Genderfeminismus, die Zwei-Verdiener-Familie mit Kindern in der Ganztagsbetreuung, die umlagefinanzierte Rente, das Master-Bachelor-ECTS-Studiensystem – alles Dinge, die angeblich gesellschaftlicher Konsens sein sollen. Oder zumindest Dinge, gegen die sich im Moment keine Partei offen positionieren will, wodurch der Eindruck entsteht, diese Dinge müssten gesellschaftlicher Konsens sein.

Dinge, bei denen der wissenschaftliche Nachweis des Nutzens und der Richtigkeit größtenteils fehlt, und die — wenn überhaupt — bei einer Volksabstimmung nur knappe Mehrheiten hinter sich haben dürften.

Einige dieser Dinge sind meiner Meinung nach ausgemachter Blödsinn, der den Menschen nicht gut tut. Möglicherweise irgendwo gut gemeinte, aber eben nicht wirklich gute Konzepte, die den eigentlichen Wünschen und Bedürfnissen der Menschen zuwiderlaufen.

Dass eine Partei Erfolg hat, die Positionen abseits vom politischen Konsens über den angeblichen gesellschaftlichen Konsens anbietet, überrascht mich darum überhaupt nicht. Überraschend bzw. amüsant finde ich hingegen die gequälten Erklärungsversuche für diesen Erfolg, die dadurch zustande kommen, dass ein Großteil der Journalisten den angeblichen gesellschaftlichen Konsens so internalisiert haben, dass sie überhaupt nicht mehr in der Lage sind, diesen zu anzuzweifeln oder zu hinterfragen.

Klar, in der AfD gibt es Leute, die Mist erzählen, der ungefähr an das Niveau von Erika Steinbach (CDU) rankommt, aber ihre Positionen bleiben dennoch für viele Menschen attraktiv, die mit den “Konsenspositionen” von Linke/Grüne/SPD/CDU/CSU nicht übereinstimmen.

IT-Security – Das Nicht-Handeln der Regierungen

Ich bin kein IT-Security-Experte, aber ich frage mich schon, warum bei der IT-Security so rumgeeiert wird.

Ständig wird von Politikern in Sonntagsreden mehr Sicherheit gefordert. Aber die Politik reagiert überhaupt nicht darauf, dass der “Markt” anscheinend recht gut daran verdient, dass die aktuellen, am meisten verbreiteten Rechnerarchitekturen eher unsicher sind – was nicht so sein müsste.
Aber möglicherweise wissen die meisten Politiker auch gar nicht, dass IT-Unsicherheit nicht gottgegeben, sondern größtenteils Folge unglücklicher früherer Hardware- und Software-Designentscheidungen ist.

Was spricht eigentlich gegen sicherere Prozessoren, Calling-Conventions, und allgemein eine sichere Hardware- und Software-Architektur?

Wenn man sich ansieht, wie die meisten Remote-Exploits funktionieren, so zeigt sich fast immer das gleiche Schema:

Es wird ein Puffer-Überlauf ausgenutzt, um auf dem Stack die Rücksprungadresse so zu ändern, das eingeschleuster oder “missbrauchbarer” vorhandener Code angesprungen wird, wodurch der Angreife die Kontrolle über den Rechner übernehmen kann. Zusätzlich wird entweder Shell-Code eingeschleust oder mittels “Return Oriented Programming” konstruiert, in beiden Fällen unter Ausnutzung ungünstiger Eigenschaften des x86-Befehlssatzes, wie z.B. der heute eher nutzlosen NOP-Operation oder der unterschiedlich langen, nicht-alignten Op-Codes. Alles Dinge, die man ändern könnte.

  1. Warum verhindert man die Überschreibbarkeit der Rücksprungadressen nicht durch einen sicheren Befehlssatz, der bei jedem Unterfunktionsaufruf die älteren Bereiche des Stacks per MMU vor Zugriffen aus dem aktuellen Funktionsaufruf schützt, oder durch die Hardware-gestützte Speicherung der Rücksprungadressen auf einem separaten Stack, auf den das laufende Programm gar keinen Zugriff hat? Es ist doch nicht notwendig, dass die änderbaren lokalen Variablen und die eigentlich nicht notwendigerweise zu ändernden Rücksprungadressen in einem vom ausgeführten Programm beschreibbaren Speicherbereich liegen. Ich halte diese Vermischung von lokalen Variablen und quasi “Rücksprungkonstanten” für einen gefährlichen Designfehler.

