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Die neue Welt nach Sibylle Berg

Sibylle Berg hat bei SPON eine neue Kolumne namens „Wie gut, dass wir darüber geredet haben“ platziert.
Ich will nicht verschweigen, dass die Kolumnen und Glossen von Sibylle Berg und Margarete Stokowski der Hauptgrund sind, warum ich nie einen Cent für Produkte des Spiegel-Verlags ausgeben würde, aber ich will auch sagen, warum.

Und zwar sind Kolumnen und Glossen einfach zu schreiben, tragen aber zur Debatte nichts bei. Sie mokieren sich über irgendwelche Dinge, prangern an, machen sich lustig, zeigen aber keinen Weg auf, wie die angesprochenen Probleme zu lösen seien.
Es sind journalistische Formate, die darauf abzielen, das wohlige Gefühl des Verstanden-Werdens der (vermeintlichen) eigenen Klientel zu befriedigen und die Welt in gut (wir!) und böse(die!) aufzuteilen.

Und damit möchte ich zu den zwei rhetorischen Mitteln bzw. Kniffen kommen, auf denen Frau Bergs aktuelle Kolumne aufbaut.
Der erste ist die sogenannte „Falsche Dichotomie“. Unserer heutigen, nicht perfekten Gesellschaft wird die „Sibylle-Berg-Gesellschaft“ als (vermeintlich einzige) Alternative gegenübergestellt; dadurch soll erreicht werden, dass die Leser quasi „vergessen“, dass natürlich auch ganz andere Gesellschaften denkbar sind als unsere aktuelle Gesellschaft und die Sibylle-Berg-Gesellschaft.

Das zweite Mittel ist das sogenannte Strohmann-Argument. Und zwar wir die Sibylle-Berg-Gesellschaft als krude Mischung aus verschwörungstheoretischem Unsinn, Kleinstaaterei, völkisch angehauchtem Brauchtum, Manchester-Kapitalismus, Überwachungs-Polizeistaat, rassistisch-faschistoidem Nationalismus und, als wäre das alles nicht genug, Trumpismus konstruiert.

Das heißt, alles „Böse“, bzw. was Sibylle Berg dafür hält, wird wild zusammengemixt. Klimaleugner, Rassisten, Menschen, die Schützenfeste mögen, die einen starken Rechtsstaat wollen, der Recht und Gerechtigkeit auch durchsetzt, die den Sozialstaat bewahren und Grenzen kontrollieren wollen – alles Nazis und rückwärtsgewandte Idioten.

Das etwas durchsichtige Ziel dieser beiden tollen Tricks: Die heutige Gesellschaft viel besser aussehen lassen als die abstruse Sibylle-Berg-Gesellschaft, die erstens niemand will, und die zweitens nicht die einzige Alternative zur heutigen Gesellschaft ist.

Wie wäre es zum Beispiel mit einer Gesellschaft, wo (Außen-)Grenzen kontrolliert werden, wo Regionen regionale Eigenheiten bewahren dürfen — wie das die EU heute schon fördert! —, und wo man sogar Schützenfeste und Fahnen-Schwenken gut finden darf, ohne von Frau Sibylle Berg in die Nazi-Ecke gestellt zu werden. Wo vielleicht der öffentliche-rechtliche Rundfunk tatsächlich von jedem Verdacht frei wäre, Agit-Prop der die Rundfunkräte Beherrschenden zu sein, und wo die EU nicht auch in wasser-reichen Regionen vorschreiben würde, dass in jeder Dusche ein Durchfluss-Begrenzer sein müsse. Wo „Fremde“ willkommen geheißen würden, die tatsächlich mit uns und bei uns sein wollen, aber solche rausgeworfen würden, die unsere Gesetze nicht achten und uns ihre (Un-)Sitten aufzwingen wollen.

Dass es zur heutigen und zur „Sibylle-Berg-Horror-Gesellschaft“ noch weitere Alternativen gibt, das will Sibylle Berg rhetorisch verbergen. Sie will den Leser nur in ihrer Dichotomie denken lassen. Sie will die Leute dazu bringen einzusehen, wie gut wir es eigentlich haben, und daran hindern, weiter zu denken.

Damit macht sie sich zu einer Agentin des Stillstands und des „Weiter So!“.

Bessere Journalisten kann sich Merkel gar nicht wünschen. Vielleicht sollte man Frau Berg eine eigene Fernsehsendung geben, den „Berg’schen Kanal“ vielleicht? Falls es so kommen sollte: Glückwunsch, Sibylle Berg!

