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Offener Brief an Christian Lindner

Hallo Herr Lindner.

Als politisch interessierter Mensch und Ex-FDP-Mitglied habe ich die Wiederauferstehung der FDP unter Ihrer Führung mit Wohlwollen betrachtet. Denn meine Hoffnung, es möge eine sozialliberale Partei in Deutschland geben, die wirtschaftliche Vernunft und verantwortungsethisches Handeln mit sozialem Ausgleich und Engagement für die Bürgerrechte verbindet, ist noch nicht tot, und wird auch hoffentlich nie sterben.

In der Debatte um Netzsperren hat die FDP unter Guido Westerwelle nicht gut ausgesehen, und verfassungswidrigen Gesetzen willfährig zugestimmt.

Von der „neuen FDP“ erwarte ich mir, erwarten sich auch viele Bürger mehr, die nicht die Freiheit aufgeben wollen, um das angebliche „Supergrundrecht“ Sicherheit garantiert zu bekommen.
Darum möchte ich Sie und die FDP bitten, sich eindeutig gegen das sogenannte „Netzwerkdurchsetzungsgesetz“ zu positionieren.

Die Löschung „unerwünschter“ Meinungen von Bürgern darf weder privatisiert werden, noch darf eine Art „Freiwillige Selbstkontrolle“ der sozialen Netzwerke, wie sie die Union angedacht zu haben scheint, Äußerungen von Bürgern aussortieren dürfen.

Wenn das Netz kein „Rechtsfreier Raum ist“, muss der Staat dem Recht auch im Netz zu Geltung verhelfen.
Und zwar mit einem konsequenten Vorgehen gegen Straftaten und mit mehr Staatsanwälten, Richtern oder Rechtspflegern, damit Anzeigen wegen Beleidigung etc. im Netz nicht wegen Ressourcenmangel eingestellt werden müssen, und nicht durch eine „Flucht ins Privatrecht“ mittels Verpflichtung von Unternehmen zu „freiwilliger“ Filterung der Äußerung von Bürgern, egal ob nach dem Modell der SPD, oder dem nur scheinbar besseren Modell, dass die Union im Moment diskutiert.

Mich, aber sicher auch viele andere Bürger würde es sehr freuen, wenn die FDP sich zurückbesinnen würde auf ihre Tradition als Partei der Bürgerrechte und Partei der Freiheit, und sich gegen die Einrichtung von Institutionen zur „Depublizierung“ unerwünschter Äußerungen stellen würde, gegen deren Entschluss keine Rechtsmittel möglich wären.

Koalieren Sie bitte nicht schon wieder mit einer Partei, die Grundrechte mit Füßen tritt und verfassungswidrige Gesetzesvorhaben in Koalitionsverträge schreiben will.

Die SPD wird mit dem Meinungsäußerungs-Bestrafungs-Gesetz „#NetzDG“ untergehen.

Ursula von der Leyen macht sich manchmal lächerlich. Mit ihrer aktionistischen Wehrmachts-Gegenstände-Säuberungsaktion, die am Ende ihrer ersten Amtszeit reichlich spät kommt und oft über das Ziel hinaus schießt sowieso, aber auch mit ihrer Unfähigkeit, fliegende Flugzeuge zu beschaffen, und ihrer peinlichen Niederlage gegen Heckler & Koch vor Gericht.
Aber das ist nicht weiter schlimm, denn es betrifft die meisten Menschen in Deutschland nicht, wie Frau von der Leyen in jedem Ministeramt, das sie bekleidet, versagt, und es interessiert sie auch nicht wirklich, denn es sind ja zum Glück immer (zumindest scheinbar) unwichtige Ministerien.

Aber Heiko Maas spielt mit dem Feuer, denn mit dem sogenannten „Netzwerkdurchsetzungsgesetz“, das in Wirklichkeit auf Unterdrückung bzw. Bestrafung von (grenzwertiger) Meinungsäußerung zielt, berührt er einen Bereich, der fast jeden Bürger tatsächlich im täglichen Leben betrifft.

