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Gibt es in Deutschland einen Rechts- oder Linksruck?

Mit ist aufgefallen, dass sich in Deutschland die politischen Lager nicht einmal mehr einigen können, ob es in den letzten Jahren einen Rechts- oder Linksruck gab.
Dabei klingt das jetzt wirklich nicht nach einer Frage, die übermäßig kontrovers oder in ihrer Beantwortung intellektuell überfordernd sein sollte.

Was spricht für einen Rechtsruck?
Nun, nach dem Zusammenbruch des Ostblocks kann man auf wirtschaftlichem Gebiet einen Siegeszug der Marktwirtschaft nicht leugnen. Russland, China, die alten kommunistischen Länder sind jetzt kapitalistisch geworden, wenn auch nicht demokratisch. Das wirtschaftsliberale Denken hat sich durchgesetzt, Linke sprechen von einem Siegeszug des Neoliberalismus und des Egoismus.
Auch die neuen Medien, die zahlreiche große und kleine Instagramm- und Youtube-Sterne aufsteigen und verglühen lassen, fördern zumindest scheinbar die Ich-Ich-Ich-Gesellschaft.
Wo jeder sich selbst der Nächste ist und eine Zusatzrentenversicherung braucht, weil er sonst im Alter nur noch in Armut vor sich hin vegetieren kann, scheint gesellschaftliche Solidarität abgemeldet zu sein. Und es gibt jetzt die AfD. Braucht es noch mehr Beweise für einen Rechtsruck?

Was spricht für einen Linksruck?
Nun, wenn man Aussagen von Helmut Schmidt aus den 1980ern betrachtet, der bestimmte Zuwanderergruppe für inkompatibel mit der deutschen Gesellschaft erklärt, dann scheint die SPD der 1980er so rechts gewesen zu sein wie heute die AfD. Forderung, die vor 40 Jahren nur radikale Feministinnen gestellt haben, sind heute im Mainstream angekommen. Zahlreiche zentrale politische Fragen, wie zur Atomkraft, zur Zuwanderung, zum Euro, sind dem Anschein nach im Interesse der linken Gesellschaftshälfte gelöst oder zumindest entschieden worden. Statt wie früher eine linke Partei (SPD) gibt es heute drei linke Parteien (Linke, Grüne, SPD)1. Und von Union und FDP haben sich quasi die rechten Flügel abgespalten und die AfD gegründet, weil die Union ihnen unter Merkel zu weit in Richtung SPD gerückt war. Ist das nicht Beweis genug für einen Linksrück großer Teile des politischen Spektrums?

Nun, man könnte auch behaupten, dass Rot-Grün mit Schröder, der Agenda 2010, Hartz IV, Praxisgebühr und der Teilnahme am Balkan-Krieg eine Art „Rechtsruck von Links“ betrieben hätte, oder man könnte behaupten, dass Angela Merkel mit dem Atomausstieg-Austieg-Ausstieg und ihrer permissiven Migrationspolitik einen „Linksruck von Rechts“ hingelegt hätte.

Tatsächlich muss man wohl sagen, dass die eindimensionale Rechts-Links-Achse die Verschiebungen in den verschiedenen Politikfeldern nicht abbilden kann. Wirtschafts- oder sozialpolitisch mögen wir einen Rechtsruck haben, an anderen Stellen haben sich aber tendenziell linke Positionen durchgesetzt. Wenn es mehr Genderlehrstühle gibt, aber auch mehr Geld für die Bundeswehr, dann sind das Dinge, die man im einzelnen eher links oder rechts finden kann, es sagt aber über die Gesellschaft an sich wenig aus. Zumal ich glaube, dass die Verhältnisse der politischen Einstellungen der Menschen sich im Schnitt in der Masse nicht wirklich ändern.

Von daher würde ich konstatieren: Alles verändert sich. Und wer (nur) einen Links- oder Rechtsruck erkennen will, der sieht womöglich einfach nur (nur), was er sehen will.

