Archiv für den Monat: Oktober 2017

#MeToo, der Weinstein-Skandal, und Margarete S.

Berufsfeministin Margarete S. hat wieder einen Artikel im Spiegel platzieren können, den ich hier mal nicht verlinken will, der aber „Es könnte etwas lauter werden“ heißt.

Darin beklagt sie sich über den Umgang der Menschen mit dem sogenannten „Weinstein“-Skandal, nach dem Hollywood-Produzenten Weinstein, der beschuldigt wird, Frauen sexuell belästigt und vergewaltigt zu haben.

Dann kommt wieder der übliche Sermon, diese sexuelle Gewalt einzelner Psychopathen sei „strukturell“. Was aber Unsinn ist. Denn schuld an diesen Übergriffen, so sie denn stattgefunden haben, ist primär erstmal Harvey Weinstein, keine „Struktur“.

Polizei und Justiz hätten ermittelt, hätte (auch nur) ein Opfer von Weinstein Anzeige erstattet. Ganz unabhängig von der Machtposition von Harvey Weinstein oder der scheinbaren Ohnmachtsposition eines namenlosen Opfers. In den USA werden Staatsanwälte gewählt. Nichts wäre besser für eine Wiederwahl als jemanden wie Harvey Weinstein in den Knast zu bringen!

Auch journalistisch gibt es offensichtlich genug Unterstützung für tatsächliche oder auch nur vermeintliche Opfer von sexueller Gewalt. Was über Jörg Kachelmann geschrieben wurde und was der Rolling Stone über „Jackie“ geschrieben hat beweist, dass die Medien in Deutschland und den USA „strukturell“ bei Beschuldigungen bezüglich sexueller Belästigung oder Vergewaltigung zum Großteil weit auf Seiten der beschuldigenden Frauen stehen.
Es gibt keine irgendwie geartete strukturelle Unterstützung für sexuelle Gewalt gegen Frauen, sondern im Gegenteil jede Menge Struktur dagegen. In den USA sorgen diese Strukturen sogar dafür, dass persönlichkeitsgestörte Falschbeschuldigerinnen einen Uni-Abschluss durch das Herumschleppen einer Matratze erlangen können; es scheint also so, dass man in den USA kaum Angst davor haben muss, einen Mann der sexuellen Belästigung zu bezichtigen, sondern im Gegenteil damit rechnen kann, dafür sogar dann belohnt zu werden, wenn man jemanden falsch beschuldigt.
Und es gibt Frauenhäuser und immer wieder Kampagnen gegen sexuelle Belästigung und Gewalt; also jede Menge „Struktur“ gegen Gewalt gegen Frauen.

Dass nichts gegen Weinstein getan wurde liegt also dem Anschein nach nicht an irgendwelchen feindlichen Strukturen, sondern einzig und allein am Verhalten von Weinstein und seinen Opfern, die er anscheinend so überrumpelt und eingeschüchtert hat, dass sie sich nachher nicht in der Lage fühlten, die Übergriffe anzuzeigen.
Das wäre dann die Theorie von hunderten Schauspielerinnen als hilflosen Opfern, dem allmächtigen Harvey Weinstein hilflos ausgeliefert, als wären sie illegale Haushaltshilfen die riskieren würden abgeschoben zu werden, wenn sie mit der Polizei sprechen.
Ich weigere mich aber, an diese Theorie der vollkommen hilflosen Opfer zu glauben. Denn zumindest die, die berühmt geworden sind, die reich geworden sind, die persönlich mit dem Präsidenten gesprochen haben, die auf den Presseball des weißen Hauses eingeladen worden sind, die sogar dem Auditor ihrer Psychosekte von der Belästigung erzählt haben müssten, die die Privatnummer des Bezirksstaatsanwalts hatten, die hätten doch etwas sagen können und sogar müssen, schon aus der Verantwortung heraus, ihre Geschlechtsgenossinnen zu schützen und weitere Übergriffe zu verhindern.

Ausgerechnet Courtney Love hat bereits 2005 vor Weinstein gewarnt und den daraufhin erfolgenden Rausschmiss aus einer wichtigen Künstlerkartei hingenommen, und beweist damit, dass es natürlich möglich war über Weinsteins Taten zu reden und vor ihm zu warnen. Fakt ist, dass anscheinend die meisten anderen Frauen nicht die Courage hatten, persönliche Nachteile in Kauf zu nehmen, um andere Frauen vor erheblichem Leid zu bewahren. Darüber müssten wir reden. Statt dessen wollen die Netzfeministinnen „die Männer“ dafür verantwortlich machen, dass quasi alle Opfer von Weinstein geschwiegen haben als wären sie Mitglieder der Mafia.

