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Was sind Deutschlands (nationale) Interessen?

Im März hatte ich einen Artikel geschrieben, den ich aber aus Feigheit bzw. Furcht vor den Folgen von nicht politisch korrekten Meinungsäußerungen nie veröffentlicht habe. Ein Punkt daraus erscheint mir aber immer noch aktuell.

Es gibt so viele Dinge in der Politik, die eigentlich niemand mehr versteht oder nachvollziehen kann, zum Beispiel, warum die Regierung am Euro festhält, obwohl dieser immer neue Rettungsaktionen notwendig macht. Oder warum die Regierung den Schengen-Raum ohne Binnengrenzen so wichtig findet, dass sie die Nachteile der offenen Grenzen hinnimmt. Oder warum die Regierung so viele Flüchtlinge hat aufnehmen lassen, obwohl sie das nicht hätte tun müssen.

Warum ist dieses Handeln in Deutschlands Interesse? Bzw. warum oder wie nutzt das den Menschen in Deutschland?

Denn mal angenommen, unsere Regierung ist nicht vollkommen wahnsinnig und besteht aus Verrätern, die ihren Amtseid, dem deutschen Volk zu dienen, jederzeit ohne Skrupel brechen, müsste doch die Politik der Bundesregierung irgendwie im Sinne der Allgemeinheit sein. Doch für große Teile dieser Allgemeinheit ist nicht nachvollziehbar, inwiefern das Handeln der Regierung wirklich im Sinne des Wohles des Volkes ist.

Was hier eindeutig fehlt sind Begründungen für das Handeln der Regierung, was fehlt sind sogenannte (Achtung! Trigger Warnung!) nationale Interessen, aus denen sich das Regierungshandeln ableiten bzw. mit denen sich dieses rechtfertigen oder nachvollziehen ließe.

Ist ein unbedingtes Zusammenhalten des Euro-Raums in unserem nationalen Interesse? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum geben wir dann dafür Geld aus?
Ist die grenzenlose Reisefreiheit im Schengen-Raum wirklich in unserem nationalen Interesse? Gäbe es hier nicht auch andere Lösungen (z.B. Schnellabfertigung für Berufskraftfahrer und registrierte Viel-Reisende)?
Ist die Aufnahme von hunderttausenden Flüchtlingen in unserem nationalen Interesse? Wenn ja, warum? Wenn nein, warum wird dann der Staat, wird die Bevölkerung dafür bis an die Grenzen des Möglichen belastet?

Dadurch, dass die Regierung keine nationalen Interessen definiert oder zumindest nicht benannt hat, wird das Volk im Unklaren darüber gehalten, was die Regierung vorhat und warum. Die Regierung bevormundet das Volk, ihr Handeln ist undurchsichtig und nicht nachvollziehbar.

Ist es wirklich in Deutschlands nationalem Interesse, sozusagen „Flüchtlings-Aufnahme-Weltmeister“ zu sein? Unsere wichtigsten Nachbarn und Verbündeten halten uns deswegen jetzt anscheinend für naive Idioten, zumindest der kommende Präsident der USA, ohne dessen Unterstützung die NATO, die letzten Endes unsere Versicherung gegen mögliche kommende Kriege darstellt, keinen Pfifferling mehr wert ist. Ist das jetzt wirklich gut für Deutschland und die Deutschen, für Europa und die Welt? So mal im Ernst und unter uns?

Ich bin der Meinung, wir brauchen eine Regierung, die eine Vorstellung davon hat was gut für Deutschland ist, und wie sie möglichst viel von diesem Guten für Deutschland erreichen kann.
Und wenn es einen überzeugenden Grund gäbe, warum Euro, Schengen und Flüchtlinge gut für Deutschland sind, dann wäre das ja super, dann könnte man das Regierungshandeln verstehen und unterstützen.
Aber wenn es keinen guten Grund gibt, dann wäre es höchste Zeit, mal nachzudenken, was man da überhaupt tut, und warum. Und dazu wiederum führt an einer Definition der nationalen Interessen kein Weg vorbei.

EU und Globalisierung: Imaginäre Vorteile, reale Nachteile

Die Politik fragt sich (vorgeblich) in letzter Zeit häufiger, warum die Menschen mit den Parteien so unzufrieden sind.

Der Grund ist natürlich die Politik dieser Parteien. Zum Beispiel die Einheitsfront bei den Themen EU und Globalisierung.

Beide sind für eigentlich alle Parteien alternativlos.

Die EU wird als unumgängliches europäisches Einigungs-und Friedensprojekt hingestellt. Aber was bzgl. der Montanunion bzw. der EG richtig war, gilt nicht notwendigerweise auch für die EU.

Diese EU, die den Durchfluss von Duschköpfen vorschreiben will und die immer größer und unkontrollierbarer wird, will einfach niemand mehr.

Das Schengen-Abkommen ist kaputt. Die Binnen-Grenzen werden nicht mehr kontrolliert, die Außen-Grenzen aber leider auch nicht. Die meisten Menschen reisen vielleicht einmal im Jahr ins Ausland. Für sie ist die grenzenlose Reisefreiheit in Europa also ein nur imaginärer Vorteil. Marodierende Einbrecherbanden, Islamisten und „Nafris“ aber sind für sie ein realer Nachteil.

Auch der Euro ist nur ein hypothetischer Vorteil für die selten bis nie Reisenden. Real sind aber die Belastungen durch die ständigen Rettungsaktionen für südeuropäische Pleite-Staaten, die das Geld entwerten und die öffentlichen Kassen belasten.

Und auch die sogenannte „Globalisierung“ führt zu realen Problemen wie De-Industrialisierung, Jobverlust, Verlust der Kontrolle über Produktionsbedingungen und Produktsicherheit.
Außerdem, im Bereich der IT-Industrie, zu einem Verlust an Know-How und zum Einbau von Hintertüren durch feindliche Geheimdienste in alle Produkte.