  1. wobei die Linkspartei als Abspaltung der SPD gesehen werden kann, als Konsequenz des „Rechtsrucks“ der SPD unter Schröder (nach der SPD-Fundamentalopposition gegen alle Reformen unter Lafontaine) []

Eiertanz um das „Z-Wort“

Auf Twitter geht es aktuell heiß her, weil in einer Wiederholung einer WDR-Sendung („Die letzte Instanz“) vom November Menschen die Ansicht geäußert haben sollen, es sei nicht schlimm, „Zigeunersauce“ (oder Schnitzel?) zu sagen.

Menschen mit ausgeprägtem Identity-Politics-Hintergrund, die aus irgendeinem Grund auch als „PoMos“ (Post-Modernisten?) bezeichnet werden, starteten daraufhin einen veritablen Shitstorm, weil das Wort „Zigeuner“ verletzend sei. Mehrere Teilnehmer der Sendung „Die letzte Instanz“ sahen sich daraufhin gezwungen, sich für ihre mangelnde Sensibilität zu entschuldigen.

Nun ist es so, dass nicht wenige Zigeuner den Ersatzbegriff „Roma und Sinti“ ablehnen, weil es neben diesen Gruppen noch viele weitere gibt, so dass sie den Begriff „Zigeuner“ bevorzugen.

Was die Leute auf Twitter kritisieren, ist aber nicht nur, dass der angeblich diskriminierende, rassistische, verletztende Begriff Zigeuner als Fremdbezeichnung benutzt wird, sondern auch, dass man das Wort an sich überhaupt ausschreibt oder ausspricht.

Es tut mir ja wirklich leid für die Anhänger der Identity-Politics, aber wie mehrere Leute auf Twitter bereits festgestellt haben ist die Vermeidung des Aussprechens oder Ausschreibens von Worten eine höchst lächerliche Angewohnheit, die an Harry Potter erinnert, wo der Name des dunkeln Lords, von Du-weißt-schon-wem, von IHM … (Voldemort!), von vielen Zauberern nicht ausgesprochen wird.

Das Problem an der Abkürzung auf einen Buchstaben ist nicht nur, dass man so nur ca. 26 Worte so abkürzen kann. Nein, die Assoziation mit dem richtigen Wort wird nicht verhindert, es resultiert also nicht wirlich eine „Entlastung“ der angeblich von dem Wort als solchem verletzten Gruppe.

Vielmehr ist die (wirkungslose) Etablierung von Ersatz-Abkürzungs-Wörtern für „böse Worte“ nur eine Methode der Lagerbildung und Abgrenzung. Interesse und Sensibilität für die „geschützte Minderheit“ wird kraft der Verwendung der Ersatzwörter symbolistisch nur inszeniert. Durch diese Handlung soll meinem Eindruck nach moralische Überlegenheit gegenüber der Gruppe der als „gedankenlos, grob und gefühllos“ geframten Normalmenschen ausgedrückt bzw. erreicht werden.

Besser wird die Welt durch die moralische Selbstüberhöhung einer selbsternannten Gruppe besserer Menschen natürlich nicht, es wir nur eine künstliche Spaltung der Gesellschaft in die guten, bewusst Sprechenden und die zurückgebliebenen, groben, Dummen etabliert.

Sicher, wenn Schwarze lieber Afrodeutsche genannt werden wollen als Neger sollte man das machen, aber auf die Albernheit, Worte an sich nicht mehr auszusprechen oder auszuschreiben weil sie als Wort an sich immanent schädlich und belastend seien sollten wir uns nicht einlassen.
Denn falls ein Wort wirklich eine negative Konnotation hat, dann wird ein Wortwechsel das nicht verhindern, sondern treibt nur die „Euphemismus-Tretmühle“ an.

Das BMFSFJ und sein Dossier zu „Gleichstellungspolitik für Jungen und Männer“ (1)

Ein Dossier des „Ministeriums für alle außer Männer“ (BMFSFJ) namens „Gleichstellungspolitik für Jungen und Männer“ ist erschienen.

Es hat das Ziel, Männern und Jungen zu „helfen“, Männer zu werden, wie das Ministerium für alle außer Männer sie gerne hätte. Wenn man mal die Quintessenz dieses Machwerks frei heraus benennen will.