Männer sollen sich — so der Netzfeminismus — nicht nur jeweils individuell richtig verhalten („I’m starting with the man in the mirror“, gelle?), sie sollen auch ihre Geschlechtgenossen kontrollieren. Denn die Frauen hat man ja pauschal von jeglicher Pflicht freigesprochen, einen Beitrag zur Verhinderung von Belästigung zu leisten, denn von (potenziellen) Opfern kann man das ja nicht verlangen. Die Männer sollen es deshalb bitte für die Frauen richten. Ja, soweit ist der Netzfeminismus heute gekommen: Er appelliert an die — aus feministischer Sicht — potenziellen Täter, sich doch bitte selbst gegenseitig zu kontrollieren, zum Schutz der Frauen. Wie absurd ist das bitte? Geht’s noch?
Wenn man Frauen auf diese Weise quasi die Befähigung abspricht, für ihre eigenen Rechte einzustehen, wenn man ihnen nicht mehr zutrauen kann, Übergriffe zu melden und anzuklagen, wie unterscheidet sich diese Sicht auf Frauen dann noch von der orthodoxen islamischen Sichtweise, nach der Frauen immer von männlichen Familienmitgliedern begleitet werden müssen, weil sie sonst „schutzlos“ sind?

Wie sollte es im übrigen funktionieren, dass Männer kontrollieren, ob andere Männer Frauen belästigen? Will man ein Vier-Augen-Prinzip einführen, nach dem Männer immer zu zweit sein müssen, wenn sie mit einer Frau reden? Wollen Frauen, dass bei jedem Flirt ständig Männer auftauchen und nachfragen, ob der Flirtpartner ggf. gerade etwas Übergriffiges gesagt hat? Oder wollen wir jetzt Body-Cams für alle Männer (oder Frauen) einführen?

Das ist doch vollkommen bescheuert und wäre das Ende jeglicher Erotik, Leidenschaft und Intimität. Von daher kann man von „den Männern“ auch nicht mehr verlangen, als dass jeder selbst Verantwortung für sein eigenes Handeln übernimmt und sich Mühe gibt, sich gegenüber Frauen korrekt zu verhalten.
Und natürlich sollte man sich als Zeuge zur Verfügung stellen, wenn man sexuelle Belästigung beobachtet hat. Aber die Entscheidung, was Belästigung ist und was nicht, sollten zuerst die Opfer treffen, und dann ggf. die Justiz, aber keine wohlmeinenden und von niemandem bestellten Aufpasser-Männer.

Entsprechend kann es kein Vorgehen gegen sexueller Belästigung geben, wenn nicht die belästigten Frauen anfangen sich zu wehren und Anzeigen zu erstatten. Denn wenn man Frauen nicht absprechen will, entscheidungsfähige und eigenverantwortliche Wesen zu sein, dann kann ihnen niemand das Recht und auch die Verpflichtung absprechen, Grenzüberschreitungen selbst festzustellen und die Initiative zu ergreifen dagegen vorzugehen.
Denn ein paternalistisches System, dass Frauen sozusagen von fremden Männern beaufsichtigen lässt, zum sie zu beschützen, und dass darauf setzt, dass andere Frauen und Männer nötigenfalls bevormundend an Stelle der eigentlich Betroffenen Anzeigen erstatten, ist sicher vieles, aber nicht feministisch.

Wenn es eine „Struktur“ gibt, die sexuelle Belästigung begünstigt, dann ist es die Kultur des Nichts-Sagens, des Erduldens, des Schweigens der Frauen, die Opfer geworden sind. Das klingt vielleicht blöd, ist aber so.

Das ist auch das Problem bei der „#MeToo“-Kampagne: Sie hilft überhaupt nicht weiter. Denn es stimmt nicht, dass das Thema sexuelle Belästigung niemanden interessiert. Und selbst wenn es so wäre, würde sich auch durch ganz viel „Awareness“ nichts ändern. Nicht, solange betroffene Frauen ihre negativen Erfahrungen lieber in den sozialen Medien beklagen als sie bei Stellen zu Protokoll zu geben, die wirklich helfen könnten.