Die sogenannte „Industrie 4.0“ soll Arbeitskräfte generell weitgehend überflüssig machen; damit wären die Lohnvorteile z.B. von Fernost oder Afrika egalisiert. Recycling und erneuerbare Energieen sollten zu einer Quasi-Autarkie und Unabhängigkeit von Importen führen. Damit das klappt, muss die heimische Industrie ggf. vor Dumping-Importen geschützt werden, die durch Sklavenarbeit und Nutzung von Raubbau an Ressourcen erzeugt werden.
Unter diesen Umständen ist es geradezu absurd, noch weitere Freihandelsabkommen zu schließen.

Das wissen auch die Menschen im Lande bzw. haben das ggf. auch so (falsch?) verstanden wie ich.
Daher kommt die Unzufriedenheit mit der Politik. Von unlogischen bzw. sich widersprechenden bzw. komplett fehlenden politischen Zielen und Zukunftsvisionen und von Eigenschaften von EU und Euro, die für die meisten Menschen eben keine bzw. nur hypothetische Vorteile sind, sondern reale Nachteile darstellen.

Diese Unzufriedenen wird nur eine sozial-liberal-konservative Partei „abholen“ können, die endlich eine glaubwürdige, konstruktive Vision für Deutschland und Europa fomulieren kann, wie es weitergehen soll mit Wirtschaft, Freiheit, Rechtsstaat und Wohlstand.

Wer immer nur sagt, es dürfe „keine Festung Europa geben“, aber nicht darlegen kann, wie dann die europäischen Sozialsysteme überleben sollen, wie der Übergang zu einer Wirtschaft ohne Notwendigkeit größerer Mengen von Arbeitern stattfinden soll, der riskiert, dass Europa wieder in einen Flickenteppich von nationalen Festungen zerfällt.

(Racial) Profiling

Sicher macht es im Moment keinen Spaß, Deutscher mit schwarzer Hautfarbe zu sein.

Denn anscheinend kontrolliert die Polizei gerade junge schwarze Männer besonders oft.

Weil anscheinend junge schwarze Männer statistisch ein besonders lohnenswertes Ziel für Kontrollen sind.

An dieser Stelle müsste man allerdings erstmal prüfen, ob die kriminellen Nordafrikaner, die die Polizei anscheinend mit diesen Kontrollen im Griff behalten will, überhaupt unter den Schwarzen in Deutschland eine so relvant große Gruppe bilden, dass sich die Kontrolle von Schwarzen tatsächlich verstärkt „rechnet“.

Es ist ja so, dass die Polizei, dank dünner Personaldecke, auf Effizienz achten muss. Und darum muss sie irgendwelche „Faustregeln“ nutzen, wer zu kontrollieren ist, und wer nicht.

Denn machen wir uns nichts vor: Junge Männer sind statistisch krimineller als alte Frauen, also ergibt es Sinn, mehr junge Männer als alte Frauen zu kontrollieren, auch wenn das „Age-ismus“ und „Sexismus“ ist (Mimimimi!).

Ich kenne mich damit aus. Als damals Langhaariger wurde ich an einer Autobahnraststätte wegen „szenetypischen Aussehens“ kontrolliert, und wegen jugendlichen Aussehens wurde ich auch noch mit 20 in Diskos kontrolliert, ob ich schon 18 wäre.
Aber es lohnt sich nicht, sich deswegen diskriminiert zu fühlen, wenn doch die Leute nur ihren Job machen und Erfahrungswerte nutzen, um diesen Job gut und effizient zu machen. Klar ist es blöd, wenn man da ins Raster passt, aber solange Kontrolleure die bösen Jungs nicht „magisch“ von den nicht-bösen unterscheiden können, geht es eben nicht anders.

Also ist es — unter dem Vorbehalt, dass schwarze junge alleinreisende Männer tatsächlich statistisch gesehen häufiger kriminell1 sind als nicht-schwarze (warum hat das noch niemand recherchiert? Gibt es dazu keine Statistik, weil das ja auch rassistisch sein könnte?) — sinnvoll, diese stärker zu kontrollieren als weiße.

Das ist natürlich nicht so schön für alle schwarzen Deutschen, die mir im deswegen aufrichtig leid tun, und darum sollte die Regierung die Gründe dafür beseitigen, dass die Polizei Schwarze in geradezu belästigender Weise intensiver kontrolliert als Nicht-Schwarze. Das heißt: Abgelehnte und / oder kriminelle schwarzafrikanische Asylbewerber müssen endlich abgeschoben werden, damit es keinen Grund mehr gibt, Schwarze intensiver zu kontrollieren.

Jetzt die Rassismus-Karte zu spielen bringt nichts. Nur wenn die Kontrolle von Schwarzen tatsächlich statistisch genau so (wenig) erfolgversprechend erscheint wie die Kontrolle von Weißen, wird die Polizei aufhören, Schwarze intensiver zu kontrollieren bzw. misstrauischer zu betrachten.
Und solange die Kontrolle von Schwarzen statistisch signifikant erfolgversprechender ist als von Nicht-Schwarzen, ist diese verstärkte Kontrolle auch kein Rassismus, sondern Pragmatismus.

  1. inklusive unerlaubtem Aufenthalt in Deutschland []

Warum man die CDU 2017 nicht wählen kann

Die CDU ist 2017 unwählbar. Warum?

Weil alle Dinge, die uns heute auf die Füße fallen, auf dem Mist der CDU gewachsen sind. Die Euro-Zone, die nicht funktioniert. Der Schengen-Raum, der uns mit unkontrollierten Grenzen zurückgelassen hat und dazu geführt hat, dass vorbestrafte Gewalttäter in Europa mit zig Identitäten herumreisen und Straftaten begehen können, wie es ihnen gefällt.