Bezeichnend ist, wie das Werk mit feministischen Prämissen durchsetzt ist, die fragwürdig sind. Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll – nehmen wir also Seite 91, Abbildung 58, als Beispiel für die zweifelhafte Qualität der Annahmen und Schlussfolgerungen:

Die Annahme ist also, dass Erwerbs- und unbezahlte Arbeit zwischen Männern und Frauen ungleich verteilt seien, und dass dies korrigiert werden müsse.
Die Grafik suggeriert, dass das Leben nur aus bezahlter und unbezahlter Arbeit besteht. Die Forderung der Autoren suggeriert, das Leben sei nur gerecht, wenn diese Formen von Arbeit zwischen den Geschlechtern gleich verteilt seien. Aber das ist Unsinn, und die Darstellung ist unrealistisch; denn wie soll dieser Ausgleich zwischen den Geschlechtern funktionieren?

Singles zum Beispiel müssen bezahlte und unbezahlte Arbeit erledigen. In der Höhe, in der sie eben anfallen. Abhängig vom individuellen Lebensstil. Hier kann das BMFSFJ keinen Ausgleich herbeiführen. Weder auf individueller Ebene, noch gesamtgesellschaftlich.

Sollte das Ministerium vielleicht eine heteronormative Paarbeziehung als Normalfall in der Gesellschaft voraussetzen? Damit man überhaupt so ein Nullsummenspiel der Geschlechter spielen kann?
Nur dann ergibt die Grafik überhaupt einen Sinn.

Aber dann ist immer noch nicht berücksichtigt, dass es ja auch sowas gibt wie Freizeit. Diese zu unterschlagen macht die Abbildung 58 komplett unrealistisch.

In der Realität kann man seine Zeit nicht nur auf bezahlte oder unbezahlte Arbeit verteilen. Man kann auch weniger arbeiten, um mehr Freizeit zu haben. Und manche Menschen brauchen mehr Freizeit, manche arbeiten gerne den ganzen Tag, manche pflegen gern ihren Haushalt oder kochen, manche sehen fern, oder schlafen, oder meditieren, oder haben sogar ihr Hobby zum Beruf gemacht, so dass man Freizeit und Arbeit gar nicht trennen kann, und das ist individuell verschieden. Und dadurch kann es — weitgehend zufällig — auch gesamtgesellschaftlich zu einer Ungleichverteilung kommen, ganz ohne dass deswegen irgendjemand benachteiligt worden sein müsste.1

Warum in aller Welt sollte man die verschiedenen Formen von Arbeit also geschlechtsabhängig gleichverteilen wollen?
Würde eine Gleichverteilung nicht ggf. sogar die „Mental Load“ noch weiter erhöhen, weil dann ein zusätzliches Aufgabenfeld zu den bisherigen Verantwortlichkeiten hinzukommt? Ist es nicht meist effizienter, wenn man Arbeiten arbeitsteilig ungleich verteilt und sich spezialisiert?

Abbildung 58 ist einfach eine zu stark vereinfachte Darstellung, die die Gleichheit (in Bezug auf generierte Einkommen, Wichtigkeit, Dauer) von bezahlter und unbezahlter Arbeit voraussetzt und die Kosten für eine „gerechte“ Aufteilung in Form von Effizienzverlusten und Abgrenzungsproblemen ignoriert. Das ist unseriös und schlicht dumm.

Interessant ist auch die Abbildung 59 auf der nächsten Seite:

Hier steht, es solle echte Wahlfreiheit geben, dass jeder sich entfalten und tun kann, was er will („Vielfalt“ und „Freiheit“). Und dann steht da bei „Gerechtigkeit“: „Ressourcen sind fair, also hälftig, zwischen den Geschlechtern verteilt“. Es soll also jeder machen dürfen, was er will, wenn dann nachher alle Frauen genau so viel bekommen wie alle Männer. Bitte was?

Soll es hier einen „Geschlechterfinanzausgleich“ geben, wenn eine der Gruppen mehr verdient als die andere?! Und falls ja, warum sollte sich dann die besser verdienende Gruppe überhaupt noch anstrengen, wenn ihre Mehreinnahmen dann an das andere Geschlecht abfließen?

