Ist die Rettung seeuntüchtiger Schlepper-Boote (christlich) moralisch geboten?

Es gibt im Moment Debatten, ob die Rettung von Migranten aus Seenot im Mittelmeer richtig oder falsch sei.

Es gibt die Meinung, die Rettung sei immer moralisch geboten, denn es gehe um Menschenleben, und die Menschen würden sich aus Verzweiflung in die Hände der Schlepper begeben und seien darum nicht dafür verantwortlich zu machen, dass sie in Seenot geraten. Entsprechend hätten sie moralischen einen Anspruch auf Hilfe.

Und es gibt die Meinung, wer sich für Geld von einem Schlepper vorsätzlich in Seenot bringen lasse, habe moralisch seinen Anspruch auf Rettung verwirkt, weil sein egoistisches Ziel sei, durch die Seenot eine Passage nach Europa zu erzwingen. Und wer genug Geld für Schlepper habe, habe auch Alternativen zum Versuch, nach Europa zu gelangen, könne also nicht verzweifelt sein.

In der Bibel gibt es die Geschichte von Sankt Martin, der dem armen Mann in der Kälte die Hälfte seines Mantels gibt.
Es ist eine schöne Geschichte über Nächstenliebe und Hilfe für einen Menschen in der Not; einen Menschen, den wir uns als zufällig schlecht vorbereitet von der Kälte überrascht vorstellen.

Ist ein Sankt Martin vorstellbar, der nach ein paar Ritten durch die Kälte stets Berge von Mänteln mitführt und an Menschen verteilt, die sich absichtlich halbnackt in die Kälte gestellt haben, um von ihm einen halben Mantel zu bekommen? Die sogar noch Geld dafür bezahlen um von Geschäftemachern zu erfahren, auf welcher Route Sankt Martin das nächste Mal durch die Kälte reiten wird? Ein Sankt Martin, der sich auf diese Weise erpressen lässt? Ich denke nicht.

Ich glaube, andere dadurch zu Handlungen zu manipulieren, ja zu diesen Handlungen zu nötigen zu versuchen, dass sie eine Unterlassung dieser Handlungen als unmoralisch empfinden würden, ist selbst unmoralisch.
Auch der Gutmütigste braucht seine Gutmütigkeit nicht ausnutzen zu lassen.
Von daher ist es meiner Meinung nach zumindest nicht moralisch geboten, die Kunden nordafrikanischer Schlepper zu retten, denn das Handeln der Schlepper und auch der Kunden der Schlepper ist selbst unmoralisch.

Da man nun aber damit angefangen hat, Rettungen durchzuführen, wäre es falsch, diese jetzt plötzlich einzustellen und Menschen sterben zu lassen, um „ein Exempel zu statuieren“. Statt dessen sollte weiter gerettet werden, doch die Menschen sollten nach Afrika zurückgebracht werden. So würde das Geschäftsmodell der Schlepper ebenfalls zerstört, und das Problem ertrinkender Menschen im Mittelmeer wäre bald gelöst. Niemand würde Überfahrten kaufen, die dann nicht klappen, es würden keine Überfahrten mehr stattfinden, und folglich würde niemand mehr ertrinken.

Ein Gedanke zu „Ist die Rettung seeuntüchtiger Schlepper-Boote (christlich) moralisch geboten?

  1. Emannzer

    +1

    Ich teile diese Meinung voll und ganz. Letztendlich darf man auch nicht vergessen, dass diese s.g. „Retter“ sich letztendlich als Helfershelfer und festes Kalkül der Schlepperbanden selbst zu Schleppern machen, nur auf Kosten Europas diesmal, wenn sie Menschen kurz vor Libyen aus ihren Schlauchbooten auffischen und dann kostenfrei nach Spanien, Italien oder Griechenland karren, statt sie nach Libyen zurückzubringen (quasi dem nahestgelegenen Hafen um die Ecke).

    Das ist eine Bigotterie sondergleichen, auch wenn man sich mal überlegt, wie es anschließend weitergeht. Allein in NRW leben mittlerweile mehr ‚Flüchlinge‘ als in Italien (Quelle: Welt). Aber das ist OT und auch ein anderes Thema.

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