Wir haben die nicht-funktionierenden Dublin II/III-Abkommen, die Mitschuld an der Flüchtlingskrise haben.
Wir haben Sicherheitsbehörden, die zu wenig Personal haben und öffentliche Plätze nicht sichern, bevor etwas passiert, sondern erst, nachdem etwas passiert ist.
Innenminister De Maiziére hat weder die Sicherheitsbehörden im Griff, noch die Grenzen, noch die Organisation der Aufnahme der Flüchtlinge, die seine Chefin ohne Obergrenze eingeladen hat.
Ursula von der Leyen kümmert sich bei der Bundeswehr lieber um den Kita-Ausbau als um funktionierende Gewehre und möglicherweise neue Panzer, die man dank der tollen Außenpolitik der letzten Jahre (Sarkasmus!) möglicherweise bald wieder gut brauchen könnte.

Die SPD-Minister der Regierung Merkel dilletieren an allen Fronten vor sich und verschwenden Geld für nutzlose Gender-Kampagnen wie den Girl’s Day, der nachweislich nichts bewirkt, oder für Strafrechtsverschärfungen wie das sogenannte „Nein heißt Nein!“-Gesetz, das nichts bewirkt, weil die Nachweisbarkeit von Sexualstraftaten sich nicht durch eine Gesetzesverschärfung verbessern lässt. Tatsächlich nützt so ein Gesetz nichts, wenn die Aussage einer Frau, die gar nicht genau gesehen hat, wer sie wo angefasst hat, gegen die Aussagen von 12 Männern steht. Es erhöht nur die Chance, dass ein unschuldiger Einzelner nach einer Falschbeschuldigung fälschlicherweise auch noch schwer bestraft wird.

Tatsächlich beschließt die Regierung Merkel ständig neue Gesetzesverschärfungen, obwohl die bestehenden Gesetze schon gar nicht mehr durchgesetzt werden können, und mehr Überwachung, obwohl die keine Straftaten verhindert. Und obwohl anscheinend sogar die best-überwachten Straftäter sich der Überwachung jederzeit wieder entziehen können.
Die Gesetzesverschärfungen sind reiner Aktionismus, zur Ablenkung davon, dass die Regierung teilweise die Kontrolle verloren hat.

Obwohl die Globalisierung anscheinend zu einer Enthemmung der Finanzwirtschaft und zu einem „Race to the bottom“ bei Arbeitsschutz, Umweltschutz, Nahrungsmittelsicherheit und Produktsicherheit führt, treibt auch die Regierung Merkel weitere Freihandelsabkommen voran. In einer Zeit, wo China und die USA weiter bzw. schon wieder auf teilweise Abschottung setzen, und wo es aus geostrategischen Gründen auch klug wäre, wenn Europa z.B. wieder eine eigene nennenswerte IT-Industrie aufbauen würde, anstatt von verwanzten chinesischen und amerikanischen Computern, Handys, Prozessoren etc. abhängig zu sein.

Eine faire Besteuerung und insbesondere eine sinnvolle Erbschaftssteuer, ein funktionierendes Rentensystem etc. sind Dinge, die so wichtig wären, die die CDU aber in den vielen Jahrzehnten ihrer Regierungszeit in der Bundesrepublik noch nie geschafft hat und wohl auch nie schaffen wird. Auch das ein Grund, 2017 nicht die CDU zu wählen.

Denn die CDU hat keinen Plan für die Zukunft. Sie verwaltet nur noch den Ist-Zustand. Notwendige Reparaturen werden erst dann ausgeführt, wenn sie sich nicht mehr vermeiden lassen, und oftmals werden nur die kaputten Fassaden übertüncht, statt die Häuser tatsächlich zu sanieren. In den 50er und 60er Jahren des 20ten Jahrhunderts warb die Union noch für „Wohlstand für alle!“ – 2017 werden wir auf den CDU-Wahlplakaten (und den meisten anderen) nur irgendwelches Larifari mit schwarz-rot-gold, Merkel, Deutschland und Schlagworten wie „gemeinsam, zusammen, Gerechtigkeit, Sicherheit“ lesen, die nichts mehr bedeuten unter einer Regierung, die keinen Gestaltungswillen mehr hat oder zumindest keinen erkennen lässt.

Am Ende des Marsches durch die Institutionen – der GAU

Es ist offensichtlich: Der Sieg der sogenannten 68er ist total.

Der Marsch durch die Institutionen hat funktioniert. Der Großteil der Presselandschaft ist mit grünen, linken oder zumindest sozialdemokratischen Journalisten besetzt. Das Bildungs- und Steuersystem ist „gerecht“ umgebaut.
Der Liberalismus ist aus den Parlamenten weitgehend vertrieben. An Recht und Gesetz fühlt sich die Regierung nicht mehr wirklich gebunden; mal werden sie im Namen eines höheren Zieles komplett ignoriert (Grenzöffnungen), mal werden Gesetzesbrüche mit neuen Gesetzen „geheilt“, siehe BND-Gesetz.

Sogar die CDU ist heute eine Partei, die teilweise links der Mitte zu agieren scheint; unsere Kanzlerin ist nicht nur eine Frau, sie weigert sich auch, auf der Bühne mit Deutschland-Fähnchen gesehen zu werden und redet nicht von Deutschen, sondern von „Menschen, die schon länger hier wohnen.“. Das hätte man vor 20 Jahren noch für Satire gehalten.

Also: Die Linken haben das Land unter ihre Kontrolle gebracht und alle Schaltstellen besetzt. Und jetzt passiert der GAU: Die Theorie, die allem zugrunde liegt, nämlich dass man die Realität umformen kann, wenn man nur genügend Meinungsmacht besitzt, erweist sich als falsch.

Die sorgsam erdachten „Erzählungen“ werden von den Menschen nicht geschluckt. Die linken Meinungsmacher werden als „Lügenpresse“ verlacht, und wissen sich nicht anders zu helfen, als ihrerseits die Gegenöffentlichkeit als Verbreiter von Lügen und „Fake-News“ zu bezeichnen. Und es werden 100 Millionen in staatsnahe „Organisationen der Zivilgesellschaft“ (besetzt mit linientreuen Linken) gesteckt, um nicht die Kontrolle zu verlieren. Das heißt dann Demokratieförderung, hat aber ein deutliches Geschmäckle von Regierungspropaganda.

