Die Rettungslotterie oder: Moria und Ethik

Aktuell wird immer wieder gefordert, alle Menschen aus dem abgebrannten Lager in Moria in Griechenland zu holen und in der EU zu verteilen.
Das wäre natürlich auch sehr schön, aber ist es auch ethisch geboten?

Sehr vielen Menschen auf der Welt geht es schlecht, noch immer hungern fast eine Milliarde Menschen, täglich sterben zehntausende an Hunger und Krankheiten. Wir Europäer wissen das, wir könnten jeden Ort der Welt in wenigen Stunden erreichen, wir hätten die Mittel, jeden einzelnen zu retten, wenn wir wollten. Aber wir tun es nicht. Denn wir wissen insgeheim, dass wir nicht jede/n retten können. Wir töten sozusagen durch Unterlassen, immer schon, seit Jahren, jeden Tag zigtausendfach. Das ist schlimm — dennoch tun wir es und denken nicht weiter darüber nach.

Wenn wir moralisch verplichtet sind, jedem zu helfen, dem der Tod droht, wegen Menschwürde, Ethik, Humanismus, aber angesichts unsere am Ende doch begrenzten Kapazitäten nicht wirklich können, wäre es dann nicht gerechter bzw. ethisch geboten, unter den ca. 1 Milliarde Menschen, denen es schlecht geht, eine Lotterie zu veranstalten, bei der jeden Tag 100 oder 1000 Gewinner gezogen werden, und dann diese Leute zu retten? Auf der ganzen Welt, nach dem Zufallsprinzip?
Anstatt gerade die zu retten, die gerade nicht die Schwächsten sind, sondern Menschen, die immerhin die Ressourcen und die Kraft hatten, sich (illegal) bis in die EU durchzuschlagen. Diese Menschen denen vorzuziehen, die unsichtbar weit weg tatsächlich entkräftet und hoffnungslos sein, soll moralisch geboten und Ausdruck unserer europäischen Werte sein?

(Ich denke nicht.)

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