Die FDP muss die Jamaika-Koalition scheitern lassen

Bei den Verhandlungen zur Jamaika-Koalition ist die CDU in einer komfortablen Lage: Seit Angela Merkel dort das sagen hat, ist sie nur noch eine amorphe Masse ohne besondere Eigenschaften oder politische Prinzipien. Die merkel’sche Taktik, gegnerische politische Positionen zu übernehmen und nötigenfalls auch scheinbar eherne Prinzipien im Hau-Ruck-Verfahren über Bord zu werfen, hat der CDU jegliches Profil geraubt; auch deshalb, weil innerparteilich niemand Merkel bei ihren Husarenstücken in Sachen einsame Kanzlerinnen-Entscheidungen entgegengetreten ist.
In diesem Zustand passt die Union natürlich optimal zwischen Grüne und FDP und CSU. Die CSU steht nun unter einem hohen Druck, ihre Positionen zu verteidigen, ebenso aber auch die Grünen und die FDP.
Gerade die FDP aber muss aufpassen, gerade gewonnenes politisches Kapital nicht gleich wieder in Hypotheken zu verwandeln. Das Umfaller-Image, dass „Sich-über-den-Tisch-ziehen-lassen“-Image darf nicht zurückkehren!
Darum muss die FDP jetzt aufpassen, sich nicht in taktischem Klein-Klein zu verlieren, wie Westerwelle 2009. Man darf nicht wie ein Unternehmen, das nur auf Quartalszahlen schaut, die langfristig negativen Folgen außer Acht lassen, die kurzfristig lohnende Entscheidungen haben können.
Optimal wäre es daher meiner Meinung nach für die FDP, die Jamaika-Koalitionsverhandlungen scheitern zu lassen, oder die Koalition noch vor ihrem Ende aufzukündigen.
Das wäre ein optimales Signal von Selbständigkeit. Das dumme Gewäsch davon, man müsse doch koalieren, aus Verantwortung für die Funktion des Staatswesens, zu koalieren sei quasi alternativlos, nimmt niemand irgendeiner Partei ab. Denn jeder weiß, dass auch hier wieder Neuwahlen als Alternative durchaus möglich sind und für eindeutigere Verhältnisse sorgen können. Und eine Partei, die von sich überzeugt ist, sollte Neuwahlen stets als Chance begreifen, sich zu verbessern, und nicht also Risiko, abzurutschen.
Es wäre daher ein Signal von Stärke, es auf Neuwahlen ankommen zu lassen.
Ich hoffe, die FDP macht diesmal wenigstens ein paar Dinge beim Koalitionspoker richtig und setzt sich entweder in vielen entscheidenden Punkten durch, zum Beispiel beim Netzwerkdurchsetzungsgesetz, bei der Vorratsdatenspeicherung, bei Regelungen zur Steuerung und Reduzierung von Zuwanderung, oder verzichtet jetzt auf eine Regierungsbeteiligung und geht in die Opposition und/oder lässt es auf Neuwahlen ankommen.

Reden, die niemand hält: Öffentlich-rechtlicher Rundfunk

Aus meiner neuen Serie „Reden, die niemand hält“:

„Sehr geehrte Damen und Herren!