Und falls es bei der „Ressourcengleichverteilung“ um Rentenansprüche in Paarbeziehungen gehen sollte: Dass Menschen mit geringen Rentenansprüchen, deren besser verdienende Partner früher als sie sterben, mit einer geringen Rente auskommen müssen, ist keine Frage der Geschlechtergerechtigkeit, sondern eine Frage der Rentengesetzgebung. Eine „gemeinsame Veranlagung“ der Rentenansprüche und eine andere Form der Kürzung (oder gar keine Kürzung) der gemeinsamen Rente im Falle des Todes eines Partners kann der Bundestag jederzeit beschließen. Wer hier so tut, als wäre das ein geschlechterpolitisches Problem, der will nur davon ablenken, dass der Staat seit Jahrzehnten gerne davon profitiert, dass die bisher meist besser verdienenden Männer früher sterben, und die Rentenkasse dann durch die gekürzte Witwenrente viel Geld sparen kann.

Oder wir schaffen das Rentensystem gleich ab, und es gibt eine sozialistische Einheitsrente, so dass die ultimative Geschlechtergleichstellung im Alter erreicht wird.

Seite 91 und 92 sind nur zwei Seiten aus diesem Machwerk voller ideologisch motivierter feministischer Forderungen, Halbwahrheiten und manipulativer Illustrationen mit dem Ziel, das Narrativ zu unterfüttern, Männer seien irgendwie schuld an Problemen, die Frauen haben, und müssten sich ändern und anders verhalten, weil sie Gleichverteilung und Gerechtigkeit im Weg stünden.

Wenn es zum Beispiel heißt, Männer müssten auf das „Privileg“ der Erwerbsarbeit verzichten, damit Frauen gerecht behandelt werden, ist das einfach Unsinn. Erwerbsarbeit ist kein Privileg. Frauen treffen statistisch gesehen 70% der Kaufentscheidungen. Männer sind nicht als Gruppe schuld an einer Rentengesetzgebung, die Rentenansprüche länger lebender Partner drastisch kürzt, wenn der besser verdienende Partner stirbt. Und die Gleichverteilung von Aufgaben zwischen Geschlechtern aus rein dogmatischen Gründen ist einfach keine sinnvolles Ziel. Es hat keinen Wert an sich, es ist ein rein ideologisch motivierter Soll-Wert von Menschen die glauben wollen, es gebe keine Geschlechterunterschiede. Die ganze Broschüre, die behauptet, „Männern und Jungen helfen zu wollen“, ist in der Tat nichts anderes als der Versuch, Männer und Jungen so hinzumanipulieren, wir feminitische Aktivistinnen im Ministerium sie gerne hätten.

Umso merkwürdiger ist, dass das sogenannte „Bundesforum Männer“ diesen hanebüchenen Unsinn auch noch lobt (gelb markierte Stelle):

Merkwürdig auch, dass das Bundesforum Männer die Broschüre noch am Tag der Veröffentlichung so positiv bewertet (pinke Hervorhebung).
Von einem angeblichen „Interessenverband für Jungen, Männer und Väter“ hätte ich mir eine kritische Analyse des Textes aus männlicher Sicht erhofft. Aber die kann man vom Bundesforum, das vom Frauenministerium finanziell abhängig ist, anscheinend nicht erwarten, wie die positive PR für den Text am Tag der Veröffentlichung deutlich zeigt.

  1. Aber das können sich radikale feministische Aktivistinnen anscheinend nicht vorstellen. []

„Farm der Tiere“ bei der taz oder: Wollen die älteren taz-RedakteurInnen ihr Lebenswerk den Intersektionalen überlassen?

Nachdem Hengameh Yaghoobifarah in der taz einen umstrittenen Artikel geschrieben hat, der nicht nur laut Analyse von Thomas Fischer Polizisten als Müll bezeichnet, den die taz gleichwohl als irgendwie „satirisch gemeint“ verteidigt, frage ich mich, wie das mit der taz weitergehen soll.
Anscheinend gibt es massive Risse in der Redaktion, die zwischen älteren, eher egalitär-liberalen Linken, und jüngeren, intersektional-dogmatischen Linken verlaufen.

