Archiv für den Monat: Februar 2017

Multiple Realisierbarkeit bei „Alles Evolution“

Drüben bei Alles Evolution hat sich Christian Schmidt die Mühe gemacht, sich mit dem Konzept der „Multiplen Realisierbarkeit“ zu beschäftigen.

Ich möchte hier kommentieren.

Grob gesagt behaupten anscheinend Geisteswisschenschaftler, weil gleiche „mentale Zustände“ durch ganz unterschiedliche physikalische Zustände (im Hirn) umgesetzt sein könnten, müsse man Wissenschaften wie die Psychologie als losgelöst von der Physik betrachten.
Damit wird quasi ein Dualismus von Körper und Geist etabliert, ohne zu behaupten, dass die Physik des Körpers nichts mit dem Geist zu tun habe.

Diese Theorie der „multiplen Realisierbarkeit“ ist meiner Meinung nach aber weniger Theorie, als wortreiche Umschreibung bzw. Umdeutung der Tatsache, dass das Gehirn einfach viel zu komplex ist, um es (heute) zu verstehen.

Das Gehirn wird natürlich bei jedem Menschen etwas anders sein, weil es durch unterschiedliche Erfahrungen geprägt wird1. Entsprechend werden die Synapsen etwas anders verknüpft sein, aber dennoch werden die meisten Gehirne ähnliche Fähigkeiten haben, wie z.B. Laufen, Sprechen, mathematische Aufgaben lösen. Natürlich sind diese Fähigkeiten bei jedem Menschen physikalische etwas anders realisiert, natürlich gibt es also eine „multiple Realisierbarkeit“.
So wie auch Digitaluhren und Handies mit gleicher Funktionalität im inneren teilweise unterschiedlich aufgebaut sind (aber auch große Gemeinsamkeiten haben, weil sich aus der Grob-Architektur des Systems oft „naheliegende“ Lösungen ergeben). Das bedeutet aber nicht, dass die unterschiedliche physische Realisierung die Fähigkeiten selbst bzw. die „mentalen Zustände“ unvergleichbar macht.

Denn es ist bei Menschen als soziale Wesen, die aufeinander angewiesen sind und miteinander interagieren müssen sinnvoll anzunehmen, dass die mentalen Zustände bei allen Individuen ähnlich ausfallen müssen, damit soziale Interaktion funktioniert, damit Empathie funktioniert. Wir haben für die Erkennung der mentalen Zustände anderer Personen sogar Spiegelneuronen. Die würden sich nicht ausgebildet haben, wenn es nicht möglich wäre, mehrere „unterschiedlich physikalisch realisierte“ mentale Zustände richtig als „gleich“ zu erfassen und in nützlicher Weise zu interpretieren. Es ist also davon auszugehen, dass für die sinnvolle Interpretation der mentalen Zustände die genaue physikalische Realisierung in der Praxis irrelevant ist.

Was aber dennoch nicht heißt, wie die „Theorie der multiplen Realisierbarkeit“ behauptet, dass Psychologie und Physik vollkommen unabhängig voneinander betrachtet werden müssen.
Nur ist die Wissenschaft einfach noch nicht so weit, mit den aktuellen Methoden nachvollziehen zu können, was der Prozessor eines C64 macht, oder wie ein Radio funktioniert.

Solange also die Funktion des Gehirns wegen seiner enormen Komplexität vollkommen rätselhaft bleibt, ist es müßig, festzustellen, dass die Abbildung „mentaler Zustände“ auf „physikalische Zustände“ nicht möglicht ist. Solange das Gehirn nicht bis zum letzten Neuron und Eiweiß verstanden ist, können wir niemals ausschließen, dass ein (von außen auch nur sehr grob beobachtbarer) mentaler Zustand durch eine ganze Menge von physikalischen Zuständen abgebildet wird. Aber das heißt nicht, dass es nicht irgendwann möglich wird, von den physikalischen Zuständen auf die mentalen Zustände zurückzuschließen, oder von einem mentalen Zustand auf mögliche ursächliche physikalische Zustände. In jedem Fall werden mentale Zustände immer auch von physikalischen Zuständen abhängen. Die transkranielle Hirnstimulation jedenfalls zeigt, dass man die physikalischen Zustände im Gehirn gezielt stören und ändern kann, und dass dann natürlich auch Auswirkungen auf die mentalen Zustände hat.