File:2017-03-26 Heiko Maas by Sandro Halank–4.jpg, CC-by-SA 3.0 licensed
Sandro Halank, CC-by-SA 3.0
Heiko Maas, SPD, Initiator des mutmaßlich verfassungswidrigen sogenannten „Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG)“

Denn auch wenn nicht jeder im Internet schon einmal etwas Anstößiges gesagt hat wird in Kürz — falls das NetzDG noch im Sommer in Kraft treten sollte — jeder jemanden kennen, dessen Account aus nichtigen Gründen zumindest temporär gesperrt wurde. Die Einschränkung der Meinungsfreiheit im Internet wird unmittelbar spürbar werden und die Menschen werden das vor allem der SPD und auch den Grünen anlasten, die das NetzDG unterstützen.

Darum ist es auch eher klug von der Union, beim NetzDG Heiko Maas und die links-grüne Politik vorstürmen zu lassen, denn ich würde darauf wetten, dass dieses, falls es noch im Sommer in Kraft tritt, für eine beispiellose Wahlniederlage der SPD sorgen wird.
Denn quasi jeder Online-Troll und auch alle politisch engagierten Bürger werden mit dem NetzDG in Konflikt geraten und die verschiedenen Lager werden sich gegenseitig mit Meldungen an Twitter und Facebook überziehen, was in unzähligen Löschungen und einer dadurch ausgelösten eskalierenden Welle von Shitstorms resultieren wird. Diese Welle wird vor allem die SPD treffen und diese in allen Wählerschichten stimmen kosten, vor allem aber auch bei den jüngeren Wählern.

In diesem Sinne hoffe ich, dass unser guter Heiko Maas sein — nach Meinung vieler Juristen wahrscheinlich verfassungswidriges — Gesetz übermorgen durch den Bundestag bringt und es noch vor der Bundestagswahl in Kraft tritt. Denn dann wird der Weg frei sein für eine bürgerliche Regierung, weil die SPD zu einem „Projekt 18“ werden wird.

Deutschland wird friedlicher – oder verroht es? Von #Hatespeech, Gewalt und Rettungsgassen

Ist es Ihnen aufgefallen?

Wenn böse[tm] Menschen spekulieren, durch Zuwanderung sei die Gewalt in Deutschland angestiegen, wird immer die Statistik hervorgezogen, nach der die Gewalt in Deutschland tendenziell seit Jahren und Jahrzehnten zurückgeht.

Gleichzeitig wird behauptet, die Gesellschaft verrohe immer mehr, es würden keine Rettungsgassen mehr gebildet und man müsse jetzt auch Hate-Speech bekämpfen, weil sonst alles den Bach runterginge.

Stimmen kann aber ja nur eins. Entweder die Gesellschaft wird verroht, oder sie wird friedlicher.
Möglicherweise geht die Gewalt ja zurück, weil die Menschen ihren Hass jetzt im Internet auskübeln.
Wäre das nicht ein Fortschritt? „Verbale Gewalt“ statt richtiger Gewalt? Oder ist psychische Gewalt vielleicht sogar schlimmer, und es wäre besser, wenn die Leute sich einfach mal hin und wieder auf der Straße auf’s Maul geben würden?

Wenn sich Journalismus und Politik bitte entscheiden könnten, ob die Gesellschaft nun friedlicher wird oder verroht, ob Sprache Gewalt ist oder Gewalt „Sprechakt“ oder vielleicht sogar Gewalt Gewalt ist und Sprache Sprache, wäre mir sehr weitergeholfen.

Multikulturalismus vs. Ethnopluralismus

Multikulturalismus und Ethnopluralismus. Beides sind Begriffe, die das Miteinander-Leben von verschiedenen Kulturen bezeichnen sollen.
Beim Multi-„Kulturalismus“ geht es dabei scheinbar mehr um die Kultur, im Endeffekt aber um eine Gruppe Menschen die sich mit dieser Kultur identifizieren, beim „Ethno“-Pluralismus eher um die Ethnie, also um eine Gruppe von irgendwie zusammengehörigen Menschen1.

