Das alternative Genderfeminismus 101 – Teil 3: Der heilige Gral Frauenquote

Nachdem ich mich in den ersten beiden Teilen doch etwas ausführlich darüber geäußert habe, wie der Genderfeminismus meiner Beobachtung nach „tickt“ bzw. als in sich geschlossenes Welterklärungsmodell und Ideologie funktioniert (wer die ersten beiden Teile nicht gelesen hat, braucht hier gar nicht weiterzulesen) kann ich jetzt endlich zur Frauenquote kommen.

Denn die Frauenquote ist der heilige Gral des Genderfeminismus. Wir erinnern uns kurz: Die erste These des Genderfeminismus ist, dass die Geschlechterunterschiede, also „Gender“, vom „Patriarchat“ antrainiert und aufgezwungen sind; und die zweite These lautet, dass die „Frauenrolle“ die bei weitem weniger günstige Rolle ist, dass also, ganz direkt gesagt, Frauen generell die Arschkarte gezogen haben.

Und wegen der (vom vermeintlich existierenden, omnipotenten Patriarchat verursachten) unglaublich subtilen, permanent und unterbewusst ablaufenden Konditionierung in diese Rollen hinein können sich die Menschen1 nicht einmal dagegen wehren. Und darum ist die einzige Möglichkeit, diesen (in der Vorstellung der GenderfeministInnen) Teufelskreis zu durchbrechen, die Aufhebung, Egalisierung, Zerschlagung der Geschlechterrollen. Und die einzige Möglichkeit (und ausgehend von den Dogmen ist das absolut logisch), das zu erreichen, ist, alle Unterschiede zwischen den Geschlechtern aufzuheben. Und das wiederum geht nur, wenn Frauen und Männer wirklich die gleichen Sachen machen, und niemand mehr einen Unterschied erkennen kann, und somit auch die spukhafte Konditionierung von Menschen in „Frauen“ und „Männer“ nicht mehr stattfinden kann. Und das geht nur mit einer absoluten Gleichverteilung von Frauen und Männern, überall, mit einer Quote von 50:50. Und darum ist die Frauenquote in genderfeministischer Sicht die einzige Möglichkeit, „das Patriarchat“ zu stoppen und die Frauen von ihrer jahrtausendelangen Knechtschaft zu befreien, und muss darum das ultimative Ziel aller Genderfeministinnen sein.

Der Genderfeminismus hat natürlich auch Argumente, warum er dann nicht auch schon mal 50% Kanalreinigerinnen oder 50% Paketbotinnen fordert. Denn laut Dogma Nr. 2 sind ja Frauen schlimmstens benachteiligt. Also muss alles verhindert werden, was zu einer weiteren Verschlechterung der vermeintlich sowieso desolaten Gesamtposition von Frauen führt. Darum ist das oft kritisierte Rosinenpicken von GenderfeministInnen aus Sicht dieser zwar auch Rosinenpicken, aber absolut gerechtfertigt durch die unvorstellbare Benachteiligung von Frauen, die nur halt außer den GenderfeministInnen niemand wahrhaben will. Und darum ist die Tatsache, dass auch viele Männer Scheiß-Jobs haben für Genderfeministinnen auch kein Argument. Denn laut Dogma 2 geht es allen Frauen schlecht, egal wie schlecht es manchen Männern geht.

Irgendwann später, wenn dank Frauenquoten die Frauen endlich die Nachteile ausgeglichen hätten, würden die Genderfeministinnen vielleicht theoretisch auch eine 50%-Kanalarbeiterinnen-Quote fordern wollen um die Tradierung der Geschlechterrollen endgültig zu verhindern. Aber dieser Zeitpunkt wird nie kommen, weil das zweite Dogma des Genderfeminismus vorschreibt, dass Frauen benachteiligt sind, und darum keine Genderfeministin existieren kann, die erkennt, dass Frauen nicht mehr benachteiligt sind. Nicht zuletzt, weil dieser Zeitpunkt in den Gesellschaften, wo es überhaupt Genderfeminismus gibt, bereits da gewesen ist.

Was macht nun den Genderfeminismus so wirkmächtig? Ich denke, es ist erstmal die eigene, Ideologie-induzierte Überzeugtheit. Diese hilft, junge, unerfahrene, unsichere Menschen von der eigenen Ideologie zu überzeugen und für deren Zwecke einzuspannen.
Hilfreich ist auch die Ablehnung aller Gegenargumente. Denn auf diese Weise sind Kritiker und Skeptiker des Genderfeminismus immer im Nachteil. Sie werden immer versuchen, irgendwie auf den Genderfeminismus einzugehen, seine Argumente zu verstehen, zu reden, Kompromisse zu finden — aber der Genderfeminismus macht keine Kompromisse, erkennt keine Argumente an, und geht auf niemand „Unwissenden“ ein. Tief von der eigenen „Erzählung“ überzeugt kämpfen die AnhängerInnen des Genderfeminismus verbissen gegen das Phantom „Patriarchat“ und seine tausenden und abertausenden Mikro-Manifestationen im Alltag, und sie weichen natürlich nirgendwo einen Fuß breit zurück.