Wählt grün – oder gelb

Insgeheim hoffe ich, dass kein Leser meines Blogs in der Tat Beratung bezüglich seiner Wahl bei der Wahl nötig hat. Schließlich und endlich ist ja das Geile an der Demokratie, dass jeder ohne sich rechtfertigen zu müssen ankreuzen kann, was er will.

Dennoch möchte ich ganz kurz erläutern, warum man meiner Ansicht nach bei der Bundestagswahl grün oder gelb wählen sollte.

Schwarz wählen würde Stillstand bedeuten. Wenn man die Geschichte der BRD ansieht, dann waren Zeiten einer Unions-Regierung häufig Zeiten des Stillstands. Oft auch wegen der Blockade sämtlicher Modernisierungsbemühungen durch die SPD. Und das ist auch der Grund, warum ich auch rot wählen nicht empfehlen will. Rot oder schwarz zu wählen steigert die Chancen für Koalitionen, die niemand wirklich will, wie rot/schwarz, rot/rot/grün, schwarz/gelb, etc..

Grün oder Gelb zu wählen hingegen steigert die Chancen für potenziell weniger miese Koalitionen wie z.B. schwarz/grün, rot/gelb oder auch rot/gelb/grün.

AfD zu wählen hingegen bedeutet in der aktuellen Lage eigentlich nur, die Bildung einer Regierung richtig schwer zu machen und damit die Chancen einer großen Koalition zu erhöhen.

Da ist doch die FDP mit ihrem Konzept für eine eigennützige Auswahl von Migranten nach kanadischem Vorbild, und für die effiziente Rückführung aller, deren Bleiberecht ausgelaufen ist, eine bessere Wahl, wenn man denn ein Zeichen setzen will, dass man die laissez-faire-Migrations-Politik von rot/schwarz und die Grenzöffnung nicht wirklich gut findet. Sozusagen für Deutschland die bessere Alternative zur „Alternative“.
Auch für Männer ist die FDP, die sich weiterhin leistet, keine Frauenquote zu haben oder zu fordern, möglicherweise eine attraktive Wahl, verglichen mit der Einheitsfront der gendertechnisch gleichgeschalteten Rest-Parteien.

Die Grünen sind hier der Gegenpol für alle, die weiterhin richtig finden, dass Angela Merkel die Belastung der wirtschaftlich schwachen Staaten Griechenland und Italien mit einem beherzten, radikalen Beschluss reduziert hat und die auch meinen, dass die Verbesserung der Lebensqualität, die das für hunderttausende Flüchtlinge bedeutet hat, die Unannehmlichkeiten und Probleme, die diese Entscheidung auch mit sich gebracht hat, wert war. Und natürlich auch für alle, die Frauenquoten und Gendern weiterhin für notwendig, gerecht und fair erachten.

Bei der Linken weiß ich nicht genau, warum man sie wählen sollte, wohingegen für die Partei DIE PARTEI spräche, dass wir dann Dr. Mark Benecke oder Martin Sonneborn im Bundestag oder der Elefantenrunde nach der Wahl haben könnten, was irgendwie die scheinbare Verschwendung der Stimme wert wäre.

Dennoch; meiner wahltaktischen Meinung nach gibt es für alle, die einen Politikwechsel wollen, zur Wahl von Grün oder Gelb keine vernünftige Alternative.

Skandal! Lindner spricht mit Steinhöfel (der ein moralisches Dilemma konstruiert)

Christian Lindner hat Joachim Steinhöfel ein Interview gegeben, das ein paar Wellen geschlagen hat.

„Linke“ werfen Lindner vor, überhaupt mit Steinhöfel gesprochen zu haben, da dieser in einem „rechten Umfeld“ unterwegs sei.
„Rechte“ hingegen sind unglücklich, weil Lindner nicht gesagt hat, mit der AfD stimmen zu wollen, wenn nur das ermöglichen würde, das #NetzDG zu kippen.

So gesehen hat Lindner meiner Meinung nach alles richtig gemacht.

Die Frage von Steinhöfel, ob die FDP mit der Linken und der AfD stimmen würde, wenn das der einzige Weg sei, ein Normenkontrollverfahren gegen das NetzDG anzustrengen, hat Lindner natürlich ausweichend beantwortet, weil es nichts bringt, hypothetische Fragen zu beantworten, bevor sie sich wirklich stellen. Damit kann man sich nur in die Nesseln setzen.

