Archiv für den Monat: November 2014

Google-Entflechtung – warum nicht?

Allerorten lese ich Kommentare, die Idee, Google zu zerschlagen seien dumm, rückständig, sozialistisch, und anderen Bullshit.

Tatsächlich – siehe Standard Oil gehört die Verhinderung von Kartellen in allen relevanten „Schulen“ der Volkswirtschaft zu den notwendigen Elementen einer Marktwirtschaft, also würde ich denjenigen, die ein Zerschlagung von Google kategorisch ablehnen, vielleicht mal etwas weniger ignorant zu sein.

Aber wie auch immer – gerade bei einer „Internet-Firma“ ist eine Zerschlagung geradezu lächerlich einfach. Google hat schon redundante Rechenzentren, im Prinzip müsste man Google nur zu zwei oder drei getrennten Firmen erklären, die Entwickler aufteilen, das sogenannte „geistige Eigentum“ (ver-)teilen, ebenso Kapital und Rechenzentren, und alle zwei oder drei Google-Töchter könnten dann weitermachen wie bisher, nur mit weniger Marktmacht und weniger extremem Datenmissbrauchspotential.

Kriegt halt eine Firma google.com, eine google.net und eine google.org, und die Länderdomains werden nach Reichweite geordnet im Round-Robin-Verfahren verteilt, fertig.

Ich sehe wirklich das Problem nicht. Eine Marktwirtschaft ohne Wettbewerb jedenfalls ist Unsinn, ebenso wie das Gefasel von wegen, ein Unternehmen würde für seinen Erfolg bestraft.
Das einzige Argument, was ich gegen eine Zerschlagung gelten lassen würde ist, dass es vielleicht noch zu früh ist. Microsoft und IBM wurden schließlich auch nicht zerschlagen, und haben dennoch ihre absolute Vorherrschaft verloren, ebenso wie meiner Meinung nach auch ebay, Altavista und andere Firmen, die heute nur noch „Randnoten“ der Geschichte sind.

Väter werden härter bestraft?

Im Todesfall der kleinen Yagmur wurde die Mutter wegen Mordes verurteilt. Das geschieht selten genug. Meist kommen die Täterinnen mit wenigen Jahren Haft, manchmal auch auf Bewährung, davon.

Aber der Vater von Yagmur, der von den inkompetenten Behörden mit seiner gewalttätigen Frau alleingelassen worden ist (eine Frau hätte man wohl mit dem Kind ins Frauenhaus geschafft, oder den Vater der Wohnung verwiesen) wird jetzt wegen „Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen“ ebenfalls zu 4,5 Jahren Haft verurteilt. Was übrigens die gleiche Strafe ist, die deutsche Gerichte für „Kind vorsätzlich aus dem Fenster werfen“ vergeben, sofern es um eine Frau geht.

Ich finde, hier zeigt sich recht deutlich, wie sehr Männer vor Gericht aufgrund ihres Geschlechts benachteiligt werden.
Einen Vater zu bestrafen, der ganz offensichtlich mit seiner gewalttätigen Frau überfordert war und wahrscheinlich sowieso nichts hätte tun können, da Jugendämter und Gerichte sowieso meist auf Seiten der Mütter sind, und auch das bereits eingeschaltete Jugendamt nichts getan hat, wird jetzt auch noch ebenso hart bestraft als hätte er sein Kind selbst aus dem Fenster geworfen (und wäre ein Frau gewesen).

Das ist eine himmelschreiende Ungerechtigkeit; ich hoffe, der Verteidiger des armen Mannes wird hier Berufung einlegen.

Das alternative Gender-Feminismus 101, Teil 1: Die Grundlagen des Genderfeminismus

Der Feminismus hat Akzeptanz-Probleme. Der Grund dafür ist, dass die aktuell am stärksten wahrnehmbare Strömung des Feminismus, der „Gender-Feminismus“, sich vom klassischen Gleichberechtigungs-Feminismus sehr weit entfernt hat, so dass die meisten Menschen sie nicht mehr verstehen.

In diesem meinen Gender-Feminismus 101 will ich daher verschiedene Aspekte des Gender-Feminismus für „Nicht-Genderfeministen“ versuchen zu erklären. So objektiv ich es eben kann.