Nehmen wir als Beispiel die neueren Erkenntnisse über die epigenetische Weitergabe von Charaktereigenschaften, oder die soziale Tradierung von Werkzeuggebrauch und Konformitätsdruck bei Vögeln. Diese wissenschaftlichen Erkenntisse wird der Genderfeminismus möglicherweise anerkennen, weil sich diese in die genderfeministische Legende von der Existenz des Patriarchats einbauen und diese damit „wissenschaftlicher“ erscheinen lassen. Wäre es nicht möglich, dass die Geschlechterrollen irgendwie teilweise epigenetisch aufgeprägt werden? Wäre es nicht möglich, dass Konformitätsdruck Menschen die Rollen annehmen lässt, die „das Patriarchat“ für sie vorsieht?2 Auch wenn das (siehe Fußnote) natürlich Quatsch ist, wird das fast niemand ohne gründliche Überlegung sofort zurückweisen können oder wollen, weil er es erst gründlich würde überdenken wollen; GenderfeministInnen hingegen werden schon die Idee, es könnte am Ende doch auch biologische Geschlechterunterschiede geben, immer, sofort und heftig zurückweisen. Also sind die GenderfeministInnen in jeder Diskussion erstmal im Vorteil; nicht weil sie Recht hätten, sondern weil sie nicht zweifeln und immer mit vollem Einsatz in die Diskussion gehen, und auch vor unterirdischen ad-hominem-Attacken nicht zurückschrecken, mit Masku-Nazi- und Kackscheiße-Geschrei, Strohmann-Argumentation und der ganzen Palette aggressiver Rabulistik.
Denn nach genderfeministischer Logik handeln sie ja in einem Zustand permanenter Notwehr gegen Patriarchat und „Rape-Culture“. Und auf (vermeintlich) privilegierte — und darum als Nutznießer des Unterdrückungssystems sowieso nicht zum kritischen Hinterfragen dieses Systems bereite — Männer braucht eine Genderfeministin im weltanschaulichen Kampfeinsatz natürlich keine Rücksicht zu nehmen – ebenso wie auf vermeintlich gehirngewaschene Sklavinnen des Patriarchats, also nicht-genderfeministische Frauen.

Aber es gibt auch etwas Hoffnung. Manchmal zum Beispiel bekommen Genderfeministinnen Kinder, und müssen erleben, dass ihre ganze Ideologie von der Konditionierung der Geschlechterrollen ganz offensichtlicher Unsinn ist, wenn nämlich ihr sorgsam in geschlechtsneutralem Leinen-Grau gewandetes und mit ausgewähltem genderneutralen Spielzeug ausgestattetes sowie von allen äußeren Einflüssen abgeschirmtes Kind dennoch aus sich selbst heraus schon nach wenigen Lebenswochen eine eindeutige Geschlechter-Rolle entwickelt.

Und schließlich und endlich muss sich niemand wirklich vor dem Genderfeminismus fürchten. Die Erzählung von der Existenz eines „Patriarchats“, die auch wegen der vom Genderfeminismus erkämpften Bevorteilung von Frauen immer irrealer wird, muss ständig wiederholt werden, um überhaupt von irgendwem geglaubt zu werden. Und wenn etwas sicher ist, dann, dass Ideologien meist Halbwertszeiten von höchstens ein oder zwei Generationen haben. Auch wenn der Höhepunkt der Beeinflussung der Gesellschaft durch den Genderfeminismus (nennen wir ihn „peak gender“…) noch nicht erreicht sein mag — der Untergang dieser auf tönernen Füßen bzw. sinnfreien Dogmen basierenden Ideologie ist sicher.
Und bis dahin werden Männer und Frauen weiter tun, was Frauen und Männer tun wollen, und alle Quoten und „Umerziehungsmaßnahmen“ werden daran nichts ändern, weil die neurobiologisch bedingten und seit Jahrmillionen veranlagten Geschlechterunterschiede bestehen bleiben werden.
Was auch schön daran zu sehen ist, dass sogar die Wahrscheinlichkeit, dass überzeugte GenderfeministInnen Ingenieurwissenschaften studieren, wie sie es predigen, quasi Null ist.
Gegner des Genderfeminismus können also entweder das Popcorn auspacken und — notfalls aus sicherer Entfernung — abwarten, oder aber dafür kämpfen, dass die Geschichte des Genderfeminismus eine eher kurze Episode in den Geschichtsbüchern bleibt.

  1. die nicht erleuchtet oder erweckt sind bzw. „die rote Pille genommen“ haben, wie die GenderfeminstInnen []
  2. Es gibt Erkenntnisse, dass man auch mit Konformitätsdruck aus Jungen keine Mädchen machen kann, und vice versa. Und eine epigenetische Aufprägung einer Geschlechterrolle sollte bei einem Gen-Mix von 50:50 schon theoretisch unmöglich sein. []