Der Ethno-Pluralismus gilt als Euphemismus für eine Art von Apartheidssystem, dass die Ethnien trennen will mit dem Vorwand, es ginge um die Erhaltung der Vielfalt. Hier geht es angeblich um eine Verhinderung der Verschmelzung der Kulturen.

Hingegen gilt der Multi-Kulturalismus als fortschrittliches Projekt, das friedliche Miteinander verschiedener Kulturen/Ethnien zu ermöglichen, das das Verschmelzen der Kulturen nicht ausschließt.

Allerdings gibt es im linken bzw. linksradikalen Intersektionalismus die Tendenz, die sogenannte „kulturelle Aneignung“ als rassistischen Übergriff zu sehen. Wenn also jemand weißes Dreadlocks trägt, dann sei das eine Art „kultureller Diebstahl“ bzw. ein Schritt zur Zerstörung der Rasta-Kultur. Denn die Übernahme der Dreadlocks und die Umdeutung zu einer einfach nur modischen Frisur sei ein Angriff auf die Rasta-Kultur, denn durch Herauslösung dieser Frisur aus ihrem kulturellen Zusammenhang und die Einfügung in einen kommerziellen Lifestyle-Zusammenhang werde der kulturelle Bezug irreversibel zerstört.

Praktisch gibt es also keinen praktischen Unterschied zwischen rechtsextremem „Ethnopluralismus“ und linksextremem „Multikulturalismus“, nur die Rechtfertigungen unterschieden sich warum man die jeweiligen Kulturen vor einer Zerstörung und Vermischung bewahren will.
Im Falle des linksradikalen Intersektionalismus will man die Kulturen der Opfern von Kolonialismus und Rassismus beschützen, wobei man sich dadurch allerdings wiederum zur „Schutzmacht“ vermeintlich unterlegener und „schwacher“ Kulturen aufschwingt, was in absurder Weise die Erzählung des Kolonialismus fortschreibt, auch wenn natürlich dieser Kultur-Protektionismus diesmal ein total gutgemeinter Protektionismus sein soll.
Im Falle des rechtsradikalen Ethnopluralismus hingegen geht es vor allem um den Schutz der eigenen, vermeintlich überlegenen Kultur, was eher nationalistische Narrative fortschreibt.

Lustigerweise könnte man „Star Trek“, wo auf den meisten Planeten die autochthone Bevölkerung quasi unter sich bleibt (Vulkanier auf Vulkan, Klingonen auf Klingon, etc.) als Umsetzung ethnopluralistischer Modelle sehen, obwohl es doch als eine Art liberale, positive Zukunftsvision gedacht war, während „Star Wars“ mit seinem Mix von verschiedensten Wesen eher als multikulturell einordnen ließe.

Letzten Endes sind die Begriffe allerdings egal. Entscheidend ist, ob man kulturelle Vielfalt möchte, oder eher von einer Einheitsgesellschaft träumt, und ob man Kulturen zugestehen will, ihre kulturelle Identität durch aktive Bewahrung von Eigenheiten, bis zur Ablehnung der Übernahme von Eingeschaften anderer Kulturen, zu behaupten.

Wenn man die Vielfalt bewahren will muss man allerdings bayrischen Trachtenvereinen und friesischen Volkstanzgruppen das gleiche Recht zur Verteidigung kultureller Eigenheiten zusprechen wie Rastas oder orthodoxen Juden.

Wenn man die Vielfalt nicht unbedingt bewahrenswert findet, braucht man gar nichts zu tun. Denn Kulturen haben sich schon immer vermischt, und es haben sich auch immer schon neue Kulturen und Subkulturen gebildet. Dann ist es auch egal, ob sich links- und rechtsradikale über die richtige Begründung für kulturelle Abschottung streiten und das dann Ethnopluralismus oder Multikulturalismus nennen.