  1. und ggf. durch unterschiedliche genetische und epigenetische und hormonelle Vorkonfigurationen vorgeprägt ist []

Männerfeindlichkeit: IKEA verspottet impotente Männer

Der freundliche Möbelkonzern IKEA schickt sich 2017 an, der Welt zu zeigen, dass, wer bei IKEA kauft, weltoffen und tolerant ist und IKEA seine Kunden unabhängig von Hautfarbe, Geschlecht, Alter, sexueller Orientierung etc. gern hat und respektiert.

Außer natürlich alte, weiße Männer mit alterstypischen Problemen.

Die werden in IKEAs neuestem Werbespot „Gekommen um zu bleiben“ der Lächerlichkeit preisgegeben und verspottet:

Mutter: Weißt Du was?
Tochter: Mhm.
Mutter: Ich könnt‘ ewig hier bleiben.
Tochter: Aber vermisst Opa Dich dann nicht?
Mutter: Seine Zähne, seine Brille, seine Potenz — was vermisst er nicht?
Tochter: Oma!

Die Beschwerde beim Werberat wird wahrscheinlich — wie immer, wenn es gegen Männer geht — folgenlos bleiben, aber ich frage mich schon, ob der Gründer von IKEA, Ingvar Kamprad den Spott auch so lustig finden würde wie die lustigen Werbefuzzies von Thjnk, die den Spot erdacht haben.

Mit 90 Jahren ist er möglicherweise eine genau so „lächerliche“ Figur wie das Opfer des Spotts im Werbespot. Ich kann nur annehmen, dass er den Spot gar nicht kennt.

„Massenabschiebungen“ als tendenziöser Begriff

Massen-Medien, Massen-Proteste, Menschen-Massen, in der „Masse“ geht das Individuum verloren, denn eine Masse sehr groß. So groß, dass in dem Menschen-Teppich der Einzelne kaum noch erkennbar ist, und die „Masse“ wie ein Schwarm vor sich hinfließt.

Warum also spricht man von „Massenabschiebungen“, wenn eine ziemlich überschaubare Menge von Leuten per Flugzeug zurück in ihr Heimatland gebracht werden?

Von einer „Masse“ kann man hier meiner Meinung nach nicht reden.

„Massenabschiebung“ ist darum meiner Meinung nach ein Begriff, der den Eindruck erwecken soll, es sei nicht jeder Einzelfall sorgfältig geprüft worden, als habe man quasi irgendwelche Leute zusammengetrieben und würde diese jetzt mir-nichts, dir-nichts in ein Flugzeug stecken und irgendwo hin schicken, nur um sie los zu sein.
Massenabschiebungen ist ein Begriff, der Assoziationen und Bilder von ungerechtfertigten Deportationen wecken soll.

Aber in Deutschland wird jedes Asylverfahren sorgfältig geprüft und abgelehnten Asylbewerbern seht sogar der Rechtsweg offen, diese Entscheidung nochmal überprüfen zu lassen. Wenn dann Menschen schließlich und endlich in einer Art Sammeltransport als Gruppe abgeschoben werden, dann ist es meiner Meinung nach tendenziös und unseriös, wenn Medien hier von „Massenabschiebungen“ reden. Es ist wie ein Kampfbegriff von Pro-Asyl mit dem Zweck um Abschiebungen per se zu diskreditieren.

Und darum sollte man hier meiner Meinung nach von Sammelabschiebungen oder Abschiebung in Gruppen reden. Denn die Mächtigkeit einer „Masse“ erreicht die Zahl der Abgeschobenen sicher nie.

Fiktive Benachteiligung von Bundespräsidenten-Gattinnen mit Margarete S.

Ich bewundere ja Margarete Stokowski vom Spiegel.