  2. Um Code ausführen zu können braucht man entweder einen Shell-Code, den man von außen einschleust, oder Techniken wie Return-Oriented-Programming, bei denen man vorhandenen Code zu einem schädlichen Programm zusammenpuzzelt.
    Es gibt Schwächen z.B. in der x86-Architektur, die diese Techniken erleichtern, wie z.B. den NOP-Opcode, oder die Tatsache, dass Opcodes unterschiedliche Längen haben können und nicht an Wort-Grenzen ausgerichtet sein müssen, wodurch man dann Befehls-Sequenzen für das ROP einfacher zusammepuzzeln kann.
    Diese Schwächen könne man in einem auf Sicherheit optimierten Prozessor ausbügeln und damit das Schreiben von Exploits ganz wesentlich erschweren.

Warum passiert nichts?

Es wäre sehr viel möglich, sowohl auf Seiten der Hardware, aber auch beim Betriebssystem, wenn der Wille bestünde, an dieser Stelle etwas zu tun. Hier sollte die Politik sich vielleicht einfach mal trauen, etwas anzuschieben, denn die “freie Wirtschaft” versagt an dieser Stelle ganz offensichtlich schon seit Jahren. Klar, Sicherheit ist meist kein Verkaufsargument, solange kein Hacker-Angriff erfolgt ist; statt dessen zählen Giga-Herz, Kompatibilität, Tera-Flops, MIPS, SAP-Transaktionen-pro-Sekunde, Leistung pro Watt und vieles mehr.

Auch weil bei Hardware- und Softwarearchitektur immer nur kleine Schritte gemacht werden verdienen sich Kriminelle und “White Hats” dumm und dämlich, spionieren Geheimdienste Länder aus etc., und die Politik sieht zu und glaubt anscheinend immer noch, dass “das der Markt regeln wird”. Das würde er ziemlich sicher auch, wenn die Politik durch entsprechende Vorschriften und Leitlinien dafür sorgen würde, dass es sich lohnt, sichere Produkte zu produzieren.
Wenn Produkte, die z.B. europäischen Richtlinien für die IT-Produktsicherheit nicht genügten, in der EU nicht verkauft werden dürften oder “Sicherheits-Klasse F”-Aufkleber bekämen, dann würden sich auch die großen US-Konzerne bewegen; wenn nicht Intel und Microsoft, dann vielleicht AMD oder IBM oder die Freunde aus Fernost.
Vielleich würde sogar eine europäische IT-Industrie wiederauferstehen, was nicht unmöglich scheint angesichts der Tatsache, dass immer noch oder wieder Fertigungsstraßen auch für Elektronik in der EU errichtet werden und z.B. der Raspberry Pi in England produziert wird.

Warum reicht der ePerso nicht mal für ein sicheres Mail-Zertifikat?

Wir haben übrigens den tollen elektronischen Personalausweis mit der Möglichkeit der qualifizierten elektronischen Signatur. Aber damit kann man sich nichtmal ein sicheres X.509-Zertifikat für sein Email-Programm erstellen. Was soll die Scheiße?
Es würde die Regierung ein paar tausend Euro und ein Lächeln kosten eine CA aufzuziehen, die X.509-Zertifikate generiert und signiert, wenn man sich mit seinem ePerso authentifiziert hat. Aber was soll’s…

Also, zusammenfassend: Der Zustand der IT-Sicherheit in Deutschland, Europa und der Welt liegt auch daran, dass weder in der Politik noch in der Wirtschaft echtes Interesse besteht, hier etwas zu ändern. Man könnte ziemlich schnell ziemlich viel erreichen, wenn man denn wollte. Apple konnte seine Prozessor-Architektur binnen weniger Jahre von Motorola 68k auf PowerPC auf x86 ändern, und jedesmal Emulatoren für den Betrieb von Altsoftware mitliefern, ohne das sich wirklich jemand darüber beschwert hätte, dass die alten Programme auf dem neuen Prozessor nicht mehr nativ liefen.
Aber in der Windows-Intel-PC-Welt hält man an der Rückwärtskompatibilität zur PC-Steinzeit fest, als wollte wirklich heute noch jemand MS-DOS 3.3 auf seinem Intel i7 laufen lassen können, und als wäre es nicht ein leichtes, die ganze verfügbare Software einfach für eine andere Plattform zu kompilieren, so wie das bei Linux anscheinend sehr gut geht.

Hier gilt es, politischen Druck zu erzeugen, damit IT-Architekturen, die seit 30 Jahren quasi unverändert und rückwärtskompatibel sind, die IT-Sicherheit nicht weiter gefährden.

