Archiv für den Monat: Februar 2016

Migranten in Kaufhäusern

Rechenaufgabe:

Angenommen, es stimmt, dass 99,5% der Migranten friedliche Menschen sind, wie ich neulich las.

Angenommen, es stimmt, dass ca. 30 Männer, deren Staatsangehörigkeit die SZ zwar verschweigt, die an anderer Stelle aber als Migranten bezeichnet werden, in einem Kieler Kaufhaus zwei Mädchen belästigt haben.

Angenommen, Kieler Kaufhäuser ziehen nicht zufällig vor allem die kriminellen 0,5% Migranten an.

Frage: Wie viele Migranten hätten dann in diesem Kieler Kaufhaus sein müssen, damit sich 30 finden, die Frauen belästigen?

Antwort: 6.000 (!)

Es tut mir ja wirklich leid, aber ich habe das Gefühl, da kann etwas nicht stimmen mit diesen 99,5%.

Denn es gibt in Kiel offiziell gar keine 6.000 Flüchtlinge.

Also muss der Anteil von Menschen mit, äh, „sozial unverträglicher Einstellung zur Belästigung von Mädchen“ unter den Migranten doch etwas höher als 0,5% liegen.

Gern lasse ich mich natürlich in den Kommentaren aufklären, warum diese Häufung von Belästigern am frühen Abend in einem Kieler Kaufhaus reiner Zufall gewesen sein könnte und überhaupt nicht bedeutet, dass bestimmte Migrantengruppen möglicherweise zu Belästigung neigen, und dass es mehr von dieser Sorte Migranten gibt, als die Politik uns glauben lassen will.

Bis dahin glaube ich, die Politik redet Probleme mit sexuell übergriffigen Migranten klein, und die Bundesregierung nimmt mit ihrem Offene-Grenzen-Programm billigend steigende Kriminalität, auch und gerade gegen Randgruppen und Frauen, stillschweigend in Kauf.

Update:
Es gibt noch eine mögliche andere Erklärung für die merkwürdigen Zahlen: Möglicherweise gab es gar keine 20 bis 30 Belästiger, sondern nur 2 bis 3, wie der Polizei in Kiel jetzt aufgefallen sein soll, und das könnte ja mal passieren. Möglicherweise ein Fall von Falschaussage der angeblich belästigten Mädchen? Warten wir es ab…

Die Grenzen der Solidarität

Die Flüchtlingskrise wird unter verschiedenen Aspekten betrachtet.

Häufig unter dem Aspekt der Mitmenschlichkeit. Die Mitmenschlichkeit gebietet es ethisch-moralisch, anderen Menschen zu helfen.
Nun sind die Flüchtlinge, die nach Europa drängen, im Nato-Land Türkei bereits in relativer Sicherheit. Warum Flüchtlinge ihr Leben riskieren, um von der Türkei nach Griechenland zu kommen, erschließt sich mir nicht.
Ich bin der Ansicht, mit finanzieller Hilfe für Flüchtlingslager in der Türkei und den Nachbarländern von Syrien im Allgemeinen hätte Europa seine humanitären Verpflichtungen ausreichend erfüllt. Warum Europa diese Menschen aufnehmen müssen sollte, sehe ich nicht.

Denn auch die muslimische Welt sollte ihren Beitrag zur Bewältigung der Krise leisten. Iran und Saudi-Arabien sollten Flüchtlinge aufnehmen, statt Truppen zu schicken. Warum soll Europa durch Aufnahme von Menschen, die teilweise durch ihre muslimisch-chauvinistische Sozialisation inkompatibel zur europäischen Gesellschaft sind, die mangelnde Solidarität in der muslimischen Welt kompensieren, wo man seit Jahrzehnten nicht einmal die palästinensischen Flüchtlinge aufnehmen bzw. integrieren will?

