Lob der Trolle!

Trolle sind böse, verbreiten Hate-Speech, sollten verboten werden!
So schallt es aus dem Blätterwald, vor allem dem virtuellen.
Aber wäre das wirklich gut?

Natürlich, es gibt bösartige Menschen, die andere nur nerven wollen; meist sind das fanatische Aktivisten. Aber das sind streng genommen keine Trolle.

Trolle sind die Kommentatoren, die das schreiben, was wir eigentlich nicht hören wollen, einfach nur, um zu sehen, was passiert. Sie sind umso nerviger, je besser sie es schaffen, kognitive Dissonanzen auszulösen und argumentative Schwachpunkte aufzudecken.
Tatsächliche Trolle wollen meist wirklich nur spielen. Sie können ihre mehr oder weniger gewitzten, abwegigen, naheliegenden oder weit her geholten Gedanken nicht zurückhalten und werfen sie uns vor die Füße um zu sehen, wie wir reagieren. Es ist wie ein Charaktertest, eine Frotzelei, nur nicht im täglichen Leben, sondern anonym im Internet. Darum können wir diese Konfrontation auch einfach ins Leere laufen lassen.

Ich finde deshalb, man sollte Trolle nicht (nur) als Bedrohung sehen. Trolle bieten die Chance zur Selbstreflektion. Warum fühle ich mich vom Troll provoziert? Welchen wunden Punkt hat der Troll erwischt? Was habe ich nicht bedacht oder falsch ausgedrückt? Wo liege ich vielleicht nicht ganz richtig? Oder sogar: Welche grundlegenden Annahmen habe ich getroffen, die mich einen Sachverhalt anders sehen lassen als der Troll? Wo gibt es vielleicht unvereinbare Unterschiede in der Weltsicht? Warum bin ich sicher, im Recht zu sein?

Nach der Hate-Speech-Polizei zu rufen, weil einem Dinge an den Kopf geworfen werden, die man nicht hören will, ist in den meisten Fällen kein Zeichen von Reife. Die meisten Trolle geben auf, wenn man nicht auf sie reagiert, denn sie leben von der Reaktion.
Ich denke, wir sollten auch einmal dankbar sein, dass es Trolle gibt, die unsere heile Welt täglich erneut versuchen einzureißen. Es sind unsere persönlichen, unbezahlten Hofnarren, die uns mehr oder weniger geistreich den Spiegel vorhalten. Die dümmeren, primitiveren, die uns nicht weiterbringen, können wir weblocken. Die gewitzteren sollen wir uns antun.

Sind weniger als 50% Frauenanteil in Führungspositionen ein Beweis für mangelnde Chancengleichheit?

Feministinnen beklagen sich immer und immer wieder, Frauen hätten in Deutschland noch immer schlechtere Karrierechancen.

Daraus, dass weniger Frauen Führungspositionen besetzen (eine Tatsache), schließen sie, dass Frauen weniger Chancen haben müssten. Aber diese Schlussfolgerung ist ein Fehlschluss.

Denn: Stellen wir uns vor, beim Lotto wären 70% der Gewinner Frauen.
Müsste das bedeuten, dass Frauen beim Lotto bessere Chancen als Männer haben, oder könnte es noch eine andere Erklärung geben?
Es gibt sogar zwei mögliche Erklärungen: Erstens, Lottospieler könnten zu 70% Frauen sein. Zweitens, wir könnten diesen 70%-Anteil von Frauen als Gewinner trotz gleichverteilter Chancen irgendwann im ersten Jahr nach der Einführung des Lotto-Systems gemessen haben und es könnte einfach Zufall sein, weil eine Gleichverteilung der Gewinner bezüglich Geschlecht sich erst nach einer großen Zahl von Ziehungen einstellt.

Genau so ist es mit den Karrierechancen und den Anteilen von Frauen in Führungspositionen: Ob die Chancen von Frauen fair sind, ergibt sich nicht daraus, ob der Anteil der Frauen in hohen Positionen dem Gesamtanteil von Frauen an der Bevölkerung entspricht, sondern daraus, wie groß der Anteil von Frauen an den höchstqualifizierten Bewerbern für die Führungs-Stellen ist. Also daraus, wie viele Frauen die Führungsposition tatsächlich wollen, und noch dazu von der Qualifikation her auf Augenhöhe mit den besten MitbewerberInnen sind.