Ein Hoch auf die “progressive” Plattform

Also, ganz ehrlich: Ich finde die Gründung der progressiven Plattform weiterhin super.

Endlich haben die linksextremen Piraten eine Gruppe, wo sie sich hin “auslagern” können.
Manche lassen ihre Namen auf der Website der Plattform veröffentlichen, das ist super, denn so bekommen wir liberalen Piraten die Namen für mögliche Partei-Auschluss-Verfahren auf dem Silbertablett serviert.

Oder ist für einen Parteiausschluss mehr notwendig als die Ablehnung des Rechtsstaats und Gegnerschaft zu Grundrechten, die in den ersten 20 Paragraphen des Grundgesetzes kodifiziert sind? Stichwort Ablehnung des Rechts auf Eigentum, das Ziel der “Überwindung der Demokratie”?

Ich hoffe, dass die Plattform bis zum BPT142 ihr bisher lächerliches “Mission Statement” konkretisiert, so dass das dann ggf. neu gewählte BSG gleich alle Mitglieder der Plattform auf einmal vor die Tür setzen kann, wegen Engagements in einer Organisation, die sich gegen die satzungsgemäßen Ziele der Piratenpartei und gegen die FDGO richtet.

Denn nachdem anscheinend “Bürgen” notwendig sind, um Mitglied der Plattform zu werden, und quasi jedes Mitglied der Plattform die Aufnahme eines weiteren Mitglieds per “Veto” blockieren kann, kann man sowieso kaum noch leugnen, wes Geistes Kind die Plattform-“Piraten” sind.
Wenn Hörensagen, basierend auf Schnüffelei in der Vergangenheit von irgendwem, und ein auf der Interpretation dieses Hörensagens basierendes “Veto”, also quasi Willkür, über die Aufnahme von Neumitgliedern der Plattform entscheidet, dann kann man wohl mit Fug und Recht sagen, dass die “Plattform” auch in der Praxis alle Werte ablehnt, die Grundlage von rechtsstaatlichem Handeln sind.

Gut an diesem Verfahren ist eigentlich nur, dass der Plattform mit jedem Veto ein neuer, enttäuschter Gegner erwächst, der die Plattform und ihr elitäres Alpha-Linken-Gehabe in Zukunft bekämpfen wird, und dass mit jedem Veto auch Spannungen zwischen den Veto-Gebern und den jeweiligen Bürgen auftreten werden, die durch das Veto düpiert werden, so dass die Plattform in kürzester Zeit innerlich völlig zerrissen sein wird.

Die Botschaft, dass am anarcho-syndikalistischen Wesen der Plattform die Welt genesen soll habe ich natürlich vernommen; aber wenn die Geburt dieser schönen neuen Welt von linksextremen Cliquen, die mit Tratsch, Schnüffelei und Ausgrenzung operieren, bewerkstelligt werden soll, kann ich auf diese neue Dystopie gern verzichten.

Wie man mit lauter lauten, testosteronstrotzenden “Alpha-Männchen” im Plattform-ZK einen authentischen “FeminisMUSS” leben will, frage ich mich natürlich auch.

“Feminismus”, der Frauen in den Rücken fällt

Das Blog “DieChefin.net” hat einen interessanten Beitrag “Frauen werden ins Karriere-Aus gefördert” veröffentlicht.

Interessant insofern, als dass der letzte Absatz darüber, was sich in Unternehmen ändern müsse, ein prototypisches Beispiel dafür ist, was meiner Meinung nach falsch läuft, zumindest bei der Diskussion um die Frauenförderung oder vielleicht auch bei der Frauenförderung selbst.

Ich zitiere den letzten Absatz, der beschreiben soll, was sich in Unternehmen ändern müsse:

“Gefragt seien ein ganzheitliches Denken und ein Wertewandel in den Unternehmen, den auch die junge Generation immer stärker einfordere. Es fehle eine “Just-Do-it”-Mentalität. Frauen müssten mehr Mut bei Bewerbungen zeigen und Unternehmen mehr Mut bei Stellenbesetzungen. Stattdessen gebe es noch eine zu starke Ausrichtung an Normen, Regeln und formalen Anforderungen. Somit würden es viele Frauen erst gar nicht ins Mittelmanagement schaffen. Doch fehlen sie hier, können sie sich auch nicht als Kandidatinnen fürs Topmanagement ins Spiel bringen. Dann heiße es: Es gibt keine geeigneten Frauen.”