Denn die Frage ist ein eigens zu diesem Zweck (Lindner schlecht aussehen lassen bzw. ins Schwitzen bringen) konstruiertes moralisches Dilemma: Heiligt der gute Zweck (NetzDG kippen) hier das Mittel, mit dem „Bösen“ (AfD) zu kooperieren?

Für Linke sind die Leute von der AfD Parias, mit denen man nach Möglichkeit nicht einmal sprechen sollte. Mit diesen auch nur in einer Sache zusammenzuarbeiten wäre bereits moralisch verwerflich, auch wenn man damit etwas Gutes bezwecken wollte. Gemäß Adornos Spruch, dass es nichts Richtiges im Falschen gibt, also auch keine „gute“ Zusammenarbeit mit den „Bösen“, oder entsprechend der „Broken Windows“-Theorie, dass sozusagen aus einer Kooperation dann mehrere werden würden und dann die AfD davon profitieren könnte.
Also tat Lindner, der ja auch am „linksliberalen Rand“ nach Wählern fischt, gut daran, nicht zu sagen, möglicherweise mit der AfD zu kooperieren, sondern zu sagen, er habe nicht genug Phantasie sich eine Kooperation mit Linken oder AfD vorzustellen — was ja im Endeffekt wieder gar nichts aussagt.

Für (Bürgerrechts-)Rechte allerdings ist bereits das (nicht sofort einer Kooperation mit Linken und besonders AfD in dieser Sache zustimmen) wiederum schon eine Art Verrat, denn für diese müsste natürlich die Verteidigung grundlegender Bürgerrechte fast jedes Mittel rechtfertigen, und für diese ist auch eine Kooperation mit der AfD kein wirklich großes Übel (wie für die Linken).

Aber um zu verhindern, dass Schlagzeilen wie „FDP würde mit AfD kooperieren!“ entstehen, konnte Lindner nicht sagen, nötigenfalls mit der AfD stimmen zu wollen, auch wenn ihm das Rechte jetzt so auslegen wollen, als hätte die FDP hier angekündigt, lieber Bürgerrechte aufzugeben als (in irgendeiner Sache) genau so zu stimmen wie die AfD.

Noch klüger wäre deswegen gewesen, das hypothetische Dilemma als ebensolches zu entlarven bzw. zu dekonstruieren: Wenn in dem hypothetischen Szenario der Antrag für diese Normenkontrollklage gegen das NetzDG nicht von der AfD käme, und man nicht mit der AfD redete, dann würde man vor der Abstimmung gar nicht wissen, wie wer stimmen wird, und dann könnte nach der Abstimmung, sollten hier Linke, FDP und AfD gleich gestimmt haben, auch eigentlich keine Vorwürfe laut werden, die FDP hätte wie die AfD gestimmt, wenn gleichzeitig auch die AfD wie die Linke und die Linke wie die FDP gestimmt hätte, etc.. Entsprechend gäbe es dann auch kein Dilemma. Sondern nur das nicht weiter auffällige Ereignis, dass die AfD so gestimmt hätte wie Linke und FDP, was man sowieso nicht in jedem Fall verhindern kann, es sei denn, man wollte der AfD die Macht einräumen durch ihr Stimmverhalten zu kontrollieren, wie alle anderen Stimmen müssen (nämlich: Anders als die AfD).

Meiner Meinung nach ist es darum lächerlich, Lindner auf Grundlage seiner Antwort auf diese konstruierte fiese Frage einen Strick drehen zu wollen. Wer das tut, versucht entweder auf Kosten der FDP Wahlkampf für die AfD zu machen, oder aber er oder sie ist möglicherweise nicht zu komplexeren polit-taktischen Überlegungen in der Lage.

Bleibt die Tatsache, dass Lindner überhaupt mit Steinhöfel, der sich in der Öffentlichkeit zumeist als sehr streitbar, arrogant und unangenehm inszeniert1, und die auch verschiedene Aspekte der Politik von Union/SPD in mit diesem Image konformer, ätzende Weise kritisiert hat, gesprochen hat.

Ich persönlich finde das aber durchaus gut. Oder zumindest besser, als sich immer nur von handzahmen, hochbezahlten öffentlich-rechtlichen Höflingen interviewen zu lassen.

