Sind weniger als 50% Frauenanteil in Führungspositionen ein Beweis für mangelnde Chancengleichheit?

Feministinnen beklagen sich immer und immer wieder, Frauen hätten in Deutschland noch immer schlechtere Karrierechancen.

Daraus, dass weniger Frauen Führungspositionen besetzen (eine Tatsache), schließen sie, dass Frauen weniger Chancen haben müssten. Aber diese Schlussfolgerung ist ein Fehlschluss.

Denn: Stellen wir uns vor, beim Lotto wären 70% der Gewinner Frauen.
Müsste das bedeuten, dass Frauen beim Lotto bessere Chancen als Männer haben, oder könnte es noch eine andere Erklärung geben?
Es gibt sogar zwei mögliche Erklärungen: Erstens, Lottospieler könnten zu 70% Frauen sein. Zweitens, wir könnten diesen 70%-Anteil von Frauen als Gewinner trotz gleichverteilter Chancen irgendwann im ersten Jahr nach der Einführung des Lotto-Systems gemessen haben und es könnte einfach Zufall sein, weil eine Gleichverteilung der Gewinner bezüglich Geschlecht sich erst nach einer großen Zahl von Ziehungen einstellt.

Genau so ist es mit den Karrierechancen und den Anteilen von Frauen in Führungspositionen: Ob die Chancen von Frauen fair sind, ergibt sich nicht daraus, ob der Anteil der Frauen in hohen Positionen dem Gesamtanteil von Frauen an der Bevölkerung entspricht, sondern daraus, wie groß der Anteil von Frauen an den höchstqualifizierten Bewerbern für die Führungs-Stellen ist. Also daraus, wie viele Frauen die Führungsposition tatsächlich wollen, und noch dazu von der Qualifikation her auf Augenhöhe mit den besten MitbewerberInnen sind.

Ohne also die Grundgesamtheit der Frauen und Männer zu kennen, die in eine Position kommen wollen und dafür auch geeignet sind, kann man nicht berechnen, ob ein Anteil von 50, 60, 80 oder 100 Prozent Männern bedeutet, dass Frauen benachteiligt werden.

Darum ist die Argumentation absurd, es gäbe in Deutschland noch keine Geschlechtergerechtigkeit, weil Frauen nicht 50% aller Führungspositionen besetzen.

Und darum ist auch die Idee, es müsse eine „Gleichstellungspolitik“ gemacht werden, bis 50% der Führungspositionen von Frauen besetzt sind, vollkommen irre.
Denn das würde bedeuten, entweder hochqualifizierte Frauen in Karrierepfade zu zwingen, die sie anscheinend gar nicht wollen, oder aber unqualifizierte Frauen auf Posten zu setzen, die für sie eine Nummer zu groß sind. In beiden Fälle würde dieses Vorgehen vor allem den Frauen schaden, im letzteren Fall möglicherweise auch der Allgemeinheit.

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