Analysieren wir mal, was das überhaupt heißen soll.
Gefragt seien also ganzheitliches Denken und Wertewandel. Aber was ist überhaupt “ganzheitliches Denken”? Welche Werte sollen welche anderen ersetzen? Das bleibt phrasenhaft-unklar. Und auch wenn man oft über “die Jugend” schimpft: Dass die “junge Generation” so doof sein soll, etwas völlig Undefiniertes einzufordern, nehme ich dem Blog “DieChefin.net” nicht ab. Eher scheint es mir, dass hier rhethorisch Druck aufgebaut werden soll, um Gegner einer Quotierung als “rückständig” zu stigmatisieren.

Aber weiter, zur “Just-Do-it”-Mentalität. Was soll das sein, wenn nicht ein Euphemismus für “Scheißegal-Mentalität”, ein Plädoyer für einen blind Frauen-bevorzugenden Aktionismus?
Dass Frauen mehr Mut bei Bewerbungen zeigen sollen und Unternehmen mehr Mut bei Stellenbesetzungen ist wieder eine Phrase.1

Beides haut aber in die Kerbe, dass Frauen einzustellen quasi Selbstzweck sei. Einfach mal machen, wird schon gut gehen, nicht nachzudenken ist “mutig”.
Doch kann man auf diese Weise ein erfolgreiches Unternehmen führen? Mit einer Personalpolitik, die auf dem Prinzip “Hoffnung” basiert? Ich glaube es nicht. Frauen sollten ebenso wie Männer aus Überzeugung eingestellt werden, und nicht mit einem Bauchgefühl, das “Mut” erfordert. Das könnte man z.B. erreichen, indem man genau definiert, welche Anforderungen für einen Job wichtig sind, und welche nicht.

Aber wo wir gerade dabei sind, es geht ja noch weiter:
(Es) gebe (…) noch eine zu starke Ausrichtung an Normen, Regeln und formalen Anforderungen.. Anders gesagt: Es werde bei Einstellungen zuviel Wert auf (unnötige?) Normen, Regeln und formale Anforderungen gelegt. Darum schafften es nicht genug Frauen ins mittlere Management. Darum fehlten dann die Kandidatinnen für das Top-Management. Und dann hieße es, es gebe keine geeigneten Frauen.

Aber: Wenn nicht genug Frauen die formale Qualifikation für das mittlere Management haben bzw. die entsprechende Norm erfüllen, dann gibt es in der Tat keine geeigneten Frauen für das mittlere oder höhere Management.

Das kann man nicht wegdiskutieren. Was man diskutieren kann ist nur, ob diese Normen und formalen Qualifikationen überhaupt Sinn ergeben. Der Text suggeriert, dass die bei Einstellungen verwendeten Normen und verlangten formalen Qualifikationen meist unsinnig seien.

Wenn das aber so ist, dann sollte der Text fordern, die Einstellungsvoraussetzungen so zu ändern, dass sie wieder Sinn ergeben — bei Frauen und Männern — und nicht, bei Frauen auf formale Qualifikation und Erfüllung von Normen zu verzichten.
Denn wenn bei Frauen “mutig” auf Qualifikationen verzichtet werden soll – “just do it!” – die bei Männern notwendig bleiben, dann wird nur das Vorurteil gefördert, dass Frauen im Management Quotenfrauen seien.

Gerade in einem Artikel, der den Titel “Frauen werden ins Karriere-Aus gefördert”, hätte ich nicht erwartet, dass der Tenor “Einfach mal Frauen ranlassen” lautet.
Denn wer scheinbar nur wegen seines Geschlechts befördert wird, der landet natürlich irgendwann im Karriere-Aus. Darum wäre es wichtig, das Unternehmen transparent machen, dass in der Personalpolitik bei Frauen und Männern die gleichen sinnvollen Maßstäbe angelegt werden, und dass Frauen ebenso qualifiziert sein müssen wie Männer, und eben keinen “Tittenbonus” bekommen.

Ich finde den ganzen Artikel höchst kontraproduktiv für die Gleichberechtigung von Frauen am Arbeitsplatz. Wenn mit Phrasen wie “Wertewandel”, “Just-do-It”Mentalität, “ganzheitlichem Denken” zumindest scheinbar gefordert wird, die Anforderungen für Management-Positionen für Frauen quasi auszusetzen, dann werden eher Ressentiments gegen Frauen im Management geschürt, als Frauen gestärkt.

