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Die Großzügigkeit bei der Flüchtlings-Aufnahme als ultimative Kränkung der Hartz-IV-Unterschicht?

Ich versuchte mir gerade vorzustellen, was der durchschnittliche Hartz-IV-Empfänger wohl von der Regierungspolitik in der Flüchtlingskrise halten muss.

Sicher gibt es in der Gruppe derer, die Hartz-IV beziehen und keine realistischen Chancen auf gesellschaftlichen Aufstieg (oder eine vernünftige Rente) haben, teilweise eine hohe Frustration über die Politik; bestimmt ist es nicht sehr erbaulich, auf Alg-II angewiesen zu sein; und die Chancen dieser Gruppe werden sicher nicht besser, wenn Flüchtlinge als zusätzliche Arbeitskräfte auf den Arbeitsmarkt strömen und als Konkurrenten auf dem Wohnungsmarkt in Erscheinung treten.

Vor allem aber denke ich, dass es eine zusätzliche Kränkung dieser Bevölkerungsschicht darstellen muss, dass sozusagen alles wichtiger ist als die Interessen dieser Menschen.
Jahrelang wurden die Hartz-IV-Sätze nicht vernünftig erhöht, um die „schwarze Null“ zu erreichen. Aber es war immer Geld da für die Griechenland-Rettung (und damit die Rettung der Banken und der Sparguthaben aller Besitzenden, von Mittel- und Oberschicht).

Und jetzt kann die Regierung viele Milliarden locker machen, um irgendwelche Flüchtlinge aufzunehmen, die sie rechtlich gesehen (Dublin II/III) gar nicht hätte ins Land lassen müssen.
Muss das nicht demütigend sein für diejenigen, denen die Regierung per Amtseid verpflichtet wäre, für die sie aber — zumindest scheinbar — gar nichts tut?

Ausgaben für „Hartzer“ gelten weiterhin, scheint es, als rausgeschmissenes Geld, doch Ausgaben für Flüchtlinge galten plötzlich als Förderung der Binnenkonjunktur. Deutsche Schul-Drop-Outs gelten als Dauer-Sozialfall, aber ungelernte Flüchtlinge galten plötzlich als Hoffnung der deutschen Wirtschaft.
Hartzer sind, könnte man den Eindruck bekommen, der Regierung egal bzw. keinen Cent wert, aber wenn es der Regierung um ihr Prestige und das Durchsetzen ihrer Vorstellung von europäischer Flüchtlingspolitik geht, dann spielt dem Anschein nach Geld keine Rolle.

Sicher, man muss das nicht so sehen, aber wie sieht das der durchschnittliche „Hartzer“?
Ich befürchte, hier hat die Regierung Merkel einiges Porzellan zerschlagen und mit etwas Pech erleben wir bei der Wahl im September noch unser (hell-)blaues oder auch dunkelrotes Wunder.

Die FAZ und die Female Hypoagency bei häuslicher Gewalt

Man weiß nicht genau, was man sich bei der FAZ gedacht haben mag, als man eine Sozialpädagogin gefragt hat, warum Frauen Täterinnen bei häuslicher Gewalt werden, und dann deren Antwort auf Twitter veröffentlicht hat.

Allerdings müssen wir der FAZ wohl dankbar sein dafür, denn die Antwort zeigt sehr schön, wie beim Frauen als Täterinnen mit einem anderen Maß gemessen wird als bei Männern. Wir können hier den Effekt der sogenannten Female Hypoagency (Weibliche Gering-Verantwortlichkeit) beobachten.

Female Hypoagency bedeutet: Männer werden (aufgrund gesellschaftlicher Normen) als eigenverantwortlich handelnd gesehen, Frauen als leicht beeinflussbar und psychisch für Eigenverantwortung eigentlich zu schwach. Denn nur das erklärt folgende Sichtweise auf weibliche Täterinnen bei häuslicher Gewalt:

Die Sozialpädagogin Frau behauptet tatsächlich: Wenn Frauen bei häuslicher Gewalt Täterinnen sind, dann sind sie eigentlich unschuldig, und nur Opfer des gesellschaftlichen Drucks auf sie.1

Das heißt: Frauen sind für ihr eigenes Verhalten weniger verantwortlich als es ein Mann in der gleichen Situation wäre. Denn der wäre natürlich bei häuslicher Gewalt allein an allem Schuld. Und genau das bezeichnet man als „Female Hypoagency“.

