Diverse Teams sind besser! – Oder doch nicht? #Frauentag

Ich möchte gerne einen Beitrag zum internationalen Frauentag 2018 leisten.

Und zwar möchte ich mich damit beschäftigen, dass — laut zahlreicher Studien — „diverse“ Teams bessere Leistungen zeigen sollen als homogene Teams von, zum Beispiel, „weißen Männern“.

Feministische und „progressive“ Kreise haben diese Ergebnisse begeistert aufgenommen, liefern sie doch dem Anschein nach eine wissenschaftliche und ökonomische Rechtfertigung, warum man „Diversität“ notfalls mit der Brechstagen durchsetzen sollte.

Allerdings sollte man gerade bei den Geschichten, die man am liebsten glauben würde, am kritischsten sein:

„One must be most critical, in the best sense of that word, about what one is already inclined to believe.“ – Richard Bradley

Und ich glaube, hier haben feministische und progressive Kreise ein Defizit.

Denn was würde es bedeuten, wenn Teams tatsächlich leistungsfähiger wären, wenn sie divers sind, und wenn diese „Diversität“ tatsächlich eine Diversität von Geschlechtern und ggf. Ethnien sein müsste.

Da gibt es ja nur zwei Möglichkeiten:

Entweder, die Unterschiede wären doch nur kulturell bedingt, und man könnte also möglicherweise doch auch weiße Männer vom Denken her genau so divers machen wie alle anderen Menschen auch, was dann aber bedeuten würde, dass die Leistungsfähigkeit von Teams eigentlich doch nichts damit zu tun hätte, ob die Mitglieder alle weiße Männer sind, oder nicht.
Oder aber, die Unterschiede wären biologisch, was dann heißen würde, dass man mit den Studien die Existenz von unveränderbaren Unterschieden zwischen Frauen und Männern bzw. Weißen und Nicht-Weißen bewiesen hätte. Was im Endeffekt nicht besonders progressiv wäre, sondern eher Wasser auf die Mühlen von Rassisten, Sexisten und Maskulinisten.

Das heißt: Auch als progressiver, feministischer Mensch sollte man sich eher wünschen, dass diese Studien nicht korrekt sind.

Auch die Empirie, wenn man auf die Geschichte zurückblickt, spricht nicht unbedingt für eine mangelnde „geistige Diversität“ von weißen Männern, die doch allerhand völlig gegensätzliche Dinge erfunden haben.

Wie also kann es sein, dass soviele Studien „diverse Teams“ als überlegen sehen?

Nun, eine neue Theorie besagt, dass das daran liegen könnte, wie solche Studien aufgebaut und durchgeführt werden, unabhängig davon, ob es sich um Laborexperimente handelt oder Vergleichsstudien in echten Firmen, die es auch gegeben hat.

Was braucht man für so eine Studie? Zuerst natürlich das auch kulturell homogene, weiße, männliche Vergleichsteam. Dies wird üblicherweise durch eine Gruppe von schon vorher bekannten Leuten repräsentiert.
Und dann das „diverse“ Vergleichsteam, das eher zusammengewürfelt wird, aus Leuten, die sich aus verschiedenen Gründen weniger nahe sind.

Und nun ist die Theorie, dass hier lediglich der sogenannte Groupthink-Effekt gemessen wird, der dazu führt, dass Teams, wo sich die Leute weniger nahe sind, in der Sache härter streiten und darum bessere Ergebnisse erzielen, während Teams, die sozusagen ganz dicke miteinander sind, abstumpfen und manche Dinge gar nicht mehr wirklich ergebnisoffen angehen.

Es könnte also sein, dass Teams aus verschieden alten weißen Männern, die an verschiedenen Standorten arbeiten, oder aus anderen Gründen weniger zur Fraternisierung mit ihren Kollegen neigen, genau so gut performen würden wie „diverse“ Teams. Oder dass „diverse Teams“ nach einiger Zeit der Zusammenarbeit langsam zu einem homogen denkenden Team zusammenwachsen würden, dass entsprechend auch nicht mehr besser performt als ein homogen weiß-männliches Team.

Eigentlich kann es gar nicht anders sein, es sei denn, wie oben ausgeführt, man glaubt doch an unveränderbare, und durch das Geschlecht, die Kultur oder die Ethnie einer Person verbundene Eigenschaften, die diese Person irgendwie einem weißen Mann bezüglich geistiger Leistungsfähigkeit oder -beweglichkeit überlegen machen. Was nicht besonders progressiv wäre.

Statt eine äußere Team-Diversität zu fördern, sollten also Firmen meiner Meinung nach besser ihre Mitarbeiter in ihren Projekten rotieren lassen und ähnliche Maßnahmen zur „geistigen Diversifizierung“ ergreifen, anstatt im guten Glauben daran, äußerlich diverse Mitarbeiter müssten *irgendwie* auch geistig divers-bunt sein und vor allem auch bleiben, wie Claudia Nemat in dümmliches weiße-Männer-Bashing zu verfallen.

Denn ich bin sicher, es wird sich früher oder später herausstellen, dass der Diversität-steigert-die-Produktivität-Glaube ein Hype ist, der nur deswegen so erfolgreich sein kann, weil erstens viele Menschen daran glauben wollen und zweitens bisher niemand überprüft hat, ob nicht doch nur der Groupthink-Effekt als Erklärung für den wundersamen Erfolg diverser Teams verantwortlich zeichnet.

Ein Gedanke zu „Diverse Teams sind besser! – Oder doch nicht? #Frauentag

  1. Alice

    Natürlich ist es einerseits nicht richtig, wenn man das Verhalten an den Tag legt, das Psychologen als Ingroup/Outgroup-Verhalten bezeichnen. Es ist nicht gut, allzu sehr zwischen wir“ und die da“ zu unterscheiden. Es ist nicht in Ordnung, andere Menschen aufgrund ihrer Nationalität, Religion, Kultur, Hautfarbe usw. zu hassen oder auszugrenzen. Andererseits aber ist es völlig in Ordnung, so viel Realitätssinn zu haben, die Umgestaltung der eigenen Gesellschaft in eine bunte“ Gesellschaft abzulehnen. Denn man kennt die Menschen, sie werden weiterhin ihr Ingroup/Outgroup-Verhalten ausleben, also zwischen wir“ und die da“ unterscheiden. Dieses Verhalten ist im Prinzip eine Anpassung, denn bereits in prähistorischen Zeiten waren Menschen anderer Stämme oft Todfeinde. Es ist also vermutlich tief im Menschen verwurzelt, und er wird es so einfach nicht ablegen können. Das gilt besonders für Menschen aus Kulturen, in denen das eigene Verhalten nicht so kritisch hinterfragt wird wie bei uns, und in denen eher nicht Humanismus und Pazifismus zuhause sind. Ein Blick nach Schweden zeigt erschreckend gut, dass man ethnisch homogene Gesellschaften besser ethnisch homogen lässt, denn realistischerweise lässt sich dadurch eher Frieden, Wohlstand und gesellschaftlicher Zusammenhalt erreichen bzw. aufrechterhalten.

Kommentare sind geschlossen.