  1. Vielleicht ist der private Joachim Steinhöfel tierlieb, meditiert täglich, und trägt alten Frauen die Einkäufe nach Hause []

Achtung, gefährliches Spülmitte! Oder: Haben die Leute heute mehr Angst, weil vor allem gewarnt wird?

Mir ist aufgefallen, dass heute überall vor quasi allem gewarnt wird. Sogar das Geschirrspülmittel ist dauerhaft gewässergefährdend. Auf jedem Werkzeug ist aufgedruckt, dass man die richtige Schutzkleidung (Sicherheitsschuhe, Schnittschutzhose, Gehörschutz, Schutzbrille, Atemschutzmaske, …) tragen sollte.
((Allein auf Parfum steht aus irgendeinem Grund noch nicht groß und in rot, dass man das Zeugs nicht trinken soll und dass es möglicherweise feuergefährlich ist))

Nun frage ich mich, ob diese Maßnahmen tatsächlich einen förderlichen Effekt auf die Gesundheit hat, oder ob das vor allem dazu führt, dass Menschen vor allem Angst haben.
Ängstliche Menschen gibt es ja immer, aber früher konnte man noch vor vernünftigen Dingen Angst haben wie dem Atomkrieg mit der Sowjetunion oder der Atomkraft oder dem sauren Regen. Heute bleiben nur noch immer albernere Ängste übrig, wie zum Beispiel die vor unsichtbarem Feinstaub etc. pp.. Früher sind tatsächlich Leute an Staublunge gestorben, weil sie jahrzehntelang im Bergbau gearbeitet haben, und heute wird der Hobby-Heimwerker angehalten, eine Atemmaske zu tragen, obwohl das Risiko für alle, die nur alle paar Wochen ein wenig Heimwerken wahrscheinlich verschwindend gering ist.

Von einem Massensterben unter Kopierer-Wartungstechnikern oder Copy-Shop-Betreibern hat man auch bisher wenig gehört und da fragt man sich natürlich, warum gerade der Feinstaub auf der Straße uns alle umbringen sollte oder warum man Filter für seinen heimischen Laserdrucker kaufen kann.

Bestehen hier tatsächlich Gefahren, oder ist hier aus juristischen Gründen der Trend zum Warnhinweis außer Kontrolle geraten? Besteht hier nicht die Gefahr, dass bei immer mehr Warnhinweisen niemand mehr die wirklich wichtigen Warnhinweise ernst nimmt?
Oder läuft das Geschäft mit der Angst einfach zu gut, als dass man sich das auf Seiten der Hersteller entgehen lassen wollte? Es ist ja längst bekannt, dass es nichts bringt, ständig überall Desinfektionsmittel zu versprühen; dennoch reüssiert die Hygiene-Spray/-tücher/-Putzmittel-Industrie und macht gigantische Umsätze.

Man sollte das untersuchen und ggf. sollte die Politik eingreifen. Denn es ist gesundheitspolitisch und volkswirtschaftlich nicht sinnvoll, wenn Warnhinweise inflationär genutzt werden, so dass reale Gefahren und hypothetische Gefahren nicht mehr klar unterschieden werden können und Menschen Angst gemacht wird, wo statistisch gesehen eigentlich keine relevante Gefahr besteht.

Seyran Ates bei Maybritt Illner

Heute bei Maybritt Illner konnte man in einer denkwürdigen Sendung sehen, wie die mutige Seyran Ates sich mit einem Vertreter einer AKP-nahen deutschen „Migranten-Partei“ fetzte.

Dabei sagte sie — sinngemäß — warum denn die Erdogan-Anhänger in Deutschland nicht in die Türkei gingen, zu ihrem Erdogan, wenn sie ihn denn so toll fänden.

Ich fand das insofern bemerkenswert, als dass es ja eigentlich ein naheliegender Gedanke ist, man diese aber als Deutscher eher nicht aussprechen würde, wegen der heftigen Reaktionen, die das auslösen würde.
Aber Ates, die sowieso unter Polizeischutz steht, konnte das, als Frau und Muslimin, natürlich auch locker noch raushauen.

Und es macht mich traurig, dass die „politische Korrektheit“ die meisten Menschen daran hindert, so klar Stellung zu beziehen gegen Erdogan, seine islamistische AKP, und deren anti-demokratische Anhänger. Dass es eine weibliche liberale Muslimin braucht um etwas auszusprechen, was eigentlich viel öfter gesagt werden sollte, nämlich, dass in Deutschland Anti-Demokraten und Islamisten nicht willkommen sind.