Ohne also die Grundgesamtheit der Frauen und Männer zu kennen, die in eine Position kommen wollen und dafür auch geeignet sind, kann man nicht berechnen, ob ein Anteil von 50, 60, 80 oder 100 Prozent Männern bedeutet, dass Frauen benachteiligt werden.

Darum ist die Argumentation absurd, es gäbe in Deutschland noch keine Geschlechtergerechtigkeit, weil Frauen nicht 50% aller Führungspositionen besetzen.

Und darum ist auch die Idee, es müsse eine „Gleichstellungspolitik“ gemacht werden, bis 50% der Führungspositionen von Frauen besetzt sind, vollkommen irre.
Denn das würde bedeuten, entweder hochqualifizierte Frauen in Karrierepfade zu zwingen, die sie anscheinend gar nicht wollen, oder aber unqualifizierte Frauen auf Posten zu setzen, die für sie eine Nummer zu groß sind. In beiden Fälle würde dieses Vorgehen vor allem den Frauen schaden, im letzteren Fall möglicherweise auch der Allgemeinheit.

Ausbildung als Voraussetzung für das Genderwissenschafts-Studium

Die Genderwissenschaften beklagen sich häufig über den geringen Frauenanteil in bestimmten Berufen.
Männerrechtler hingegen beklagen sich über wenig Ahnung über männliche Sichtweisen in den Gender-Studies.
Andere behaupten sogar, Gender-Studies seien eine weitgehend brotlose Kunst und damit eine Garantie für Altersarmut.

Da Alterarmut, geringer Frauenanteil in Berufen und natürlich auch mangelnde Kompetenz in und Empathie für männliche(r) Weltsicht ernste Probleme sind, schlage ich folgende Lösung vor:

Voraussetzung für die Zulassung zum Gender-Studies Studium sollte eine handwerkliche Ausbildung in einem Bereich mit <30% Frauenanteil sein.

Auf diese Weise bekommen Gender-Studies-AbsolventInnen einen praktischen Einblick in männliche Lebenswelten und die Realität der Ungleichberechtigung.
Auf diese Weise besteht eine berufliche Alternative, sollte sich der Studiengang als wenig auf dem Arbeitsmarkt akzeptiert herausstellen.
Auf diese Weise wird der Frauenanteil in Ausbildungsberufen erhöht.

Wer gegen diesen Vorschlag ist, der/die

  • ist gegen Frauen in Männerberufen
  • ist für Altersarmut unter Frauen
  • hat Feminismus und Gender-Studies als Fach, dass auch die Probleme von Männern ernst nimmt und männliches Leben verbessern will, nicht verstanden

Ich erwarte also die Umsetzung dieses Vorschlags. Auch in der DDR war ja eine Ausbildung Voraussetzung für ein Studium. Entsprechend kann dieser Vorschlag nur richtig sein!

Georg Restle, „Plädoyer für einen werteorientierten Journalismus“, eine Replik

Wenn man Artikel von Journalisten liest, bietet es sich manchmal an, den Artikel beim zweiten Lesen Absatz für Absatz von hinten zu lesen. Oft fragt man sich dann spontan, was im Artikel passiert sein muss, um zu diesem Ende zu finden.
Das ist auch bei Georg Restles Artikel „Plädoyer für einen werteorientierten Journalismus“ so.

Denn im letzten Absatz fordert er im Prinzip nichts als Binsenweisheiten: Journalisten sollten unabhängig und unbestechlich sein und keiner Partei angehören. Sie sollten sich an die Fakten halten und nicht blind das übernehmen, was andere vorgeben. Und man sollte humanistisch und werteorientiert berichten.
Die einzige Referenz auf alle vorherigen Teile seines Artikels ist die, dass er sich gegen „blinde Neutralität“ ausspricht. Und genau das ist der relevante Teil.