Damit sind wir bei der Solidarität; ein weiterer Aspekt, unter dem man die Flüchtlingskrise betrachten kann.
Man ist gerne solidarisch mit seinen Freunden und seiner Familie. Man ist solidarisch mit Kollegen. Im allgemeinen ist man solidarisch mit seinen Landsleuten, auch wenn man schon weniger einsieht, darum man „Failed (Stadt-)States“ wie Berlin oder Bremen per Länderfinanzausgleich mitfinanzieren muss.
Weit weniger solidarisch sind die Menschen schon mit den anderen EU-Staaten. Die deutschen Steuerzahler wollen eher nicht dafür zahlen, dass Griechenland beim Euro-Eintritt betrogen hat, dafür, dass die italiensche Wirtschaft schwächelt, und dafür, dass Banken zu hohe Risiken eingegangen sind. Solidarität hat immer auch irgendwo Grenzen. Denn Solidarität bedeutet „Gefühl des Zusammenhalts“ oder „Gegenseitige Hilfsbereitschaft“. Aber die meisten Menschen spüren keine Zusammengehörigkeit mit Syrien und eine Hilfsbereitschaft der Länder des Nahen Ostens für Europa darf auch angezweifelt werden. Von daher kann man hier sicher nicht von „Solidarität“ sprechen, wenn es darum geht, Flüchtlinge aufzunehmen.

Doch nun will die Regierung ihre Bevölkerung — „Wir schaffen das!“1 — durch das Schaffen von Fakten in die Pflicht nehmen, für Millionen Flüchtlinge Kost und Logis zu finanzieren und nebenher noch als unbezahlte Sozialarbeiter Integrationsarbeit zu leisten.

Kein Wunder, dass hier die Grenze der Solidarität bei vielen überschritten wird, und die Menschen hier nicht mehr mitziehen wollen. Wer möchte von seiner Regierung wirklich gern traumatisierte und unter ungünstigen Bedingungen sozialisierte Menschen in seine Nachbarschaft gesetzt bekommen? Wer wird gerne vom Staat zu etwas zwangsverpflichtet?
Wer möchte, dass seine Kinder in der Schule statt zu lernen Integrationshelfer spielen?

Nicht sehr viele. Und darum werden viele Menschen bei den nächsten Wahlen wählen, wer auch immer verspricht, möglichst wenige Flüchtlinge neu ins Land zu lassen und zumindest möglichst viele nicht Bleibeberechtigte bald wieder loszuwerden.

Und das bringt micht zu einem weiteren Aspekt, unter dem man die Krise sehen kann, und das ist der Aspekt der Freiheit. Man kann hier relativieren, so viel man will, aber die Freiheit von Juden und Frauen und Homosexuellen und bekennenden Christen, sowohl die positive Freiheit im Sinne der freien Entfaltung der Persönlichkeit, als auch die negative Freiheit im Sinne von Freiheit von Gewalt etc., wird durch die Flüchtlinge eingeschränkt, weil der Staat ganz offensichtlich nicht die Ressourcen hat, die Freiheitsrechte seiner Bürger effizient zu verteidigen.
Die Menschen haben das Recht, sich ein eigenes Bild zu machen, und die Lage anders einzuschätzen, als die Regierung es tut. Die Menschen können Mauern in Mazedonien für vielversprechender halten als europäische Solidarität, und entsprechnend der Regierung das Vertrauen entziehen. Das ist der Kern der Demokratie, und darum empfinde ich es als falsch, wenn als Erklärung dafür, dass die Politik der Regierung nicht von allem begrüßt wird, immer nur „Rechtsruck“ und „Rechtspopulismus“ genannt werden.

  1. Newspeak für „Schafft das mal schön für mich!“ []

Warnungen vor Weimarer Verhältnissen

Auf Twitter nerven mich Menschen mit Warnungen vor Weimarer Verhältnissen.

Sie sehen quasi unmittelbar eine Wiederkehr des Faschismus voraus.

