#ausnahmslos – schon gescheitert?

Die Aktion #ausnahmslos scheint gescheitert, noch bevor sie richtig losgegangen ist.

In diesem Blog wurde ja bereits kritisiert, dass das Ziel der Aktion ohne Zweifel absolut richtig ist, man aber den Akteuren, die in der Vergangenheit zumindest in Teile aktiv dabei mitgewirkt haben, Gewalt von — wie man dort so schön sagt — „nicht weiß/deutsch gelesenen“ Personen, zu verschweigen und die Opfer dieser Gewalt zum Schweigen zu bringen, nicht erlauben darf, sich als Lösung eines Problems anzubieten, von dem sie ein Teil sind.

Aber #ausnahmslos bekommt auch schlechte Presse von Seiten anderer („Nicht-gut-genug“-) Feministinnen.

Bei der Mädchenmannschaft zum Beispiel betreibt eine gewisse Nadia den Versuch, den #ausnahmslos-Vorstoß mit dutzenden von Nachfragen bezüglich dessen in Bezug auf alle möglichen und unmöglichen feministischen Theorien korrekter Positionierung madig zu machen. Ob das ihre Absicht ist, sei dahingestellt, aber Unterstützung sieht anders aus.

Auch die „Störenfriedas“ sind nicht zufrieden mit #ausnahmslos, und fordern, weil sie das anscheinend für ein weitergehendes Ziel halten, „Frieden, Freiheit und das Recht auf körperliche und mentale Unversehrtheit für alle Frauen“.

Ich bin nicht sicher, ob sie die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, die Europäische Menschenrechtscharta, das Grundgesetz und das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz gelesen haben, und möglicherweise einfach nur ein Vollzugsdefizit bei der Sicherstellung von Rechten kritisieren wollten, die wir alle bereits haben — zumindest theoretisch.
Möglicherweise lehnt man diese Rechte bei den Störenfriedas aber auch ab kategorisch ab, denn wo die körperliche und mentale Unversehrtheit (nur) für Frauen gefordert wird, braucht man möglicherweise irgendwann irgendwelche Leute, die keine Frauen sind, die dann alle blöden Sachen tun müssen, die körperlich oder mental verletzend sein könnten — aber das ist nur so eine Idee.

Auch befindet die bekannte Feministin mit dem Twitter-Handle „@Lasersushi“ auf Twitter, dass es schon falsch sei, dass der Text von #ausnahmslos mit einem Bezug auf Köln beginnt. Anscheinend ist schon ein Aktualitätsbezug aus Sicht des richtigen[tm] Feminismus grundfalsch.

Applaus gibt es also nicht mal aus dem vermeintlich eigenen Lager.

Und auch nicht alle online relevanten Medien zeigen durchgehend Begeisterung:

Die FAZ beispielsweise bringt erstaunlich einsichtsvolle kritische Beiträge zum Thema, die zeigen, dass es tatsächlich noch Journalisten gibt, die sich auch mit einer guten Sache nicht gemein machen und auch mal recherchieren.

In der Welt darf die Sinti Güner Balci vor zuviel Integrationseuphorie warnen; Katja Suding bzw. mittelbar die FDP reiten in der gleichen Zeitung eine liberale Attacke gegen den intersektionalen Feminismus.

In einem Blog bei „perlentaucher.de“ wird zu #ausnahmslos gar festgestellt, dass die Aktion, die eine „bizarr und bürokratisch anmutenden Gender-Terminologie“ verwendt, Denkverbote etablieren und dadurch und durch Lenkung der Debatte dafür sorgen zu wollen, dass man das Offensichtliche nicht mehr benennen kann.

Und auch abseits der Flüchtlingsdebatte hat der radikale, intersektionale Feminismus, der sich auch an den Universitäten verbreitet hat, mit erstarkender Gegenwehr gegen seine Methoden der lautstarken Beschimpfung, Einschüchterung und Diffamierung aller seiner Gegner zu kämpfen.

Vielleicht ist der „Launch“ von #ausnahmslos — mit kräftiger Mithilfe grüner Netzwerke im öffentlichen Rundfunk und bei relevanten Online-Medien — auch deshalb etwas lau gestartet, weil Terroranschläge und Flüchtlingskrise, Eurokrise, Bankenkrise, Syrien-Krise und meinetwegen auch noch Nordkorea-Krise dann doch vielen Menschen wichtiger erscheinen als ein Abklatsch von #aufschrei, sogar wenn sich eine SPD-Ministerin vor den bizarr-feministischen Karren spannen lässt. Ob die wohl weiß, mit was für Leuten sie da auf einem Aufruf steht?

Oder, und ich halte das für gut möglich, die Menschen trauen am Ende netzfeministisch geprägter Politik im Moment keine Lösung zu.
Zum Beispiel Grünen vom Schlage einer Irene Mihalic, die am 12.1. in der Phoenix-Runde anscheinend ernst gemeint den Vorschlag brachte, man solle mit Integrationskursen (Grün-Sprech für „Umerziehungsmaßnahmen“ ?!?) auch die besonders problematischen Asylbewerber1 einfach mal „schnellintegrieren“.

Nun ist im linksprogressiven Lager der Glaube an die Formbarkeit des Menschen durch Erziehung sehr hoch, aber dass man Jahre oder jahrzehntelang mit einem nicht wirklich Grünen-kompatiblen Weltbild indoktrinierte Menschen mit einfachen Kursen zu Musterbürgern umformen könnte, wo doch laut Netz-Feminismus auch die deutsche Gesellschaft noch viel zu patriarchal und unterdrückend ist, wird wohl nicht einmal die Mehrheit der Grünen-Wähler Frau Mihalic glauben. Und ob die Frauen in Deutschland warten bzw. sich betatschen lassen wollen, bis sämtliche „falsch sozialisierten“ Problemfälle zu genderfeministischen „Allies“ umkonditioniert sind, anstatt zumindest die illegal eingereisten bzw. nicht Asyl-berechtigten darunter abzuschieben, ist für mich eine Frage, deren Antwort von Seite der Frauen Frau Mihalic wahrscheinlich nicht gefallen würde.

Wie auch immer, es ist nach Jahren der Berieselung der Gesellschaft mit genderfeministischer Ideologie beruhigend zu sehen, dass sich dieser Quatsch weiterhin nicht wirklich durchgesetzt hat, und dass sich die Öffentlichkeit nicht so einfach dazu bringen lässt, den genderfeministischen TaschenspielerInnen um Frau Wizorek das zu geben, wonach sie so gieren: Aufmerksamkeit, Pöstchen, Auftritte und Möglichkeiten, ihre verrückte Ideologie zu pushen.

  1. die meisten Syrer, Iraker sind ja anscheinend, verglichen mit anderen Gruppen, gut integrierbar []

3 Gedanken zu „#ausnahmslos – schon gescheitert?

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  3. HansG

    sogar wenn sich eine SPD-Ministerin vor den grün-bizarr-feministischen Karren spannen lässt.

    Die lässt sich nicht vor den Karren spannen. Die sitzt auf dem Karren; vorzugsweise vorne auf dem Bock. Ziehen sollen die nützlichen Idioten. Also genau die, die man eben noch in die Nähe potentieller Vergewaltiger gestellt hat.

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