Doch bevor ich dazu komme, was Georg Restle damit meint, erstmal zurück zum Beginn des Artikel, der mit Selbstmitleid anfängt: Es ist so schwer geworden für Journalisten. So viele Informationen in so kurzer Zeit, der Journalist kann kaum noch etwas einordnen und recherchieren, bevor es zu spät ist. In diesem Kontext wird auch die Mär nochmal aufgewärmt, Bot-Armeen und Algorithmen könnten tatsächlich die öffentliche Meinung manipulieren, obwohl mittlerweile bekannt ist, dass es so einfach nicht geht.
Ja, die ersten Absätze des Artikels (vor „Der Weg des Egon Erwin Kisch“) dienen meiner Meinung nach nur dazu, im Kopf des Lesers zu verankern, dass Journalismus heute fast unmöglich und darum wichtiger ist als jemals zuvor, damit darauf im vorletzten Absatz noch einmal Bezug genommen werden kann.
Eigentlich hätte man diese Absätze auch streichen und wie folgt zusammenfassen können: Journalisten sind Helden, die unter unmöglichen Bedingungen gegen die Manipulation des dummen Pöbels durch übermächtige Propaganda-Maschinen ankämpfen.

Dann kommt der Abschnitt
Der Weg des Egon Erwin Kisch
in dem Georg Restle von dem Journalisten Egon Erwin Kisch berichtet, der Kommunist war (also gerade nicht parteiunabhängig, wie am Ende des Artikels für gute Journalisten eigentlich gefordert).

Ausgerechnet dieser Journalist wird von Restle als positives Beispiel für werteorientierte Berichterstattung dargestellt. Tatsächlich aber scheint Egon Erwin Kisch als strammer Kommunist und Idealist seinen Berichten seinen eigenen kommunistischen Spin aufgeprägt zu haben, anstatt so neutral wie möglich zu berichten.

Die Idee, es könne etwas wie „Neutralität“ geben, will Georg Restle aber von vornherein nicht gelten lassen. Wen kümmert es schon, dass Gesetze und Verfassung von Neutralität reden? Den Journalisten Georg Restle, der parteiische Berichterstattung als „werteorientiert“ reframen will, jedenfalls nicht.

Was folgt, ist eine klassische Strohmann-Argumentation, ein rhetorischer Trick:

Georg Restle definiert neutrale und ausgewogene Berichterstattung als eine Berichterstattung, in der Journalisten alle Meinungen entsprechend ihrem Anteil an der öffentlichen Debatte und Meinung gewichtet reproduzieren und als gleichwertig präsentieren.
Und dann zeigt er auf, dass neutrale Berichterstattung im Sinne dieser verqueren Definition unsinnig und falsch ist.

Daraus, dass er die Sinnhaftigkeit „neutraler Berichterstattung“ im Sinne seiner selbst absichtlich verquer gewählten Definition widerlegt hat (Argumentation gegen den Strohmann), folgert er dann in seinem zweitletzten Absatz (ab der Zwischenüberschrift „Unabhängig und unbestechlich“), dass neutrale Berichterstattung gar nicht wünschenswert sei. Und darum sei „werteorientierte“ Berichterstattung zu wählen.

Der rhethorische Kunstgriff mit Strohmann-Argumentation1 ist natürlich höchst unredlich. Aber ein „Chefredakteur des Flagschiffs des deutschen investigativen TV-Journalismus“ argumentiert anscheinend so, im Jahre 2018.

Statt der Illusion von Neutralität nachzuhängen, argumentiert Restle im zweitletzen Absatz weiter, solle man besser parteiisch sein. Was im Widerspruch steht zum letzten Absatz, wo Unabhängigkeit, Unbestechlichkeit und Unparteilichkeit gefordert wird.

Um diesen Widerspruch scheinbar aufzulösen macht Restle den Kunstgriff, „blinde Neutralität“ auszuschließen, was, wie wir jetzt wissen, auf die von Herrn Restle selbst konstruierte vorsätzlich sinnlose Definition von Neutralität als „ungefilterter Weitergabe jeden beliebigen Blödsinns“ referenziert. So versucht Herr Restle, vorsätzlich nicht-neutralen Gesinnungsjournalismus dennoch als die Form von Journalismus zu präsentieren, die dem Ideal von Unabhängigkeit, Unbestechlichkeit und Unparteilichkeit am nächsten komme.