  1. Und, auch wenn das da nicht steht, die Männer sind natürlich mitverantwortlich, weil sie natürlich diesen Druck mit aufbauen! []

„Festung Europa“

Der EuGH hat beschlossen, dass EU-Länder keine Visa gewähren müssen, damit Menschen nach Europa kommen können, um Asyl zu beantragen.
Ungarn interniert Flüchtlinge in Lagern, bis über ihren Antrag entschieden ist. Und die EU denkt darüber nach, Asyl-Zentren in Afrika einzurichten, damit abgelehnte Asylbewerber nicht noch abgeschoben zu werden brauchen.

Das klingt alles nicht sehr nett. Nach der sogenannten „Gesinnungsethik“ würden wir selbst nicht so behandelt werden wollen. Wir würden natürlich auch lieber nach Europa gebracht und versorgt werden wollen. Aber diese Was-Du-Nicht-Willst-Was-Man-Dir-tu-Logik lässt sich nicht durchhalten in einer Welt, wo ungefähr eine Milliarde Menschen hungern und gerne nach Europa kommen würden.

Und es gibt auch noch die Verantwortungsethik, die nicht die Intention und Gesinnung beurteilt, die zu einer Handlung führt, sondern das Ergebnis der Handlung zum Maßstab für die Richtigkeit macht.

Gewährte Europa zum Beispiel allen Menschen, denen es auf dieser Welt schlecht geht, Asyl, dann würde es möglicherweise zusammenbrechen und könnte niemandem mehr helfen. Es ist also verantwortungsethisch geboten, Europa nicht derart zu überlasten. Eine Abschottung, um so eine Überlastung zu verhindern, wäre dann zwar gesinnungsethisch weiterhin böse, aber verantwortungsethisch richtig, denn ein politisch und wirtschaftlich intaktes Europa ist möglicherweise für die armen Länder dieser Welt immer noch ein besserer Partner als die vermeintlich turbokapitalistischen USA oder das möglicherweise auch eher in wenig philantrophischer Absicht handelnde China. Möglicherweise ist aber auch China aus verantwortungsethischer Perspektive ein besserer Partner; dann nämlich, wenn die egoistischen chinesischen Investitionen in Afrika dort mehr Struktur und Wohlstand schaffen als die wohlmeinenden Programme, mit denen Europa Afrika seit Jahrzehnten eher erfolglos „hilft“.

Was soll Europa also tun? Welche Ethik sollen wir als Maßstab für unser Handeln nutzen?

Mit dem finanziellen Aufwand, den ein Asylbewerber im Jahr in Europa verursacht, könnte man in vielen Ländern dutzenden oder hunderten Menschen helfen. Wenn man also das Ziel hätte, das Leid in der Welt zu verringern, dann könnte man utilitaristisch gegen die Aufnahme von Asylbewerbern argumentieren und für andere Hilfsprogramme, durch die mit den gleichen Mitteln mehr Menschen geholfen werden kann. Man hätte die ganze Welt mehrmals gegen Malaria impfen können mit dem Geld, dass allein Deutschland in der Flüchltingskrise ausgegeben hat. Ist es dennoch richtig, dass wir lieber denen helfen, die stark und reich genug sind, sich nach Europa durchzuschlagen?

Tatsächlich gibt es in unserer Welt, in der es Hunger und Krieg und Leid und Tod gibt, meiner Meinung nach keine ethisch einwandfreie Handlungsweise, weil wir nicht allen helfen können, was Ethik und Moral aber gebieten würden. Die Entscheidung, was sich für uns (unter Anwendung welcher Ethik) „am Besten anfühlt“, ist also selbst ein ethisches Dilemma ohne Ausweg.
Fast immer wenn Politiker sich mit ethisch-moralischen Argumenten streiten, wer von Ihnen der bessere Mensch sei oder das größere menschenfeindliche Arschloch, wird gesinnungsethisch argumentiert, und die möglichen (verantwortungsethisch wichtigen) Konsequenzen des Handelns, die in der Zukunft liegen, werden ausgeblendet. Doch leider gilt allzu oft:„Gut“ ist das Gegenteil von „gut gemeint“. (Tucholsky)