Die diffuse Ideologie von grenzenloser Toleranz und Multikulti (d.h. laissez-faire), die aber alle zwei Jahre bei internationalen Meisterschaften einem immer heftigeren Fußball-Patriotismus weicht, was ein gewisses Bedürfnis nach nationaler Identifikation hätte erahnen lassen können1, erweist sich als ungeeignet für ein wirklich stabiles Gesellschaftssystem. Durch die jahrzehntelange Verhinderung der Definition einer (Achtung! Rechtes Wort!) Leitkultur ist ein Vakuum entstanden.
Wo die USA die Idee des „Schmelztiegels“ haben, gemäß ihrem Wappenspruch „e pluribus unum“ („Aus Vielen wird Eins“), hat Deutschland: Nichts. Die Vielen sollen doch bitte Viele bleiben, und sogar noch vielfältiger werden. Und bunt. Einheit brauchen wir nur bei der Befolgung von Umweltschutzvorschriften und bei der Einebnung der angeblich nur anerzogenen Geschlechter-Unterschiede und natürlich beim Bekenntnis zur grenzenlosen Beliebigkeit.
Sogar den Verfassungspatriotismus lehnen die deutschen Linken2 teilweise ab.

Folge: Niemand kann sich mit dieser Unbestimmtheit identifizieren. Da die Nation und Europa dysfunktional erscheinen, keinen Halt mehr bieten, suchen die Menschen andere Quellen für Identifikation, um das Vakuum zu füllen. Religion, Identitäre, Populisten, ggf. Gangs oder Clans — und das ist kein Wunder, sondern Folge des ungenügenden Politik-Angebotes in Deutschland. Die Menschen fühlen, dass so viele Dinge nicht in Ordnung sind in unserem Land, dass auch der (hauptsächlich in die meiste Zeit „rechts“ regierten, südlichen Bundesländern erzeugte) anhaltende materielle Wohlstand den Mangel an glaubwürdigen Angeboten für eine nachhaltige Gestaltung der Zukunft nicht überdecken kann.

Und Menschen sind Überlebenskünstler, Opportunisten, sie wollen Wohnungen, Essen, Sex, Gesundheit und Spaß, und die Politik kann kein Bild von einer Zukunft zeichnen, wo hier irgendwelche Fortschritte zu erwarten wären. Immer mehr Menschen mit immer weniger sinnvollen, immer stressigeren Jobs wohnen in immer stärker verdichteten Ballungsräumen, im Wettbewerb mit der ganzen Welt. Mit offenen Grenzen, und immer mehr Menschen, die zu uns kommen und etwas vom Wohlstand abhaben wollen. Ist das die Zukunftsvision, die die Herzen und Hirne der Menschen gewinnen soll?

Am Ende des langen Marsches hat die Linke ihr Pulver verschossen. Sie hat die kleinen Leute für „die Globalisierung“ verraten, die so alternativlos jetzt doch nicht zu sein scheint. Wirtschaftlich, ökologisch und geo-strategisch erscheint wirtschaftliche Autarkie heute wieder als erheblich klüger als blindes Vertrauen in eine grenzenlose Freiheit von Warenströmen inklusive Abhängigkeit von irren Diktatoren oder halbdemokratischen Regimen.

Die Linke hat für die EU zu viel geopfert. Sie hat in Europa alle Regeln außer Kraft gesetzt um schummelnde Staaten und Banken zu retten, hat dafür das Ersparte der Menschen entwertet und die Zinsen der privaten Altersvorsorge kaputtgemacht. Sie hat von einem riesengroßen vereinten Europa geträumt und sich übernommen, hat beim Aufstellen von Regeln zu viele faule Kompromisse gemacht (z.B. auch die für die Staaten mit Außengrenzen unfairen Regelungen in Dublin II/III) und dann beim Durchsetzen der Regeln so viele Augen zugedrückt, dass die EU jetzt stückweise auseinanderfällt, weil die regionalen Unterschiede in der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit zu groß sind.
Sie hat von weltweitem Frieden geträumt und dabei den Aufstieg der Putins und Erdogans nicht kommen sehen, hat die äußere, aber auch die innere Sicherheit und die innere Geschlossenheit in Deutschland vernächlässigt.

Die Mittel der Linken wirken nicht mehr, ihre Vision trägt nicht mehr. Sie hält die Macht in ihren Händen, und weiß nichts damit anzufangen.

Eine Niederlage dieser verbrauchten Bewegung ist damit mittelfristig unabwendbar. Die Frage ist nur, wie stark der Backlash nach dieser jahrzehntelangen Bewegung in immer die selbe politische Richtung ausfallen wird.

  1. Das wurde auch erahnt, aber sofort als nationalistisch abgetan []
  2. bzw. „die Linken, die schon länger hier wohnen“ []

Schreibblockade bei Margarete Stokowski oder: Mittelalte weiße Männer

Margarete Stokowski hat eine neue feministische Kolumne für den Spiegel geschrieben, die so schlecht ist, dass sie mich ratlos zurücklässt.

So ratlos, dass ich mir eine Geschichte ausdenken musste, um ihre Entstehung irgendwie nachvollziehen zu können:

Der Abgabetermin naht, und Margarete Stokowski sitzt ratlos herum, ihr Buch dümpelt trotz Lobhudeleien feministischer Freund_ixs auf Amazon-Verkaufsrang 1400+ herum, und sie muss doch noch etwas Feministisches schreiben, denn die Kolumne bei SPON ist ihre einzige regelmäßige Arbeit. Die Schreibblockade wird nicht besser, und schließlich reift in ihrer Verzweiflung der Plan, irgendwie das Thema „alte weiße Männer“ nochmal auszuschlachten.