Aber das ist natürlich, Restle’scher Rhetorik zum Trotz, vollkommen absurd.
Unparteilichkeit bedeutet nicht, keine Meinung zu haben oder keine Entscheidungen oder Wertungen zu treffen. Es ist wie beim Fußball: Es bedeutet, ohne Vorurteile, von einer neutralen Startposition aus, vorzugehen, und möglichst fair und auf Fakten basiert zu urteilen.
Und hier ist Neutralität wichtig. Klar sind wir alle Menschen mit Werten, und es fällt uns schwer, neutral zu sein. Aber es ist möglich, wenn man selbstreflektiert und systematisch vorgeht. Wenn man skeptisch bleibt, ganz besonders in Bezug auf die Dinge, die man selbst glauben *will*.
Wenn man Group Think, Confirmation Bias und Wunschdenken durch schrittweises, die eigenen Überzeugungen, Annahmen und Vorurteile bewusst-machendes und hinterfragendes Vorgehen versuchen auszuschließen. Wenn man also wie ein Naturwissenschaftler auf Wahrheitssuche geht, und sich selbst dazu zwingt, alle eigenen Überzeugungen zu hinterfragen, zu plausibilisieren und zu belegen — oder eben fallen lassen.

Zweifel muss man benennen, statt sie zu verschweigen. Beim Recherchieren muss man „in alle Richtungen ermitteln“ und sehen, wohin einen das führt; man darf nicht vorher bereits wissen, wie das Fazit eines Artikels lauten soll, sonst recherchiert man nicht, sondern betreibt nur PR für die eigene Meinung. Neutrale Berichterstattung heißt nicht, andere von dem bekehren zu wollen, was man selbst glaubt, sondern die Wahrheit zu suchen und zu beschreiben.

Wer einen Artikel schreiben will über Impfungen, der muss zunächst alles anzweifeln. Die Argumente der Impfgegner, aber auch die Argumente der Pharmaindustrie. Jede vermeintliche Gewissheit muss man prüfen. Gibt es viele oder wenige Impfschäden. Kann man an Masern sterben. Was würde passieren, wenn man nicht mehr impfen würde – kurz-, mittel- und langfristig. Wie teuer sind Impfungen? Wer verdient was damit? Wie teuer sind gelähmte Kinder, oder Senioren, die (nicht) sterben?

Erst wenn man die Fakten geklärt hat, in dem man gerade auch die eigentlich nicht fragbaren Fragen gefragt hat und auch die ungeheuerlichen Möglichkeiten zumindest kurz in Betracht gezogen hat, kann man die Faktenlage auf informierte Weise einordnen und werten und dann einen Artikel schreiben, der zwar wertet und einordnet, aber für den mündigen Leser nachvollziehbar auf diese Wertung und Einordnung hinführt indem er beschreibt, wie der Journalist zu seinen Schlüssen gekommen ist.

Ein so geschriebener Artikel ist so neutral und damit so unparteilich wie möglich.

Herr Restle hält aber anscheinend nichts vom mühsamen Suchen nach der Wahrheit, das notwendig ist, um (so) neutral (wie möglich) zu berichten. Er plädiert statt dessen für einen von Überzeugungen gefärbten, Partei-nehmenden Journalismus im Sinne des Kommunisten Egon Erwin Kisch:

Zitat Wikipedia:

Kisch war voller Enthusiasmus für die politischen und sozialen Veränderungen im kommunistischen Russland, ignorierte aber die Zwangsarbeitslager, die Hungersnot in der Ukraine oder die Verfolgungen der Russisch-Orthodoxen Kirche.

Kisch hat also Fakten verschwiegen, um seine Artikel, mit denen er seine kommunistische Gesinnung bewerben wollte, für sein Zielpublikum attraktiver zu machen.
Und hier ist eine interessante Parallele zum aktuellen Fall Relotius:
Relotius hat Fakten erfunden, um seine Artikel für sein mit einer bestimmten Gesinnung ausgestattetes Zielpublikums attraktiver zu machen.

Beides ist Betrug am Leser. Beides ist manipulativ und unredlich und hat mit Unparteilichkeit oder gar Wahrhaftigkeit, von der Restle im Zusammenhang mit Kisch auch einmal schreibt, nichts zu tun.

Auf den „werteorientierten“ Journalismus von Georg Restle, der Neutralität als Illusion abtut und mit falschen Definitionen verächtlich macht, kann ich verzichten, denn er führt direkt zum Relotius-Journalismus.