Ich hoffe, der Artikel ist einfach nur sprachlich-handwerklich völlig verunglückt, und fordert nicht wirklich, dass bei Frauen Qualifikation zweitrangig sein soll. Denn dann müsste man die Frage stellen, inwiefern eine Personalpolitik, die bei Frauen auf die Überprüfung der fachlichen Qualifikation verzichtet, überhaupt sinnvoll sein kann, und ob diese Variante von “mutiger” Frauenförderung nicht im Zweifel sogar mehr Frauen schadet als nutzt. Wenn eine Firma aufgrund einer weiblichen Niete in Nadelstreifen vor die Wand fährt, fallen schließlich nicht nur Jobs und Einkommen von Männern weg.

Eine ganzheitliche, verantwortungsvolle Firmenpolitik stelle ich mir jedenfalls so vor, dass der für die Jobsicherheit notwendige betriebswirtschaftliche Erfolg der Firma durch eine sinnvolle Personalpolitik gefördert wird, die die Eignung neuer MitarbeiterInnen für Ihre Position durch sinnvolle, überprüfbare Kriterien sicherstellt, die nötigenfalls auch formalen oder Norm-Charakter haben können.

Vielleicht habe ich natürlich auch nur einen verengten Blick auf die Wirklichkeit. Vielleicht gibt es Firmen, bei der im mittleren Management irgendwelche pseudo-relevanten Qualifikationen gefordert werden, die aus irgendeinem Grund Männer eher haben als Frauen, vielleicht eine langjährige Mitgliedschaft bei der freiwilligen Feuerwehr. Ich kann es mir aber in Zeiten von Fachkräftemangel, globalem Wettbewerb etc. nicht wirklich vorstellen. Von daher hätte ich mir irgendein Beispiel oder zumindest eine Andeutung gewünscht, welche nebulösen Normen, Regeln und formalen Anforderungen das sein sollen, die Frauen in Unternehmen behindern. (Vielleicht mag ja jemand kommentieren?)

Jedenfalls bringen uns Artikel, die — meiner Meinung nach — ein verzerrtes Bild der Realität zeichnen, und dann zweifelhafte Maßnahmen vorschlagen, um diese konstruierte Wirklichkeit in eine weitere, utopische Ideal-Wirklichkeit umzubauen, nicht weiter.

Die Frauen, die sich wirklich entschließen, in die Wirtschaft zu gehen, brauchen meiner Meinung nach keine feministischen ZuschauerInnen, die ihnen vom Streckenrand wenig hilfreiche Tipps zurufen und stellvertretend für sie wenig hilfreiche Forderungen nach Absenkung irgendwelcher Standards stellen, als wenn Frauen so etwas nötig hätten.

  1. Ich glaube, diese Allgemeinplätze kann heute eigentlich keine Frau und keine Personalabteilung mehr hören. []

Kein Lotse and Bord bei den Piraten oder: Die progressiven Depublizierer

Nur ein kurzer Rant: Das #Listengate rund um einige Piraten, die — nach eigenen Angaben aus Selbstverteidigung — gegen Piraten der sogenannten “peergroup” ein Archiv mit Tweet-Screenshots gebastelt haben, erregt im Moment die Piraten-Gemüter.

Paradoxerweise erregen sich jetzt die linksextremen Piraten, ebenso wie “Datenschutz”-Piraten darüber, dass einmal öffentlich publizierte Daten sich nunmal nur mehr schwer zurücknehmen lassen. Obwohl es im Usenet und in Foren und bei Mailinglisten seit Ewigkeiten so ist, dass einmal geschriebene Beiträge möglicherweise für die Ewigkeit gespeichert bleiben.

Das eigentlich Schlimme am Listengate aber ist, dass sich hier offenbart, dass die Piraten selbst kein schlüssiges, einheitliches Konzept für eines ihrer angeblichen Kernthemen haben, nämlich das Urheberrecht und das Recht im Internet im allgemeinen.

Was die “Progressiven” mit ihrem Wettern gegen das Screenshot-Archiv tun ist nicht anderes, als ein Recht für Urheber auf Depublikation zu fordern, wo man sonst vom Recht auf Privatkopie und Remix fabuliert. Je nach Gusto, politischer Richtung oder Tagesform sind Teile der Piraten für oder gegen Kopien (hier: von Tweets), für oder gegen Urheberrecht, für oder gegen Depublikation, für oder gegen Persönlichkeitsrechte, für oder gegen Recht der Öffentlichkeit auf Information oder Recht des Einzelnen auf “Vergessen” von dessen Fehlern.