Nun gibt es dazu eigentlich nichts zu sagen, außer, dass netzfeministische Kreise ständig auf weißen (wahlweise auch alten, wütenden) heterosexuellen Männern herumhacken.
Es ist schlimm mit diesen weißen Männern, verdankt ihnen doch der Feminismus die philosophisch-theoretische Grundlage und die freiheitliche Gesellschaftsordnung, die ihn erst ermöglicht hat; das weiß eigentlich auch Margarete Stokowski. Ein Grund mehr, diese alten, weißen, männlichen Bastarde zu hassen! Wie ich gestern ausgeführt hatte, darf man als Feministin ja auch keine andere Gruppe beschimpfen, der Hass auf weiße Männer ist also für die gute Feministin, die ihre Aggressionen loswerden will, alternativlos.

Was also schreiben, am besten noch ganz ganz Neues? Nun, Frau Stokowski greift zu einem kleinen Trick. Aus den alten weißen Männern, die ihre Kolleginnen und sie so gerne sexistisch-rassistisch und age-istisch bashen (ca. 7.000 Google-Treffer für „alte weiße Männer“), macht sie einfach „mittelalte weiße Männer“, obwohl das vorher kaum irgendjemand geschrieben hat (ca. 140 Google-Treffer). Das klingt gleich viel weniger nach Hatespeech, nach Hetze gegen Senioren etc., und außerdem relativ neu, und das ist ja schon mal was!1

Zufrieden lehnt sich Frau Stokowski zurück, und hat gleich noch einen Einfall! Sie wendet eine feministische Standardmethode an, ignoriert einfach die Realität und konstruiert eine eigene, die sie auch sofort selbst für wahr hält:

In dieser Welt sind die mittelalten weißen Männer beleidigt, weil sich nicht alles um sie dreht. Sie empfinden „alte weiße Männer“ sogar als Beleidigung, obwohl es dafür gar keinen Grund gibt, wie Frau Stokowski mit ein paar lahmen Wortspielen erläutert.

Dass Margarete Stokowski weiss, was ihre Kolleginnen Abfälliges über weiße alte Männer schreiben, räumt sie durchaus ein:

Der weiße mittelalte heterosexuelle Mann gilt, wenn man allem Bösen glaubt, das über ihn gesagt wird, als rückständig und abgehängt, als Täter, Verlierer und Sündenbock, als Evolutionshemmnis und Auslaufmodell, als einer, der seine Privilegien nicht checkt und denkt, er könne dem Lauf der Welt entkommen, wenn er Faschisten wählt.

Die alten, weißen Männer sind also mitnichten über die zutreffende Bezeichnung genervt, sondern von den rassistischen, sexistischen und ageistischen Anwürfen und von der Misandrie dahergelaufener Netzfeministinnen. Margarete Stokowski weiß das auch, aber zieht ihre Artikel-Idee weiter durch. Sie braucht das Zeilenhonorar.

Kurz wird sie sogar fast zur Männerrechtlerin — Männer hätten es auch nicht leicht, der Kapitalismus schenke auch Männern nichts — dann ist der weiße, heterosexuelle Mann doch wieder irgendwie privilegiert.
Leider ist die Wortzahl für eine Spiegel-Kolumne wohl noch nicht ganz erreicht, darum phantasiert sie noch schnell herbei, dass Männer aufgrund der Beschimpfungen durch verwirrte Netzfeministinnen vielleicht aufhören würden, Frauen in Schubladen zu stecken.

Wir dürfen davon ausgehen, dass Margarete Stokowski aufgefallen ist, wie absurd es ist, In-Schubladen-Stecken durch In-Schubladen-Stecken-und-wüst-Beschimpfen zu bekämpfen, aber mit diesen wirren Ausführungen hat sie anscheinend die fehlenden Wörter geschunden. Dann ist der selten schwache Artikel vorbei.

  1. Vielleicht findet sie auch das Wortspiel mit „Mittelalter“ unglaublich einfallsreich. Vielleicht hat sie Substanzen konsumiert. []

Abwärtsgerichteter sozialer Vergleich und der Genderfeminismus

Ich habe soeben einen interessanten Artikel auf SPON über Die Ratte in uns gelesen.

Darin geht es um psychologische Erklärungen dafür, warum Menschen andere verachten bzw. „hassen“. Auf andere Herabblicken zu können ist laut diesem Artikel eine Methode der Selbstwertsteigerung.

Das ist natürlich ein links-progressiver Artikel und das „Hassen“ ist natürlich auf die 90% Menschen gemünzt, die Links-Progressive „Nazis“ nennen.

Allerdings erklärt der Artikel für mich auch sehr gut, warum dritte-Welle-Gender-Feministinnen den „weißen heterosexuellen Mann“ zum Hassobjekt auserkoren haben und keine Gelegenheit auslassen auf ihm herumhacken.

Wenn man jemand ist, der keine wirtschaftlich relevanten Fähigkeiten besitzt, und komplett von öffentlicher Förderung abhängt, die jederzeit gestrichen werden kann, dann ist das Bedürfnis, auf irgendjemand anderen herabzublicken, natürlich groß. Aber alle Minderheiten scheiden als Opfer und Hassobjekt aus, wenn man den links-progressiven, toleranten Habitus bewahren will; sie sind sakrosankt.

Also gibt es für den Gender-Feminismus nur die Misandrie, den Männerhass als Ausweg zur Befriedigung des Bedürfnisses nach Geltung. Bei der Suche nach jemandem, auf den man „guten Gewissens“ herabblicken und den man verachten kann, bleibt niemand anderes übrig als der weiße, heterosexuelle Mann. Das starke Bedürfnis, jemanden verachten zu können führt zu der absurden Stilisierung des WHM, der natürlich mehr für Frieden, Wohlstand und Frauenrechte getan hat als irgendwer sonst, zum ultimativ bösen, zum jahrtausende-langen Unterdrücker, zur Quelle allen Übels, zum Förderer von Rape-Culture etc. pp..

