Frauen und Kleidungs-Privilegien

Feministische Frauen beschweren sich oft, sie würden aufgrund „weiblicher“ Kleidung nicht ernst genommen oder seien sexuellen Avancen ausgesetzt. Das mag sein und ist sicher auch unangenehm.

Allerdings muss man hier berücksichtigen dass feministische Frauen sich schon durch Gesten wie „Tür Aufhalten“ eher negativ beeinträchtigt als „positiv als Frau wahrgenommen“ fühlen. Wenn wir uns „ehrlich machen“ muss die Wahl der Kleidung auf jeden Fall irgendeinen Effekt haben, die Frage ist aber natürlich, ob weibliche Kleidung unerwünschte Handlungen der Umwelt auslösen sollte.

Der Effekt, dass „Kleider Leute machen“ ist geschlechterübergreifend. Ingenieure tragen Hemden, Manager tragen Anzug und Krawatte. Ärzte tragen weiße Kittel, Polizisten Uniform. Dominas tragen hohe Stiefel, und Prostituierte kurze Röcke. Das sind eben die gängigen Stereotypen die üblicherweise auch einen wahren Kern haben.

Durch den Feminismus hat sich die Art und Weise, wie Frauen sich kleiden, geändert. Heute tragen die meisten Frauen Hosen, während das in den 1950ern noch undenkbar war. Entsprechend ist es paradoxerweise heute so, dass typisch weibliche Kleidungsstücke keine typische Frauenkleidung mehr sind, weil Frauen heute typischerweise ehemals typisch männliche Kleidung tragen.

Darum ist es heute — möglicherweise, das ist meine Theorie — auch so, dass man einer Frau, die weibliche Kleidung trägt, heute eher unterstellt, dass sie dadurch den Aspekt ihrer Weiblichkeit betonen will. Das ist jedenfalls naheliegend.
Und aus dieser Erwartungshaltung heraus ergibt sich dann, warum Frauen, die Röcke etc. tragen, dann eher in der Rolle Frau und mögliche Partnerin gesehen werden als z.B. in ihrer beruflichen Rolle, die heute eher mit anderer, üblicher, geschlechtsneutraler(-er) Kleidung assoziiert ist.
Das könnte bedeuten, dass die Eroberung des „männlichen Mode-Raums“ dazu geführt hat, dass Frauen, die sich traditionell weiblich kleiden, heute verstärkt explizit „als Frau“ gesehen werden1 als das früher der Fall gewesen wäre. Man sollte dazu eine Studie machen…

Jedenfalls würde ich behaupten, dass Frauen, die wegen ihrer weiblichen Kleidung ungewollten Avancen ausgesetzt sind deshalb nicht wirklich benachteiligt werden, sondern wie alle anderen Menschen auch behandelt werden. Sie werden entsprechend dem äußeren Eindruck, den sie, freiwillig oder unfreiwillig, erwecken, behandelt. Das ist dann im Falle heutzutage ungewöhnlicher weiblicher Kleidung der Eindruck, explizit in der Rolle als Frau wahrgenommen werden zu wollen und entsprechend behandelt werden zu wollen.
Bei Männern ist es genau so. Mit formaler Kleidung wird man anders wahrgenommen und behandelt als mit Sofa-Jogginghosen oder Casual-Wear.

Was der Feminismus mit seinen Beschwerden über „falsche“ Behandlung von Frauen abhängig von der Kleidung fordert ist also ein Privileg für Frauen, unabhängig vom äußeren Erscheinungsbild beurteilt zu werden. Dieses Privileg ist aber realistisch nicht erreichbar, weil die Mechanismen zur Erst-Beurteilung von Menschen aufgrund von pauschalisierten Erfahrungswerten tief in der menschlichen Psyche verankert sind.

  1. d.h. stärker auf die Rolle als Frau „reduziert“ werden, um den feministischen Slang zu verwenden []

Ein Gedanke zu „Frauen und Kleidungs-Privilegien

  1. Lotosritter

    Klar, „entweiblichen“ sich Frauen, wenn sie, wie heute üblich, sich als Knaben oder Männlein travestieren. Typisch hier die von der Leyen. Weniger typisch die ähnlich gekleidete Kanzlerin, da sie mit ihrer Figur das travestierte Bild wiederum konterkariert.

    Anders die britische Königin oder Ilse Aigner, die auch im Dirndl im Bundestag aufkreuzte, und damit allein bereits eine Presse hatte. Das sind halt noch echte Weiber und keine Androgyne. Kleider machen eben nicht nur Leute, sondern auch echte Weibs- uind Mannsbilder.

Kommentare sind geschlossen.