Ganz besonders diese Woche bin ich erstaunt über ihre Fähigkeit, Strohmänner zu erschaffen, gegen die sie dann heldenmutig kämpfen kann.
Denn dieses Mal erfindet sie erst das Amt der „Bundespräsidenten-Gattin“, um dann dessen Abschaffung zu fordern, und zwar obwohl sie selbst weiß, dass es dieses gar nicht gibt…

Zugegebenermaßen ist es Tradition, das Gatten und Gattinnen wichtiger Personen sich manchmal für gemeinsame Auftritte mit diesen hergeben. Allerdings können diese das genau so gut auch sein lassen. Oder hat schon mal jemand Frau Putin gesehen?

Der Gatte der Kanzlerin hat es mühelos geschafft, diese angeblich in Stein gemeißelte Tradition zu unterlaufen, und so selten mit Frau Merkel aufzutreten, dass er gemeinhin als „Phantom der Oper“ bekannt ist — und jetzt wahrscheinlich fast niemandem sein Name einfällt.

Der Gatte der Kanzlerin hat sich entschieden, die Rolle des Kanzlerinnen-Gatten nicht zu spielen – und das klappt auch problemlos. Warum also sollte das Frau Büdenbender, der Frau von Frank-Walter EikonalSteinmeier, nicht auch möglich sein? Ist es nicht reichlich sexistisch anzunehmen, dass Frau Büdenbender das nicht kann, weil sie eine Frau ist?
Ist es überhaupt noch Feminismus im positiven Sinne, was Frau Stokowski da macht, oder nicht doch eher Misogynie und Reproduktion längst überwundener Geschlechterklischees, Frau Büdenbender zu unterstellen, fremdbestimmt in die Rolle der Bundespräsidentengattin hineinzurutschen?

Frau Büdenbender ist Richterin, und anscheinend gibt es rechtliche Bedenken, ob sich eine familiäre Verbindung mit dem Bundespräsidenten als verfassungsrechtliche Institution und die Unabhängigkeit der Justiz zusammenbringen lassen. Darum hat sich Frau Büdenbender entschieden, das Amt ruhen zu lassen. Sie hätte sicher auch den möglichen Interessenkonflikt gerichtlich klären lassen können, hat sich aber entschieden, diesen Weg nicht zu gehen.
Frau Stokowski phantasiert nun zusammen, dass hinter dieser Entscheidung des Ruhen-Lassens ihres Amtes in Wirklichkeit das böse Patriarchat1 stecken müsse, denn dass eine Juristin ihr Amt aus juristischen Gründen ruhen lassen könnte klingt für sie anscheinend weniger absurd als die Idee der Existenz des Patriarchats.
Und anscheinend hat Frau Stokowski auch internalisiert, dass die tollste Beschäftigung der Welt für eine Frau die Erwerbsarbeit sein müsse, so wie es der NeoliberalismusFeminismus seit Jahrzehnten behauptet, und keinesfalls, mit Männern oder Kindern zusammen zu sein oder Dinge zu tun. Nur so lässt sich erklären, warum Frau Stokowski glaubt, Frau Büdenbender müsse die Entscheidung sehr schwer gefallen sein, ihr Amt ruhen zu lassen, und dahinter müsse irgendwie Zwang und das Patriarchat[tm] stecken. Als wenn es nicht auch eine schöne Sache sein könnte, eine Art fünfjähriges Sabbatical zu machen mit der Option, hin und wieder in der Rolle der Bundespräsidentinnengattin die wichtigsten Menschen der Republik zu treffen. Auf Kosten des Partners, der vom Staat einen Haufen Kohle und ein Schloss gestellt bekommt.

Frau Stokowski setzt auch voraus, dass wir Frau Büdenbender demnächst als Staffage auf Steinmeier-Photos sehen werden. Aber wir wissen das noch gar nicht. Wie sexistisch ist es eigentlich anzunehmen, dass Frau Büdenbender das tun wird, was Frau Stokowski glaubt, dass irgendwelche Stereotypen Frau Büdenbender vorschreiben? Und gehört nicht andererseits auch die Möglichkeit, sich genau nach Stereotyp zu verhalten, zu wahrer Entscheidungsfreiheit?

