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Droht uns jetzt (endlich!) der Faschismus?

Wie ich schon in „Menschenopfer für den Pseudo-Antifaschismus“ schrieb, wird aktuell viel darüber geschrieben, dass grundlegende Menschenrechte eingeschränkt würden etc., und dass jetzt der Faschismus und die Diktatur drohten.

Es gibt aber auch Gründe, das nicht anzunehmen:

  1. Niemand will die Demokratie abschaffen

    Zu einem ordentlichen Faschismus gehört die Ablehnung bzw. Aufgabe der Demokratie zugunsten des Führerprinzips. Bisher sind keine Wahlen ausgefallen, und niemand hat einen starken Führer gefordert, weil die Demokratie mit der Situation überfordert sei und wir darum jetzt ein anderes System bräuchten.
    Okay, auf der Opposition, besonders den Liberalen, wird herumgehackt, und Linksradikale zünden auch mal Autos von Angehörigen von AfD-Mitgliedern an, aber das ist ja schon längere Zeit so und scheinbar ganz normal in unserer Demokratie. Es gibt jedenfalls bisher keine Merkel-Jugend und keine GroKo-Schlägertruppen, die politische Gegner durch die Städte prügeln.
    Außerdem gibt es sogar noch unterschiedliche Meinungen im staatsnahen Rundfunk — Das hätte ich mir im kommenden Faschismus anders vorgestellt.

  2. Nicht genug Anwälte sind in der Psychiatrie

    Einige Leute sind beunruhigt, weil eine Anwältin in die Psychiatrie gebracht wurde, nachdem sie — trotz Verbots und Ablehnung ihres Eilantrags beim Bundesverfassungsgericht — zu Demonstrationen gegen das Verbot von Demonstrationen aufgerufen hatte, und anscheinend mit dem Gegenwind durch Staatsschutz und Staatsanwaltschaft nicht ganz klargekommen ist, so dass sie schließlich Angst davor gehabt haben soll, Hubschrauber1 und Killerkommandos würden sie verfolgen.
    Tatsächlich gibt es aber immer noch viele Anwälte und noch mehr Journalisten, die täglich dutzdende Artikel voller Bedenken schreiben können und dürfen, die bisher weder in der Psychiatrie noch im Arbeitslager noch im Folterknast sind. Das hätte ich mir im kommenden Faschismus anders vorgestellt.

  3. Es fehlt die radikale Volks-Rhetorik

    Bisher hat niemand davon geredet, dass das „Deutsche Volk“ aus der Krise gestärkt hervorgehen wird, und dass es, wenn es dem „chinesischen Virus“ nicht trotzt, sowieso nicht verdient habe, weiterzuleben. Niemand hat gefordert, dass die Teile des Volkskörpers, die „alt, morsch und gebrechlich“2 geworden sind, sterben mögen. Statt dessen will man Alte und Kranke schützen, und die Opferzahlen minimieren! Keine irre Volksschicksals-, Opfer-, Blut- und Boden-Rhetorik weit und breit! Nichtmal Hetze gegen europäische Nachbarländer, die mittelfristig zu befreien seien, nur immer das übliche (langweilige, antiamerikanische) Trump-Bashing. Das hätte ich mir im kommenden Faschismus anders vorgestellt.

Ich kann also weiterhin das Gerede von der drohenden Abschaffung der Bürgerrechte, der drohenden Diktatur, dem aufziehenden Faschismus nicht nachvollziehen. Es dürfen ja sogar noch unterschiedliche wissenschaftliche Experten ihren Senf dazu abgeben, ob und wie und wann der Shutdown zu beenden sei. Das Internet wurde nicht ab- oder gleichgeschaltet. Es gibt keine Blockwarte bzw. Abschnittsbevollmächtigte. Keine Gruppe wurde zu Volksschädlingen erklärt, kein innerer oder äußerer Feind zum absolut Bösen hochstilisiert. Nichtmal die Wehrpflicht bzw. ein Zwangs-Bundes-Arbeitsdienst wurden (wieder) eingeführt. Quasi alle Elemente, die man bei einem ordentlichen Faschismus erwarten sollte, gibt es nicht.

Daher frage ich mich, ob vielleicht der (leicht pathologische?) Wunsch, einmal im Leben den Faschismus aktiv bekämpfen zu können, der Grund ist, dass so viele Menschen jetzt den Faschismus quasi herbeireden bzw. herbeischreiben, obwohl — tut mir echt leid jetzt — kein Stück wirklicher Faschismus zu sehen ist?!