Ich denke, diese „Beißhemmung“ gegenüber erklärten Feinden von Rechtsstaat und Demokratie schwächt das Immunsystem unserer freiheitlichen, säkularen Gesellschaft gegen die Angriffe von Islamisten und Antidemokraten nicht unerheblich. Darum ist dieses reflexhafte Zurückschrecken vor Allem, was Andere böswillig als Ausländer-feindlich oder „islamophob“ auslegen könnten, kontraproduktiv für die Verteidigung unserer freiheitlichen und säkularen Demokratie.

Eine offene Gesellschaft muss politische Auseinandersetzungen aushalten können und darf nicht gerade die unter einen besonderen Schutz stellen, die möglicherweise die größten Feinde dieser offenen Gesellschaft sind und mit autoritären politischen und orthodoxen religiösen Vorstellungen diese Gesellschaft zerstören und in eine vor-aufklärerische Gesellschaft zurücktransformieren wollen.

„Charttechniken“: Börsen-Voodoo für Leichtgläubige

Wenn man sich über Aktien bzw. Wertpapiere im allgemeinen informiert, dann findet man stets irgendwelche Webseiten, wo man sogenannte „Chartanalysen“ vornehmen kann. Da kann man dann gleitende Durchschnitte und alle möglichen denkbaren anderen Funktionen berechnen lassen, die angeblich Schlüsse auf den zukünftigen Verlauf der Kursentwicklung ermöglichen sollen.

So schreibt die Zeitschrift „Euro am Sonntag“1 :

Trenderkennung ist die Grundlage der Charttechnik. So ist der Trend die Richtung des Markts, in der er sich wellenförmig bewegt. Ein Aufwärtstrend ist eine Serie höherer Gipfel und Täler, ein Abwärtstrend genau das Gegenteil. Indikatoren sind mathematische Ableitungen des Kursverlaufs. Zur Berechnung werden oftmals Schlusskurse verwendet. Sie bieten tiefere Einblicke in den Kursverlauf und zeigen mögliche Kauf-oder Verkaufssignale an. Unterstützung, auch als Unterstützungslinie oder Support bezeichnet, beschreibt ein Kursniveau, das nicht mehr unterschritten wird. In einem Aufwärtstrend werden Widerstände, die nachhaltig nach oben durchstoßen werden, zu Unterstützungen. Wird hingegen eine Unterstützung nach unten gebrochen, so wird sie zum Widerstand. Widerstand stellt eine schwer zu überwindende Kursgrenze dar. Wird sie nachhaltig nach oben durchstoßen, so gilt dies als Kaufsignal. Je länger sich der Kurs an der Widerstandslinie bewegt, desto geringer die Chance auf einen Durchbruch nach oben.

Auffällig hier ist die Kombination von Aussagen, zum Beispiel, dass Schlusskurse einen tieferen Einblick in den Kursverlauf bieten würden als irgendwelche anderen Kurse, mit Satzteilen im Konjunktiv („mögliche Kauf- oder Verkaufssignale“). Gesagt wird hier also nichts, nur der Leser zu Spekulationen angeregt, wie man nun aus den „tieferen Einblicken“ irgendwelche Signale herauslesen könne.

Eine Glanzleistung des Nichts-Sagens ist auch die zirkuläre Definition von Unterstützung und Widerstand: Ein Widerstand, der durchstoßen wird, wird zur Unterstützung; eine Unterstützung, die durchstoßen wird, wird zum Widerstand; offensichtlich gibt es keine irgendwie sinnvolle Definition, wie „flach“ nun ein Kurs oder Mittelwert verlaufen muss, um von einem Widerstand oder einer Unterstützung zu sprechen.

Einigermaßen absurd ist auch die Behauptung, dass die Chance auf einen Durchbruch nach oben geringer werde, wenn ein Kurs länger an einer sogenannten „Widerstandslinie“ verlaufe. Tatsächlich steigen die Kurse fast aller Aktien langfristig, also könnte man auch behaupten, die Chance auf einen „Durchbruch“ müsse steigen.

Wie dem auch sei; Alle Chart-Techniken sind natürlich völliger Blödsinn, denn man kann von der Vergangenheit nicht auf die Zukunft schließen.

