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Frau Stokowski und die #Cancelculture

Wenn man das Werk eines Künstlers (oder die Aussagen eines Politikers) nicht mag und das äußert, dann ist das Kritik.
Wenn man dabei herabsetzend oder beleidigend vorgeht, nennt man das heute „Hetze“, früher Schmähkritik oder vielleicht Beleidigung.

Und wenn man behauptet oder impliziert, das Werk sei deshalb schlecht, weil der Künstler selbst schlecht sei, das schlechte oder falsche Werk sei also ein Abbild des „verdorbenen Charakters“ des Künstlers, die Kunst sei also aufgrund des „entarteten Charakters“ des Erschaffers so falsch, böse, schlecht etc. wie es eben sei, und wenn man deswegen dann versucht, den Künstler durch öffentlichen Druck, Hetze oder Gewalt an weiteren Werken zu hindern, bzw. die Grundlage seines Schaffens (Job, finanzielle Mittel, persönliches Image) zu zerstören, so dass er in Folge dessen keine weiteren „schlechten“ Werke erstellen kann oder nicht weiter wagt, dies zu tun und/oder die Werke zu veröffentlichen, dann spricht man (neuerdings) von „CancelCulture“.

Weil es nämlich dann nicht mehr um Kritik (am Werk) geht, sondern um den Aufbau von Druck im Sinne von psychischer und physischer Gewalt sowie um konkrete, schädigende Attacken im persönlichen Lebensbereich und im Beruf gegen den Künstler selbst.

Nur wenige Menschen können diesem Druck widerstehen.
Als in Deutschland vor längerer Zeit ein Kabarettist auftrat, saßen im Publikum zwei Männer und notierten alles, was er Kritisches sagte.
Der Kabarettist ging daraufhin ins Publikum und fragte die möglichen Angestellten einer staatlichen Polizeibehörde „Kommen Sie mit – oder soll ich mitkommen?“. Und kam damals damit durch. Heute würde er vielleicht von „Aktivisten“ verprügelt, so wie Werner Finck auch sehr gut hätte von der Gestapo verhaftet oder der SA gefoltert werden können.

Im Prinzip macht es keinen Unterschied, ob man Werner Finck nicht mag oder Lisa Eckhart (die noch dazu explizit eine Kunstfigur ist) oder Til Lindemann, und ob der Druck gegen einen Künstler von offiziellen Stellen oder von einem Internet-Mob ausgeht. Jeder Künstler sollte seine Kunst veröffentlichen dürfen, ohne deswegen Drohungen oder Gewalt ausgesetzt zu sein. Was nicht verboten ist, muss erlaubt sein, und (Meinungs-)“Freiheit ist das Recht zu sagen, was andere nicht hören wollen“ (Orwell). Wo sich mehrere Leute organisieren, um gemeinsam durch Vorwürfe und Drohungen einen Künstler zum Schweigen zu bringen, wo ein Boykott-Aufruf nicht nur die Forderung beihaltet, niemand solle sich das aktuelle Programm des Künstlers ansehen, bzw. niemand solle dessen Werke kaufen, sondern auch der Künstler und sogar die Veranstalter und alle Fans per „Guilt by association“ zum Ziel von Beschuldigungen und Drohungen werden, da hört Kritik auf, und dort beginnt „CancelCulture“. Denn dort wird nicht das Werk kritisiert, sondern dessen Verbreitung soll durch Druck auf den Künsterl und auch auf Veranstalter, Verlage, Fans etc. aktiv verhindert werden.

Entsprechend enttäuschend und schal ist die aktuelle Kolumne „Cancel Culture für Anfänger“ von Frau Stokowski im Spiegel, die ich aufgrund ihrer Armseligkeit hier nicht verlinken möchte, die die CancelCulture verharmlost und sogar für gar nicht existent erklärt.