Bisher konnte ich mir den Hass der Genderfeministen auf den WHM nie erklären, aber nach diesem Spiegel-Artikel ist mir alles klar.
Die Nutzlosen und Unfähigen, deren alberne Pseudo-Wissenschaft auf den Schultern weißer, heterosexueller Riesen steht, brauchen einen Feind, um diesen abwerten und daraus Selbstwert ziehen zu können. Der (alte, wütende) WHM ist der einzige Feind, den sie sich selbst erlauben können.

Der radikale Konstruktivismus

Der radikale Konstruktivismus bildet die Grundlage für Strömungen wie z.B. den Genderfeminismus, der behauptet, Geschlecht („Gender“) sei konstruiert.

Der rad. Konstruktivismus nimmt an, dass jedes Individuum sich selbst individuell an die Realität anpasst, und dass dadurch jedes Wesen einen anderen Zugang zur Realität hat, dass also die Realität für jedes Wesen anders erscheint. Darum schließt der rad. Konstruktivismus die Existenz einer (erfahrbaren) Realität aus. Folglich können auch keine Erkenntniss über die „Realität“ gewonnen werden, denn da niemand Zugang zu einer objektiven Realität hat, können Theorien über die Realität und die Realität nicht abgeglichen werden.

Allerdings gehen radikale Konstruktivisten auch davon aus, dass der radikale Konstruktivismus die beste Variante der Erkenntnistheorie darstellt, obwohl sich für diese Ansicht im radikalen Konstruktivismus kein Argument finden lässt. Denn da die Realität nicht erkennbar ist, müsste man als radikaler Konstruktivist auch jederzeit jede andere Weltsicht als gleichwertig bzw. als mögliche unabänderliche subjektive Wahrheit einer anderen Person akeptieren.

Entsprechend ist es einigermaßen lächerlich, wenn radikale Konstruktivisten andere von ihrer Weltsicht überzeugen wollen, wie z.B. von der Konstruiertheit der Geschlechterrollen. Sie müssten doch wissen, dass das nur ihre Sichtweise ist, die nicht notwendigerweise von irgendwem geteilt wird?

Der Konstruktivismus, der Gender-Feminismus, und die postfaktische Politik

Ich bin begeistert, dass in meiner Twitter-TL jemand einen Link auf ein Interview von 1981 (!) getweetet hat, in dem ein schwarzer Stanford-Wissenschaftler schon damals den sogenannten „Gender-Pay-Gap“ als Erfindung und Konstruktion zurückgewiesen hat:

(leider nur in Englisch).

In dem Interview sagt der gute Mann an der ausgewählten Stelle zum Beispiel, dass es keine Lohnlücke gibt, wenn man lückenlos voll berufstätige Frauen und Männer vergleicht, oder wenn man gleich gut ausgebildete Schwarze und Weiße vergleicht.

Das schon damals ganz erhebliche Zweifel an der Existenz einer wirklichen Lohnlücke bestanden, und zumindest Stanford-Wissenschaftler hier keine Diskriminierung sehen wollten, finde ich deswegen so interessant, weil die Legende von der Lohndiskriminierung gegenüber Minderheiten dennoch 35 weitere Jahre überlebt hat und immer noch von PolitikerInnen verbreitet wird.

Obwohl es unter Markt-Aspekten absurd wäre, würde sich eine solche Lohnlücke nicht in kürzester Zeit schließen, hält sich das Meme von der „Lohndiskriminierung“ seit 35(!!!) Jahren und findet immer wieder Menschen, die daran glauben *wollen*, trotz — wenn man nicht Äpfel mit Birnen vergleicht — fehlender statistischer Grundlage.

Anscheinend müssen wir dem Feminismus das „Verdienst“ zugestehen, durch ständige Wiederholung größtenteils herbeifantasierter und -konstruierter Behauptungen (tausende Jahre Frauenunterdrückung, 20+% Lohndiskriminierung, Patriarchat, Wissen ist subjektiv, alles ist konstruiert…) die Ära der postfaktischen Politik wenn nicht mit eingeleitet, so doch maßgeblich begünstigt zu haben.

Natürlich hat sich die Aufklärung nie wirklich ganz durchgesetzt, natürlich war die Welt auch schon vor 100 Jahren zu kompliziert, als dass sie der „normale Bürger“ hätte verstehen können, natürlich war also das „Bauchgefühl“ bei Wahlen etc. immer schon wichtiger als die Fakten; aber erst der radikale Konstruktivismus, der die Grundlage für den radikalen und Gender-Feminismus bildet, hat die Vorstellung entwickelt, es gebe gar keine Fakten bzw. diese seien für jeden Beobachter subjektiv und könnten damit durch eine Veränderung des Blickwinkels aller Beobachter geändert werden.

Dass die Politik sich immer weiter von den Fakten entfernt hat, verdanken wir meiner Meinung nach dem Einfluss der öffentlich subventionierten geisteswissenschaftlichen „Forschung“ und deren Absolventen auf Medien, Parteien und NGOs.

Denn es gibt in den Geisteswissenschaften und in den Medien keinen Pluralismus mehr; statt dessen hat sich dort ein links-progressives Milieu eingenistet, dessen Überzeugungen auf dem radikalen Konstruktivismus beruhen, und versucht nun, Politik und Gesellschaft im Stile von Stalins „Ingenieuren der Seele“ auf den Pfad der Tugend zu „nudgen“. bzw. die Theorie von der Konstruiertheit der Realität durch „Ummodellierung“ derselben in die Praxis umzusetzen.

Hinter den ganzen Sprachregelungen, die wir heute in den Medien haben, steckt die Idee, die Sprache präge die Wahrnehmung, und mit einer sprachlich „richtigen“ Darstellung der Realität könne man die Wahrnehmung und damit die Menschen und damit die Welt ändern bzw. besser machen.
Wenn man geschlechtsneutrale Wörter benutze, könne man Frauen ermutigen eher bestimmte Berufe zu ergreifen, wenn man die Herkunft von Straftätern verschleiere, könne man die Ausländerfeindlichkeit verringern, etc..
Tatsächlich aber prägen natürlich die Menschen die Sprache und modifizieren diese, wann immer das notwendig oder sinnvoll erscheint, Frauen wählen die Berufe, die ihnen gefallen, und Ausländerfeindlichkeit verringert man sicher nicht durch die Verschleierung von Tatsachen.
Die Realität kann man nicht wegreden oder schönreden, jedenfalls niemand anderem als sich selbst, und darum sind der radikale Konstruktivismus und seine Auswüchse Irrwege, die nirgendwo hin führen.