Aber erstmal zu einer kurzen Begriffsklärung. „Gender“ ist in den sozialwissenschaften der Begriff für das sogenannte „soziale Geschlecht“, also für ein „geschlechtsspezifisches Verhalten“. Dieses wird getrennt betrachtet vom biologischen Geschlecht (englisch „sex“). Diese getrennte Betrachtung ist durchaus sinnvoll, denn natürlich ist es wissenschaftlich interessant zu erforschen, welche Verhaltensweisen welchem Geschlecht zugeschrieben werden, oder umgekehrt, welches Geschlecht aufgrund von Verhaltensweisen vermutet wird. Und sich natürlich nicht jeder Menschen „typisch“ verhält, nicht jede Frau nur vorwiegend weibliche und jeder Mann nur vorwiegend männlichen Verhaltensweisen zeigt, sondern sich nur Männer und Frauen jeweils im Schnitt signifikant unterschiedlich verhalten, ist es eigentlich eine naheliegende Idee, das „Geschlecht laut Sozialverhalten“ mit einem eigenen Begriff zu bezeichnen.

Bis in die 70er Jahre hinein würde, würde ich mal behaupten, dominierten die sogenannen DifferenzfeministInnen den Feminismus. Die Differenzfeministinnen gehen von der Unterschiedlichkeit der Geschlechter aus, und fordern auf Basis diese Annahme Gleichberechtigung bzw. gleiche Recht für alle. Sie würden aber wahrscheinlich nicht behaupten, die geringe Zahl von Frauen im Vorstand von Kleintierzüchtervereinen sei ein Beweis für die Diskriminierung von Kleintierzüchterinnen. Denn Differenzfeministinnen könnten sich vorstellen, dass Kleintiere-Züchten aus irgendeinem Grund für Männer attraktiver ist als für Frauen, und würden es nicht für notwendig halten das zu hinterfragen.

Der Gender-Feminismus, im deutschen etwas verwirrenderweise auch „Gleichheits-Feminismus“ genannt, geht nun im Gegensatz zum Differenzfeminismus davon aus, dass das „soziale Geschlecht“, also das ganze geschlechtsspezifisch signifikant unterschiedliche Verhalten, das oft auch als „Rollenverhalten“ bezeichnet wird, nicht vom biologischen Geschlecht bedingt oder impliziert wird, sondern dass es lediglich anerzogen („sozial konditioniert“) wird.

Das ist DIE Grundannahme des Genderfeminismus. Wenn man diese als wahr annimmt, kann man die weiteren Aspekte des Genderfeminismus quasi „logisch folgern“. Und das ist wohl auch der Grund, warum so viele GenderfeministInnen durchaus intelligente, zu logischem Denken fähige Menschen sind.

Das Problem mit der Grundannahme des Genderfeminismus ist, dass sie nicht stimmt. Und das ist auch der Grund dafür, dass die Folgerungen, die man auf Grundlage dieser prämisse ziehen kann, Außenstehenden als völlig wirr erscheinen müssen.

Nun ist es natürlich in machen Fällen so, dass Menschen aus verschiedenen Gründen nicht zu neuro- oder phäno-typischen Männern oder Frauen heranwachsen. Solche Gründe können zum Beispiel hormonelle Störungen während der Schwangerschaft sein, genetische Schäden, oder irgendwelche Entwicklungsbeeinträchtigungen. Und natürlich überlappen sich die Verhaltensweisen von Frauen und Männern auch sehr weit, nur im Schnitt gibt es eben signifikante Unterschiede.
Die Gender-FeministInnen leiten nun aus diesen Fällen und Fakten ab, dass es eine biologische Vorfestlegung des Verhaltens, eine neurologische Vorprägung des Gehirns, hormonell induzierte Verhaltensweisen, durch das Geschlecht vorbestimmte Verhaltenspräferenzen etc. generell nicht gebe, oder behaupten zumindest, das zu glauben.

Die offensichtlichen, schon relativ früh wahrnehmbaren Unterschiede bei der Entwicklung der überwiegenden Masse aller Kinder werden mit der bereits erwähnten „sozialen Konditionierung“ erklärt.