Ein offenes Europa ist zwar gesinnungsethisch einzig richtig, aber pragmatisch kaum länger durchzuhalten. Es schien zu funktionieren, solange kaum jemand wirklich kommen wollte, aber erreicht nun seine Grenzen, da tatsächlich Menschen kommen.
Die Alternative dazu, eine „Festung Europa“, die ihre Grenzen kontrolliert, selbst entscheidet, wer Asyl bekommt, Asylbewerber möglicherweise bis zur Asylentscheidung sogar in Lagern in Nordafrika unterbringt und Unberechtigte konsequent abschiebt, ist möglicherweise ethisch dann vertretbar, wenn sie dazu führt, dass mehr Menschen in ihren Heimatländern bleiben und dort helfen, politische und wirtschaftliche Veränderungen zu erreichen, und wenn sie dazu führt, dass Europa weiter bereit und fähig ist, außerhalb Europas helfend einzugreifen.

Flippen die Herren der Schöpfung aus?

Auf „Esmeralda kennt Wayne“1 schreibt, ehm, Esmeralda, am Equal Pay Day flippten die Herren der Schöpfung aus.

Tatsächlich kann man diesen Eindruck haben. Denn es ist wahr!

Wir2 können es einfach nicht mehr ertragen, dass Manuela Schwesig und „feministische“ Journalisten jedes Jahr wieder diesen angeblichen 21%-Gender-Pay-Gap bringen, Krokodilstränen vergießen und dabei suggerieren, diese Lohnlücke sei tatsächlich irgendwie ursächlich durch das Geschlecht bedingt und das böse Patriarchat hätte es tatsächlich vermocht, dass Frauen 21% weniger Gehalt bekommen.
Was natürlich völliger Bullshit ist, denn erstens liegt der um die bekannten Einflussfaktoren bereinigte „Pay Gap“ irgendwo zwischen 2% und 6%, und zweitens ist der Grund für diesen Lohnunterschied eben nicht Diskriminierung von Frauen, sondern man weiß einfach die Ursachen dafür bisher nicht und es kommen darum alle möglichen Ursache als Grund dafür in Frage. Drittens und letztens würde der Markt dafür sorgen, dass die Gehälter sich schnell anglichen, gäbe es tatsächlich 21% Lohnunterschied zwischen gleichqualifizierten Frauen und Männern.

Die ständige Wiederholung dieser dummen 21%-Pay-Gap-Propaganda-Lüge ist tatsächlich schwer zu ertragen. Und da wird Mann natürlich irgendwann auch mal biestig.

  1. Wayne interessiert’s? []
  2. Die Herren der Schöpfung! []

Die „Gemischte-Teams-sind-besser“-Lüge

Der Spiegel hat wieder eine Studie ausgegraben, nach der gemischte Teams „bessere“ Entscheidungen treffen sollen.

Grundsätzlich ist nicht gesagt, dass Entscheidungen mit mittlerer Risikobereitschaft wirklich immer besser sind als solche mit geringem oder hohen Riskiko. Je nach Situation könnten auch hochriskante oder extrem defensive Entscheidungen zum besten Resultat führen.

Aber man angenommen, gemischte Teams träfen tatsächlich „bessere“ Entscheidungen; dann wäre das dennoch nur betriebswirtschaftlich relevant.
Im größeren Maßstab, volkswirtschaftlich, ist es besser, wenn nicht alle Firmen mit mittlerem Risiko vorgehen, sondern wenn die Firmen mit verschiedener Risikobereitschaft miteinander konkurrieren. Manchmal würden dann die Firmen mit hochriskanter Strategie gewinnen, manchmal die mit extrem defensiver Strategie. Hin und wieder würde auch eine Firma wegen zu großem Risiko oder zu großer Trägheit scheitern, aber das ist volkswirtschaftlich nicht relevant.