Der Relotius-Journalismus hat die Werteorientierung und die Vermeidung der mühsamen Suche nach der Wahrheit perfektioniert. Er orientiert sich nicht mehr an Fakten, sondern nur noch an den Vorstellungen und Werten der Leser; Fakten werden dann passend konstruiert. So erschuf Relotius eine Wahrheit, wie sie, gemäß den Vorurteilen seiner Leser, hätte sein sollen.
Und auch Kisch hat durch Auslassungen und Betonungen in seinen Texten den Lesern Sowjetunion und USA so gezeigt, wie er sie gesehen haben wollte. Auch das war keine wahrhaftige Berichterstattung, sondern PR für die eigene Weltsicht, kein Suchen nach der Wahrheit, sondern das Präsentieren einer Wahrheit, wie sie seiner Meinung nach hätte sein sollen.
Die eigenen Werte bzw. die Werte der Leser haben Kisch und Relotius Dinge schreiben lassen, die nicht die ganze Wahrheit waren, sondern irreführend, mal beschönigend, mal schwarzmalend.

Das, nämlich Autoren, die versuchen, ihre Leser im Sinne ihrer eigenen Agenda zu manipulieren, sind die Ergebnisse von „werteorientiertem Journalismus“. Und Monitor-Chef Restle plädiert für mehr davon!
Da bin ich doch lieber für Neutralität im eigentlichen, nicht von Herrn Restle absurd umdefinierten Sinne.
Denn der Leser hat kein Interesse daran, von Journalisten manipuliert zu werden, er möchte informiert werden. Fehlinformationen haben für ihn keinen Wert, egal wie „werteorientiert“ sie sind.

Das alles heißt natürlich nicht, dass es verkehrt wäre, wenn Journalismus von Menschen mit Werten betrieben wird, die auch etwas Gutes tun wollen. Aber wenn man die Wahrheit „werteorientiert“ verzerrt, führt das langfristig nie zu etwas Gutem. Denn nur wenn die Wahrheit bekannt ist, kann man tatsächlich Maßnahmen treffen, die etwas verbessern. Was man auf Basis verzerrter, falscher Informationen oder Annahmen tut, wird hingegen nie zu etwas Gutem führen, egal wie gut gemeint es ist.

Wenn es um Werte und Wahrhaftigkeit geht, würde ich den Wallraff-Journalismus bevorzugen, der zwar mit guten Absichten festlegt, über welches Thema man recherchiert, im Folgenden aber versucht, neutral zu bleiben und zu berichten „was ist“, anstatt die Ergebnisse vorwegzunehmen, zu skripten oder im Notfall „werteorientiert passend zu machen“.

  1. und zusätzlich falscher Dichotomie von „neutraler“ oder „werteorientierter“ Berichterstattung []

Warum regen sich Männer(-rechtler) über die neue Gillette-Werbung auf?

Die Frage ist einfach zu beantworten:

Weil natürliche männliche Eigenschaften, die zum Mann-Sein dazugehören, als Bestandteil von „toxischer Männlichkeit“ dargestellt werden.
Zum Beispiel das (fast immer spielerische) Kämpfen unter kleinen Jungs. Das Frauen-Hinterhergucken.

Das sind natürliche Verhaltensweisen, die richtig und gut sind.1

Diese natürlichen, unterbewussten Verhaltensweisen zum Problem, zu „toxischer Männlichkeit“ zu erklären ist reiner Sexismus. Eine männerfeindliche Unverschämtheit. Und psychologisch gefährlich.
Hier gilt tatsächlich: Boys will be boys. Und damit kommen wir zu einer weiteren Unverschämtheit, und das ist, so zu tun, als würden Männer tatsächlich (sexuelle) Gewalt mit diesem Spruch entschuldigen.

Der ganze Werbespot ist daher eine reine Provokation. Sicher gezielt, um Aufmerksamkeit zu erzeugen, möglicherweise auch deshalb, weil man darauf setzt, dass insgeheim Frauen die meisten Männer-Pflegeprodukte kaufen. Was aber möglicherweise in der Zeit von Single-Haushalten und Online-Bestellungen so nicht mehr stimmt.

Aber schauen wir mal, wie es weitergeht. Ich würde jedenfalls für die Zukunft Philips- und Wilkinson-Rasierer empfehlen.

  1. Wie sollen Männer nötigenfalls andere toxische Männer „zur Verantwortung ziehen“, wenn man ihnen verboten hat, kämpfen zu lernen? Ich sehe da ein paar logische Probleme… []

100 Jahre Frauenwahlrecht. 100 Jahre gleiche Wahl für Männer.

Vor ein paar Wochen feierten wir in Deutschland 100 Jahre Frauenwahlrecht. Das war gut und richtig!