Und ich weiß gar nicht, wie man überhaupt Parallelen zwischen 1933 und 2016 ziehen kann.
Hatten wir zum Beispiel einen Weltkrieg, geht es Deutschland wirtschaftlich schlecht, haben wir lauter Feinde, laufen auf den Straßen bewaffnete Freicorps herum?

Oder haben wir die soziale Marktwirtschaft, europäische Partner, sind eine der stärksten Industrienationen, und haben immer noch relativ friedliche Verhältnisse?

Die AfD ist ungefähr so rechts wie die CDU 1990, und hat in Umfragen 15% – in Frankreich oder den Niederlanden wäre man froh, wenn der Front National oder Geert Wilders in Wahlen nur so wenig Zustimmung bekämen.

Ich kann mir diese Nazi-Panik eigentlich nur mit dem Glauben an irgendein Nazi-Gen oder sowas erklären. Denn wie erklärt man sich sonst, dass scheinbar plötzlich das halbe Volk faschistisch geworden sein könne, trotz des Wirkens von CDU, CSU, SPD, FDP, Grünen in den letzten 35 bis 66 Jahren? Soll alle progressive, aufklärerische, volkserzieherische Politik und Bildung nichts gebracht haben?

Also… kommt mal runter Leute!

Speakerin, anyone?

Der organisierte Netzfeminismus in Deutschland hat ein Problem identifiziert, und zwar, dass auf irgendwelchen Konferenzen1 nicht genug Frauen sprächen. Damit sich das Patriarchat[tm] nicht mehr herausreden kann, man kenne ja auch gar keine qualifizierten Frauen, hat man die Plattform Speakerinnen.org gegründet.

Der Begriff „Speakerin“ ist übrigens ein schöner Beleg dafür, wie widersprüchlich der vierte-Welle-Feminismus in sich ist. Geschlechterkategorien überwindet man sicher nicht dadurch, dass man Genus-freien englischen Wörtern künstlich eine deutsche weibliche Pluralendung aufzwingt…

Positiv hervorzuheben ist allerdings, dass „der Netzfeminismus“ mit diesem Projekt tatsächlich mal irgendetwas hinbekommt. Webseite mit Datenkbankanbindung. Immerhin.
Die Frage ist nur, ob man hier tatsächlich für jede Gelegenheit eine fähige Rednerin findet?

Man findet zum Beispiel zum Thema „Internet“ 42 Speakerinen, aber 0 (Null) zum Thema Ethernet.
Da frage ich mich schon: Wie soll jemand über das Internet referieren können, der anscheinend nicht einmal Ahnung von der Technik eines LANs hat?

Und die „Tag Cloud“, die jedesmal am unteren Webseitenrand erscheint, wenn man etwas sucht, ist auch etwas… besorgniserregend, wie ich finde, denn Sie zeigt die häufigsten „Fachgebiete“ der „Speakerinnen“ von speakerinnen.org: Bildung, Innovation, Partizipation, Change Management, Kommunikation, Journalismus, digitale Kommunikation und … Storytelling(?!).

Tut mir wirklich leid, aber das sind IMHO alles nur Buzzwords für das Corporate Bullshit Bingo im Bereich „Irgendwas mit Medien“. Fachfrauen findet man hier dann wohl eher nicht, bzw. sucht sie vielleicht doch eher in Karrierenetzwerken, nicht auf netzfeministischen Webseiten.

  1. im allgemeinen Veranstaltungen, wo Lobbyisten, Politiker und Arbeitslose sich treffen und „öffentliche politische Auseinandersetzung“ simulieren []

Politik und Medien wählen das Volk ab

Ich kann es nicht mehr hören.

Das ganze Geschwafel vom Wasser, das auf die Mühlen der AfD fließe, vom Rechtspopulismus etc., drückt nichts anderes aus als die Geringschätzung des Wahlvolkes durch Politik und Medien.