Erster Absatz: CancelCulture bedeutet erstmal nur Kritik (falsch).
Zweiter Absatz: Wortspiele, langweilige Erläuterungen trivialer Fremdwörter, Verharmlosung der #CancelCulture mit schlechter Strohmannargumentation.
Dritter Absatz: Fingerübungen im freien Assoziieren unter Alkoholeinfluss (?)
Vierter Absatz: Herablassende Äußerungen über Kollegen, außerdem irgendwas mit Hitler und Lindemann und natürlich Relativierungen, dass so ein kleiner Boykott und ein wenig Ächtung ja nicht so schlimm sind.
Fünfter Absatz („‚Cancel Culture‘ heißt also, manche Leute mögen manche Leute oder deren Arbeit nicht?“): Verharmlosung von Mobbing und Doxing und Suggestion, es träfe ja doch meistens die Richtigen[tm]. Außerdem kriegen viele Leute ja wieder ein Job, wenn sie ihren durch öffentliche Ächtung und Mobbing verloren haben. Alles nicht so schlimm!
Sechster Absatz: Framing, „CancelCulture“ sei eine ‚rechte Erfindung‘.
Siebter Absatz: Drohungen durch die Antifa (Heute: Besorgte Warnungen aus der Nachbarschaft), die es ja nicht gibt, gibt es nicht, darum wurde Lisa Eckhardt vollkommen ohne Grund ausgeladen. Und eine CancelCulture gibt es natürlich nicht.

Interessanterweise ist CancelCulture (nehmen wir mal an, es gäbe sie) eine zutiefst menschliche, wenn auch schäbige Sache.

Natürlich würde auch ich gerne sehen, dass Frau Stokowski beim Spiegel gefeuert würde, damit sie die Reichweite des Spiegels nicht weiter für die Verbreitung ihrer schlechten Artikel nutzen könnte. Und sicher habe ich auch schon weniger freundliche Dinge über Frau Stokowski geschrieben.

Aber im Gegensatz zu woken Aktivisten würde ich mir keine absurden Vorwürfe ausdenken und direkt dem Spiegel schreiben, man möge Frau Stokowski doch feuern, weil sie ein schlechter Mensch sei.
Ich würde mich nicht mit einem Internet-Mob verabreden, eine Buchpräsentation von ihr zu stören oder ihr Privathaus mit Farbbeuteln zu bewerfen, ihre/n Partner/in zu bedrohen oder ihre Kinder anzuspucken, wie das so oder so ähnlich mit dem FDP-Politiker Thomas Kemmerich passiert ist.
Und das ist der Unterschied zwischen Kritik und CancelCulture: Kritik richtet sich primär gegen das Werk bzw. eine politische Position, und nur mittelbar auch gegen dessen Schöpfer (indem sie ihn als Schöpfer schlechter Werke darstellt). #CancelCulture richtet sich gegen den Menschen als solcher. Kritik ist Gegnerschaft, CancelCulture ist Feindschaft.

Hat Frau Stokowski das wirklich nicht verstanden?

Farm der Tiere und das Paritätsgesetz in Thüringen

Das Paritätsgesetz in Thüringen wurde für verfassungswidrig erklärt.

Irritierend ist, dass „zufällig“ beide weiblichen RichterInnen (Renate Licht, Elke Heßelmann) keine Verfassungswidrigkeit der sexistischen Regeln für die Listenaufstellung der Parteien erkennen konnten bzw. wohl eher wollten.
Hier entsteht der Eindruck, dass sie beide nicht in der Lage sind, objektiv und gemäß der Verfassung zu urteilen, wenn sie persönlich betroffen sind, bzw. dass die DGB-Funktionärin Licht ggf. sogar eigene politische Wünsche über verfassungsrechtliche Realitäten stellt. Es drängt sich der Eindruck auf, dass es sich hier um Quotenfrauen handeln könnte.

Aber wie dem auch sei, die „tageszeitung“ und Teile des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sind der Auffassung, dass man auch anders hätte urteilen können, hätte man die Verfassung anders „interpretiert:“

Natürlich ist es Aufgabe von Verfassungsrichtern, die Verfassung richtig auszulegen. Aber wenn dort eben steht „Frauen und Männer sind gleichberechtigt“, dann kann man daraus eben nicht ableiten, dass Frauen bei innerparteilichen Wahlen Vorrechte haben dürfen.