Diese Erklärung ist allerdings mehrfach widerlegt. Sogar bei Neugeborenen sind bereits unterschiedliche Interessen belegt. Und wer Kinder hat, dem wird aufgefallen sein, dass Geschlechterunterschiede bereits in einem Alter auftreten, in dem „soziale Konditionierung“ quasi unmöglich ist.

Wie auch immer – der Genderfeminismus, der für viele heute als „der“ Feminismus gilt, weil er am radikalsten und am lautesten ist, geht von dieser Grundannahme der Geschlechtergleichheit aus.

Und konstruiert auf dieser Grundlage ein Gedankensystem, ein in sich geschlossenes Weltmodell, dass die Widersprüche zwischen der Realität und dieser Annahme erklären soll.

Zum Beispiel ist es eine Tatsache, dass die Interessen von Frauen und Männern im Durchschnitt unterschiedlich sind, und dass Frauen eher zu sogenannten sozialen Berufen neigen, Männer eher zu technischen Berufen. Das hat nichts mit Diskriminierung zu tun, sondern mit geschlechtsspezifischen Präferenzen, Neigungen, Wünschen und Interessen die dazu führen, dass Frauen und Männer im Durchschnitt ein deutlich anderes Berufswahlverhalten zeigen.

Das aber darf im Genderfeminismus auf keinen Fall wahr sein, weil das Dogma der Geschlechtergleichheit verlangt, dass Frauen und Männer gleiche Präferenzen, Neigungen, Wünsche und Interessen haben müssten.

Als Erklärung für diese Unterschiede konstruiert der Genderfeminismus darum die „soziale Konditionierung“ und Diskriminierung, die sichtbar und unsichtbar Frauen und Männer in1 Geschlechterrollen quasi hineinzwingen soll.

Als „Beweis“ für diese Konditionierung wird dann z.B. herangezogen, dass Jungen und Mädchen unterschiedlich bekleidet werden, unterschiedliche Spielzeuge bekommen etc.; die ebenfalls naheliegende Erklärung, dass Jungen und Mädchen unterschiedliche Dinge tragen wollen, weil ihnen unterschiedliche Dinge gefallen, und die Bekleidungsindustrie dieses Bedürfnis einfach nur bedient, weil es ihren Umsatz steigert, wird kategorisch ausgeschlossen.
Aber der Genderfeminismus braucht sowieso keine Beweise für irgendetwas, denn man versteht sich dort auf die Kunst des Zirkelschlusses: Da (Dogma!) es keine Unterschiede gibt zwischen Männern und Frauen, aber bei Erwachsenen welche vorhanden sind, MUSS es die soziale Konditionierung geben. Unterschiedliche Kleidung und Spielzeuge sind Unterschiede in der Sozialisation. Die soziale Konditionierung ist die einzige Erklärung für die Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Also müssen unterschiedliche Kleidung und Spielzeuge Anteil haben an dieser Konditionierung. Und deshalb liegt es auf der Hand, dass es die soziale Konditionierung gibt. Und so weiter, immer im Kreis.

An dieser Stelle müssen wir eine weitere Annahme einführen, und zwar: Frauen werden benachteiligt.

Dass Männer und Frauen in verschiedenen Bereichen des Lebens ungleich verteilt sind, bedeutet ja erstmal gar nichts, könnte theoretisch auch Zufall sein.
Wenn man jedoch von der Annahme ausgeht, dass es neurobiologische Unterschiede gibt, die bei Frauen und Männern zu im Schnitt deutlich unterschiedlichen Präferenzen, Neigungen, Interessen, Talenten etc. führen, und wenn man davon ausgeht, dass Frauen und Männer gleichberechtigt und selbstbestimmt ihre Persönlichkeiten entfalten und die Berufe ergreifen, die ihnen am besten gefallen, dann sind die Ungleichverteilungen heute (zumindest in den liberalen rechtsstaatlichen demokratischen Gesellschaften) lediglich Folge der real existierenden durchschnittlichen Geschlechter-Präferenzunterschiede. Jedes Individuum verfolgt seine eigenen Interessen, und hinterher kommt eine Verteilung heraus, die entsprechend der geschlechtsspezifischen Präferenzunterschiede die unterschiedlichen getroffenen Wahlen abbildet.