Nun frage ich mich, ob die älteren Redakteure, die sozusagen ihr Leben lang für Gleichberechtigung, Antisexismus, Antirassismus etc geworben haben, tatsächlich wollen, dass ihre Zeitung von einer intersektionalen, und damit implizit anti-egalitären, anti-liberalen, und unter dem Vorwand von Antisexismus und Antirassismus sexistischen und rassistischen „jungen Garde“ übernommen wird? Möchte man als taz-Redakteur quasi sehenden Auges darauf warten, dass man von der jung-linken Kulturrevolution als alter weißer Kartoffel-Redakteur publizistisch an die Wand gestellt wird, wenn sich die Machtverhältnisse irgendwann vollends zugunsten der „jungen Wilden“ gedreht haben?

Wir wissen ja jetzt alle schon, wie das ablaufen wird: Die „Alten“ werden als aus der Zeit gefallene Krypto-Nazis, die jahrelang aus ihrer publizistischen Machtposition heraus Frauen und migrantische Minderheiten kleingehalten hätten, abgekanzelt und dann vom Hof gejagt werden.
Es wird so dargestellt werden, als hätten diese verdienten RedakteurInnen in Wirklichkeit jahrelang das Parteiblatt der NPD herausgebracht, und nicht Deutschland erfolgreichste klar linke Wochenzeitung.
Das entsprechende Narrativ wird sich schon stricken lassen. Wurden bei der taz nicht Praktikantinnen per Keylogger von alten weißen Lustgreisen ausgespäht? War die taz nicht in Wirklichkeit immer nur eine Bastion Weiß-deutscher akademischer Alt-Linker, die die Welt immer nur aus ihrer kleinkarierten Kartoffel-Sicht interpretiert haben? Die sich (nur) solange in Solidarität mit Minderheiten geübt haben, wie diese Minderheiten nicht wirklich zu einer Konkurrenz geworden waren? Die sich jetzt dem Fortschritt in eine neue Epoche anti-liberalen anti-egalitären linken Journalismus‘ verweigern?

Die liberal-egalitäre Linke in der taz hat der intersektionalen Linken in ihrem Blatt Raum geboten, aber ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass die Intersektionalen der liberal-egalitären Linken Raum bieten werden, wenn sie erst an der Macht sind.

Ich erwarte eher, dass sich die Geschichte wie bei Animal Farm entwickeln wird: Die Republik wird durch eine Diktatur ersetzt, die alte Garde wird aus dem Weg geräumt, und die neuen Machthaber rechtfertigen ihren Machtanspruch damit, dass sie irgendwie gleicher sind als gleich — das passt doch super zur Privilegientheorie der Intersektionalen.

Entsprechend sollten die älteren taz-Redakteure schleunigst entweder die Intersektionalisten kaltstellen, also entmachten und entlassen, oder aber ihr Zeug packen und eine „klassische taz“ forken, bevor sie es sind, die metaphorisch zum Abdecker transportiert werden.

Twitter rechnet mit #CoronaElternRechnenAb ab

Auf Twitter und „Edition F“ haben drei „feministische Aktivistinnen“ eine Aktion gestartet, um symbolisch auf die Ungerechtigkeit aufmerksam zu machen, dass sie während des Corona-Lockdowns Einkommensverluste haben, weil sie sich um ihre Kinder kümmern müssen.

Mittel dieser Aktion sind Rechnungen, die sie dem Staat für Aufwände für sogenannte „Care-Arbeit“ stellen. „Care-Arbeit“ ist dabei ein Begriff für Tätigkeiten wie den eigenen Haushalt führen, den eigenen Garten pflegen, die eigenen Haustiere, Kinder und Familienangehörigen versorgen, hier habe ich schon darüber geschrieben.

CoronaElternRechnenAb

Die Aktion ging allerdings ziemlich nach hinten los, sie wurde von den meisten Kommentatoren in der Luft zerrissen.