  1. ontische Gruppe? []

Mit Heiko Maas kommen die Netzsperren zurück – bis zur Bundestagswahl?

Vor ein paar Jahren war die Regierung mit Netzsperren gescheitert. Damals setzte sich vernünftigerweise das Prinzip „Löschen statt sperren“ durch.

Doch mit unserem sogenannten Justizminister Heiko Maas sind die Netzsperren jetzt zurück.
Seit Erlass des sogenannten „Netzwerkdurchsetzungsgesetzes“ (NetzDG) werden wieder Web-Inhalte in Deutschland gesperrt. Wer in sozialen Netzwerken etwas geschrieben hat, was möglicherweise nach den Gummi-Paragraphen des NetzDG anstößig sein könnte, dessen Account wird gesperrt. Anscheinend allerdings nur in Deutschland. Die Netzsperren sind also zurück.

Versteht überhaupt jemand, warum das „Netzwerkdurchsetzungsgesetz“ so heißt? Es müsste doch „Gesetz zur Erzwingung der Löschung möglicherweise anstößiger Inhalte in sozialen Netzen ohne jegliche Möglichkeit rechtlichen Gehörs“ heißen, ist also ein Euphemismus orwellsch’en Ausmaßes.

Man kann nur hoffen, dass BVerfG oder notfalls EuGH dieses absurde Gesetz zur Einschränkung der Meinungsfreiheit einkassieren werden, damit die Unterdrückung unerwünschter Äußerungen nach unseeligen Vorbildern aus der Vergangenheit wieder aufhört. Meinungsfreiheit muss es gerade für die grenzwertigen Meinungen geben, die weh tun; und darüber, was noch Meinung ist und was strafbar, müssen Gerichte entscheiden.

Fast ist anzunehmen, dass Heiko Maas selbst weiß, dass sein Gesetz ein Haufen Scheiße ist, und für nichtig erklärt werden wird. Und dann könnte man fast vermuten, dass die Regierung darauf spekuliert, dass das Gesetz mindestens bis zur Bundestagswahl Bestand hat, um so Regierungskritiker aller Couleur im Wahlkampf mundtot machen zu können.

Die Großzügigkeit bei der Flüchtlings-Aufnahme als ultimative Kränkung der Hartz-IV-Unterschicht?

Ich versuchte mir gerade vorzustellen, was der durchschnittliche Hartz-IV-Empfänger wohl von der Regierungspolitik in der Flüchtlingskrise halten muss.

Sicher gibt es in der Gruppe derer, die Hartz-IV beziehen und keine realistischen Chancen auf gesellschaftlichen Aufstieg (oder eine vernünftige Rente) haben, teilweise eine hohe Frustration über die Politik; bestimmt ist es nicht sehr erbaulich, auf Alg-II angewiesen zu sein; und die Chancen dieser Gruppe werden sicher nicht besser, wenn Flüchtlinge als zusätzliche Arbeitskräfte auf den Arbeitsmarkt strömen und als Konkurrenten auf dem Wohnungsmarkt in Erscheinung treten.

Vor allem aber denke ich, dass es eine zusätzliche Kränkung dieser Bevölkerungsschicht darstellen muss, dass sozusagen alles wichtiger ist als die Interessen dieser Menschen.
Jahrelang wurden die Hartz-IV-Sätze nicht vernünftig erhöht, um die „schwarze Null“ zu erreichen. Aber es war immer Geld da für die Griechenland-Rettung (und damit die Rettung der Banken und der Sparguthaben aller Besitzenden, von Mittel- und Oberschicht).

Und jetzt kann die Regierung viele Milliarden locker machen, um irgendwelche Flüchtlinge aufzunehmen, die sie rechtlich gesehen (Dublin II/III) gar nicht hätte ins Land lassen müssen.
Muss das nicht demütigend sein für diejenigen, denen die Regierung per Amtseid verpflichtet wäre, für die sie aber — zumindest scheinbar — gar nichts tut?