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hat seit der Gründung der Bundesrepublik der Bevölkerung gute Dienste geleistet und seine Aufgabe der Grundversorgung der Bevölkerung mit Informationen erfüllt.
Dabei hat er, durch die verschiedenen Rundfunkanstalten der ARD, zumeist ein politisch ausgewogenes Angebot offeriert.
Doch heute gibt es die neuen Medien. Verlage, Zeitungen, private Fernsehsender bieten ein ebenso breit aufgestelltes, wenn nicht sogar von der Meinungsvielfalt diverseres Informationsangebot im Internet, textuell und auch als Video oder Live-Stream. Jeder Bürger kann heute die Massen per Youtube oder über andere Dienste erreichen. Nur der Staat behindert das bisher mit der Verpflichtung, dafür eine Rundfunklizenz zu beantragen und einen Jugendschutzbeauftragten zu benennen.
Tatsächlich ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk heute nicht mehr derart nötig, wie noch vor 30 Jahren; jedenfalls gibt es heute keinen Grund, darum der ÖR ständig weiter wächst und sein Angebot ausbaut, obwohl er sich darauf beschränken sollte dort das bestehende Angebot zu ergänzen, wo aus kommerziellen Erwägungen von Privaten nichts kommt. Der Kinderkanal, Phoenix, arte, 3Sat, der Deutschlandfunk, das sind möglicherweise Sender, die eine Existenzberechtigung haben, weil sie Qualitätsfernsehen bieten dass an anderer Stelle nicht zu finanzieren wäre.
Aber der Zwangsgebührenzahler sollte weder für Sportveranstaltungen zahlen, wo gedopte Hochleistungssportler, die nach Ende ihrer Karriere körperlich am Ende sind, sich „zur Mehrung des Ruhmes ihrer Vaterländer“ selbst kaputt machen, noch sollte er seichte Unterhaltung finanzieren.
ARD und ZDF, meine Damen und Herren, brauchen wir heute nicht mehr, jedenfalls nicht beide. Und wir brauchen auch keine zig dritten Programme mit weiteren Regionalfenstern. Behalten wir doch die Regionalfenster, aber legen einige der dritten Programme zusammen!
Wenn ich beim zappen „Rosamunde Pilcher“ sehe und daran denke, dass die Gebührenzahler diese seichte Unterhaltung finanzieren müssen, weil irgendein Frühstücksdirektor beim zwangsfinanzierten Fernsehen das so beschlossen hat, weil das angeblich der Grundversorgung der Bevölkerung dient ‐ dann regt mich das durchaus auf!
Solche Dinge könnten sie auch bei RTL sehen; wenn es jemand sehen will, senden die Privatsender sowas, so wie sie auch Sendungen mit volkstümlicher Musik ins Programm nehmen, wenn die Quoten stimmen. Warum sollen die Gebührenzahler für immer mehr Sender zahlen, die zum Großteil niemand sieht? Wollen wir immer mehr Menschen im Apparat der öffentlich-rechtlichen Medien beschäftigen und die Staatsquote immer weiter erhöhen, um, wie mir scheint, mit immer höherem Aufwand gegen das wachsende Angebot anderer Medien anzukämpfen? Nur um die Bedeutung des ÖR quasi ins 21te Jahrhundert zu retten, in dem man mit immer höherem Aufwand versucht eine Mindest-Einschaltquote für den ÖR zu halten?!
Das, meine Damen und Herren, nämlich die eigene Bedeutung zu sichern, zum Beispiel durch teure Sportübertragungen, und auszubauen, zum Beispiel durch immer neue Angebote, auch im Internet, ist nicht die Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Rundfunks! Die Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Rundfunks kann allein sein, das bestehende Angebot dort zu ergänzen, wo es nötig erscheint, mehr gibt auch die rechtliche Situation nicht her.

Darum brauchen wir eine Trendwende. Eine Konsolidierung der Sender auf das heute Notwendige. Ein Streichen aller Inhalte, die Private in ähnlicher Qualität bieten, gerade bei fragwürdigen Sportübertragungen. Und eine Reduzierung der Kosten.
Hand auf’s Herz: Wer bietet die besseren, unabhängigeren, vielfältigeren Informationen? Der öffentlich-rechtliche Rundfunk, oder das Internet? Und warum kostet der ÖR pro Monat fast 18 Euro, und eine Internet-Flatrate bekommt man schon für die Hälfte?
Der Unterschied zwischen Anspruch und Wirklichkeit beim öffentlich rechtlichen Rundfunk und die hohen Kosten dafür lassen sich den Menschen zunehmen nicht mehr vermitteln. Wir als Politiker müssen das ansprechen. Wir dürfen nicht den Eindruck erwecken, dass zwischen Politik und öffentlich-rechtlichem Rundfunk eine Vetternwirtschaft existiert, mit einer wechselseitigen Abhängigkeit, die dazu führt, dass die Politik dem ÖR immer mehr Geld in den Rachen wirft.
Packen wir das Thema endlich an. Sorgen wir dafür, dass sich der ÖR auf Themen konzentriert, die private Anbieter weniger gut abdecken. Beenden wir den eitlen Kampf des ÖR dafür, die eigene Bedeutung zu erhalten in einer Welt, wo der deutsche öffentlich-rechtliche Rundfunk zwangsläufig immer unbedeutender wird, in einer sich ständig erweiternden Medienlandschaft wo heute Gott-sei-Dank auch jeder beliebige Bürger ein Youtube-Star sein kann. Und senken wir die Belastung der Menschen durch einen Zwangsbeitrag, dessen Sinn immer weniger Menschen verstehen.