Volkswirtschaftlich ist wichtig, dass hin und wieder Firmen hohe Risiken eingehen und damit die wirtschaftliche und technische Entwicklung schneller vorantreiben als das der Fall wäre, wenn alle immer nur mittleres Risiko eingehen. Denn die Volkswirtschaft konkurriert mit anderen Volkswirtschaften und kann es sich nicht leisten, die ganze Zeit nur Mittelmaß zu produzieren.

So gesehen ist es also NICHT besser, gemischte Teams zu haben. Das ist — wenn überhaupt — nur dann „besser“, wenn man ein einzelnes Unternehmen betrachtet und dabei eine mittelmäßige, stabile Entwicklung als Ziel definiert. Volkswirtschaftlich erscheint es eher sinnvoll, eine Mischung von gemischten und weniger gemischten Teams zu haben, damit die Wirtschaft robust und gleichzeitig fortschrittlich sein kann. Ergo sollte man die Firmen einfach in Ruhe lassen und die Zusammensetzung der Teams nicht mit dämlichen Quoten vereinheitlichen. Denn das schadet auf Dauer der Volkswirtschaft und damit uns allen, Männern und Frauen.

Kampfaufruf zum Weltfrauentag!

Am heutigen Weltfrauentag wünsche ich allen Frauen auf der Welt alles denkbare Gute.

Vor allem aber auch die Kraft und Durchsicht zu erkennen, dass die Idee der Existenz eines Patriarchats eine Verschwörungsideologie ist. Es sind nicht alle Männer auf der Welt auf eine geisterhafte, nicht-greifbare Weise miteinander vernetzt und verbündet, es gibt keine koordinierten Bemühungen, alle Frauen zu unterdrücken.1

Vielmehr gibt es in den säkularen westlichen Demokratien koordinierte Bemühungen, Gleichberechtigung durchzusetzen, die auch von den allermeisten Männern unterstützt werden.

Gerade der Feminismus beginnt heute leider zu wanken. Falsche Toleranz für intolerante und diskriminierende Bräuche und Kulturen scheint in Kreisen von „intersektionalen“ FeministInnen weit verbreitet. „Critical whiteness“ und andere Formen selbstzerfleischenden Wahnsinns untergraben dabei den Glauben an alle Errungenschaften der westlichen Zivilisation und schwächen damit die Fähigkeit und den Willen von Frauen, weiter für diese Errungenschaften, die auch die Frauenrechte umfasst, zu kämpfen.

Doch damit der Feminismus irgendwann allen Menschen auf der Welt zugute kommt, muss der Feminismus weiterkämpfen und darf sich nicht in Selbstzweifeln und internen Streitigkeiten aufreiben.
Wir brauchen heute mehr denn je einen festen Glauben an die Richtigkeit unserer Grundwerte, so dass Vorwürfe von Überheblichkeit, mangelndem Respekt für andere Kulturen und Rassismus an denjenigen abprallen, die Mängel und Fehler, Diskriminierung und Frauenfeindlichkeit in anderen Kulturen benennen und bekämpfen und dabei mit Nazi-Vorwürfen und anderen Invektiven bedacht werden. Wir brauchen keine Kopftuchfeministinnen mit Stockholm-Syndrom, die behaupten, ihr Kopftuch und weitere Formen islamistischer Uniformierung seien Ausdruck der freien Entfaltung ihrer Persönlichkeit, und keine unsicheren links-progressiv-verwirrten AktivistInnen, die sich nicht trauen Frauenfeindlichkeit zu konfrontieren, wenn der Übeltäter zufällig in der unübersichtlichen Privilegien-Rangordnung unter ihnen steht.

Ich wünsche dem Feminismus, dass er sich neu sortiert, Irrwege wie den des radikalen Konstruktivsmus verlässt, widersprüchliche Konzepte2 über Bord wirft, Verschwörungsideologien abschwört, (neuro-)biologische Fakten akzeptiert und somit zu neuer Kraft gelangt, die im 21ten Jahrhundert für einen weiteren Siegeszug des Feminismus unerlässlich wäre.