Und das hat meiner Meinung nach folgende Gründe, die ich hier — auch für die Initiatorinnen — mal aufschreiben will, damit sie vielleicht verstehen, warum ihre Aktion nicht auf Gegenliebe gestoßen ist:

  1. Der Staat setzt seine Betreuungsleistungen nicht ohne Grund aus. Sondern wegen höherer Gewalt, hier einer Art Naturkatastrophe, was üblicherweise Vertragspartner von einer Haftung freistellt. Entsprechend absurd ist die Idee, hier Schadenersatz verlangen zu können.
  2. Es ist egoistisch und unverschämt, eine Entschädigung zu verlangen, obwohl der Staat gar nicht anders handeln kann, als seine Leistung einzustellen, ohne seine Beamten und Angestellen in höchste Gefahr zu bringen. Nicht zuletzt weil ErzieherInnen und LehrerInnen sehr häufig Frauen sind, ist es massiv unverständlich, wie man als Feministin Schadenersatz dafür fordern kann, dass der Staat Frauen nicht in lebensgefährliche Arbeitseinsätze zwingt. Würde der Staats das tun, wären die gleichen Feministinnen die ersten, die dagegen protestierten. Und in dem Fall dann völlig zu Recht.
  3. Die Höhe der Rechnungen erscheint grotesk übertrieben. Nicht nur, dass allein die Idee absurd erscheint, als Elternteil überhaupt Geld für die Betreuung der eigenen Kinder verlangen zu können — denn die Erziehung und Pflege von Kindern ist, wie auf Twitter ausgeführt wurde, sogar deren verfassungsmäßig Pflicht und Schuldigkeit1 — auch erschließt sich nicht, warum ungelernte Hilfskräfte einen Lohn verlangen können sollten, der weit über dem Marktpreis liegt. Üblicherweise kostet eine Woche Ganztagskindergarten pro Kind zwischen 50€ und maximal 300€, hier als Unqualifizierte einen Preis von 675€ aufzurufen erscheint präpotent und dumm.
  4. Schließlich und endlich offenbart sich hier das völlig überzogene Anspruchsdenken radikaler Feministinnen. Das Konzept „Alleinerziehung“ ist in sich prekär, denn eine Person kann weder beide Elternteile ersetzen, noch die ganze Erziehungs- und Erwerbsarbeit leisten, die zwei Elternteile leisten können. Der Staat hat eine Menge getan, mit der Mütterrente, dem Elterngeld, dem Anspruch auf Teilzeit, der Zugewinngemeinschaft, der Witwenrente, um Eltern und vor allem auch Mütter sozial abzusichern und sie für den Ausfall der Erwerbsarbeit durch das Kinderkriegen zu entschädigen. Aber vollkommen egalisieren lassen sich die Nachteile der Alleinerziehung eben nicht. Man kann nicht allein gleichzeitig Job und Familie auf dem gleichen Level führen wie zwei Eltern, die ggf. beide Vollzeit arbeiten können, aber dennoch, durch versetzte Arbeitszeiten, mehr für die Kinder da sein können als eine Alleinerziehende es kann.
    Dass in der Corona-Krise die Nachteile der Alleinerziehung nicht wie üblich durch den Staat großzügig ausgeglichen werden, und dadurch das Alleinerziehenden-Lebensmodell als die prekäre Lebensform entlarvt wird, die sie im Kern ist, macht die Alleinerziehenden-Vertreterinnen unter den Feministinnen wütend. Dadurch ist zu erklären, warum den Protagonistinnen gar nicht aufgefallen zu sein scheint, wie egozentrisch und verwöhnt es rüberkommt, wenn man Rechnungen dafür schreibt, dass man seinen eigenen Kram selbst erledigen muss.
  5. Last but not least ist es witzig, wie wirtschafts-libertär der Genderfeminismus durch diese Rechnungen rüberkommt. In der Krise fällt ihm nichts besseres ein als die totale Ökonomisierung innerfamiliärer Beziehungen. Das Kind ist kein Kind, sondern ein Cost-Center. Fürsorge ist keine Fürsorge, sondern Care-Arbeit. Einmal ins Bett bringen, bei 2,3-fachem Satz wegen besonderer Schwierigkeit nach Gebührenordnung Alleinerziehende, macht 19,43€. Solidarität gibt es nicht mehr! Nur noch Ich!-Ich!-Ich!-AGs von Opferfeministinnen, die für jede Interaktion Verrechnungspreise aufrufen. Gewinne werden privatisiert, Aufwände per Rechnung an den Staat sozialisiert; sogar der Westerwelle-FDP wäre das ein Stück zu krass gewesen.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass der symbolische Protest gegen die Belastung mit „Care-Arbeit“ deswegen fehlgeschlagen ist, weil die Aktivistinnen überhaupt nicht mehr mit der Lebenswelt der meisten Menschen verbunden sind.