Dann stellt Frau Stokowski das Gedankenexperiment an, ob auch der Gatte einer Bundespräsidentin sich um wohltätige Zwecke kümmern würde etc. pp., sich also so verhalten würde, wie es dem Klischee und der Tradition entspräche. Und der Sinn dieser rhetorischen Frage ist anscheinend den Leser dazu zu bringen zu mutmaßen, dass ein Bundespräsidentinnen-Gatte eher wie ein Kanzlerinnen-Gatte sein eigenes Ding machen werde, wohingegen Frauen gezwungen seien (durch … DAS PATRIARCHAT!), als Dekoration an der Seite ihres Mannes zu wirken, Kleider zu tragen und zu winken, wohltätig zu sein und Schirmherrschaften für alles mögliche zu übernehmen.

Allerdings gibt es diese angebliche Geschlechter-Ungerechtigkeit gar nicht.
Denn wir kennen alle Prinz Philipp, der seit Jahrzehnten als Dekoration hinter der Queen herschlurft. Und vielleicht Henrik von Dänemark. Die die Rolle des Prinzgemahls mit Hingabe spielen, und zwar nicht nur für fünf Jahre. Aber keine Frau Stokowski kommt und vermutet, diese armen Männer würden in ihre Rolle gezwungen.
Zweifel an der Fähigkeit, selbstbestimmte Entscheidungen zu treffen, haben Feministinnen paradoxer- und sexistischerweise immer nur bei Frauen.

Das ganze Gejammere über die armen Frauen, die als hübsches Beiwerk ihren mächtigen Männern dienen müssen, während es anders herum sicher ganz anders wäre, ist also völliger Blödsinn. Fakt ist, unabhängig vom Geschlecht manche Menschen ihren Partner sichtbar und in der Rolle des Partners unterstützen, und manche eher im Hintergrund bleiben — was nicht heißt, dass sie von dort aus nicht auch unterstützen.

Warum sollte Frau Büdenbender nicht schaffen, was Angela Merkels Mann kann? Warum sollte Frau Büdenbender unglücklich damit sein damit, für fünf Jahre hin und wieder eine Rolle zu spielen, die Prinz Philipp seit 69 Jahren spielt?

Ich habe keine Ahnung, und Frau Stokowski natürlich auch nicht, denn sie weiß ja, dass sie ihren ganzen Artikel recht bemüht um das aktuelle Thema Bundespräsidentenwahl herumkonstruiert hat, und irgendwie etwas feministisch Verwertbares daran finden musste.
Aber ihr Geschäft ist es ja auch nicht, ausgewogene, gut recherchierte und sinnvolle Artikel zu schreiben, ihr Geschäft ist es, ständig neue feministische Aufreger-Kolumnen zu produzieren, was in einer Welt, in der faktisch Geschlechtergerechtigkeit herrscht, natürlich zunehmend größere Kreativität, Chuzpe und selektive Wahrnehmung erfordert.

Aber das kann sie: Ein Amt erfinden, eine Ungerechtigkeit erfinden, die Bekämpfung der fiktiven Ungerechtigkeit durch Abschaffung des fiktiven Amts fordern, dabei ein paar Frauen in ihrem Glauben bestätigen, dass die Welt ganz arg ungerecht ist, und dafür noch Geld vom Spiegel bekommen. Chapeau!

  1. die globale und völlig unsichtbare Verschwörung aller Männer gegne alle Frauen – Sie wissen schon! []

Die Bundespräsidentenwahl und der Feminismus

Bei der Bundespräsidentenwahl gab es keine einzige weibliche Kandidatin.
Weder die SPD, die mit Manuela Schwesig eine Femimiministin ersten Grades zur Ministerin gemacht hat, noch die Quoten-Partei Die Grünen haben eine Frau aufgestellt.

Das ist nicht anders zu erklären, als dass sich einfach keine Frau bereiterklärt hat, den stressigen Job des Staatsoberhaupts ohne richtige Kompetenzen zu machen. Schloss, fette Rente, Fahrdienst, Sekretariat bis zum Lebensende, eigenes Bataillion, was hat das Amt denn nicht, um auch für Frauen attraktiv zu sein?