Aus den Redaktionsstuben und aus den Fernsehkanälen wird die Sorge verbreitet, dass das Volk zu blöd sein könnte, verantwortungsvoll mit seinem Wahlrecht umzugehen.

Warum? Weil es so aussieht, also ob die politischen Angebote, die die bisher populären Parteien machen, bei einem zunehmenden Teil der Bevölkerung nicht mehr gefragt sind.
Dass das daran liegen könnte, dass diese Angebot für das Volk nicht attraktiv sind, kann, nein, darf nicht sein! Statt dessen, so das Narrativ von Politik und Medien, müssen die Menschen einfach zu doof sein zu erkennen, wie toll das politische Angebot von CDU, SPD, Grünen, Linken doch ist. Und die, die andere politische Angebot machen, müssen Verführer, Rattenfänger, Populisten und Demagogen oder gleich das Böse[tm] an sich sein.

Ja, es ist schwer zu ertragen, dass die schlauen[tm] Leute genau so nur eine Stimme haben wie das Dosenbier saufende Pack[tm], dass die Stimme der Flüchtlingshelferin genau so viel oder so wenig zählt wie die des minderbemittelten Dorfnazischlägers.
Aber so ist halt die Demokratie, und wenn die Menschen nicht wollen, dass Millionen Flüchtlinge nach Deutschland kommen, wenn sie nicht auf Aufforderung der Regierung solidarisch sein und freiwillig(?) helfen wollen, dann können diese Menschen Zustimmung für Parteien kund tun, die versprechen, die Grenzen zu schließen und die Gesetze bis an die absoluten Grenzen des irgendwie verfassungsrechtlich noch zu rechtfertigenden zu verschärfen, wenn sie das wollen. Weil das Demokratie ist.

Leider sind wir von der Vorratsdatenspeicherung mittlerweile gewöhnt, dass die Regierung verfassungswidrige Gesetze verabschieden kann, die dann für Jahre gelten, bis die langsam mahlenden Mühlen der Justiz für ein paar Monate dem Recht wieder zu seinem Recht verhelfen.
Wir sind von der Finanzkrise gewohnt, dass im Notfall europäische Gesetze, Richtlinien und Vereinbarungen das Papier nicht mehr wert sind, auf dem sie geschrieben sind.
Internationale Abkommen, Verträge, Vereinbarungen, fast alle Staaten treten diese mit Füßen, wenn es Ihnen passt.
Und darum verfangen auch die ganzen Argumente nicht (mehr), Deutschland sei durch seine Verfassung oder Schengen 2 oder 3 rechtlich, oder notfalls moralisch zu irgendetwas verpflichtet, denn es ist für jeden offensichtlich, dass, Rechtsauffassung hin oder her, die deutsche Regierung machen könnte was auch immer sie will, ohne dass das jemals irgendwelche Konsequenzen hätte, weder persönlich, noch europäisch, noch überhaupt.

Jetzt rächt sich die chaotische, rechtsbeugende und -brechende Politik der letzten Jahre in Deutschland und Europa. Wenn sie die Regierung auf Verträge und Abkommen beruft, die sie erfüllen müsse, ist das einfach nicht mehr glaubwürdig, weil jeder weiß, dass die Regierung diese ganzen Verpflichtungen genau so gut ignorieren könnte.

Natürlich trägt die Regierung eine Mitverantwortung dafür, dass die AfD groß geworden ist. Von Anfang an war die Belastung durch die Flüchtlinge nur mit tausenden freiwilligen Helfern überhaupt machbar, die Regierung überschreitet mit ihrer Politik die Grenzen der Belastbarkeit ihrer eigenen Exekutive immer weiter. Die Kanzlerin sagt, „wir“ könnten das schaffen. Aber mit „wir“ meint sie dabei nicht ihre Exekutive, sondern ihre Bevölkerung, die bitte schön freiwillig einspringen soll, um Frau Merkels Platz in den Geschichtsbüchern zu sichern.