Es ist doch merkwürdig, dass so viele intelligente und intellektuelle Menschen jetzt, da der Staat einmal (begründet!) etwas autoritärer auftritt, gleich nach Spuren von „Faschismus“ suchen, als hätten sie Angst, in ihnen und ihren Mitmenschen und natürlich im „Staat“ gebe es so eine Art „Nazi-Gen“, das unweigerlich zur Rückkehr des Faschismus führen müssen, wenn wir nicht ganz dolle aufpassen. Vielleicht können wir das auch als Erfolg unseres Schulsystems verbuchen, das ja ein Stück weit dazu erzieht, Faschismus 10 Meter gegen den Wind zu riechen.

Wie auch immer. Ich beobachte das weiter. Wenn der Faschismus kommt, sage ich rechtzeitig Bescheid. Vorzugsweise aus den USA.

  1. Black Helicopters!!! []
  2. Hitler-Zitat []

Menschenopfer für den Pseudo-Antifaschismus

Aktuell haben Journalisten in häuslicher Quarantäne anscheinend nichts Sinnvolles zu tun. Ich hatte darüber schon geschrieben.

Darum hört und liest man jetzt immer wieder, es wäre super-gefährlich, wenn wegen des Seuchenschutzes Grundrechte eingeschränkt würden. Es drohe nichts weniger als die Wiederkehr von Diktatur, Polizeistaat und Faschismus.

Und da frage ich mich: Habt ihr einen Schatten?
Wenn jetzt auch schon die große Koalition unter der nicht unbedingt für radikale Entscheidungen bekannten Kanzlerin Merkel im Verdacht steht, möglicherweise eine Diktatur errichten zu wollen, bzw. Journalisten wie Georg Restle im staatsnahen Rundfunk von Parallelen zur Weimarer Republik und Tendenzen zu Ungarn etc. raunen, dann ist offensichtlich etwas in den Köpfen dieser Leute kaputt gegangen.

Es sterben gerade konkret immer mehr Leute, und die Regierung versucht lediglich, hiergegen effektive Maßnahmen zu ergreifen.
Da sie es leider verpasst hat, Schutzanzüge, Atemmasken oder irgendwas in ausreichender Menge einzulagern, und es dann leider verpasst hat, das somit weitgehend schutzlose Land rechtzeitig abzuriegeln, muss sie halt jetzt zu verzweifelten Maßnahmen wie Kontaktsperre und ggf. Tracking von Infizierten greifen, um die Epidemie überhaupt noch abbremsen und ggf. sogar wieder unter Kontrolle bringen zu können.

Und die spätgeborenen Möchtegern-Antifaschisten haben nichts Besseres zu tun, als mit Datenschutz zu argumentieren, warum ein verpflichtendes Tracking nicht umgesetzt werden dürfe, und warum Tracking nicht etwa eine Möglichkeit zum Retten von Menschenleben, sondern vielmehr der Weg in Überwachung, Diktatur und Faschismus sei.

Ich hatte immer gedacht, Antifaschisten wären gegen erstickende Menschen und für die Menschenwürde.

Es soll ja sogar Antifaschisten geben, die jetzt Gesichtsmasken nähen, und ich finde, dass dies tatsächlich mal eine „Propaganda der Tat“ ist, die lobenswert ist.

Weniger lobenswert ist hingegen die Sorte intellektueller Möchtegern-Antifaschisten, denen es jetzt darum geht, sich selbst als Kämpfer gegen Faschismus und Diktatur zu inszenieren, und die darum den Strohmann eines Diktatur-Polizeistaats (unter der Groko?!) aufbauen, den sie dann zum Zweck der Selbstinszenierung bekämpfen können. Schön sicher vom Schreibtisch aus, natürlich, und ohne jegliches persönliches Risiko.

Dass sie dabei dem Staat beim Versuch, Menschenleben zu retten, in den Arm fallen, ist Ihnen scheißegal. Dass sie damit effektiv Menschenleben für ihren Pseudo-Antifaschismus opfern, leider auch.

Ich bin allerdings der Meinung, dass es kein Antifaschismus ist, Leute sterben zu lassen.
Wer die irrationale Angst vor einer hypothetischen Merkel-Spahn-Diktatur schürt, um das abstrakte Konzept „Datenschutz“ über den Schutz von Menschenleben von Mitmenschen zu stellen, der ist für mich kein Antifaschist.


Wahrscheinlich haben wir den Zeitpunkt, zu dem so eine Tracking-App etwas gebracht hätte, sowieso schon verpasst. Wir haben aktuell 80.000 Infizierte, mit einer entsprechend höheren Dunkelziffer, also würde eine Tracking App wahrscheinlich nur die Information liefern, dass quasi jeder in den letzten 14 Tagen jemanden getroffen hat, der Infiziert war.
Und da wir auch nicht genug Tests haben, würden die Daten sowieso nichts (mehr) bringen.


Singapur hatte so eine App – und wird jetzt dennoch einen Lockdown machen. Hat anscheinend nichts gebracht.