Von einer gläsernen Decke kann man hier nicht sprechen, hätte doch eine weibliche Kandidatin sicher einen Frauenbonus für sich verzeichnen können. Jede Partei hätte sich doch gefreut, eine weibliche Kandidatin auszugraben, und so zumindest einen medialen Coup zu landen.
Nehmen wir diese Äußerung von Herrn Ströbele als Beispiel, wie groß die Bereitschaft war, eine Frau zu wählen:

Dass der Kandidat der SPD Steinmeier hieß, dass die CDU keinen eigenen Kandidaten aufgestellt hat, dass sogar die Grünen und die FDP keine eigene Kandidatin nominiert haben, kann nur heißen, dass einfach keine Frau Lust hatte, zu kandidieren. Es gab nichtmal Gerüchte über eine Kandidatur einer Frau, die doch eine mögliche Kandidatin nur selbst hätte streuen müssen um sich todsicher ins Gespräch zu bringen. Es muss also tatsächlich überhaupt gar keine Frau Lust gehabt haben auf den höchsten Posten im Staat.

Dass sich andererseits aber gleich fünf Männer haben finden lassen, ist für mich ein eindeutiges Indiz, dass Frauen und Männer unterschiedliche Interessen und Motivationen haben, dass das ganze Gerede davon, dass Frauen benachteiligt würden zumindest in der Spitzenpolitik dummes Gerede ist. Frauen werden dort händeringend gesucht, aber es finden sich keine — warum soll das eigentlich bei den hochbezahlten Aufsichtsratsjobs anders sein?
Es wird von feministischer Seite die Erzählung gepflegt, die Chefetagen deutscher Unternehmen seien frauenfeindlich und darum gebe es in Vorständen und Aufsichtsräten zu wenig Frauen, aber möglicherweise ist es dort so wie bei der Bundespräsidentenwahl, dass einfach keine Frau Bock hat. Wenn es bei der Bundespräsidentenwahl so ist, dass eine Frau den auf dem Silbertablet dargebotenen ersten Job im Staat nur hätte ergreifen wollen müssen, um fast sicher gewählt zu werden, wie kann man da noch sicher sein, dass das bei Aufsichtsrats-Jobs anders ist?

Kopftuch-„Feministinnen“ als fünfte Kolonne des Patriarchats

Mit einiger Belustigung verfolge ich den Konflikt zwischen den Zweite-Welle-Feministinnen der Emma, und den x-te-Welle-Intersektionalistinnen z.B. vom Missy-Magazin. Denn Feministinnen kann man diese nicht mehr nennen. Denn was soll „Feministin“ schon noch bedeuten, wenn das biologische Geschlecht angeblich nur eine Konstruktion ist? Wenn außerdem „Gender“ nur eine mögliche Diskriminierungskategorie unter vielen ist, und man versucht, sich um alles gleichzeitig zu kümmern, dann kann man sich nicht mehr glaubwürdig als „Feministin“ bezeichnen.

Keine Konstruktion ist das biologische Geschlecht hingegen für den Islam, denn konservative Muslime und Islamisten nehmen das biologische Geschlecht zum Anlass, Frauen und Mädchen mit Kopftüchern oder weiteren Verhüllungen eindeutig zu kennzeichnen. Und verwirrte Intersektionalistinnen lassen sich diese Stigmatisierung dann auch noch als „Freiheit“ und „Empowerment“ verkaufen. Fragt man sich in diesen Kreisen nicht, wieviel Druck im Spiel sein muss, damit Teenie-Mädchen freiwillig(tm) Kopftücher und ggf. langweilige graue Mäntel tragen, statt sich zu präsentieren? Bezweifeln Intersektionalistinnen ernsthaft, dass es nicht in der Natur von Teenie-Mädchen liegt, sich zu verhüllen und die sich entwickelnde Weiblichkeit zu verstecken?

Die freie Entfaltung der Persönlichkeit ist ein Grundrecht im Grundgesetz; ein Recht der Eltern, ihre Kinder so hinzubiegen wie es deren religiöser Vorstellung entspricht, habe ich dort nicht gefunden1. Entsprechend halte ich es für zumindest grenzwertig, wenn Eltern ihre Kinder entsprechend konditionieren. Man sollte mal untersuchen, ob so eine Erziehung überhaupt möglich ist, ohne Grenzen zu überschreiten, die in Deutschland üblicherweise bezüglich psychischer Gewalt in der Erziehung gelten.