Ausgaben für „Hartzer“ gelten weiterhin, scheint es, als rausgeschmissenes Geld, doch Ausgaben für Flüchtlinge galten plötzlich als Förderung der Binnenkonjunktur. Deutsche Schul-Drop-Outs gelten als Dauer-Sozialfall, aber ungelernte Flüchtlinge galten plötzlich als Hoffnung der deutschen Wirtschaft.
Hartzer sind, könnte man den Eindruck bekommen, der Regierung egal bzw. keinen Cent wert, aber wenn es der Regierung um ihr Prestige und das Durchsetzen ihrer Vorstellung von europäischer Flüchtlingspolitik geht, dann spielt dem Anschein nach Geld keine Rolle.

Sicher, man muss das nicht so sehen, aber wie sieht das der durchschnittliche „Hartzer“?
Ich befürchte, hier hat die Regierung Merkel einiges Porzellan zerschlagen und mit etwas Pech erleben wir bei der Wahl im September noch unser (hell-)blaues oder auch dunkelrotes Wunder.

Die FAZ und die Female Hypoagency bei häuslicher Gewalt

Man weiß nicht genau, was man sich bei der FAZ gedacht haben mag, als man eine Sozialpädagogin gefragt hat, warum Frauen Täterinnen bei häuslicher Gewalt werden, und dann deren Antwort auf Twitter veröffentlicht hat.

Allerdings müssen wir der FAZ wohl dankbar sein dafür, denn die Antwort zeigt sehr schön, wie beim Frauen als Täterinnen mit einem anderen Maß gemessen wird als bei Männern. Wir können hier den Effekt der sogenannten Female Hypoagency (Weibliche Gering-Verantwortlichkeit) beobachten.

Female Hypoagency bedeutet: Männer werden (aufgrund gesellschaftlicher Normen) als eigenverantwortlich handelnd gesehen, Frauen als leicht beeinflussbar und psychisch für Eigenverantwortung eigentlich zu schwach. Denn nur das erklärt folgende Sichtweise auf weibliche Täterinnen bei häuslicher Gewalt:

Die Sozialpädagogin Frau behauptet tatsächlich: Wenn Frauen bei häuslicher Gewalt Täterinnen sind, dann sind sie eigentlich unschuldig, und nur Opfer des gesellschaftlichen Drucks auf sie.1

Das heißt: Frauen sind für ihr eigenes Verhalten weniger verantwortlich als es ein Mann in der gleichen Situation wäre. Denn der wäre natürlich bei häuslicher Gewalt allein an allem Schuld. Und genau das bezeichnet man als „Female Hypoagency“.

  1. Und, auch wenn das da nicht steht, die Männer sind natürlich mitverantwortlich, weil sie natürlich diesen Druck mit aufbauen! []

„Festung Europa“

Der EuGH hat beschlossen, dass EU-Länder keine Visa gewähren müssen, damit Menschen nach Europa kommen können, um Asyl zu beantragen.
Ungarn interniert Flüchtlinge in Lagern, bis über ihren Antrag entschieden ist. Und die EU denkt darüber nach, Asyl-Zentren in Afrika einzurichten, damit abgelehnte Asylbewerber nicht noch abgeschoben zu werden brauchen.

Das klingt alles nicht sehr nett. Nach der sogenannten „Gesinnungsethik“ würden wir selbst nicht so behandelt werden wollen. Wir würden natürlich auch lieber nach Europa gebracht und versorgt werden wollen. Aber diese Was-Du-Nicht-Willst-Was-Man-Dir-tu-Logik lässt sich nicht durchhalten in einer Welt, wo ungefähr eine Milliarde Menschen hungern und gerne nach Europa kommen würden.

Und es gibt auch noch die Verantwortungsethik, die nicht die Intention und Gesinnung beurteilt, die zu einer Handlung führt, sondern das Ergebnis der Handlung zum Maßstab für die Richtigkeit macht.