Aber die genderfeministische Annahme Nr. 1 lautet, dass die Geschlechter gleich sind. Und daraus, wird gefolgert, dass die — unter dieser Annahme eigentlich unerklärlichen &mdash, Ungleichverteilungen und Präferenzunterschiede dadurch verursacht sein müssen, dass die Geschlechter dazu konditioniert oder manipuliert, quasi gezwungen werden, eigentlich unnatürlichen Geschlechterrollen gemäß zu handeln.

Aber auch die Annahme, dass die Geschlechter Rollen aufgezwungen bekämen hieße noch nicht, dass hier irgendeine der beiden Gruppen benachteiligt wird, denn es könnten ja auch beide Geschlechter zwar jeweils andere Rollen haben, aber dennoch im Mittel gleich gut gestellt sein. Und wenn ein Geschlecht durch die Rollenzuteilung schlechter gestellt sein sollte, dann müssten das nicht zwingend die Frauen sein. Es wäre auch denkbar, dass die Männer, die kürzer leben, häufiger tödliche Arbeitsunfälle haben, öfter Opfer von Gewaltkriminialität werden und früher auch öfter mal Soldat werden und für das Vaterland sterben durften die Arschkarte gezogen haben und die Frauen die weitaus bessere Rolle bekommen haben.

Aber der Genderfeminismus geht davon aus, dass die Frauen die schlechtere Rolle bekommen haben und daher benachteiligt sind. Ich kann persönlich nicht nachvollziehen.2

Die beiden Annahmen

1) Vollkommende Gleicheit der Geschlechter (bei Geburt) und
2) Benachteiligung von Frauen (durch die [aufgezwungene] „Frauenrolle“)

sind die Dogmen des Genderfeminismus. Das erste Dogma ist wissenschaftlich widerlegt und auch aus der Anschauung heraus deutlich abwegig, das zweite Dogma steht auch auf tönernen Füßen, denn man kann für jedes Geschlecht ebenso viele angebliche Vor- wie Nachteile finden, und ob ein Aufrechnen irgendwelcher statistischer Daten wie Lebensdauer, Selbstmordrate, Zufriedenheit, Einkommen, Blutdruck und Lieblingsfarbe in Bezug auf eine geschlechtsspezische Bevor- oder Benachteiligung irgendwelche Aufschlüsse erlaubt erscheint mir zweifelhaft.

Da es sich aber um Dogmen handelt, diskutieren Genderfeministinnen grundsätzlich nicht über darüber. Daran kann man sie übrigens gut und schnell erkennen 🙂

Denn es ist einem Genderfeministen nicht möglich, diese Dogmen in Zweifel zu ziehen. Wer einmal beschlossen hat, an diese Dogmen zu glauben, der wird immer stärker in das in sich geschlossene Glaubenssystem des Genderfeminismus hineingezogen, der baut auch sein Selbstbild auf die Gültigkeit dieser Dogmen auf, und der ist irgendwann überhaupt nicht mehr in der Lage die Grundlagen seiner Weltsicht in Zweifel zu ziehen.

Im nächsten Teil des alternativen Genderfeminismus 101 werde ich dann versuchen zu erläutern, wie der Genderfeminismus die angebliche Benachteiligung von Frauen und die angebliche, aber nicht nachweisbare Konditionierung von Frauen in ihre angeblich schlechtere Rolle mit der Existenz einer globalen Verschwörung namens „Patriarchat“ erklärt.

  1. dann letztlich rein zufällig entstandene []
  2. Es scheint fast so, als fänden Genderfeministinnen die Dinge, die Männer im Schnitt machen, im Schnitt irgendwie cooler als die Dinge, die Frauen im Schnitt machen. []

At ESA, people are allowed to wear sexist T-shirts!!!1!

Internet feminists have complained about an ESA scientist wearking a T-shirt they think is sexist, because it depicts „sexualized comic characters“.