Weniger toll fand ich die das Jubiläum umgebende Desinformation. Zum Beispiel wurde beim Spiegel die Legende der „tausende Jahre währenden Unterdrückung der Frauen“ durch „das Patriarchat“ bemüht.

Darum möchte ich ein weiteres Mal klarstellen: Auch Männer hatten in großen Teilen Deutschlands vor 1918 kein gleiches Wahlrecht (Gleiche Wahl heißt: Eine Person hat eine Stimme). Erst ab 1848 bzw. 1871 gabe es in einigen Teilen Deutschlands teilweise das Drei-Klassen-Wahlrecht (Reiche/Adelige haben mehr Stimmgewicht als Bürger, die wiederum mehr Stimmgewicht haben als „der Pöbel“) und nur in wenigen Teilen ein gleiches Wahlrecht. Zudem war das Wahlrecht historisch nur ein Zugeständnis an die Männer, als Gegenleistung für die Wehrpflicht, die noch bis 2011 bestand.

Wir feierten also 2018 100 Jahre gleiches Wahlrecht für Männer UND Frauen, und erst 7 Jahre gleiches Wahlrecht für Männer, ohne dafür durch Ableisten von Wehrdienst bezahlen zu müssen. Schade, dass dieser Aspekt in den großen Medien von niemandem berichtet worden ist. Das ist für mich ein weiterer Beleg, dass der Feminismus männliche Perspektiven weiterhin weder sieht noch berücksichtigt, entgegen den zahlreichen Lippenbekenntnissen, Feminismus gehe es um Gleichberechtigung und gleiche Berücksichtigung der Interessen und Sichtweisen aller.

„Toxische Männlichkeit“

Der deutsche (Netz-)Feminismus hat einen Lieblingsausdruck, und zwar „toxische Männlichkeit“.

Zwar kann man bei den Freund_*Innen der intersektionalen Feminist_ixs wahrscheinlich nicht mal genau definieren, was „Männlichkeit“ eigentlich sein soll, da diese sozial konstruiert und höchst fluide sei und man daher wahrscheinlich von „Männlichkeiten“ sprechen müsste, um zu unterstreichen, wie divers Männlichkeit aufgefasst und gelebt werden kann … — aber dass es „toxische Männlichkeit“ gibt und dass faktisch jeder Mann davon betroffen (und darum ein Arschloch und eine Gefahr) ist, das gilt unter radikalen NetzfeministInnen als sicher.

Toxische Männlichkeit ist nach radikalfeministisch-intersektionaler/postmoderner/konstruktivistischer/poststrukturalistischer Doktrin der Grund allen Übels in der Welt. Nichts weniger als die katholische Erbsünde, aber in einer neuen Form, die — wie praktisch — nur Männer betrifft.
Männer sind damit das Hauptübel in der Welt, Frauen sind Opfer des von den Männern aufrecht erhaltenen „Patriarchats“. Männer sind durch die toxische Maskulinität Quelle allen Unrechts, denn sie haben den Kapitalismus und die Atombombe erfunden, und alle guten Dinge, die Männer auch erfunden haben, wie z.B. Elektrizität oder Impfungen, zählen nicht.

Es ist interessant, dass der radikale Feminismus sich hier strukturell nicht sehr vom Rechtsradikalismus unterscheidet, dessen Lieblingsausdruck schon seit langem die „kriminellen Ausländer“ sind. Diese Wortkombination ist für die Rechtsradikalen eine Art eigener Topos, das Wort „Ausländer“ ist für Rechtsradikale eigentlich nur in dieser Kombination denkbar.
Und für radikale Feministinnen ist Männlichkeit analog nur in der Kombination „toxische Männlichkeit“, oder zumindest negativ konnotiert, denkbar.

Sowohl Ausländerfeinde als auch Männerfeinde behaupten natürlich, keine gruppenbasierte Menschenfeindlichkeit zu betreiben. Ausländer/Männer könnten sich ja einfach „richtig“ verhalten. Männer/Ausländer könnten einfach weniger toxisch/kriminell sein und z.B. weniger vergewaltigen!
Wenn erst genug Männer/Ausländer unphysiologisch sitzen/richtig Deutsch sprechen würden, dann hätte man gar kein Problem mehr mit ihnen.
Denn man habe ja im Prinzip gar nichts gegen Männer/Ausländer, wenn sie sich nicht „falsch“ verhielten!