Doch die Intersektionalistinnen, die sich als Feministinnen ausgeben, haben anscheinend die Vorstellung, dass es möglich sei, dass Mädchen sich ganz freiwillig und ohne Zwang für das Kopftuch entscheiden. Oder sie lassen sich von den scheinbar so selbstbestimmten Kopftuch-Intersektionalistinnen täuschen, denn es gehört ja zu den Grundwerten des Intersektionalismus, grundsätzlich alles zu glauben, was eine Frau sagt.2

Ich sehe die Kopftuch-Intersektionalistinnen hingegen eher als Opfer einer „Identifikation mit dem Aggressor“, als nützliche Idiotinnen, vor einen islamistischen Karren gespannt, der dann auch noch von verwirrten „Allies“ dieser heimlichen Agentinnen eines rückwärtsgewandten Islamismus angeschoben wird.

Und das ist das Erheiternde: Intersektionalistinnen, die sich für Feministinnen halten, verbünden sich mit Krypto-Islamistinnen, die sich für Feministinnen halten, und leisten damit einer Denkschule Vorschub, die es als Errungenschaft verkauft, biologische Frauen mit spezieller Kleidung zu kennzeichnen. Kann man sich eigentlich gar nicht ausdenken… und ich hoffe, der Zweite-Welle-Feminismus kehrt zurück und hält diese Verrückten auf.

  1. Darum halte ich aus den Beschneidungs-Paragraphen für verfassungswidrig. []
  2. Oder eine weiblich gelesene Person. Oder so. []

Es gibt keinen Gender-Pay-Gap!

Auch wenn unsere Ministerin für alle außer Männer, Manuela Schwesig, so gern vom sogenannten „unbereinigten Gender Pay Gap“ spricht, ist die Existenz eines Gender Pay Gaps bisher nicht bewiesen.

Wenn man die Einkommen aller Männer und aller Frauen zusammenrechnet, dann bestehen ca. 21% Unterschied – weil Frauen weniger, kürzer, seltener arbeiten und manchmal weniger gut bezahlte Berufe haben. So gesehen finde ich die 21% sogar noch relativ gering.

Und wenn man nun die ganzen bekannten Faktoren versucht herauszurechnen, also Teilzeitbeschäftigung, Elternzeiten, Branchen, Arbeitgeber etc., dann kommt man auf ca. 6% Gehaltsunterschied, die Männer dem Anschein nach mehr verdienen als Frauen.

Und nun behaupten Feministinnen, dieser Unterschied sei nur dadurch erklärbar, dass Frauen diskriminiert würden.
Tatsächlich aber ist dieser Unterschied einfach bisher nicht erklärt.

Vielleicht verhandeln Männer härter in Gehaltsverhandlungen. Vielleicht werden Männer häufiger Workaholics. Vielleicht nehmen Männer öfter Drogen und erschummeln sich so Vorteile im Job. Vielleicht vernachlässigen Männer öfter und lieber ihre Familie, um im Job zu punkten. Vielleicht sind Frauen auch häufiger krank und haben dadurch Leistungsverluste. Vielleicht sind auch schon allein die Überstunden, die Männer leisten, Erklärung genug. Man weiß es einfach nicht.

Und bis man all diese möglichen Erklärungen ausgeschlossen hat, kann man von einer Diskriminierung von Frauen, von einem Gender-Pay-Gap nicht sprechen.

Das einzige Problem, das Frauen im Berufsleben haben ist, dass Frauen häufig irgendwann Kinder bekommen und darum auf langfristige Besetzung angelegte Führungspositionen seltener mit Frauen besetzt werden. Hier könnte der Gesetzgeber vielleicht einspringen, indem er Unternehmen, bei denen Beschäftigte in Elternzeit gehen, unabhängig vom Geschlecht für die Aufwände zur Neubesetzung der Position und die Schäden durch die Vakanz entschädigt.

Aber über einen hypothetischen Gender-Pay-Gap zu jammern bringt die Gesellschaft und die Geschlechtedebatte in Deutschland sicher nicht weiter.