Die Position der linkextremen Piraten (Daten von NAZIS1 speichern und publizieren, Daten von “Progressiven” schützen und depublizieren) ist dabei womöglich noch nicht einmal die am wenigsten nachvollziehbare.

Es ist eine bittere Wahrheit: Auch in Bezug auf die Kernthemen herrscht bei den Piraten heilloses Chaos, die Positionen reichen von Aluhut-Datenschutz-Paranoikern bis hin zur datenschutzkritischen Spackeria.

Ich denke, es ist angesichts der “normativen Macht des Faktischen” nicht möglich, Depublikation als Option für den Umgang mit einmal veröffentlichten Daten zu denken. Das einzige, was möglicherweise denkbar und sinnvoll wäre ist, die Menschen durch entsprechende Gesetze und Regelungen stärker zu unterstützen Dienste pseudonym zu nutzen, damit Menschen sich im Internet einfacher hinter Pseudonymen verstecken können. Ein Recht auf pseudonyme Nutzung von Diensten und Tools für die einfache Erstellung pseudonymer eMail-Adressen wäre hier vielleicht ein Schritt in die richtige Richtung. Wenn z.B. eMail-Provider die Pseudonymitäts-Funktion des “ePerso” unterstützen müssten, damit sich jeder Bürger beliebig viele pseudonyme eMail-Accounts erstellen kann, auch wenn das natürlich nicht im Interesse der eMail-Provider liegt, die mit den Daten der Kunden handeln und diese mit Werbung zuschütten wollen.

Aber wie auch immer: Aktuell haben die Piraten hier gar keine erkennbare Position. Das ist peinlich.

  1. im Sinne der Linksextremen: Alle, die nicht auch linksextrem sind []

Konfliktlinien in der Piratenpartei

Die unvergleichliche Esmeralda schreibt in einem versöhnlichen Beitrag, es gelten die Konfliktlinien in der Piratenpartei zu benennen.

Also gut ich greife mal drei raus und erkläre, warum hier argumentieren nicht helfen wird:

  1. Atomkraft

    Hier gibt es zwei Meinungen. Die eine Seite hält die Atomkraft für technisch nicht beherrschbar, und den möglichen Schaden, den man als Produkt von Schadenshöhe und Schadenswahrscheinlichkeit berechnen kann, als größer als den wahrscheinlichen Nutzen.
    Die andere Seite glaubt, durch technische Verbesserungen könne man die Atomkraft beherrschbar machen und das Problem des Atommülls beseitigen, z.B. mit Reaktoren der vierten Generation, die aus Barium, Thorium etc. wieder Kernbrennstoff erbrüten können.
    Hier gibt es keine Kompromissmöglichkeit; ob man der Technik vertraut oder das Risiko fürchtet ist am Ende eine Bauchentscheidung und Glaubensfrage.

  2. Frauenquote/Gender

    Die Frage, ob man eine Frauenquote braucht, hängt letztlich davon ab, wie man Gerechtigkeit definiert und welche Metrik man nutzt, um “Gerechtigkeit” zu messen.
    Die Gegner von Frauenquoten argumentieren, Frauen hätten andere Interessen als Männer, und schon allein daraus erklärten sich große Teile der Ungleichverteilungen in bestimmten Berufsgruppen. Außerdem könne man von Ungleichverteilungen nicht auf Ungerechtigkeit schließen, und wenn man eine Art “Gesamt-Geschlechter-Vereilungs-Gerechtigkeit” betrachten wolle, müsste man nicht nur die Berufsgruppen betrachten, wo viele Männer gut bezahlte Jobs haben (Aufsichtsräte) und wo viele Frauen schlecht bezahlte Jobs haben (Kassiererin), sondern auch die Berufsgruppen wo viele Frauen gut bezahlte Jobs haben (Ärztin, Richterin) und wo viele Männer schlecht bezahlt Jobs haben (Paketzusteller).
    Die Befürworter der Frauenquoten argumentieren, Frauen hätten durchschnittlich schlechter bezahlte Jobs als Männer, und hätten noch immer weniger Zugang zu guten Jobs. Diese (behauptete) Tatsache sei ein Beleg für die Ungleichbehandlung der Geschlechter, denn es gebe keine neurobiologischen oder andere Unterschiede zwischen Männern und Frauen, die sonst als Erklärung für diese Ungleichheit dienen könnten.
    Hier gibt es also zwei unterschiedliche Weltsichten entlang der Grenze von Differenz- und Gleichheitsfeminismus. Wenn Frauen und Männer gleich sind, dann kann man aus der gruppenweisen Ungleichverteilung auf eine Ungleichbehandlung und Ungerechtigkeit schließen, und von einer ungerechten Gesellschaft ausgehen, die Frauen benachteiligt. Wenn aber Frauen und Männer verschieden sind und/oder man an die Eigenverantwortlichkeit von Individuen glaubt, dann sind Ungleichverteilungen möglicherweise Folge geschlechtsspezifischer und/oder individueller Präferenzen und Frauen und Männer mit schlechten Jobs vielleicht einfach individuell selbst verantwortlich für ihre Berufswahl.
    Hier kann es keinen Kompromiss geben, weil die Meinungen auf verschiedenen Prämissen über die Beschaffenheit von Frauen und Männern und/oder über das Wesen von Eigenverantwortlichkeit beruhen. Libertäre werden nie auf die Idee kommen, Frauen wären für ihre Berufswahl nicht verantwortlich. Differenzfeministen werden immer behaupten, Frauen würde von Natur aus lieber soziale Berufe ergreifen oder die Familie über die Karriere stellen. Und Gleichheitsfeministinnen setzen die Gleichheit der Geschlechter einfach voraus, und schließen von dieser Basis aus gesehen logischerweise aus Ungleichverteilungen auf Ungerechtigkiet.

