Der neue feministische Trend: „Mental load“

Der aktuelle Feminismus hat eine neue Benachteiligung entdeckt. Sie heißt „Mental load“. Der Anglizismus für „geistige Belastung“ soll beschreiben, dass Frauen sich immer ganz viele Dinge merken (zu) müssen (glauben) und dadurch total gestresst sind.

Nun ist es tatsächlich so, dass viele Frauen es so empfinden, als müssten sie sich alles merken und „für alle mitdenken“.
Dennoch ist es natürlich so, und darauf läuft auch ein Artikel von Heike Kleen bei Spiegel Online heraus, dass jede selbst dafür verantwortlich ist, was sie sich aufbürdet.
Nicht einmal das Patriarchat kann irgendjemanden dazu bringen, an Dinge zu denken, oder sich Aufgaben aufzuladen.
Und während die betroffenen Frauen das Gefühl haben, nur sie allein könnten diese Aufgaben erledigen, weil sie sonst niemand mache, und weil sonst alles zusammenbreche, haben Männer oft das Gefühl, die Frauen übertrieben die Wichtigkeit dieser Aufgaben, und täten einige Dinge nur, um sich selbst unersetzlich fühlen zu können.

Aber wie dem auch sei: Wenn man bestimmte Dinge nicht schafft, dann muss man sie entweder aufschieben, sie delegieren, oder sie sein lassen. Und alles, was man sofort tun kann, soll man sofort tun, und nicht lange darüber nachdenken.
Das ist auch schon die simple Botschaft des Management-Ratgebers „Getting things done“ von David Allen.1

Vielleicht ist es ja so, dass es Männern leichter fällt Dinge zu vergessen oder nicht zu tun oder die Verantwortung dafür abzulehnen und sich dabei nicht einmal schlecht zu fühlen. Aus irgendwelchen unfairen Gründen, die vielleicht sogar biologisch bedingt sind, weil Frauen meiner Kenntnis nach heute und schon seit längerem nicht mehr auf Bräuteschulen geschickt und indoktriniert werden, perfekte Hausfrauen zu sein, und somit eine soziale Konditionierung der aktuellen Frauengeneration zum perfekten Hausfrauendasein heute eigentlich ausgeschlossen sein sollte.
Und wenn es so eine soziale Konditionierung geben sollte, dann geht sie wahrscheinlich eher nicht von den Männern oder irgendeinem „Patriarchat“ aus, sondern entsteht eher durch den Wettkampf unter Frauen, wer die perfektere Mutter und Hausfrau ist, angetrieben vielleicht auch durch mütterliche Instinkte.

Meiner Meinung nach können Frauen deshalb niemanden außer sich selbst verantwortlich machen, wenn sie unter der neuen feministischen Mode-Belastung „Mental Load“ leiden.
Denn kaum etwas wäre doch eine sexistischere Vorstellung als die, dass Frauen nicht ohne paternalistische Unterstützung von Männern, die für sie eine „geschützte Umgebung“ bereitstellen, in der Lage sein sollten, zu kontrollieren, was sie denken und tun?

Aus diesem Grund weiß ich nicht genau, wo der Feminismus mit dem neuen Schlagwort „Mental Load“ hin will.

Manche Artikel scheinen in die Richtung zu gehen, dass Feministinnen wieder eine neue Benachteiligung entdeckt haben wollen, die das unsichtbare Patriarchat den Frauen auf geheimnisvolle Weise auferlegt hat, und für deren Beseitigung die Männer verantwortlich sein sollen. Das wäre dann wieder ein Beispiel für die sogenannte „Female Hypoagency“, also die Tendenz der Gesellschaft, Frauen für bestimmte Dinge weniger in die Verantwortung zu nehmen als Männer, was man unter anderem an den höheren Strafen sehen kann, die Männer im Vergleich zu Frauen für gleiche Straftaten erhalten.

Ich hoffe aber, dass selbstbestimmte Feministinnen erkennen, dass das eine Sackgasse wäre, und dass Frauen zumindest dafür, was sie denken und tun, ganz allein die Verantwortung übernehmen (können) müssen. Und wenn sie unter „Mental Load“ leiden, dann müssen sie entweder die Dinge erledigen, oder delegieren, oder verschieben, oder sein lassen, und möglicherweise die eigenen Ansprüche etwas runterschrauben. Mimimi und sich über das Patriarchat beschweren werden jedenfalls nicht helfen.

  1. Dieser spricht von den „Vier D“ – Do (Machen), Defer (Verschieben), Delegate (Delegieren) und Drop (Sein lassen) []