  1. Und wenn es so wäre, dann müssten alle Frauen mit den Männern unter einer Decke stecken, die im Bereich von Kindererziehung und schulischer Bildung die große Mehrheit stellen. []
  2. z.B. dass niemand Frauen wegen ihrer Kleidung herabwürdigen oder als leicht zu haben sehen darf – außer Feministinnen []

Wenn Bernd das Brot eine Frau wäre

Was wäre eigentlich, wenn Bernd das Brot eine Frau wäre. Eine Frau, die in einem weißen Raum, nicht zuletzt auch aufgrund rudimentärer oberer Extremitäten, also aufgrund einer Art von Körperbehinderung, der Willkür einer „Stimme aus dem Off“ und Übergriffen durch einen allmächtigen Greifarm ausgesetzt ist, die in absurde Situationen geworfen wird und am Ende immer verbittert zurückbleibt?
Wäre diese Rolle mit einem „weiblich gelesenen“ Brot vereinbar, und wenn Nein, warum nicht?

Zeigt sich hier der von Männerrechtlern oft beklagte Effekt des „Gender Empathy Gap“ bzw. ist Bernd das Brot eine Variante des „disposable male“?

Lehren wir doch einfach mal Medienkompetenz!

Medienkompetenz ist in aller Munde. Alle Nase lang fühlt sich irgendein Politiker bemüßigt, das Lehren von Medienkompetenz zu fordern.

Das ist schön und gut, aber „One does not simply teach Medienkompetenz in school“:

One does not simply teach "Medienkompetenz" in school

Denn „Medienkompetenz“ ist eine Fähigkeit, die viele andere Fähigkeiten voraussetzt, die auf vielen anderen, grundlegenden Fähigkeiten aufbaut.
Medienkompetenz setzt erst einmal voraus, dass man Texte erfassen kann. Schon an dieser Fähigkeit hapert es anscheinend bei vielen Schulabgängern. Manche können nicht einmal lesen.

Dann setzt Medienkompetenz voraus, den Subtext, die Intention, die Motive hinter einem Medium zu erfassen.
Das setzt grundlegende psychologische Fähigkeiten oder zumindest Sozialkompetenz voraus, was Empathie voraussetzt.
Es braucht weiterhin ein Grundverständnis wirtschaftlicher, politischer und geschichtlicher Zusammenhänge, um tatsächliche Medienkompetenz zu entwickeln. Und um nicht durch rhetorische Tricks, Sophismen, NLP, Werbe- und Verkaufspsychologie ausgetrickst zu werden wären auch Kenntnisse dieser Techniken notwendig.

Das heißt: Die Schule kann nur Grundlagen von Medienkompetenz vermitteln. Kritisches Hinterfragen, mehrere Blickwinkel einzunehmen. Und das wurde auch vor 25 Jahren in der Schule schon gemacht.

Das ständige Gerede von „Medienkompetenz“-Unterricht soll meiner Meinung nach nur davon ablenken, dass die Bildung immer schlechter wird – oder zumindest nicht wirklich besser.
Wir sollen vergessen, dass die Schulzeit mit dem G8 und die Studienzeit mit dem Bachelor gekürzt wurden, um die Lebensarbeitszeit zu verlängern und der Wirtschaft schneller mehr Menschenmaterial zuzuführen, obwohl das Wissen sich (angeblich) alle paar Jahre verdoppelt und darum die Aneignung von Wissen eher mehr Zeit im Leben einnehmen müsste als weniger.

Möglicherweise glauben die Bildungspolitiker, die von Medienkompetenz reden, auch wirklich, dass dies eine Fähigkeit sei, die man in der Schule mal eben lehren könne. Tatsächlich ist es meiner Meinung nach aber so, dass Medienkompetenz eine Fähigkeit ist, die sich langsam entwickelt, die hohe Ansprüche an die intellektuellen Fähigkeiten hat, und für die man in der Schule nur die Grundvoraussetzungen schaffen kann.

Frauen und Kleidungs-Privilegien

Feministische Frauen beschweren sich oft, sie würden aufgrund „weiblicher“ Kleidung nicht ernst genommen oder seien sexuellen Avancen ausgesetzt. Das mag sein und ist sicher auch unangenehm.