Man sieht hier leider, dass für ÖRR und linke Parteien der Zweck die Mittel heiligt – und wenn nötig, dann sollen eindeutige Verfassungstexte einfach „anders interpretiert“ werden. Parallelen zu Orwells „Farm der Tiere“, wo die Verfassung nachträglich von den Schweinen „anders interpretiert“ wird, sind leider nicht zufällig. Wenn es nach linken Journalisten geht, sollen Frauen einfach noch etwas gleicher als gleich sein:

Am 11. Juli ist Gender Empathy Gap Day

Wie jedes Jahr auch 2020 am 11.7. wieder der Gender Empathy Gap Day, der daran erinnen soll, dass Jungen und Männern im allgemeinen weniger Mitgefühl und Empathie entgegengebracht wird als Frauen.

Aber was bedeutet „Gender Empathy Gap“ (Geschlechter-Unterschied beim Mitgefühl) überhaupt?

Ein Beispiel:
Als 2014 die islamistische Terrorgruppe Boko Haram dutzende Jungen tötete, interessierte das niemanden. Aber als Boko Haram dann 200 Mädchen entführte, war es eine Nachricht, Michele OLbama hat sich für die Freilassung eingesetzt, und es gab sogar eine „globale Allianz“ gegen Boko Haram.

Und das Interesser der Menschen und der Öffentlichkeit war entsprechend. Entführe Mädchen sind interessant und Grund für eine globale Allianz, tote Jungen interessieren niemanden:

Wenn man erst einmal auf den Gender Empathy Gap aufmerksam geworden ist, dann kann man ihn fast überall sehen.

Wenn zum Beispiel IKEA impotente ältere Männer verspottet (womöglich ist der Verlust der Potenz nicht ganz so einfach?), kann der Werberat kein Problem erkennen:

Wenn Frauen in der Werbung geschlagen würden, dann gäbe es einen Aufschrei, aber wenn Männer geschlagen werden … ist das anscheinend gesellschaftlich akzeptiert:

Und haben Sie schon einmal von Christopher Frank gehört? Er verschwand im Alter von 2 Jahren in Leipzig. Wäre er ein blondes Mädchen gewesen und in Spanien verschwunden, hätten möglicherweise die Medien berichtet und nicht nur die Initiative „Vermisste Kinder“ hätte nach ihm gesucht. So aber haben Sie alle von Maddie gehört, aber niemand von Christopher.

Es ist tatsächlich so, dass es die Menschen, inklusive Männern, sich weniger für das Schicksal von Männern interessieren, als für das Schicksal von Frauen. Wäre es nicht allen egal, würde man hier wohl von „strukturelle Benachteiligung von Männern“ sprechen.
Und daran soll der „Gender Empathy Gap Day“ erinnern.

Warum dieser ausgerechnet am 11.7. ist, hat einen bitteren Grund:

Der 11.7. ist der Tag, an dem in Srebrenica im Balkan-Krieg tausende Jungen und Männer ermordet wurden.

Das konnte nur deswegen geschehen, weil die UN bereits zwei Jahre zuvor Frauen und Kinder aus der Stadt evakuiert hatten, den Männer und Jungen aber die Evakuierung verweigert wurde. Denn Frauen und Mädchen wurden aufgrund ihres Geschlechts als automatisch gefährdeter eingestuft, das mögliche Leiden der Jungen und Männer (und deren Gefährdung durch den vorrückenden Krieg) wurde hingegen (Gender Empathy Gap) als weniger relevant eingestuft.

Genaueres kann man auch beim https://alternativlos-aquarium.blogspot.com/ lesen.

Bundeswehr-Mindestquote für Frauen! Für weibliche Perspektive und Waffen-Parität! Frauen-Wehrpflicht jetzt!