Aber mal eine andere Frage:
Wie hoch ist wohl der Anteil von CDU/CSU-Mitgliedern in der Soziologie, oder an Gender-Lehrstühlen, oder in Redaktionen, verglichen mit Mitgliedern der Grünen?
Wann hat wohl am Lehrstuhl für Gender-Forschung irgendjemand die These vertreten, das Geschlecht sei doch neurobiologisch festgelegt, und gar nicht konstruiert?

Genau das ist das Problem: Wo es eine politische Monokultur gibt, eine Monokultur der Überzeugungen, da gibt es keine wirkliche Forschung mehr, sondern nur noch die Suche nach Bestätigung dessen, was sowieso alle (zu wissen) glauben.1

Um die Monokultur der Überzeugungen in den Geisteswissenschaften und in Medien und Politik zu überwinden brauchen wir dort anderes Personal. Wir brauchen eine „Nicht-Linken-Quote“. Der „Marsch durch die Institutionen“ der 68er hat einfach zu gut funktioniert und zu wenige liberale und konservative Denker übriggelassen.

  1. Dass das so ist, kann man in fast jeder beliebigen Gender-„wissenschaftlichen“ Arbeit nachlesen, die meist mit irgendeiner Prämisse beginnen und nachher nicht mehr zeigen, als dass die Arbeit die Prämisse nicht widerlegt… []

Eine Antwort an Sascha Lobo

Du schriebst auf SPON einen Artikel, den ich kommentieren möchte.

Erstmal: Dass sich die Zukunft nicht vorhersagen lässt ist eine Erkenntnis in dem Artikel, von der ich hoffe, dass Du sie schon früher hattest. Falls nicht hoffe ich, Du hast an der Börse nicht allzuviel verloren.

Wirklich interessant finde ich Deine Anmerkung, dass die als linke Idee geborene „Gegenöffentlichkeit“ jetzt real geworden ist; leider halt auch für „die Falschen“. Wenn ich so darüber nachdenke ist es tatsächlich tragisch, dass die schöne Idee von der Völkerverständigung zu einem internationalen Spionage-, Betrugs-, Überwachungs- und Propaganda-Netzwerk geführt hat, aber so ist es halt.

Weiterhin schreibst Du:

Die Welt wendet sich von der bürgerlichen Medienwelt des 20. Jahrhunderts und ihrem journalistischen Prinzip der Mäßigung ab. Von dem Prinzip, Nachrichten als Berichterstattung zu betrachten, objektiv und ausgewogen.

Hier möchte ich Dich fragen: Gibt es das journalistische Prinzip der Mäßigung überhaupt? In den Editorials, Glossen, Meinungsartikeln der real existierenden Welt doch eher nicht, und auch nicht im Fernsehen, wo — außer vielleicht in der Phönix-Runde — die ewig gleichen Politiker in immer nur leicht unterschiedlichen Konstellationen auftreten, die schon allein deshalb in keiner Weise objektiv sind, weil sie selbst Partei und Beteiligte in der Sache sind, die sie diskutieren.
Wer hat denn unter den heute lebenden Journalisten jemals die Maxime beherzigt, dass man sich gerade mit den besten Sachen nicht gemein machen sollte?
Wer redet denn heute solange von mutmaßlichen und angeblichen Sachverhalten, bis die Ermittlungen beendet sind, wer nutzt bei der Wiedergabe von Behauptungen den Konjunktiv Präsens, wer wahrt Distanz, recherchiert nach, ist skeptisch, nimmt nicht Partei? Mir scheint: Keiner. Auch Du nicht, Sascha.

Möglicherweise ist Trump ein Rassist und Sexist. Aber wir kennen nur die Sekundärberichterstattung darüber und nicht den gesellschaftlichen Kontext, in dem Trump seine Sprüche reißt. Es scheint ja so zu sein, dass diese Sprüche für viele US-Amerikaner zumindest einen wahren Kern haben. Und wenn Trump sagt, man komme als reicher und prominenter Mann auch mit sexueller Belästigung ungestraft durch, dann ist wahrscheinlich auch das die bittere Wahrheit. Neulich hat doch dieser Grüne gesagt, alle Männer seien potenzielle Vergewaltiger. Hat er damit nicht gemeint, dass die allermeisten Männer quasi-trumpsche Gedanken in sich tragen? Also alle Sexisten sind? Und damit quasi per Geschlecht eigentlich heute nicht (mehr) tragbar sind? Auch linke Männer?

Apropos Linke:
Wer sich auf Twitter einmal mit „linken, progressiven“ Menschen auseinandergesetzt hat, der weiß, dass Hass, Drohungen, Sexismus und Beleidigungen mitnichten ein Problem sind, dass man einem bestimmten politischen Lager zuordnen könnte, sondern ein Problem von hitzköpfigen Ideologen allgemein, was auch Linksextremisten, Umwelt-Verschwörungstheoretiker, sexuell in besonderer Weise Orientierte, Atheisten, Fans irgendwelcher Personen, Gruppen oder Vereine, Tier-, Frauen-, Männerrechtler, Veganer oder Waffenfreaks sein können. Also alle, die meinen, irgendwie ausgewählt oder erleuchtet zu sein und in Folge dessen die Wahrheit gepachtet zu haben.
Der schwule linke Stalker-Pirat aus Berlin, der seinen Ex-Freund und sich selbst getötet hat, ist nur ein besonders krasses Beispiel, dass ein links-progressiver Intellekt kein Garant für sozialverträgliches Verhalten oder Triebkontrolle ist. Und unter linken Ex-Piraten in Berlin finden sich sicher noch weitere aggressive Männer, die unter der Flagge und im Schutz ihres linksprogressiven Aktivismus ihre Mitmenschen ohne Skrupel ihrem wohlmeinenden Tugend-Terror aussetzen.