Merkel wollte die europäische Solidarität in der Flüchtlingskrise erzwingen, in dem Deutschland mit gutem Beispiel vorangeht. Aber das hat nicht geklappt. Jetzt drohen Deutschland hohe Belastungen durch Millionen Flüchtlinge, und im Worst Case weitere 50 Jahre Ärger mit der zweiten und dritten Generation schlecht integrierbarer Menschen, die aus Ländern kommen, die ideengeschichtlich bzw. zivilisatorisch mehrere Jahrzehnte hinter deutschen Vorstellungen zurück sind.

Kein Wunder also, dass die Parteien, die dieses Szenario als tolle Sache verkaufen wollen, Zustimmung verlieren, und Protestwähler sich dann eine andere Partei suchen. Die Sympathisanten und (Umfragen-)Wähler der AfD sind meiner Meinung nach zum Großteil Protestwähler. Darum ist der Versuch sinnlos, die AfD zu entzaubern, denn das Motiv für deren Wahl ist nicht Zustimmung zum Programm der AfD, sondern eher Ablehnung der Politik der anderen Parteien.

Darum wird das mediale Dauerfeuer gegen die AfD nicht ausreichen, um die Wähler wieder zurückzugewinnen. Helfen wird nur, zu versprechen und zu liefern, was die Bürger wollen. Um nicht zu sagen: Populismus.

Anti-Rassismus und Feminismus: Die Quadratur des Kreises

Die Linke in Deutschland steckt in der Bredoille.

Denn trotz viele Forderungen, den Widerspruch zwischen Antirassismus und Feminismus aufzulösen, bzw. Versuchen wie von „#ausnahmslos“, den Widerspruch zwischen Antirassismus und Feminismus durch die Aufforderung zum Kampf gegen beides zu überdecken, besteht dieser Widerspruch.

Und zwar gleich zweifach.

Erstens, weil Antirassismus der Kampf gegen die Zuschreibung von negativen Eigenschaften zu Gruppen ist, und (Gender-)Feminismus der Gruppe „Männer“ negative Eigenschaften zuschreibt. Damit ist Gender-Feminismus faktisch selbst rassistisch, behauptet aber, dies sei quasi nur ein Nebenwiderspruch und aufgrund der Situation nicht anders möglich.

Zweitens, weil der Antirassismus dem Feminismus quasi in den Arm fällt, wenn bestimmte Gruppen von Männern aufgrund der Tatsache, dass sie z.B. keine weißen, deutschen Männer sind, von jeglicher feministischer Kritik mit dem Argument, diese könne als rassistisch gesehen werden, ausgenommen werden.

Damit sind linker Antirassismus und Feminismus bereits aus zwei Gründen hoffnungslos widersprüchlich.

Dazu kommt:
Der Gender-Feminismus hält sich für fortschrittlich, dementsprechend muss die linke feministisch beeinflusste Gesellschaftspolitik in Deutschland fortschrittlich sein.
Die nicht feministisch geprägte Gesellschaftspolitik in vielen anderen Staaten muss darum als weniger fortschrittlich gelten, es sei denn, der Feminismus wollte einräumen, alle Anstrengungen der letzten 50 Jahre in Deutschland hätten Deutschland zivilisatorisch gar nicht besonders voran gebracht. Ich habe tatsächlich 2016 schon Artikel gelesen, wo Feministinnen das Frauenwahlrecht und alle Errungenschaften des modernen Feminismus im 20ten Jahrhundert kleinreden und relativieren wollten, möglicherweise, um den zivilisatorischen Vorsprung der westlichen Kultur gegenüber anderen Kulturen als marginal leugnen zu können.

Aber mal angenommen, man erkennt diesen zivilisatorischen Fortschritt an; dann ist das Problem der Linken, dass man zwar den deutschen politischen Gegner als rechts und rückschrittlich bezeichnen darf, aber es sich nicht schickt, andere Länder und Kulturen als rückschrittlich bzw. „zivilisatorisch weniger fortgeschritten“ zu bezeichnen, denn das könnte als rassistisch, rechts, deutsch-national interpretiert werden und wird es in links-progressiven Kreisen auch häufig und reflexartig.