Well, this is kind of absurd, think I thought feminists where against slut-shaming, but these feminists, in all honesty, claim to fear that this T-shirt may repel women from becoming (rocket) scientists.

Actually, I studied informatics, and as I know women who have the interest in tech required to succeed in the technical/mathematical fields, they are not easily repelled by anything.
Maybe in the gender-studies departments where average internet feminists hide in women-only safe spaces, women exist who are so mentally unstable you can severely shock them with comic art.

But real, normal, average women can never ever be hindered from the pursuit of their interests, cannot be prevented from choosing their favorite major in university, by someone wearing a T-shirt, no matter what it’s depicting.
And I think that women were so easily to repel is a ridiculous claim. It is rendering women as weak, helpless, mentally unstable people who need to be protected from even so negligible „threats“ as men wearing T-shirts with comic characters. It’s exactly the picture of women as „damsels in distress“ they are painting, which other internet gender feminists claim to fight against.

But let us as assume, for some moment, that women generally were that easily offended by depictions of women internet gender feminists do not think are the way women according to gender feminist morale should be depicted, or by „sexualized“ things.

If so: How comes that so many women study arts and psychology?.

You know, psychology means you may be confronted with all kinds of odd facts about humans, including sexually pathologically disturbed men, even more disturbed than those wearing „sexist“ T-shirts in public.

And arts, even worse, means you may have to deal with the history of arts, which is, according to internet gender feminists, a history of patriarchy, suppression of woman, and poisoned with misogynistic depictions of women, including the work of Helmut Newton and others.

So, shouldn’t these disciplines repel women very strongly? Shouldn’t arts and psychology be completely male-dominated, if the claims of internet gender feminists regarding how easily women were offending were even remotely true?
Obviously, the women-easy-to-repel-theory of the internet gender feminist fashion police is completely made up. Obviously most women are not repelled by the things internet gender feminists think are unbearable not only for them, but most women.

So please, internet gender feminist fashion police: Please don’t fuss about scientists T-shirts. Stop displaying women as more interested in clothes but in science, stop displaying women as mentally weak people who could be repelled from studying what they want by guys with T-shirts depicting female comic characters.

Interessiert keinen, aber: Krankenpfleger töten mehr Menschen als alle Terroristen, Nazis etc. zusammen

Wieder einmal wird ein Krankenpfleger angeklagt, Patienten heimtückisch getötet zu haben. Alle paar Jahre wird so ein Fall aufgedeckt, denn so etwas kommt öfter vor. Es gibt deshalb sogar Untersuchungen über die Psychologie von Todesengeln.

Also ermorden psychisch kranke Krankenpfleger in Deutschland mehr Menschen als alle Neonazis, Terroristen und Extremisten zusammen. Aber während zumindest beim Rechtsterrorismus nachgeforscht wird, warum die Ermittlungsbehörden so versagt haben, dass 10 Menschen getötet werden konnten, interessiert das bei der erheblich höheren Zahl von Morden in Krankenhäusern: Niemanden.

Und das ist ein Skandal.
Wie kann es sein, dass in Krankenhäusern so gut wie nie nach einer Todesursache geforscht wird?
Immer noch darf in Deutschland jeder Arzt einen Totenschein ausstellen, und viel zu häufig wird einfach von irgendwem, der in der Gerichtsmedizin-Vorlesung im vierten Semester geschlafen hat, „natürliche Todesursache“ angekreuzt. Und deshalb werden psychisch kranke „Todesengel“ in Deutschland viel zu spät erkannt und gestoppt. Und wer weiß, was ggf. alles für „Kunstfehler“ vertuscht werden dadurch, dass diejenigen, die die Todesursache festellen Kollegen von denjenigen, die ggf. die Fehler gemacht haben?