Gewährte Europa zum Beispiel allen Menschen, denen es auf dieser Welt schlecht geht, Asyl, dann würde es möglicherweise zusammenbrechen und könnte niemandem mehr helfen. Es ist also verantwortungsethisch geboten, Europa nicht derart zu überlasten. Eine Abschottung, um so eine Überlastung zu verhindern, wäre dann zwar gesinnungsethisch weiterhin böse, aber verantwortungsethisch richtig, denn ein politisch und wirtschaftlich intaktes Europa ist möglicherweise für die armen Länder dieser Welt immer noch ein besserer Partner als die vermeintlich turbokapitalistischen USA oder das möglicherweise auch eher in wenig philantrophischer Absicht handelnde China. Möglicherweise ist aber auch China aus verantwortungsethischer Perspektive ein besserer Partner; dann nämlich, wenn die egoistischen chinesischen Investitionen in Afrika dort mehr Struktur und Wohlstand schaffen als die wohlmeinenden Programme, mit denen Europa Afrika seit Jahrzehnten eher erfolglos „hilft“.

Was soll Europa also tun? Welche Ethik sollen wir als Maßstab für unser Handeln nutzen?

Mit dem finanziellen Aufwand, den ein Asylbewerber im Jahr in Europa verursacht, könnte man in vielen Ländern dutzenden oder hunderten Menschen helfen. Wenn man also das Ziel hätte, das Leid in der Welt zu verringern, dann könnte man utilitaristisch gegen die Aufnahme von Asylbewerbern argumentieren und für andere Hilfsprogramme, durch die mit den gleichen Mitteln mehr Menschen geholfen werden kann. Man hätte die ganze Welt mehrmals gegen Malaria impfen können mit dem Geld, dass allein Deutschland in der Flüchltingskrise ausgegeben hat. Ist es dennoch richtig, dass wir lieber denen helfen, die stark und reich genug sind, sich nach Europa durchzuschlagen?

Tatsächlich gibt es in unserer Welt, in der es Hunger und Krieg und Leid und Tod gibt, meiner Meinung nach keine ethisch einwandfreie Handlungsweise, weil wir nicht allen helfen können, was Ethik und Moral aber gebieten würden. Die Entscheidung, was sich für uns (unter Anwendung welcher Ethik) „am Besten anfühlt“, ist also selbst ein ethisches Dilemma ohne Ausweg.
Fast immer wenn Politiker sich mit ethisch-moralischen Argumenten streiten, wer von Ihnen der bessere Mensch sei oder das größere menschenfeindliche Arschloch, wird gesinnungsethisch argumentiert, und die möglichen (verantwortungsethisch wichtigen) Konsequenzen des Handelns, die in der Zukunft liegen, werden ausgeblendet. Doch leider gilt allzu oft:„Gut“ ist das Gegenteil von „gut gemeint“. (Tucholsky)

Ein offenes Europa ist zwar gesinnungsethisch einzig richtig, aber pragmatisch kaum länger durchzuhalten. Es schien zu funktionieren, solange kaum jemand wirklich kommen wollte, aber erreicht nun seine Grenzen, da tatsächlich Menschen kommen.
Die Alternative dazu, eine „Festung Europa“, die ihre Grenzen kontrolliert, selbst entscheidet, wer Asyl bekommt, Asylbewerber möglicherweise bis zur Asylentscheidung sogar in Lagern in Nordafrika unterbringt und Unberechtigte konsequent abschiebt, ist möglicherweise ethisch dann vertretbar, wenn sie dazu führt, dass mehr Menschen in ihren Heimatländern bleiben und dort helfen, politische und wirtschaftliche Veränderungen zu erreichen, und wenn sie dazu führt, dass Europa weiter bereit und fähig ist, außerhalb Europas helfend einzugreifen.

Flippen die Herren der Schöpfung aus?