Darum sind in der schönen linken Multi-Kulti-Welt andere Kulturen, wie zivilisatorisch abgehängt sie auch sein mögen, grundsätzlich „bereichernd“, und die von diesen Kulturen geprägten Menschen verdienen aus anti-rassistischen Gründen Toleranz, wenn nicht gar Akzeptanz, egal was für frauenverachtende, mit unseren Vorstellungen unverträgliche Vorstellungen sie mitbringen.

Durch den vermehrten Zustrom von Flüchtlingen aus Längern mit aus feministischer Sicht eher zweifelhafter Sozialisation kollidieren nun Fakten und linke Erzählungen bzw. Dogmen.

Höchstwahrscheinlich zutreffend und auch empirisch nachweisbar dürfte sein, dass der Feminismus in Deutschland einen gewissen Effekt entfaltet hat und deutsch sozialisierte Männer im Schnitt weniger sexistisch und gewaltbereit sind als Männer, die in islamischen Diktaturen sozialisiert worden sind.
Dann wäre Deutschland zumindest aus feministischer Perspektive diese Diktaturen kulturell voraus, und der Feminismus sollte ein Interesse daran haben, diese kulturellen Errungenschaften zu verteidigen, anstatt sich aus Angst davor, als deutschnationale Kulturimperialistinnen zu erscheinen, von einer Art frauenfeindlicher Querfront von Antirassisten und Sexisten mundtot machen und außer Gefecht setzen zu lassen.

Ich frage mich, ob neben den zweite-Welle-Feministinnen der Emma auch der Linksfeminismus in Deutschland eine Art „feministischen Patriotismus“ entwickeln wird, der die Angst davor ablegt, die eigenen Errungenschaften selbstbewusst zu verteidigen. Kann der linke Feminismus die kognitive Dissonanz überwinden, die dadurch entsteht, dass man bisher schon die Idee rassistisch und nationalistisch fand, die deutsche Kultur könne in irgendeine Weise vorbildlich oder gar überlegen und verteidigenswert sein, auch gegenüber Mitgliedern anderer Kulturen, die man doch immer als ganz arg bereichernd empfinden wollte, die man idealisierend in eine Art „Edle Wilde“-Schublade gesteckt hatte?

Oder wird der deutsche Linksfeminismus sich selbst abschaffen, weil er sich selbst als in mehrfacher Hinsicht rassistisch erkennt und weiße Frauen als Gruppe im intersektionalen Privilegienpoker den Kürzeren ziehen?

Es wird bestimmt interessant zu beobachten, wie der Linksfeminismus versucht, den Widerspruch zwischen antisexistischem Feminismus einerseits und dazu prinzipiell inkompatiblem dogmatischen Wohlwollen für noch so zivilisatorisch rückständige Kulturen andererseits aufzulösen.

Ich denke, man wird außer noch mehr wortreichen und verkopften, aber dann trotz allem links-intellektuellen Duktus im Kern ratlosen linken Traktaten dazu nichts hören, aber lassen wir und überraschen oder hoffen vielleicht sogar, dass sich durch die Zuspitzung dieses Widerspruches sogar einige Menschen von der Ideologie des intersektionalen Feminismus befreien können, die sie in ihrem geschlossenen Weltbild gefangenhält.

Anne Will: Pauschalisieren mit Domscheit-Berg und Daimagüler

Bei Anne Will konnte man gestern Erstaunliches beobachten.
Zum Beispiel, dass linkssoziale Politiker nicht wissen, was „pauschalisieren“ bedeutet.