Allerdings muss man hier berücksichtigen dass feministische Frauen sich schon durch Gesten wie „Tür Aufhalten“ eher negativ beeinträchtigt als „positiv als Frau wahrgenommen“ fühlen. Wenn wir uns „ehrlich machen“ muss die Wahl der Kleidung auf jeden Fall irgendeinen Effekt haben, die Frage ist aber natürlich, ob weibliche Kleidung unerwünschte Handlungen der Umwelt auslösen sollte.

Der Effekt, dass „Kleider Leute machen“ ist geschlechterübergreifend. Ingenieure tragen Hemden, Manager tragen Anzug und Krawatte. Ärzte tragen weiße Kittel, Polizisten Uniform. Dominas tragen hohe Stiefel, und Prostituierte kurze Röcke. Das sind eben die gängigen Stereotypen die üblicherweise auch einen wahren Kern haben.

Durch den Feminismus hat sich die Art und Weise, wie Frauen sich kleiden, geändert. Heute tragen die meisten Frauen Hosen, während das in den 1950ern noch undenkbar war. Entsprechend ist es paradoxerweise heute so, dass typisch weibliche Kleidungsstücke keine typische Frauenkleidung mehr sind, weil Frauen heute typischerweise ehemals typisch männliche Kleidung tragen.

Darum ist es heute — möglicherweise, das ist meine Theorie — auch so, dass man einer Frau, die weibliche Kleidung trägt, heute eher unterstellt, dass sie dadurch den Aspekt ihrer Weiblichkeit betonen will. Das ist jedenfalls naheliegend.
Und aus dieser Erwartungshaltung heraus ergibt sich dann, warum Frauen, die Röcke etc. tragen, dann eher in der Rolle Frau und mögliche Partnerin gesehen werden als z.B. in ihrer beruflichen Rolle, die heute eher mit anderer, üblicher, geschlechtsneutraler(-er) Kleidung assoziiert ist.
Das könnte bedeuten, dass die Eroberung des „männlichen Mode-Raums“ dazu geführt hat, dass Frauen, die sich traditionell weiblich kleiden, heute verstärkt explizit „als Frau“ gesehen werden1 als das früher der Fall gewesen wäre. Man sollte dazu eine Studie machen…

Jedenfalls würde ich behaupten, dass Frauen, die wegen ihrer weiblichen Kleidung ungewollten Avancen ausgesetzt sind deshalb nicht wirklich benachteiligt werden, sondern wie alle anderen Menschen auch behandelt werden. Sie werden entsprechend dem äußeren Eindruck, den sie, freiwillig oder unfreiwillig, erwecken, behandelt. Das ist dann im Falle heutzutage ungewöhnlicher weiblicher Kleidung der Eindruck, explizit in der Rolle als Frau wahrgenommen werden zu wollen und entsprechend behandelt werden zu wollen.
Bei Männern ist es genau so. Mit formaler Kleidung wird man anders wahrgenommen und behandelt als mit Sofa-Jogginghosen oder Casual-Wear.

Was der Feminismus mit seinen Beschwerden über „falsche“ Behandlung von Frauen abhängig von der Kleidung fordert ist also ein Privileg für Frauen, unabhängig vom äußeren Erscheinungsbild beurteilt zu werden. Dieses Privileg ist aber realistisch nicht erreichbar, weil die Mechanismen zur Erst-Beurteilung von Menschen aufgrund von pauschalisierten Erfahrungswerten tief in der menschlichen Psyche verankert sind.

  1. d.h. stärker auf die Rolle als Frau „reduziert“ werden, um den feministischen Slang zu verwenden []

Am 12.1. war „Equal Occupational Fatality Day“

97% der tödlichen Arbeitsunfälle treffen Männer. Es gibt also einen „Equal Workplace Death Gap“ von ca. 94%, oder anders gesagt, wenn alle tödlichen Arbeitsunfälle erst die Frauen, dann die Männer ereilten, stürben seit dem 12. Januar bis Ende des Jahres nur noch Männer.

Wenn Frauen schlechter bezahlte Berufe wählen, ist das ein gesellschaftliches Problem und beweist die strukturelle Diskriminierung von Frauen.
Aber wenn Männer gefährlichere Berufe ausüben, ist das anscheinend deren eigene Schuld…