Margarete Stokowski beweist den Gender Pay Gap (oder so)

Die unglaubliche Frau Stokowski hat mal wieder einen Artikel bei Spiegel Online platzieren können, wo man anscheinend weiterhin hofft, mit Mimimi-Feminismus junge Leserinnen an sich binden zu können.

Ich denke allerdings, man unterschätzt bei Spiegel Online die Damenwelt ein wenig, denn warum sollten intelligente junge Frauen den oberflächlichen vulgärfeministischen Quatsch lesen und dann auch noch mögen, den Frau Stokowski schreibt? Diese oberflächlichen Polemiken, die immer eher mäßig recherchiert sind, stets an den Fakten vorbei gehen, aber dafür stramm am gender-feministischen Dogma ausgerichtet?

Diesmal behauptet Frau Stokowski, alle Argumente gegen die Existenz des „Gender Pay Gap“ seien schwach, und versucht diese quasi zu entkräften und die Existenz des Gender Pay Gap zu „beweisen“.

Schwach sind aber vor allem ihre Gegen-Gegen-Argumente; Beweise für die Existenz des Gaps bleibt sie schuldig.

Wenn sie zum Beispiel den bereinigten Gender Pay Gap „zu Diamant gepresste[n] reine[n] Sexismus“ nennt, offenbart sie damit, dass sie nicht verstanden hat1, dass die 2-7% bereinigter Gender Pay Gap NICHT notwendigerweise durch Sexismus bedingt sind. Der bereinigte Gender Pay Gap ist vielmehr die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen, in Bezug auf welche man NICHT weiß, wodurch diese bedingt wird.
Das könnte Zufall sein, oder eine höhere Bereitschaft von Männern, für höheren Lohn den Job zu wechseln. Für ca. 14-19% des unbereinigten Gender-Pay-Gap von 21% kennt man die Einfluss-Faktoren bereits und weiß also, dass für diese Sexismus NICHT der Grund ist.

Nur für in der Wolle gefärbte Feministinnen wie Frau Stokowski, die überall Sexismus sehen *wollen*, und die sich auf falsche Umkehrschlüsse spezialisiert haben, ist die einzige mögliche Erklärung für die bisher nicht erklärbaren übrigen 2-7% Sexismus.

Natürlich hat Frau Stokowski gute Gründe so zu tun, als wären mindestens 2-7% des Gender-Pay-Gap, vielleicht aber auch indirekt die ganzen 21%, durch Sexismus bedingt.
Denn wenn sich die Nicht-Existenz einer Lohnbenachteiligung von Frauen herausstellen sollte, und gar die Nicht-Existenz eines Patriarchats (das alle Frauen unterdrückt und Kolumnistinnen wie Frau Stokowski nur als Schoßhündchen hält, quasi als Pseudo-Opposition oder Opium für das Weibsvolk), dann würde am Ende niemand mehr Geld zahlen für feministische Aufrege-Artikel über die herbeiphantasierte Unterdrückung und Benachteiligung der Frau. Und Frau Stokowski müsste Flaschen sammeln.

Schlimmer noch als das schwache Argument für den Gender-Pay-Gap im ersten Absatz ist das im Zweiten.
Dort behauptet sie:

Pflege-, Erziehungs- oder Serviceberufe zum Beispiel sind unter anderem deswegen schlecht bezahlt, weil von Frauen ausgeführte Arbeit als weniger wert angesehen wird

Wenn das nicht reiner Sexismus ist?
Wer genau sieht angeblich von Frauen ausgeführte Arbeit als weniger Wert an? „Die Gesellschaft“?!? Und wenn das so sein sollte… besteht die nicht zu mehr als der Hälfte aus Frauen? Gibt es für diese These irgendwelche Belege?

Ich denke, den allermeisten Menschen ist es egal, ob eine Arbeit von einem Mann, einer Frau oder einem Roboter ausgeführt wird, wenn sie nur gut gemacht wird. Ob der Klempner oder Anstreicher oder der Koch oder der Taxifahrer, die Lehrerin, Polizistin, Möbelpackerin oder Installateurin eine Frau ist, ist mir jedenfalls vollkommen wumpe.
Die groteske Idee, die Arbeit von Frauen werde als weniger wertvoll angesehen weil sie eine Frau gemacht hat kann nur haben, wer schon mit dem Dogma, das müsse so sein im Hinterkopf anfängt nachzudenken.

Und dann noch zum dritten Abschnitt (die letzten beiden noch zu behandeln habe ich keine Lust):

Mythos 3: Wir haben eine Kanzlerin, Girls, ihr könnt alles werden, und wenn ihr es nicht werdet, dann selber schuld. – Falsch. Erfolgreiche Frauen in obersten Positionen können Vorbotinnen eines Machtwandels sein, aber sie sind nicht notwendigerweise der Beleg für seinen Abschluss. Warum sollte das so sein? Ist Rassismus in den USA weg, weil Obama Präsident war?

Was Frau Stokowski wohl sagen will ist, es sei ein Mythos, dass Frauen alles werden können was sie wollen. Dass Frau Merkel Kanzlerin ist beweise — zusammengefasst — nicht, dass Frauen in Deutschland alles werden könnten.
Soweit so gut, Frau Stokowski. Natürlich beweist die Tatsache, dass Frau Merkel Kanzlerin ist gar nichts, aber unter uns: Sie, geehrte Frau Stokowski, müssten Ihre gewagte These beweisen, Frauen könnten in Deutschland nicht alles werden. Sie müssten aufzeigen, in welchen Berufen Frauen aufgrund von Sexismus (und nicht aus anderen Gründen) in Deutschland nicht reüssieren. Natürlich können Frauen in Deutschland von Gesetzes wegen alles werden was sie wollen, außer möglicherweise Kampfschwimmerin oder Bademeister in einem Hammam. Sie behaupten das Gegenteil, darum liegt die Beweislast bei Ihnen.

  1. oder nicht verstehen kann oder will []