Vielen Dank.“

Reden, die niemand hält: Mietkosten in Unistädten

Ich möchte eine Serie von Artikeln beginnen die „Reden, die niemand hält“ heißt. Dabei geht es um Reden, die ich gerne mal von Politikern hören würde, einfach nur so, weil ich finde, dass bestimmte Stimmen und Aspekte in der politischen Debatte fehlen.

„Sehr geehrte Damen und Herren!

Seit Jahren wird über steigende Mietkosten geklagt. Die Menschen zieht es in die Städte, und die Städte werden immer größer.
Wo immer mehr Menschen wohnen, steigen Umweltverschmutzung, Verkehr, und Mietkosten. Weitere Verdichtung der Bebauung und Ausweisen von immer neuem Bauland ist teilwese weder sinnvoll, noch möglich, oder würde die Lebensqualität weiter verringern.
Auf dem Land, in der Peripherie, gibt es vielleicht geringere Baukosten, aber keine Arbeit. Digitalisierung und Möglichkeiten zur „Telepräsenz“ zum Trotz.
Was auf dem Land fehlt, sind Arbeit, aber auch Arbeitskräfte. Wer eröffnet eine Firma dort, wo er keine Arbeitskräfte finden wird? Es ist ein Teufelskreis der dazu führt, dass nur die Städte immer weiter wachsen.
Aber es gäbe einen Ausweg. Gründen wir doch einfach wieder mehr Universitäten! Es ist doch lächerlich, dass wir von der Wissensgesellschaft sprechen, immer mehr Menschen studieren, die Städte immer größer werden, die Mieten immer stärker steigen, aber niemand auf die Idee kommt weitere Städte mit Universitäten auszustatten.
Wo eine Universität steht, dort siedeln sich Studenten und auch Firmen an. Dort wachsen die Städte. Entlasten wir die bestehenden Universitäten und bauen Unis in Miltenberg oder Schönewalde. Sparen wir Geld für den Ausbau der Universitäten, indem wir dort bauen, wo Bauland noch günstig ist. Lassen wir die Studenten Geld sparen für Wohnungen, lassen wir neue Städte entstehen, neue Firmen und Industrien!

Unsere bisherige Politik, die großen Universitäten immer noch größer werden zu lassen und über den Mangel an bezahlbarem Wohnraum zu jammern ist erkennbar gescheitert. Hören wir auf uns etwas vorzumachen und tun wir das naheliegende: Neue Universitäten gründen. Was Fürsten getan und gekonnt haben, um ihr Land zu fördern, können wir auch heute und sollten es machen. Das wird viel Geld kosten, aber es wird sich lohnen.
Vielen Dank.“

#notheidisgirls oder wie der Netzfeminismus jungen Frauen die Fähigkeit zu selbstbestimmtem Handeln abspricht

Angesichts der drohenden neuen Staffel von Germany’s Next Topmodel wittert der Netzfeminismus wieder ein Chance, sich wichtig zu machen zum Kampf gegen die angebliche Reduzierung von Frauen auf Schönheit etc. zu blasen.

Was die Netzfeministinnen aber mal wieder vollkommen übersehen ist, dass die Teilnehmerinnen bei GNTM dort freiwillig mitmachen.

Wenn man Frauen ernst nimmt, dann muss man ihnen auch die Eigenverantwortung und Selbstbestimmung (englisch „agency“) zusprechen, die Entscheidung zu treffen, an einer Casting-Show wie GNTM teilzunehmen.

Und das tut der Netzfeminismus nicht. Statt dessen stellt er die Teilnehmerinnen als dumme Hascherl, manipulierte Agentinnen des Patriarchats, blauäugige oberflächliche Beauty-Idiotinnen und Fashion-Victims hin. Das ist kein „Empowerment“, dass ist das Gegenteil, nämlich Frauen die Urteilsfähigkeit und Selbstbestimmung abzusprechen und sie zu hilflosen Objekten gesellschaftlich-medialer Beinflussung zu erklären.1

Feministinnen sollten junge Frauen gefälligst als handelnde Personen ernst nehmen, die aus eigenem Antrieb heraus selbstbestimmt abgewogene Entscheidungen treffen (können), anstatt vorzuleben, wie man Frauen als zu jung, zu dumm, oder als zu Eigenverantwortung nicht fähige Wesen hinstellt.