  3. SMV/Online-Wahl

    Die Befürworter von ständiger Mitgliederversammlung oder Online-Wahl sehen viele Vorteile in der Möglichkeit, Online zu wählen. Dieses Mittel, dass ständige basisdemokratische Abstimmungen ermöglicht sehen sie als revolutionäre Innovation, die wirkliche Demokratie (“Herrschaft des Volkes”) wieder möglich macht. Dass dabei die Möglichkeit bestünde, Datenbanken über Wahlentscheidungen anzulegen, sehen sie als nicht kritisch, ebenso wenig, dass eine Online-Wahl nie gleichzeitig frei, geheim und gleich sein kann.
    Die Gegner von Online-Wahlen argumentieren, eine ständige Wahl würde zu einer Art Wahlverdrossenheit führen; dass jeder immer sofort allein abstimmen könne, verhindere möglicherweise eine Auseinandersetzung mit Gegenargumenten; und das Problem von Datenschutz bzw. Wahlmanipulation sei so schwerwiegend, dass es nicht hinnehmbar sei.
    Die verschiedenen Positionen basieren auch hier wieder auf verschiedenen Menschenbildern. Das eher positive Bild des Bürgers, der sich infomiert und gern an allen Entscheidungen teilnimmt oder seine Stimme kompetent delegiert herrscht auf Seite der Befürworter vor. Außerdem geht man hier anscheinend von redlichen und neutralen Wahlauswertern aus, so dass Manipulationen oder Indiskretionen, wie von den Gegnern befürchtet, auszuschließen seien.
    Auf Seiten der Gegner das eher negative Bild des Menschen als träges, fehlerhaftes, egoistisches Wesen, dass durch Verfahren und Prozesse dazu gebracht werden muss, sich zu informieren und zu wählen, und gehindert werden muss, zu betrügen oder Daten zu missbrauchen.
    Auch hier kann man durch Diskussionen nichts erreichen: Entweder man vertraut auf das Gute im Menschen und dessen Willen und Fähigkeit zu politischer Mitwirkung, und glaubt an einen Erfolg einer SMV ohne Pannen, Skandale, Missbrauch, oder man ist eher skeptisch bezüglich der Eigenschaften von Menschen und will daher lieber ein System, dass Missbrauch ausschließt und durch das Verfahren eine Auseinandersetzung mit dem Thema vor der Abstimmung erzwingt. Hier sind wieder unterschiedliche Welt- bzw. Menschenbilder und Prämissen Grundlage der Konflikte, die man durch Diskussion nicht ändern kann.

Glaskugel: Entwicklung der Progressiven Plattform

Konstruktive Vorschläge für die Verbesserung der Strukturen der Piratenpartei habe ich in diesem Blog schon gemacht. Darum möchte ich niemanden mit den immer gleichen Ideen langweilen und nehme ich mir heute heraus, einen bösen Blick in die Glaskugel zu werfen und die Entwicklung der Progressiven Plattform in den Jahren 2014 bis 2016 zu beschreiben.
Denn ich glaube, die Geschichte der K-Gruppen könnte sich bei der progressiven Plattform durchaus wiederholen, so vielfältig wie auch dort die Vorstellungen zu sein scheinen.