Bei der Bundeswehr gibt es zu viele Rechte.
Das ist insofern nicht sehr verwunderlich, da heute alle Dinge, die die Bundeswehr ausmachen (Patriotismus, Waffen, die Möglichkeit, für das Vaterland zu sterben, Kampf etc.) rechts konnotiert sind. Einen linken Soldaten kann es somit gar nicht mehr geben.

Und weil Linke meist sowieso lieber darüber schreiben, wie rechts die Bundeswehr doch sei, als selbst durch persönlichen Einsatz die Bundeswehr linker zu machen, wird sich daran sicher auch nichts ändern.

Es sei denn, wir führen eine Wehrpflicht für Frauen ein!

Sollte es nicht eine Parität bei der Bewaffnung der Bevölkerung geben? Kann nicht das Patriarchat jederzeit zurückkehren, solange Männer den Großteil aller Waffen besitzen und kontrollieren? Iran 1979 kann sich jederzeit wiederholen, ohne genug Frauen in der Bundeswehr.

Un wenn, wie man so oft liest, überall immer alles besser wird mit mehr Frauen, warum sollte das dann nicht auch bei der Bundeswehr funktionieren!

Die weibliche Perspektive, die zusätzliche Diversität, die weibliche Intuition, diese vielen großartigen Dinge sollten doch auch im Kampfeinsatz eine wunderbar effizienzsteigernde Wirkung entfalten und die Bundeswehr besser machen können.
Man muss kein Mann sein, um ein Sturmgewehr zu bedienen, einen Panzer oder eine Drohne zu steuern. Im gemischten Team geht das Töten viel leichter von der Hand, und sicher werden auch viel bessere Entscheidungen getroffen, wer oder was zu vernichten ist.

Wir erinnern uns doch alle an die positiven Artikel über die kurdisch-jesidischen Kämpferinnen, oder, viel früher, die Kämpferinnen der UCK im Kosovo. Die Bewunderung unserer Journalisten für diese Patriotinnen. Eine Mindestquote von 50% Frauen in der Bundeswehr könnte also Patriotismus vielleicht wieder zu etwas Gutem machen, und die Bundeswehr wieder positiv framen. Der erste Islamist, der von einer Frau erschossen wird, die erste Sprengfalle, die eine Pionierin entschärft, der erste Bunker, den eine Kampfpilotin zerstört, ständig gäbe es positiv-feministische Nachrichten, die auch Mädchen zeigen, dass auch sie nicht von der pragmatischen-robusten Verteidigung unserer Freiheit ausgeschlossen sind.

Es ist also höchste Zeit, dass auch deutsche Feministinnen unter Waffen kommen.

Denn Frauen sind ja angeblich auch viel weniger rechts. Mit Frauen ließe sich also auch dieses Problem ratzfatz lösen.

Also — Parität bei den Waffen, weniger Rechte, mehr weibliche Perspektive beim Kämpfen — die Vorteile von mehr Frauen in der Armee liegen auf der Hand.
Darum muss die Wehrpflicht für Frauen und die Mindestquote von 50% Frauen in der Bundeswehr jetzt kommen! Da ja sogar die CDU jetzt eine Frauenquote hat, sollte dem doch nichts mehr im Weg stehen…

Wenn die Regierung Digitalisierung wollte, würde sie Kartenleser fördern

Seit fast 10 Jahren gibt es den elektronischen Personalausweis mit eID-Funktion.

Gute Kartenleser dafür mit allen sinnvollen Sicherheits-Funktionen kosten allerdings ca. 100 Euro, weswegen die Nutzung der eID sich seit Jahren nicht richtig durchsetzt.

In der Corona-Krise fällt uns das nun auf die Füße. Und trotz aller Lippenbekenntnisse tut die Politik nichts, um z.B. digitale Unterschriften, sichere EMail-Verschlüsselung etc. zu fördern.

Warum finanziert die Regierung nicht als Konjunkturmaßnahme jedem Haushalt einen vollausgestatteten Kartenleser?