Keiner heutigen Teilnehmerin von GNTM mit IQ über Raumtemperatur kann nach gefühlten 20 Staffeln entgangen sein, dass es bei GNTM vor allem darum geht, Rasierer, Uhren und Kleinwagen im Rahmen einer Art Reality-Show zu vermarkten, und dass der Job eines Models vor allem darin besteht, Designern und Fotografen zu gefallen und Mode gut aussehen zu lassen.
Vorauszusetzen, dass die Teilnehmerinnen nicht begreifen können, worauf sie sich einlassen, bedeutet, sich über sie zu stellen und sie nicht ernst zu nehmen, weil man sich selbst für intellektuell überlegen hält.

Sicher, es gibt in jeder Staffel „Zählkandidatinnen“, deren Chancen auf den Sieg eher gering sind und die anscheinend aus dramaturgischen bzw. Diversity-Gründen noch ein paar Folgen mitgeschleppt werden nachdem sich schon abzeichnet, dass sie nie gewinnen könnten. Aber werden diese Kandidatinnen, an die sich nach einem Jahr manchmal bereits niemand mehr erinnert, jetzt ausgenutzt, oder nutzen sie möglicherweise GNTM als Sprungbrett in eine Karriere als C-Promi?
Menderez aus DSDS lebt gerüchteweise ganz gut von seinem Job als Vorzeige-Totalausfall der deutschen Musikcastingshow Nummer eins. Ist er ein Idiot weil er es geschafft hat, aus fehlendem Talent und absoluter Schmerzfreiheit bezüglich öffentlicher Selbst-Demütigung Kapital zu schlagen? Oder sind diejenigen die Idioten, die ihn für einen Idioten halten, der nur vom Fernsehen vorgeführt wird?

Die Welt ist nicht schwarz und weiß, wie der Netzfeminismus sich das vorstellt bzw. uns glauben machen will, dass sie wäre. Manche Kandidatinnen bei GNTM mögen naive kleine Mädchen sein, die vom Fernsehen verarscht werden, manche sind sicher höchst reflektierte Unternehmerinnen in eigener Sache, die die Chancen nutzen, die GNTM möglicherweise auch bietet; und wenn es nur die Möglichkeit ist, tausende Instagramm-Follower zu bekommen.

  1. Das Problem hier ist vor allem, dass Netzfeministinnen in dem festen Glauben leben, wenn nur alle Frauen intelligent und feministisch aufgeklärt wären, würden sie so denken (müssen!) wie Netzfeministinnen. Also müssen alle Frauen, die nicht so denken wie die Netzfeministinnen entweder dumm oder durch patriarchale Indoktrination verblendet sein. []

Kampf um die Deutungshoheit bzgl. des Wahlergebnisses der BTW2017

In der aktuellen medialen Debatte wird oft davon ausgegangen, dass die Unzufriedenheit mit der Bewältigung der Flüchtlingskrise durch die Bundesregierung dazu geführt habe, dass weniger Leute CDU/CSU/SPD gewählt haben und mehr AfD.

Allerdings wir dann von Grünen und manchen anderen Linken eingewandt, es sei doch auch die CSU zurückgefallen, trotz deren Harte-Kante-Rhetorik.

Ich denke allerdings, das ist genau der Punkt: Die CSU hat nur Rhetorik gebracht, aber nichts getan. Weder die angedrohten juristischen Schritte unternommen, noch die Koalition aufgekündigt, immer nur geredet.
Die Wähler sind aber nicht so dumm sich mit schönen Worten dauerhaft hinhalten zu lassen, wie Grüne und Linke und SPD anscheinend annehmen.
Dabei ist schon die DDR daran gescheitert, dass schöne Worte, große Pläne und hehre Ideale die Menschen nicht sonderlich beeindrucken.

Und die Linken tun sich meiner Meinung nach jetzt keinen besonders großen Gefallen damit, dass sie so tun, als wäre die Merkel’sche Flüchtlingspolitik doch vollkommen richtig gewesen, mit dem Argument, dass auch die CSU verloren hat. Das sieht nach Ignoranz gegenüber dem Wählerwillen aus und wird die Ergebnisse linker Parteien bei den nächsten Wahlen nicht unbedingt verbessern.

Die Wahl in Niedersachsen wird interessant. Dort würde ich mit einem ähnlichen Ergebnis wie bei der Bundestagswahl rechnen, aber mit geringeren Gewinnen für die Grünen, die möglicherweise dafür abgestraft werden könnten weiterhin „Verständnis“ und Aufnahmebereitschaft auch für Wirtschaftsflüchtlinge zu kommunizieren.