Auf jeden Fall möchte ich noch eine Trigger-Warnung aussprechen und jed_ixs abraten, dieses Posting zu lesen.


Juli 2014: Die Progressive Plattform (PP) wird gegründet. Parallel dazu gründet sich die “Antifaschistische Plattform”, weil die “Progressive Plattform” ein “Club labernder, konfliktscheuer Weicheier” sei und nicht aktivistisch und militant genug.

August 2014: Die Progressive Plattform spaltet sich; die “Feministische Progressive Plattform” (FPP) wird gegründet. Das 100% weiblich besetzte ZK der FPP wirft dem quotierten Vorstand der PP vor, den Kampf gegen das Patriarchat nicht eifrig genug zu führen und mit der 50%-Quote einen Safe Space für verkappte Machos zu bieten.

September 2014: Die Progressive Plattform zerfällt in die “Anarcholibertäre Plattform” (ALP), die alle Staaten abschaffen will, und die “Solidarische Internationale Plattform” (SIP), die alle Staaten zu einem Staat zusammenfassen will. Während die SIP der ALP vorwirft, die Welt in ein Paradies der Neocons verwandeln zu wollen, bezichtig die ALP die SIP, eine weltweite sozialistische Diktatur anzustreben.

Oktober 2014: Die Feministische Progressive Plattform spaltet sich in die “Radikale Feministische Plattform” (RFP), in der nur Menschen erwünscht sind, die sich nicht als Mann definieren, und die “Töchter Gaias” (TG), bei der Diskussionen mit Sachargumenten verboten sind, weil Sachargumente ein Menschen von der Stimme ihres Herzens abkoppelndes Unterdrückungs-Instrument des Patriarchats sind. Die “Universelle Feministische Plattform” (UFP) spaltet sich ebenfalls ab und beginnt einen monatelangen Richtungsstreit, was “Universell” überhaupt bedeutet.

Januar 2015: Auf dem vor dem BPT15.1 stattfindenden “Progressiven Kongress” (ProKon!) kommt es zu einem Eklat auf dem Podium, als der Dachverband der vereinten feministischen Plattformen (DvFP) der antifaschistischen und der anarcholibertären Plattform vorwerfen, dass diese die Aufnahme von Asylsuchenden und Flüchtlingen nicht davon abhängig machen wollen, dass die Aufzunehmenden einen Test bestehen, der sicherstellen soll, dass die Aufgenommenen nicht aus einer “Rape Culture” kommen und eine Gefahr für Frauen darstellen. Die “Töchter Gaias” plädieren daraufhin für eine Aufnahme nur von Frauen, die “Radikale Feministische Plattform” unterstützt dies oder die Kastration “potenzieller Gefährder”. Das ZK der “Antifaschistischen Plattform” ruft daraufhin dazu auf, die Mitglieder_ixs dieser rassistischen Nazi-Gruppen “ins Meer zu treiben, damit die mal sehen, wie das ist”.

März 2015: Die verbliebenen Mitglieder der “Solidarischen Internationalen Plattform” benennen sich in “Liberale Progressive Internationale Plattform für Solidarität” (LiProVIPS) um, um sich von den anderen Plattformen abzugrenzen.

Mai 2015: Die “Anarcholibertäre Plattform” veröffentlicht einen Flyer, warum bewaffnete Bürger, Feuerwerk in Fußballstadien und Atomkraft die Welt sicherer machen, und warum die gesetzliche Krankenversicherung abgeschafft gehört.

Juli 2016: Auf dem BPT 16.1 wird die Mitgliedschaft in jeder der oben genannten Plattform für unvereinbar mit der Mitgliedschaft in der Piratenpartei erklärt, und 1.500 Mitgliedern der Plattformen wird die Mitgliedschaft abgesprochen.
August 2016: Die “Plattformen” gründen eine neue Partei, können sich aber auf keinen Namen einigen.

2017: Die Piratenpartei erhält bei den Bundestagswahlen 7%. Die Plattform-Partei wird wegen eines Finanzskandals, bei dem führende Piraten aus einem Stadtstaat Gelder veruntreut haben sollen, nicht zur Wahl zugelassen. Darüber kommt es zum Zerwürfnis. Vertreter der antifaschistischen Plattform fordern uneingeschränkte Solidarität mit dem verurteilten Schatzmeister. Kurz darauf zerfällt die Plattform-Partei wieder in Splittergruppen.