Auch nicht mit Mathematik, „Chart-Techniken“ oder Computern. Die Pseudo-Wissenschaft der Chartanalyse dient allein dazu, Menschen dazu zu bewegen, Umsätze zu machen und Gebühren zu bezahlen und sich selbst einzureden, irgendwie Kontrolle über die Zukunft zu erlangen anstatt nur zu zocken.

Kurse voraussagen kann man höchstens, wenn man überlegenes Wissen hat (dieses einzusetzen wäre Insiderhandel, also eine Straftat), oder wenn man die Kurse manipuliert, z.B. durch falsche Voraussagen (auch eine Straftat).

Oder aber man weiß, dass genug „Charttechnik“-Gläubige bei bestimmten „Signalen“ kaufen oder verkaufen werden. Denn diese können zwar trotz aller Charttechnik nicht die Zukunft berechnen, aber sie machen sich selbst berechenbar.

  1. Ähnlichen Unsinn liest man übrigens in allen „Börsenzeitschriften“, sogar bei der FAZ.] []

EditionF und ZEIT erklären den neuen feministischen Mythos #Manterruption (teilweise biologisch)

Es ist ein Artikel erschienen. Zuerst bei Edition F.(Link) und dann auch in der ZEIT (Link), der den neuen feministischen Mythos der „Manterruption“ zum Thema hat.

„Manterruption“, so lernen wir zunächst, sei die Bezeichnung dafür, dass Frauen ganz häufig von Männern unterbrochen würden. Dies sei, so wird suggeriert, frauenfeindlich/sexistisch motiviert etc. pp., das übliche halt.

Aber dann will die Autorin am Ende des Artikels doch noch ein paar praktische Tipps loswerden, wie „Manterruption“ entgegenzuwirken sei, und da wird es interessant.
Denn gerade die Verhaltens-Tipps, in denen es darum geht, eine Unterbrechung von vorneherein zu vermeiden, haben es in sich:

  • Konzentration: Nur, wer konzentriert bleibt, kann sein Argument noch vorbringen. Verliere deine zentrale Aussage nicht aus den Augen und halte festen Blickkontakt mit Gesprächspartnern.
  • Prägnant formulieren: Wer gut vorbereitet ist oder sich klare Aussagen überlegt, der mäandert nicht und verleitet andere dadurch weniger, einem ins Wort zu fallen. Also vorbereitet in Gespräche gehen und sich während einer Diskussion ruhig Notizen machen, um pointiert zu argumentieren, wenn man am Zug ist.
  • Auf Stimme und Körper achten: Sich vorzulehnen und mit hoher, aufgeregter Stimme zu sprechen ist kontraproduktiv. Eine entspannte Haltung und eine ruhige, tiefe Stimme wirken entspannt und glaubwürdig.

Nehmen wir mal an, diese Tipps wären effektiv und könnten „Manterruption“ wesentlich verringern. Dann müssten die Gründe für „Manterruption“ folgende sein:

  1. Mangelnde Konzentration auf das Wesentliche. Vermeiden von Blickkontakt. Also unprofessioneller Auftritt.
  2. Unstrukturiertes, scheinbar zielloses Gerede, mangelnde Fähigkeit auf andere Argumente einzugehen.
  3. Unglaubwürdig wirkende, hohe Stimme. Neigung dazu, sich Aufregung anmerken zu lassen.

Tja – wo ist jetzt eigentlich der Sexismus, wenn Männer Frauen häufiger unterbrechen? Laut Edition F. wirken weibliche Stimmen (die im Schnitt ca. 1 Oktave höher sind) im Schnitt unglaubwürdiger als männliche Stimmen, es gibt also eine biologische Erklärung dafür, dass sie häufiger unterbrochen werden(?!?).

Ich würde sagen, hier hat EditionF irgendwie ein Eigentor geschossen, denn biologische Unterschiede zwischen den Geschlechtern dürfte es doch laut Genderfeminismus gar nicht geben und auch die Höhe der Stimme sollte doch als „sozial konstruiert“ gelten. Hat sich hier die Autorin in das falsche feministische Lager verirrt?
Oder hat man möglicherweise vergessen, dass, falls man (aufgrund der Empirie) doch einräumen sollte, dass Frauen im Schnitt höhere Stimmen haben als Männer, man zumindest behaupten müsse, es sei sozial konstruiert, anerzogen und sexistisch, dass höhere Stimmen als weniger glaubwürdig gelten?
Ich denke, hier sollte die Autorin nochmal nacharbeiten. Mit solchen „biologistischen“ Erklärungen wird sie im feministischen Lager mittelfristig auf keinen grünen Zweig kommen.