„Farm der Tiere“ bei der taz oder: Wollen die älteren taz-RedakteurInnen ihr Lebenswerk den Intersektionalen überlassen?

Nachdem Hengameh Yaghoobifarah in der taz einen umstrittenen Artikel geschrieben hat, der nicht nur laut Analyse von Thomas Fischer Polizisten als Müll bezeichnet, den die taz gleichwohl als irgendwie „satirisch gemeint“ verteidigt, frage ich mich, wie das mit der taz weitergehen soll.
Anscheinend gibt es massive Risse in der Redaktion, die zwischen älteren, eher egalitär-liberalen Linken, und jüngeren, intersektional-dogmatischen Linken verlaufen.

Nun frage ich mich, ob die älteren Redakteure, die sozusagen ihr Leben lang für Gleichberechtigung, Antisexismus, Antirassismus etc geworben haben, tatsächlich wollen, dass ihre Zeitung von einer intersektionalen, und damit implizit anti-egalitären, anti-liberalen, und unter dem Vorwand von Antisexismus und Antirassismus sexistischen und rassistischen „jungen Garde“ übernommen wird? Möchte man als taz-Redakteur quasi sehenden Auges darauf warten, dass man von der jung-linken Kulturrevolution als alter weißer Kartoffel-Redakteur publizistisch an die Wand gestellt wird, wenn sich die Machtverhältnisse irgendwann vollends zugunsten der „jungen Wilden“ gedreht haben?

Wir wissen ja jetzt alle schon, wie das ablaufen wird: Die „Alten“ werden als aus der Zeit gefallene Krypto-Nazis, die jahrelang aus ihrer publizistischen Machtposition heraus Frauen und migrantische Minderheiten kleingehalten hätten, abgekanzelt und dann vom Hof gejagt werden.
Es wird so dargestellt werden, als hätten diese verdienten RedakteurInnen in Wirklichkeit jahrelang das Parteiblatt der NPD herausgebracht, und nicht Deutschland erfolgreichste klar linke Wochenzeitung.
Das entsprechende Narrativ wird sich schon stricken lassen. Wurden bei der taz nicht Praktikantinnen per Keylogger von alten weißen Lustgreisen ausgespäht? War die taz nicht in Wirklichkeit immer nur eine Bastion Weiß-deutscher akademischer Alt-Linker, die die Welt immer nur aus ihrer kleinkarierten Kartoffel-Sicht interpretiert haben? Die sich (nur) solange in Solidarität mit Minderheiten geübt haben, wie diese Minderheiten nicht wirklich zu einer Konkurrenz geworden waren? Die sich jetzt dem Fortschritt in eine neue Epoche anti-liberalen anti-egalitären linken Journalismus‘ verweigern?

Die liberal-egalitäre Linke in der taz hat der intersektionalen Linken in ihrem Blatt Raum geboten, aber ich halte es für sehr unwahrscheinlich, dass die Intersektionalen der liberal-egalitären Linken Raum bieten werden, wenn sie erst an der Macht sind.

Ich erwarte eher, dass sich die Geschichte wie bei Animal Farm entwickeln wird: Die Republik wird durch eine Diktatur ersetzt, die alte Garde wird aus dem Weg geräumt, und die neuen Machthaber rechtfertigen ihren Machtanspruch damit, dass sie irgendwie gleicher sind als gleich — das passt doch super zur Privilegientheorie der Intersektionalen.

Entsprechend sollten die älteren taz-Redakteure schleunigst entweder die Intersektionalisten kaltstellen, also entmachten und entlassen, oder aber ihr Zeug packen und eine „klassische taz“ forken, bevor sie es sind, die metaphorisch zum Abdecker transportiert werden.

Ich bin ein BIPoC!

Es ist einigermaßen tragisch, dass der europäische Antirassismus anscheinend am ideengeschichtlichen Tropf des US-amerikanischen Antirassismus hängt.
Wie ist es sonst zu erklären, dass man Begriffe wie „People of Color“ in ein Land importiert, wo „Farbige“ als abwertend gilt? Es ist doch absurd, den gleichen Begriff in einer anderen Sprache für weniger abwertend zu erklären, nur weil er in dieser Sprache eben angeblich nicht abwertend gemeint ist. Das gleiche gilt für „Race“. Böse in Deutsch, okay in Englisch… das ergibt keinen Sinn.

