Es gibt keinen Gender-, aber einen „Body Height Pay Gap“

Der Zeichner von Dilbert hatte neulich etwas zum angeblichen „Gender Pay Gap“ geschrieben, und mich damit inspiriert.

Also: Der bereinigte „Gender Pay Gap“, also die Lohnlücke zwischen Männer und Frauen, die sich nicht durch Faktoren wie Branche, Unternehmensgröße, Berufserfahrung, Stundenzahl etc. erklären lässt, beträgt ca. 7%.

Es gibt Studien, nach denen größere Männer mehr verdienen als kleinere Männer – pro Zentimeter ca. 0,6 Prozentpunkte.

Nun sind Frauen im Schnitt ca. 12cm kleiner als Männer. Also sollten sie nach der Körpergrößen-Diskriminierungs-Theorie ca. 7,2 Prozentpunkte weniger verdienen als Männer.

Und schon haben wie die restlichen 7% „Gender Pay Gap“ durch einen „Body Height Pay Gap“ erklärt, der mit dem Geschlecht überhaupt nichts zu tun hat. Damit können wir den „Gender Pay Gap“ auf den Müllhaufen der Theorie-Geschichte werfen.

Update 1: Es ist strittig, ob bei Frauen die Körpergröße Einfluss auf die Bezahlung hat. Manche Studien behaupten, größere Frauen verdienten mehr, andere behaupten, die „Gehalts-optimale“ Körpergröße für Frauen sei 1,60m, wieder andere, bei Frauen sei die Körpergröße egal.

Wie auch immer; solange es hier keine definitiven Erkenntnisse gibt, ist die Körpergröße als nicht-sexistische Erklärung für die verbleibenden sieben Prozentpunkte durchschnittlichen Gehaltsunterschieds zwischen Männern und Frauen nicht auszuschließen, und die Behauptung, allein das Geschlecht komme als Erklärung dieser restlichen 7 Prozentpunkte Unterschied in Frage, unseriös und populistisch.

5 Gedanken zu „Es gibt keinen Gender-, aber einen „Body Height Pay Gap“

  1. mitm

    Meines Wissens korreliert hohes Einkommen auch mit wenig Haaren auf dem Kopf. Die besonders gut verdienenden sind nämlich a) meistens männlich und b) älter.
    Also: Man muß sich nur einen Kahlkopf rasieren, schon steigen die Chancen auf mehr Einkommen 😉

  2. lightyear2000

    Korrelation ist nicht gleich Kausalität. http://www.steffenkirchner.de/blog/brot-ist-gefaehrlich-wie-falsche-zusammenhaenge-im-kopf-erschaffen-kann/

    In der Soziologie nennt man das „Fehler der falschen Drittvariable“: so verdienen Menschen mit größerer Schuhgröße auch mehr, als jene mit kleineren Schuhen. Das ergibt sich daraus, dass Frauen im Durchschnitt (auch im Median?) kleiner sind, als Männer im Durchschnitt.

    Korrelation ist nicht gleich Kausalität.

    1. peter Beitragsautor

      Die Studie hat nur die Gehälter von Männern untersucht. Es ist also ausgeschlossen, dass die „Körpergrößen-Gehaltslücke“ das gleiche ist wie der „Gender Pay Gap“.

    2. david

      „Fehler der falschen Drittvariable” hat bei Google genau Null Treffer.

      Was du meinst ist ein Scheinzusammenhang, den man mit einer Semipartialkorrelation auflösen kann. Das lernt man aber wohl eher nicht in der Soziologie.

      Dein Beispiel ist aber schlecht gewählt, weil die Schuhgröße überhaupt keine inkrementelle Validität für den Zusammenhang besitzt über die Körpergröße hinaus.

      Der Effekt der Körpergröße auf das Gehalt ist aber bekannt (wobei ich Kausalität hier auch in Zweifel zieh, aber das nur am Rande), ebenso wie der Geschlechtereffekt. Der Größeneffekt könnte durchaus einen Teil von dessen Varianz aufklären.
      Das lässt sich leicht per Semipartialkorrelation herausrechnen und ich denke mal nicht, dass der Gender Pay Gap dadurch verschwindet, aber es ist grundsätzlich nicht weit hergeholt, da man ja eigentlich davon ausgehen müsste dass der Größeneffekt für alle gilt.

      Geschlecht wird aber wohl eher den Größeneffekt moderieren, soweit ich weiß ist er bei Frauen nur sehr klein. Dennoch sollte man es mal versuchen. Ich kann mir vorstellen, dass er einen Teil der 7% des „bereinigten“ Gender Pay Gaps aufklärt.

      Dieser ist nämlich keineswegs „bereinigt“, sondern einfach nur eine Restmenge nach Kontrolle von einer Handvoll Faktoren. Dass die 7% allein durch „Diskriminierung“ aufgeklärt würden anstatt durch Körpergröße oder tausend andere mögliche Variablen, ist völlig unbewiesen und reine Spekulation.

      (auch im Median?)

      Ist die Frage ernstgemeint oder wolltest du mit dem Begriff nur nochmal den Eindruck erwecken, du verstündest etwas von Statistik?

      Korrelation ist nicht gleich Kausalität.

      Genau diese banale Binse gilt eben auch für die Korrelation aus Lohn*Geschlecht.

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