Dass sich Deutschland viel zu wenige Gerichtsmediziner leistet und bei Todesfällen viel zu selten qualifizierte Leichenschauen durchgeführt werden ist natürlich seit Jahren bekannt.
Gerade wegen der schwierigen finanziellen Situation der Krankenhäuser in Deutschland ist aber die Obduktionsquote in Kliniken sogar rückläufig. Qualitätssicherung kostet nur!
Beste Bedingungen also für „Todesengel“, denn bei einer Obduktionsquote von weniger als 5% (Schweden: ca. 30%) ist die Entdeckungsswahrscheinlichkeit eher gering. Rechnerisch gesehen steigt die Wahrscheinlichkeit einer Obduktion eines Patienten erst bei 14 Patienten auf über 50%, also könnte ein „Todesengel“ statistisch gesehen in Deutschland durchschnittlich 14 Menschen töten, bevor er (oder sie) entdeckt wird.

Aber auch in anderen Bereichen ist der Mangel an Gerichtsmedizinern fatal: Wer z.B. in Deutschland vergewaltigt, missbraucht oder misshandelt wird, hat nur wenige Chancen, die Tat nachweisen zu können, wenn die Befunde nicht von einem Facharzt für Rechtsmedizin erhoben werden. Denn wenn nur ein normaler Arzt die Befunde aufnimmt, kann jeder bessere Rechtsanwalt mit Hilfe eines Sachverständigen viele Beweismittel in der Luft zerreißen.

Von daher ist die lächerlich geringe Zahl von Gerichtsmedizinern in Deutschland in mehrfacher Hinsicht ein Skandal und wir sollten überlegen, ob einer der reichsten Nationen der Welt der Schutz von Alten, Kranken und Gewaltopfern und die Verfolgung von Mördern und Gewalttätern nicht die paar Euro für eine angemessene Versorgung mit Gerichtsmedizinern wert sein sollte.

Was erlauben GDL?

Die Aufregung über den Streik der GDL nervt.

Entweder es gibt ein Streik-Recht; dann kann die GDL das nicht „gefährende“ oder „missbrauchen“, indem sie es nutzt, denn ein Recht ist dafür da, es zu gebrauchen, und nicht nur dafür, auf dem Papier zu stehen.

Klar ist es blöd, dass die Lokführer so wichtig sind und so viel lahmlegen können. Aber wenn sie so unverzichtbar sind, weil Firmen etc. sich auf die Bahn verlassen und durch „Just-in-Time“-Anlieferung Geld für Lagerhaltung sparen, dann sollten diese Firmen auch etwas mehr Geld zahlen können, das man dann den Lokführern geben kann, oder zumindest aufhören über die Lokführer zu jammern, nur weil ihre eigene Lagerhaltung nicht existent und ihr Risikomanagement für den Fall „Eisenbahnstreik“ nicht vorhanden ist.

Es gäbe doch Lösungsmöglichkeiten: Selbstfahrende Züge vielleicht.

Die Politiker, die sich jetzt aufkeksen dass man bei der Bahn gefälligst nicht streiken dürfe (denkt doch mal an die Kinder Menschen!), die haben die Deutsche Bahn halb privatisiert, halb Staatsunternehmen sein lassen, und den Wettbewerb auf der Schiene nicht so ermöglicht, dass auch ein anderes Unternehmen Züge von Hamburg nach Berlin fahren lassen könnte als halt dieser eine Konzern. Gäbe es mehrere größere Bahnunternehmen, wäre es zumindest unwahrscheinlich, dass alle Lokführer zeitgleich streiken würden. Von daher soll die Politik bitte die Klappe halten. Die hat’s doch mit verbockt.

Wäre die Bahn wirklich ein normales privates Unternehmen, dann könnte es ja ggf. auch wegen der hohen Gehaltsforderungen seiner Leute pleite gehen, aber bei der DB als „systemrelevanten“ Unternehmen, dass sowieso vom Staat gerettet würde, lässt es sich natürlich entspannt streiken als Gewerkschaft.

Aber wenn die Bahn schon „systemrelevant“ ist, und man von Seiten der Politik nicht für Konkurrenz sorgen will bzw. die Bahn als Infrastrukturunternehmen weiter staatlich kontrollieren will: Dann sollte man die Bahn konsequenterweise wieder verstaatlichen und die Lokführer wieder verbeamten, anstatt diesen albernen Eiertanz um die Bahn und die GDL weiter aufzuführen.

Wie auch immer: Dieses blöde GDL-Streikrechtmissbraucher-Mimimi will ich nicht mehr hören.