Noch unerklärlicher ist mir allerdings die Übernahme der Abkürzung „BIPoC“ für „Black, Indigenous, People of Color“, was eine Bezeichnung für Schwarze, indigene Völker, und … ehm… Nicht-Weiße sein soll, also für alle (vermeintlich) rassistisch diskriminierten Gruppen. Die Übernahme in den deutschen Sprachgebrauch finde ich daher so verunglückt, weil Weiße in Europa indigen sind. Ich bin also hier ein BIPoC. Und schon ist der Begriff zumindest in Europa total sinnentleert, weil er überhaupt nicht mehr abgrenzt.

Wenn man darüber nachdenkt, ist es somit ein wahrhaft antirassistischer Begriff, weil er wirklich alle Menschen mit einschließt. Quasi ein Kampfbegriff der Egalitären.

Tragischer- und paradoxerweise ist genau das wahrscheinlich das letzte, was die angeblichen Antirassisten — die den Begriff nutzen, um Menschen in Kategorien aufzuteilen, die rein zufällig den Kategorien entsprechen, die angeblich nur Rassisten benutzen — beabsichtigt hatten.

Und das ist das Kernproblem von Antirassisten: Im Bestreben, Diskriminierungen identifizieren zu können, müssen sie genau die Kategorien reproduzieren, die sie abzulehen vorgeben. Damit ist diese Ansatz, die Kategorien zu überwinden, von vorneherein zum Scheitern verurteilt.

Mehr Frauen in Führungspositionen! Mehr Mobbing!

Eine Gleichverteilung von Frauen und Männern in Führungspositionen ist ein Traum radikaler Feministinnen.

Leider wird das vielleicht für immer ein Traum bleiben: Denn Frauen werden am Arbeitsplatz am häufigsten von anderen Frauen gemobbt. Während Männer gleichberechtigt mobben, mobben Frauen fast immer (nur) andere Frauen. Je mehr Frauen also in einer Firma sind, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Frauen gegenseitig wegmobben. Auch weibliche Kunden mobben „am liebsten“ weibliche Mitarbeiter.

Quoten führen übrigens häufig dazu, dass Frauen sich in Führungspositionen unsicher fühlen, ob sie ihren Job wirklich verdient haben, was dann dazu führt, dass sie vermehrt mobben, vor allem Frauen, die sie ja ggf. von der Spitze verdrängen könnten.
Viele Frauen führen also zu einem schlechteren Arbeitsumfeld für Frauen, und zu mehr Mobbing zu Lasten von Frauen. Entsprechend sind Firmen mit mehr Männern bessere Arbeitsplätze für Frauen. Und die feministische Forderung nach einer 50:50-Verteilung von Frauen und Männern könnte vor allem zu mehr psychischen Problemen bei Frauen führen.

So gesehen ist es wahrscheinlich, dass auch Frauen früher oder später klar werden wird, dass die 50%-Forderung radikalfeministischer Dogmatismus ist, und nicht zu ihrem Wohl – es sei denn, Frauen schaffen es irgendwann, ihre Frauenfeindlichkeit und ihre toxische Weiblichkeit in den Griff zu bekommen und weniger zu mobben :-D

Es gibt keine unbezahlte Care-Arbeit!

Alle paar Wochen beglückt mich der Journalismus mit (noch) einem Artikel darüber, dass Frauen soviel „unbezahlte Care-Arbeit“ verrichten würden.
Darum seien sie durch Altersarmut gefährdet.

Zumindest für verheiratete Frauen dürfte das aber kaum zutreffen, gibt es doch a) das Konstrukt der Zugewinngemeinschaft, so dass bei einer Trennung die Hälfte der erzielten „Zugewinne“ während der Ehe an die Frau geht, und b) die Witwenrente, also das Konstrukt, dass ein Teil der Rente des gestorbenen Partners weiter gezahlt wird, an die Frau (oder den Mann, auch wenn es Witwenrente heißt).