Aber im Prinzip weiß jeder, dass Männer/Ausländer sich nie werden „richtig“ verhalten können, weil den radikalen FeministInnen/Rechten immer noch etwas einfallen würde, was Männer/Ausländer angeblich zu schlechten und gefährlichen Menschen macht, die Frauen/Deutschen die guten Arbeitsplätze wegnehmen!

Männer- bzw. Ausländerfeindlichkeit ist integraler Bestandteil der radikalfeministischen bzw. rechtsradikalen Ideologie. Es ist für radikale FeministInnen/Rechte unvorstellbar, dass Männer/Ausländer gleichwertige Mitmenschen sind, aber um das nicht zugeben zu müssen, erfinden sie „objektive“ Gründe, warum Männer/Ausländer „schlecht“ und darum Menschen zweiter Klasse sind.

Der einzige Grund, warum der radikale Feminismus in seiner Verbohrtheit und seinem Hass auf Männer nicht richtig ernst genommen wird, ist, dass er es bisher geschafft hat, sich das Image einer „linken Befreiungsbewegung“ zu geben. Tatsächlich aber hat der radikale Feminismus längst nichts Fortschrittliches mehr.

Er ist eine männerfeindliche Ideologie, die auf tönernen Füßen steht. Durch die Finanzierung von „Gender-Lehrstühlen“, die bisher keine in irgendeinem vernünftigen Verhältnis zu den aufgewendeten Mitteln stehenden Ergebnisse vorweisen können, versucht diese Ideologie, sich selbst Legitimation zu verschaffen, so wie der Sozialismus es mit der Pseudowissenschaft Marxismus-Leninismus letztlich sehr erfolglos versucht hat.

Weil der radikale Feminismus eine männerfeindliche Ideologie ist, sind die Klischee-überlasteten Glossen feministischer Journalistinnen tatsächlich nichts weiter als männerfeindliche Hetze; inhaltlich auf dem Niveau der Witze von Mario Barth, nur ernst gemeint in der Intention, Männern die Schuld für alles Schlechte in die Schuhe zu schieben und Frauen als Opfer bzw. für keinen gesellschaftlichen Missstand auch nur im geringsten mitverantwortlich darzustellen.

Gerade deshalb wehrt sich der radikale Feminismus auch bisher mit Händen und Füßen gegen die Erforschung z.B. von häuslicher Gewalt gegen Männer, weil man zu Recht Angst hat, unerwünschte wissenschaftliche Ergebnisse könnten das feministische Dogma zum Einsturz bringen, dass Frauen friedlicher und kooperativer seien als Männer.

Aber die radikalfeministischen Verteidigungslinien bekommen Risse. Der radikale Feminismus stößt zunehmend auf Widerstand. Seine Dogmen werden immer häufiger hinterfragt. Mit männerfeindlichen Bullshit-Kampfbegriffen wie „toxischer Männlichkeit“ hat der radikale x-te-Welle Feminismus den Bogen möglicherweise endgültig überspannt, und ich bin dafür sehr dankbar.

How to run Windows 98 SE in VirtualBox 6.0 with Super VGA and 16-bit colors

For some reasons I wanted to run Windows 98 SE in VirtualBox.
There are plenty of tutorials how to set this up with Super VGA (1024×768) and many colors, but none of them worked for me.

In particular, the Scitech Display Doctor driver didn’t work with the VBox-VGA virtual hardware, and also the latest UniVBE driver didn’t really like the VBoxVGA adapter. I tried like 20 different setups with the Scitech driver and the latest UniVBE driver in combination with the VBoxVGA, VBoxSVGA and VMVGA driver, but nothing worked.

But finally I found a working setting.
First, I kept the default VBoxVGA adapter in the image’s configuration of the hardware.
Second, I installed a 1024×768 default monitor (important!)
Third, I installed the „old“ UniVBE universal driver (here), release 2008.03.23, manually installing („have disk“) the universal driver from (within the archive) vbemp9x\vbe9x\uni
This finally enabled 1024×768 pixels at 16 bit colors.

How I almost broke my Windows 10 with the Hypervisor feature

I’d like to mention I recently sent my Windows 10 into a „restart death spiral“ by installing the Microsoft Hypervisor feature in Windows 10 (Professional). I just wanted to see if this would enable to use the Android Simulator on my old PC (…but probably it would have been the completely wrong feature anyway).