Und abgesehen von dieser biologisch-psychoakustischen Erklärung für weibliche Unglaubwürdigkeit scheint es, wenn man von den Tipps auf die Ursachen schließt, auch noch andere Gründe für Unterbrechungen zu geben. Wie schlechte Vorbereitung, unkonzentriertes, aufgeregtes Auftreten, in Folge davon ziel- und endloses Gerede, was Unterbrechungen provoziert.

Heißt das am Ende, Frauen wären selbst schuld, wenn sie unterbrochen werden, weil sie die Zeit ihrer Kollegen und Kolleginnen durch aufgeregte, schlecht vorbereitete, längliche Redebeiträge verschwenden?!?1

Danke EditionF und ZEIT für die gut verklausulierte Aufklärung:

Offensichtlich gibt es gar keine „Manterruption“.

Es ist wieder nur so ein genderfeministisches Schlagwort für eine lediglich behauptete Ungerechtigkeit, die tatsächlich entweder gar nicht existiert oder aber auf ein in der Gruppe der Frauen gehäuft auftretendes, aber nicht ursächlich mit dem Geschlecht verknüpftes individuelles Versagen im Sozialverhalten im beruflichen Umfeld zurückzuführen ist.
(Jedenfalls, wenn man die biologisch-psychoakustischen Erklärungsansätze mit den hohen Stimmen mal als Grund ausschließt.)

  1. Ja. – Nein! – OOOH! []

Dschihad-Bräute, Female Hypoagency und „Gender Prison Gap“

Angesichts der Tatsache, dass im Irak unter IS-Anhängerinnen einige Deutsche entdeckt worden sind, macht sich die Süddeutsche Gedanken darüber, wie mit diesen ggf. in Deutschland verfahren werden solle.

Immerhin stellt der Artikel fest, dass es sich hier nicht um Opfer einer Verschleppung in die Fänge von Da’esh handelt, sondern um fanatisierte islamistische Freiwillige, die „die Reihen der Täter verstärkt“ hätten.

Aber auch diese Formulierung lässt noch Raum dafür, dass diese Frauen möglicherweise selbst trotz freiwilliger Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung irgendwie selbst nicht Täterinnen gewesen sein könnten.
Und dann wird im Artikel auch gleich überlegt, ob es nicht doch sinnvoller wäre, bei solchen Verbrechen von Frauen irgendwie mehr auf Milde und Resozialisierung zu setzen.
Und aus den Dschihadistinnen werden „Dschihad-Bräute“. Ähnlich wie Rocker-Bräute, die in traditionellen Rocker-Clubs selbst nie Mitglieder werden können und immer nur Partnerin eines Rockers sein dürfen, werden sie rhetorisch zu so einer Art reiner „Beifahrerinnen des Dschihad“ umgedeutet.

Dieses paternalistische Entlassen der Frauen aus ihrer Verantwortung dafür, sich aus freien Stücken einer irren Terrororganisation angeschlossen zu haben, ist in vielerlei Hinsicht sexistisch. Erstens gegenüber den Frauen, die nicht ganz so ernst genommen werden als islamistische Terroristinnen, zweitens gegenüber Männern, die sicher nicht mit so viel Milde rechnen könnten, wenn man sie in einer IS-Hochburg als IS-Kämpfer aufgegriffen hätte.

Hier zeigen sich die Gründe für den „Gender Prison Gap“. Männer werden als selbst verantwortlich für ihre Handlungen gesehen. Frauen hingegen werden nicht für voll genommen, sondern zum schmückenden Beiwerk des Dschihad erklärt, zu „Dschihad-Bräuten“ eben. Denn sie sind ja, Stichwort „Female Hypoagency“ irgendwie dann doch weniger verantwortlich für ihr Handeln als Männer, wurden vielleicht verführt oder mussten vielleicht sogar schlimme Dinge erleiden in dem Dschihad, an dem sie freiwillig teilgenommen haben. Diese armen Geschöpfe sollte man natürlich besser nicht einsperren…

Fast wundert man sich, dass die Süddeutsche nicht auch für Beate Zschäpe Strandurlaub statt Gefängnis fordert, denn das müsste die logische Konsequenz sein, wenn es denn so wäre, dass Freiheitsstrafen komplett sinnlos und verzichtbar wären, wie der Artikel zu suggerieren scheint. Zumindest für Frauen, die ja nichts gemacht haben. Außer einer Terrororganisation beigetreten zu sein.