Der Kampf gegen „Hatespeech“, werter Sascha, ist schon deshalb aussichtslos, weil es ein Kampf gegen die fünf bis zehn Prozent Extremisten, Dummköpfe und Gestörten in der Bevölkerung ist, die es immer gab und immer geben wird. In einem Rechtsstaat mit freie Meinungsäußerung müsste auch jeder Einzelfall von „Hatespeech“ erstmal juristisch aufgearbeitet werden, und das wird niemals möglich sein.
Oder möchtest Du gerne, dass die großen sozialen Netzwerke durch „Hausregeln“ bestimmen, was dort zulässig ist und was nicht, und dadurch die Spaltung der Gesellschaft durch eine Aufteilung auf politisch verschieden ausgerichtete soziale Netzwerke noch weiter verstärkt wird? Möchtest Du in einem Land leben, in dem das Justiz- und Familienministerium bestimmen, was im Internet erlaubt und was „Hatespeech“ ist, und möchtest Du das auch dann noch, wenn ggf. „die Falschen“ an der Macht sind?

Du solltest Dich, wie es so schön heißt, „ehrlich machen“: Hinter der ganzen verbalen Gewalt im Internet stecken nicht nur, und nicht einmal mehrheitlich, Rechte. Es gibt allgemein ein Problem mit Menschen, die von ihren Überzeugungen so überzeugt sind, dass sie die Überzeugungen anderer nicht einmal mehr tolerieren können. Die keinen Zweifel zulassen können und keine Argumente, die nicht in der Lage sind eine Antithese zu ihrer These zu ertragen und zu be-denken und folglich auch nie zu einer Synthese kommen können.

Du schreibst:

Und wir – ich auch – müssen unsere Fehler erkennen. Dringend. Wir, die publizistisch und aktivistisch gegen Rechtspopulismus und Rechtsextremismus gekämpft haben, hier in Europa. Wir müssen unsere Fehler in den kommenden Wochen, Monaten, Jahren analysieren und daraus Konsequenzen ziehen. Wo haben wir gehofft, statt zu erkennen? Wo haben wir ignoriert, statt hinzusehen? Wo haben wir geschwiegen und geduldet, statt zu sprechen und zu handeln? Wo lagen wir schlicht und ergreifend falsch?

Was habt ihr also falsch gemacht? Was hast Du falsch gemacht? Ich glaube, der Fehler liegt gerade darin, mit rechtschaffenem Zorn ständig publizistisch und aktivistisch gegen andere Weltsichten zu kämpfen. Wer ständig kämpft und statt politischen Gegnern nur noch weltanschauliche Feinde sieht, wer nicht einmal mehr den Versuch macht, die Motive der Gegenseite zu verstehen, der wird nie so etwas wie gesellschaftlichen Frieden erreichen.
Leider, Sascha, bist Du nicht Michael Moore, der nicht nur Aktivist ist, sondern sich auch für seine Gegner interessiert und mit diesen geredet hat.

Wer aus Prinzip „den Rechten“ keinen Fuß breit Raum lassen will, und dabei „rechts“ immer breiter definiert, bis es auch „rechts“ ist, nicht begeistert über Immigration zu sein, nicht an den Klimawandel zu glauben oder auch nur ein alter weißer Mann zu sein, der drängt schließlich soviele Menschen so weit in die rechte Ecke, dass dieser Kampf schließlich nicht mehr zu gewinnen ist. Man gewinnt keine Herzen und Hirne, indem man erwachsene Menschen „erziehen“ will und wie dumme Kinder behandelt, denen man alles nur besser erklären müsste, damit sie verstünden, was die klugen Intellektuellen und die Regierung sich Segensreiches ausgedacht haben. Die Leute verstehen möglicherweise tatsächlich nicht die Details politischer Konzepte, aber sie verstehen, dass Politik im Endeffekt auch für Politiker weniger Wissenschaft als Try & Error ist.
Sie verstehen auch, dass Politik, die sich nicht mehr traut etwas zu entscheiden und statt dessen Millionen von Beraterstunden bei McKinsey kauft, ebenfalls nichts mehr versteht und schwach und manipulierbar ist.

Ihr müsstet erkennen, dass Eure progressive Weltsicht und Definition von allen Formen von *ismus nur eine Sichtweise ist. Das Problem ist nicht, dass ihr geschwiegen und geduldet hättet, sondern dass ihr ständig nur geredet und gehandelt habt um Eure Agenda durchzudrücken, anstatt auch mal zuzuhören. Mal die Welt durch andere Augen zu sehen. Mal ‐ Achtung altes Wort — demütig zu sein.
Denkt doch mal an Hanlon’s Razor, „Schreibe nichts der Böswilligkeit zu, was durch Dummheit hinreichend erklärbar ist.“, und fragt Euch dann, ob es etwas bringt, wenn man Menschen, die es nicht besser wissen, als Idioten und Nazis beschimpft.
Vielleicht sollte man sich auch mal einlassen auf die anderen, so wie Casey Jaye, die Feministin, die einen feministischen Film drehen wollte und dabei erkennen musste, dass auch Männerrechtler Menschen mit berechtigten Anliegen sind.

Wie steht es übrigens mit den scheinbaren Gewissheiten, Sascha, die man sich im linksprogressiven Lager so zurechtgelegt hatte? Glauben noch alle, dass Pazifismus eine tolle Idee ist im Zeitalter von Erdogan und Putin? Dass es gar keine Probleme mit Geflüchteten gibt? Ist es eigentlich noch links gegen Freihandel zu sein, jetzt, wo Trump es auch ist? Was ist noch übrig von Eurem Weltbild, wo wollt ihr hin, und, Sascha, wie wollt ihr das Lumpenproletariat dahin mitnehmen?