Die selbsternannte Guerilla-Strickerin und Aktivistin Domscheit-Berg zum Beispiel pauschalisierte ständig. Weil die Flüchtlinge, die sie bei sich zuhause aufgenommen habe, nett seien, seien das wohl auch alle anderen.
Weil sie in Ägypten nicht belästigt worden sei1, seien Behauptungen, in islamischen Ländern werde öfter belästigt als in Deutschland, falsch.

Beides klassische Fälle von Pauschalisierung.

Keine Pauschalisierung hingegen ist es, wenn man nicht von einzelnen auf alle schließt, sondern Gruppen betrachtet. Wenn man beispielsweise die Gruppe der Asylsuchenden aus den Maghreb-Staaten betrachtet, dann ist die Feststellung, dass diese in einem Land sozialisiert worden sind, wo Minderheitenrechte weniger gelten und Gewalt häufiger ist, keine Pauschalisierung, sondern eine Tatsache.
Und dann ist es auch sehr naheliegend und statistisch wahrscheinlich, und darum nicht diskriminierend zu konstatieren, dass es in dieser Gruppe mit höherer Wahrscheinlichkeit Menschen geben wird, die mit den deutschen Sitten und Gesetzen in Konflikt kommen werden.

Aber diese logischen und zwingenden Folgerungen wollten Domscheit-Berg, Daimagüler und auch Dieter Salomon mit der Unterstellung, solche Überlegungen bedeuteten eine „Pauschalisierung“, gern wegreden.

Das hat aber nicht geklappt, und zwar dank des brillianten Jens Spahn, der nebenbei noch aufzeigen konnte, wie sehr die Flüchtlingskrise die Argumentationen linker Politik der letzten Jahre auf die Probe stellt.

Denn wo bisher behauptet wurde, die Sozialisation eines Menschen habe entscheidenden Einfluss, da soll das plötzlich nicht mehr gelten, wenn es um Flüchtende geht.

Bisher wurde propagiert, das Patriarchat, der Sexismus, die Benachteiligung von Frauen, und die sogenannte „Rape Culture“ müssten durch gendersensible Erziehung vom Kindergarten bis zur Bahre mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden, sonst würde die wahre[tm] Gleichberechtigung der Frau2 nie erreicht werden können.

Aber nun, da Millionen von Flüchtenden ins Land kommen, die anders sozialisiert sind und — unter der Annahme, dass die linke Politik der letzten dreißig Jahre, das Verbot von Vergewaltigung in der Ehe, das Verbot, Kinder zu schlagen, das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, etc., überhaupt irgendetwas bewirkt haben — im Durchschnitt frauenfeindlicher und gewalttätiger als deutsch sozialisierte Männer sein müssten, nun soll es also plötzlich möglich sein, dass Menschen ihre Sozialisation an der Grenze (oder nach einem kurzen Sprachkurs mit freundlicher Belehrung über progressive deutsche Werte) abgeben und sofort ebenso anti-sexistisch und rechtstreu werden wie Bürger, die man in Deutschland in Kindheit und Jugend entsprechend konditioniert hat.
Und das ist natürlich völliger Blödsinn bzw. zumindest ein extremer Widerspruch zu allem, was Linke die letzten Jahrzehnte über behauptet haben.

Was man gestern bei Anne Will sehen konnte, war darum nicht anderes als die geistige Bankrotterklärung der Linken, die Feminismus und Antirassismus, Multikulturalismus und den Glauben an die Richtigkeit feministischer deutscher Erziehung einfach nicht mehr unter einen Hut kriegen, und zwar #ausnahmslos, und sich dennoch wundern, warum die Menschen ihre Erzählung nicht mehr glauben wollen.

  1. als westliche Touristin wird man natürlich seltener belästigt, weil das den Täter in einen Folterknast bringen kann, aber hey… []
  2. Genderfeministinnen vom Schlage einer Anke Domscheit-Berg behaupten ja, Frauen seien in Deutschland noch immer unterdrückt, glauben an 22% Gender Pay Gap, etc.. []