Nun könnte man diskutieren, ob dieser Teil, der weiter gezahlt wird, zu klein ist oder „passt“, und ob die Anrechnung von Erziehungszeiten für die gesetzliche Rente großzügig genug ist, um den sogenannten „Gender Parenting Gap“ zu schließen, also den Unterschied im beruflichen Fortkommen, der entsteht, wenn ein Partner mehr, der andere weniger „Erziehungsarbeit“ leistet.

Doch egal wie man es dreht oder wendet — „unbezahlte Care-Arbeit“ gibt es in einer Ehe nicht. Man profitiert immer am Verdienst des Partners, egal ob man eine Frau oder ein Mann ist. Und wenn man in die Grundsicherung fällt, dann bezahlt einen ja immer noch der Staat für die Care-Arbeit.

„Rasse“ aus dem Grundgesetz streichen?

Das Wort „Rasse“ soll gemäß aktuellen Forderungen aus dem Grundgesetz getilgt werden.
Der Grund: Das Konzept der Rasse sei für Menschen sinnlos und evolutionsbiologisch nicht begründbar; sein Einsatz könne nur zu Rassismus führen. Durch die Verwendung des Wortes „Rasse“ erkenne der Gesetzgeber quasi die Existenz von „Rassen“ an.

Das mag alles richtig sein, aber mit einer Umformulierung des Grundgesetzes werden wir weder den Rassismus aus der Welt schaffen, noch das Konzept „Rasse“ auflösen, noch sonst irgendetwas Positives erreichen. Das hat mehrere Gründe:

  1. In den USA ist das Wort „race“ anscheinend nicht wirklich rassistisch konnotiert. Es ist fraglich, ob Deutschland dauerhaft eine eigene Sprachkultur aufrecht erhalten kann, wo man das englische Wort „race“ mit komplizierten Phrasen übersetzen muss. Ein Beispiel: Rassenunruhen werden in Zukunft wie genannt?! Aus Gründen evolutionsbiologisch irrelevanter sichtbarer visueller Unterschiede mit rassistischer Auswirkung stattfindende zwischenmenschliche Auseinandersetzungen?
    Wenn die Phrasen, die man brauchen würde, um um den Elephanten im Raum herumzulavieren, irgendwann zu einer Abkürzung eingedampft worden sein würden, weil die Verwendung der Phrasen sonst nicht praktikabel wäre, hätte man nichts anderes geschaffen als ein neues, „besseres“ Synonym für „Rasse“. Also viel Aufwand betrieben für nichts außer kurzzeitiger Symbolwirkung. Und Symbolwirkung bewirkt nichts außer eines guten Gefühls bei all denjenigen, die sowieso schon überzeugt waren. Also nichts.
  2. Das Konzept „Rasse“ ist auch für den Antirassismus unverzichtbar. Nur wenn verstanden werden kann, wie Rassisten denken, wie sie Menschen in Gruppen und „Rassen“ einteilen und dadurch Diskriminierung betreiben, kann man antirassistisch arbeiten. Auch die Geschichte (nicht nur des Kolonialismus) lässt sich nur verstehen, wenn man das Konzept erfasst und versteht. Schon deshalb ist das Konzept „Rasse“ selbst niemals mehr aus der Welt zu schaffen. Ganz abgesehen davon, dass „Rassen“ in der Tierzucht etabliert sind, und eine Übertragung des Konzepts auf Menschen keine allzu große Transferleistung ist. Eine Transferleistung, die jederzeit wieder vorgenommen werden kann, allen gedanklichen Brandmauern zum Trotz.
  3. Das Konzept von physiognomisch bzw. von äußeren Geburtsmerkmalen her unterschiedlich aussehenden Menschen findet auch in der Kognitions-Psychologie Verwendung. Der Cross-Race-Effect beschreibt zum Beispiel die Anpassung des Gehirns an die vorherrschenden äußeren Merkmale der Mehrheitsgesellschaft und die daraus resultierenden Schwierigkeiten, die Gesichter von Menschen mit vergleichsweise anderem Aussehen ebenso treffsicher auseinanderzuhalten wie die Gesichter von Menschen, die dem mehrheitlichen Aussehen ähnlich sind.
    Nach äußeren Merkmalen zu differenzieren ist nach Erkenntnissen der Kongnititionspsychnologie in unserem Gehirn angelegt. Wir können dagegen nichts tun. Schon gar nicht, indem wir ein „böses Wort“ aus der Sprache tilgen.
    Es dürfte, wie bereits angesprochen, sehr mühsam sein, in der immer stärker englischsprachigen wissenschaftlichen Literatur gegen das Wort „race“ anzukämpfen oder in deutschen Übersetzungen passende Ersetzungen zu finden. Ich nehme natürlich in den Kommentaren gerne Vorschläge an, wie man das griffige „Cross-Race-Effect“ ins Deutsche übersetzen könnte, ohne das böse Wort Rasse zu verwenden. Den Ausdruck nicht zu übersetzen wäre natürlich auch eine Möglichkeit, aber nicht mehr als ein Ausweichmanöver. Wenn wir schon da angekommen wären mit unseren hilflosen Versuchen, das Wort „Rasse“ zu vermeiden, könnten wir ja auch „Rasse“ im Grundgesetz durch das *vollkommen andere* Wort „Race“ ersetzen.