Auf „Esmeralda kennt Wayne“1 schreibt, ehm, Esmeralda, am Equal Pay Day flippten die Herren der Schöpfung aus.

Tatsächlich kann man diesen Eindruck haben. Denn es ist wahr!

Wir2 können es einfach nicht mehr ertragen, dass Manuela Schwesig und „feministische“ Journalisten jedes Jahr wieder diesen angeblichen 21%-Gender-Pay-Gap bringen, Krokodilstränen vergießen und dabei suggerieren, diese Lohnlücke sei tatsächlich irgendwie ursächlich durch das Geschlecht bedingt und das böse Patriarchat hätte es tatsächlich vermocht, dass Frauen 21% weniger Gehalt bekommen.
Was natürlich völliger Bullshit ist, denn erstens liegt der um die bekannten Einflussfaktoren bereinigte „Pay Gap“ irgendwo zwischen 2% und 6%, und zweitens ist der Grund für diesen Lohnunterschied eben nicht Diskriminierung von Frauen, sondern man weiß einfach die Ursachen dafür bisher nicht und es kommen darum alle möglichen Ursache als Grund dafür in Frage. Drittens und letztens würde der Markt dafür sorgen, dass die Gehälter sich schnell anglichen, gäbe es tatsächlich 21% Lohnunterschied zwischen gleichqualifizierten Frauen und Männern.

Die ständige Wiederholung dieser dummen 21%-Pay-Gap-Propaganda-Lüge ist tatsächlich schwer zu ertragen. Und da wird Mann natürlich irgendwann auch mal biestig.

  1. Wayne interessiert’s? []
  2. Die Herren der Schöpfung! []

Die „Gemischte-Teams-sind-besser“-Lüge

Der Spiegel hat wieder eine Studie ausgegraben, nach der gemischte Teams „bessere“ Entscheidungen treffen sollen.

Grundsätzlich ist nicht gesagt, dass Entscheidungen mit mittlerer Risikobereitschaft wirklich immer besser sind als solche mit geringem oder hohen Riskiko. Je nach Situation könnten auch hochriskante oder extrem defensive Entscheidungen zum besten Resultat führen.

Aber man angenommen, gemischte Teams träfen tatsächlich „bessere“ Entscheidungen; dann wäre das dennoch nur betriebswirtschaftlich relevant.
Im größeren Maßstab, volkswirtschaftlich, ist es besser, wenn nicht alle Firmen mit mittlerem Risiko vorgehen, sondern wenn die Firmen mit verschiedener Risikobereitschaft miteinander konkurrieren. Manchmal würden dann die Firmen mit hochriskanter Strategie gewinnen, manchmal die mit extrem defensiver Strategie. Hin und wieder würde auch eine Firma wegen zu großem Risiko oder zu großer Trägheit scheitern, aber das ist volkswirtschaftlich nicht relevant.

Volkswirtschaftlich ist wichtig, dass hin und wieder Firmen hohe Risiken eingehen und damit die wirtschaftliche und technische Entwicklung schneller vorantreiben als das der Fall wäre, wenn alle immer nur mittleres Risiko eingehen. Denn die Volkswirtschaft konkurriert mit anderen Volkswirtschaften und kann es sich nicht leisten, die ganze Zeit nur Mittelmaß zu produzieren.

So gesehen ist es also NICHT besser, gemischte Teams zu haben. Das ist — wenn überhaupt — nur dann „besser“, wenn man ein einzelnes Unternehmen betrachtet und dabei eine mittelmäßige, stabile Entwicklung als Ziel definiert. Volkswirtschaftlich erscheint es eher sinnvoll, eine Mischung von gemischten und weniger gemischten Teams zu haben, damit die Wirtschaft robust und gleichzeitig fortschrittlich sein kann. Ergo sollte man die Firmen einfach in Ruhe lassen und die Zusammensetzung der Teams nicht mit dämlichen Quoten vereinheitlichen. Denn das schadet auf Dauer der Volkswirtschaft und damit uns allen, Männern und Frauen.