On an older AMD (Phenom II) chip, Windows 10 didn’t really work, and also didn’t really allow to fix anything (automatic recovery didn’t work; no restore points were available; not recent feature updated could be de-installed; PowerShell was not included in the recovery environment; and so on…). No matter which option I selected after booting into the recovery mode again and again, Windows crashed just too early during boot.

What finally worked was completely disabling the virtualization in the Bios. This made Windows accessible again and allowed to de-install the Hypervisor feature using the settings dialogue.

#Relotius, der Confirmation Bias und die Textgattung der feministischen Glosse

Der „Fall Relotius“ hat gezeigt: Der „Confirmation Bias“ betrifft auch die Guten, Redlichen und Wohlmeinenden. Was man auch schon aus dem Fall des UVA Rape Hoax hätte lernen können: „One must be most critical, in the best sense of that word, about what one is already inclined to believe.“ (Richard Bradley).

Tja. Relotius hat nun alle getäuscht. Er hat das geschrieben, was die Leute hören wollten, statt der Wahrheit.
Er hat die Wahrheit modifiziert, er hat Dinge übertrieben, übersteigert, eine alternative Realität erfunden, die seine Chefs und Leser besser fanden als die schnöde Realität, quasi eine „bessere Wahrheit“, wo sich alles so verhielt, wie man es sich wünschte, dass es sei.
Interessanterweise war das eine Welt, in der nicht alles besser war als in Wirklichkeit, sondern schlechter, dramatischer, schlimmer. Eine Art „Elends-Rassismus-Porn“, wo Trump-Wähler gegen Mexikaner hetzen, buchstäblich „hinter dem Wald“ wohnen, monatelang dieselben Gewaltfilme schauen und genau so ekelhaft, verabscheuenswürdig und dumm sind, wie es sich ein Spiegel-Leser, um sich selbst zu überhöhen in seiner Rechtschaffenheit, gerne vorstellt.

Als mir das klar geworden ist, musste ich spontan an die Gattung der „feministischen Hetzglosse“ denken. Sie nutzt die gleichen Mittel wie Relotius: Sie konstruiert eine andere Realität. Eine Realität wo Männer stets bevormundende, sexistisch pöbelnde, gewalttätige, Macht- missbrauchende Monster sind (oder Waschlappen, die zuschauen) und Frauen Opfer ständiger Bedrohung und Aggression.
Es sind literarisierte Phantasien von Sexismus, die nur die Fertigkeit der jeweiligen Autorin darstellen, wohlig-schauerliche Märchen über ein gar schreckliches, Frauen-terrorisierendes Patriarchat zu fabrizieren.

Natürlich haben diese Texte nicht den Anspruch, die Realität darzustellen. Aber ebenso natürlich ist der Sub-Text dieser Texte, dass es doch — zwinker, zwinker! — in Wirklichkeit zumindest fast genau so ist! Gefühlt zumindest. Die Texte reißen, so scheint die Intention zu sein, durch die Übertreibung der sexistischen Realität die Maske von deren hässlicher Fratze.

Die Existenz und Prävalenz dieser Textform (monatlich erscheinen dutzende dieser Texte in Zeit, SZ, Spiegel) ergibt nur einen Sinn, wenn es, wie bei Relotius, darum geht, den Lesern und Leserinnen etwas zu bieten, was sie lesen wollen, überzeichnete schlechte Nachrichten, die „larger than life“ sind; „Sexismus-Porn“, der die eigene Weltsicht bestätigt, statt zum Nachdenken anzuregen, dichotome Märchen als Ersatz für die viel ambivalentere Realität, wo alles nicht so schön schwarz und weiß ist und z.B. Sexismus eben nicht nur von einer Seite ausgeht.

Die wirkliche Realität ist die, wo angeblich seriöse Medien Autorinnen wie Margarete Stokowski monatliche Kolumnen zugestehen, um die Leserschaft mit ihren literarisierten Phantasien einer Frauen-hassenden Welt zu unterhalten und ihren feministischen Confirmation-Bias zu füttern.
Dabei sollte man sich klar machen: Was hier veröffentlicht wird sind Phantasien, die Männer verächtlich machen und Hass auf sie schüren, wie Relotius‘ Phantasien Südstaatler verächtlich gemacht und Hass gegen sie geschürt haben.

Möglicherweise sollte man jetzt, in der Stunde 0 nach Relotius, auch über diese Praxis einmal nachdenken.