Die Streichung von „Rasse“ im Grundgesetz ist schon deshalb nicht notwendig bzw. falsch, weil das Wort im Grundgesetz in einem anti-rassistischen Kontext vorkommt bzw. die Bundesrepublik als anti-rassistischen Staat konstituiert. Darum wäre es geradezu absurd, diese klare Formulierung aus Zeitgeist-Erwägungen heraus durch einen tagespolitisch opportunen Euphemismus zu ersetzen.
Nur wer es unbedingt will, kann in der Formulierung eine implizite „Anerkennung“ der Anwendung des Konzepts von Rasse auf Menschen erkennen, obwohl der Artikel im Grundgesetz das Gegenteil aussagt. Aber ein juristischer Text muss nicht mit den aktuellesten Ansichten der Evolutionsbiologie hinsichtlich der Frage übereinstimmen, ob es Sinn ergibt, das Konzept „Rasse“ auf Menschen anzuwenden, sondern er muss in der real existierenden Welt die beabsichtigte Wirkung entfalten können, und das ist beim Artikel 3 des Grundgesetzes ohne Zweifel der Fall, denn es begreift tatsächlich jeder, was gemeint ist, sogar die, die sich aus Gründen der Symbolwirkung an der Formulierung stören.

Jeder Versuch, das Konzept von Rasse durch Nicht-Verwendung des es bezeichnenden Wortes zu bekämpfen, ist aus den oben genannten Gründen zum Scheitern verurteilt, und lässt diejenigen, die diesen Versuch unternehmen, als verkopfte Theoretiker erscheinen. Denn aus den oben genannten Gründen kann niemand wirklich davon ausgehen, dass symbolische Wortsubstitutionen irgendetwas bewirken außer, dass wir bald ein neues Synonym für „Rasse“ haben würden, ohne jegliche praktische Auswirkung auf die Existenz von Rassismus, „Rassismus begünstigenden“ neurobiologischen bzw. kognitionspsychologischen Tatsachen, und Rassisten. Die „Evolution“ der Bezeichnungen für „PoC“ (Don’t translate to „Farbige“!) jedenfalls lässt nicht unbedingt vermuten, dass irgendwas erreicht werden würde außer einer neuen Möglichkeit für eine wahrscheinlich oftmals auch nur scheinbar besonders antirassistischen Avantgarde, sich als besonders antirassistisch zu präsentieren und andere aufgrund der Verwendung des „falschen“ Wortes zu diskreditieren.