Statt als symbolischer Protest gegen die Mehrbelastung mit Care-Arbeit kommen die Rechnungen als übertriebene, größenwahnsinnige Forderungen von in egozentrischem Anspruchdenken verhafteten, verwöhnten Prinzessinnen („spoiled brats“) rüber, die sich plötzlich in der Situation sehen, die Konsequenzen aus eigenen Entscheidungen und höherer Gewalt selbst tragen zu müssen. Die in ihrem Narzissmus keine bessere Idee haben, als „der Gesellschaft“ Rechnungen zu schreiben, weil auch sie von den negativen wirtschaftlichen Auswirkungen der Krise betroffen sind, weil auch sie in Zeiten einer Pandemie tatsächlich mal gezwungen werden, ihre Komfortzone zu verlassen.

  1. Art. 6 Abs. 2 GG []

Männerfeminismus

Wie ich mittlerweile gelernt zu haben glaube, ist das richtige „Framing“ in der Kommunikation tatsächlich von entscheidender Bedeutung.
Umso wichtiger scheint es mir zu sein, dem radikalen Feminismus das Framen der Männerrechtsbewegung als rechts und frauenfeindlich möglichst zu erschweren.

Erfinden wir also den „Männerfeminismus“, um den scheinbaren Gegensatz von Männern und Feminismus sozusagen semantisch zu eliminieren und gleichzeitig das Eintreten für Männer feministisch zu machen. Denn wir bekennen uns ja zum Feminismus und zur Gleichberechtigung, meinen damit aber auch tatsächlich gleichen Einsatz auch für die Rechte und gegen die Sorgen und Nöte von Männern.

Männerfeminismus wird bei Google am 2020-06-11 nur 48 mal gefunden

Die Möglichkeit eines Männerfeminismus ist dadurch gegeben, dass Feminismus bedeutet, sich für Gleichberechtigung einzusetzen. Entsprechend muss auch die Möglichkeit gegeben sein, sich für Rechte und Anliegen von Männern einzusetzen, denn natürlich können auch Männer benachteiligt sein.

Folglich ist „Männerfeminismus“ kein Oxymoron, sondern eine logische Fortentwicklung des Feminismus, der Männer empowert, sich für Männerangelegenheiten einzusetzen, und endlich Männer verbal einschließt und nicht nur mitmeint.

Entsprechend plädiere ich an alle an Gleichberechtigung interessierten Männerrechtler, den Begriff „Männerfeminismus“ zu übernehmen, um durch dieses Framing unfaire Angriffe von radikalfeministischer Seite wie „Smearing„, Unterstellungen von Antifeminismus etc. ins Leere laufen zu lassen oder zumindest zu erschweren. Wenn es gelingt, den Begriff Männerfeminismus als Bezeichnung für einen Feminismus mit männlichem Blick zu etablieren, könnte das für die Männerrechtsbewegung ein großer Vorteil sein.

Wenn der Arbeitsschutz gebraucht wird, hebelt ihn die Regierung einfach aus!

Man stelle sich vor, es gäbe eine belastende Situation im Gesundheitssystem. Die wenigen unterbezahlten Arbeitskräfte arbeiten am Rande des Nervenzusammenbruchs.

Gut, dass wir da in Deutschland Arbeitsschutzgesetze haben, die die Arbeitszeitlängen und Ruhezeiten festschreiben!

Obwohl… Moment!

Just in dieser Situation hat die Regierung Merkel, repräsentiert durch den Arbeitsminister Hubertus Heil, nichts besseres zu tun, als diese Regen einfach mal auszuhebeln!

Sorry, aber das ist absurd. Man kann Regelungen nicht dann aufheben, wenn sie am notwendigsten wären.
Das ist ein Eingeständnis, dass die Personalsituation desaströs ist bzw. die gültigen Gesetze an der Realität gescheitert sind.

Die Union hatte uns „ein Deutschland, in dem wir gut und gerne Leben“ versprochen. Was wir jetzt bekommen ist ein Deutschland, in dem Arbeitnehmern jeder rechtlicher Schutz vor Überlastung genau dann weggenommen wird, wenn sie ihn am meisten brauchen.

Habeck kann Kanzler!