Machine learning, big data oder: Vorurteile jetzt auch digital

Vorurteile, behaupten viele, seien schlecht.
Man könnte ja nicht aus irgendwelchen Merkmalen ableiten, ob eine bestimmte Person auch so sei, wie man aufgrund dieser Merkmale annehme.
Allerdings scheint es durchaus so zu sein, dass Vorurteile bzw. Stereotypen häufig recht gut „funktionieren“ und möglicherweise auch evolutionär Sinn ergeben, um Problemen aus dem Weg zu gehen, bevor man sie bekommt.

Die Kunst der Pauschalisierung gibt es jetzt allerdings auch in digital, und wenn nicht Menschen, sondern Maschinen pauschalisieren, dann nennt man das „big data“ bzw. „machine learning“, und weil es nachvollziehbar zu sein scheint, wie Algorithmen aus irgendwelchen Daten Wahrscheinlichkeiten für irgendwelche Dinge ausrechnen, zum Beispiel aus Wohngegend, Nachnamen und letzten Einkäufen beim Versandhandel die Kreditwürdigkeit, findet die „digitalen Vorurteile“ anscheinend auch niemand richtig schlimm. Obwohl natürlich auch die automatisch Faktoren gewichtenden Algorithmen im Endeffekt nur auf Basis von bekannten Daten versuchen unbekannte Daten vorherzusagen und damit nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit richtig liegen. Was ganz genau dem Prinzip des Vorurteils entspricht.

Es kann aber nur eines richtig sein: Entweder man kann aus Pauschalisierungen wertvolle Informationen gewinnen, dann müsste man möglicherweise aufhören, Vorurteile bzw. Stereotype als Teufelswerk und moralisch verwerflich anzusehen.1
Oder man kann auf diese Weise keine wertvollen Informationen gewinnen, dann müsste man aufhören, big data und machine-learning zu Wundertechniken hochzujazzen, die wahlweise ganz toll oder ganz bedrohlich sind, denn dann wäre das einfach nur Bullshit.

  1. Vielleicht ist es ja doch vernünftig, Angst vor Pitbulls zu haben oder Gebrauchtwagenhändlern nicht zu trauen, nur auf Basis entsprechender Vorurteile? []

Quo Vadis, Linke? Joschka Fischer, Andreas Baader oder Erich Mielke?

In Hamburg haben Linksextremisten randaliert. Wie stellen diese sich ihre Zukunft vor?

In der Geschichte gibt es für sie drei Vorbilder:

  • Joschka Fischer, der nach dem „Marsch durch die Institutionen“ tatsächlich an die Hebel der Macht gelangt ist und so z.B. eine Teilnahme Deutschlands am Irak-Krieg verhindern konnte.
  • Andreas Baader, der durch Terror die real existierende demokratische, soziale Marktwirtschaft umstürzen und durch etwas Besseres ersetzen wollte, und scheiterte, an mangelnder Unterstützung in der Bevölkerung für die Vision dieses „Besseren“, und wegen des Entsetzens über die eingesetzte Gewalt.
  • Erich Mielke, der in der Weimarer Republik einen Polizisten ermordete, in der DDR zu Macht kam, und dann doch keine bessere Welt schaffen konnte. Der schließlich, um seine Vision dieser besseren Welt gegen alle Widerstände durchzudrücken, einen immer repressiveren Überwachungsstaat aufbaute, dem die Bürger davonliefen.

Ich hoffe, die heutigen Linksextremisten sind klüger als Baader und Mielke. Eine Mehrheit für seine Positionen erreicht man nicht dadurch, dass man demonstriert, wie gut man Dinge kaputtmachen kann, sondern indem man demonstriert, dass man sich sorgt, dass man Dinge bewahren und aufbauen kann. Die Grünen sind mit der Sorge um die Umwelt und mit dem Einsatz für soziale Gerechtigkeit groß geworden, und nicht mit offensiver Rhetorik oder physischer Gewalt. Die extreme Linke sollte aus der Geschichte lernen und ihr intellektuelles Potenzial nicht in Straßenkampf, sondern in Überzeugungsarbeit umsetzen, dass ihre Ziele richtig und gut sind.