In der Corona-Krise wirkt die Polit-PR des Grünen Twitter Teams seltsam hohl und leer:

Konkret schlägt Robert Habeck z.B. vor: mehr medizinische Geräte, Schutzkleidung, Testkapazitäten, Forschung an Therapien und Impfstoffen. Auch eine App könnte helfen, um Kontaktverbote aufzuheben. Aber die Nutzung dieser App und die Auswertung der Daten muss freiwillig sein.

Wenn Online-Schach ein pay-to-win Spiel wäre

Online-Spiele, in denen man Dinge zukaufen kann, um schneller voranzukommen oder um wahrscheinlicher zu gewinnen, sind eine Plage.
Der Spieler verliert Lebenszeit und Geld, der Hersteller zockt ihn mit immer neuen Erweiterungen und sucht-fördernden Spielelementen ab.

Es ist unfair, die Chancen auf Erfolg davon abhängig zu machen, wieviel Geld jemand investiert hat; ebenso ist es natürlich reichlich dumm, bei solchen Spielen mitzuspielen.

Das ist einfach nachzuvollziehen, wenn man sich vorstellt, es gäbe ein Upgrade-System beim Online-Schach.

Anfänger starten nur mit 4 Bauern und einem König. Zusätzliche Bauern kosten 20 Cent. Züge mit Bauern und König sind kostenlos!
Man kann die Bauern auch upgraden, und zwar zu Springern. Das Bauer-Springer-Upgrade kostet 1€.
Springer kann man auch zu Türmen upgraden, was 2€ kostet, und Türme für nur 5€ zu Läufern, und dann für nur 10€ zu einer Dame.
Wobei „der Fairness halber“ die Zahl der Springer, Läufer und Türme auf jeweils 2 begrenzt ist und man nur eine Dame haben darf.

Weiterhin kostet der Fairness halber ein Zug mit Türmen oder Läufern 10 Cent und ein Zug mit einem Springer 20 Cent. Ein Zug mit der Dame 30 Cent. Pro gezogenem Feld.

Klingt das nicht völlig absurd? Niemand würde unter diesen Bedingungen Online-Schach spielen. Obwohl beim Schach zumindest irgendwann das Spiel vorbei ist, was bei Online-Spielen eher nicht der Fall ist.

Daran sollte man denken, bevor man Zeit oder Geld in irgendwelche Spiele steckt, wo das Upgrade-System endlos ist und das Spiel immer weiter geht. Das einzige, was man in so einem Spiel erreichen kann, ist, auf Augenhöhe mit anderen Leuten zu kommen, die auch so blöd sind, jede Menge echtes Geld für virtuelle Dinge auszugeben. Die irgendwann dann auch mit diesem schalen Gefühl, sich haben abzocken zu lassen dastehen und sich fragen werden, wo eigentlich das ganze Geld und die Zeit hin sind, die man besser hätte nutzen können.

Das Bundesarbeitsministerium ruft (verklausuliert) zum Rechtsbruch auf

In der FAZ liest man:

Das Bundesarbeitsministerium appellierte an alle Arbeitgeber, pragmatische Lösungen mit ihren Beschäftigten zu finden. Auf die Schließung von Schulen und Kindergärten könne mit Homeoffice, kreativen Arbeitszeitmodellen, der Nutzung von Urlaub und Arbeitszeitkonten reagiert werden, sagte ein Sprecher.

Wenn von „kreativen“ Lösungen geredet wird, aber nicht gesagt wird, worum es genau geht, sollten bei jedermann die Alarmglocken schrillen:
„Kreativ“ als Beschreibung für Lösungen weist üblicherweise auf Illegalität hin.

Ja, wenn man die Kinder zuhause betreuen muss, kann man möglicherweise die 11 Stunden Pausenzeit zwischen Ende und erneutem Beginn der Arbeit nicht einhalten, die in §5 des Arbeitszeitgesetzes gefordert werden.

Und das nicht nur in Zeiten einer Pandemie. Wenn das auch dem Bundesarbeitsministerium aufgefallen ist, warum wird dann das beschissene Gesetz nicht geändert? Warum fordert das Ministerium statt dessen verklausuliert zum Rechtsbruch auf? Geht’s noch?