Archiv für den Monat: Juni 2014

Abrechnen statt „weiter-so!“

Gut und richtig am #aBPT war vor allem, dass der Höhenflug der Berliner „Peergroup“, der selbstverliebten Rabulisten und testosteronstrotzenden Antifa-Alphamännchen und ihrer Clique, endlich gestoppt wurde.

Das einzige, was auch an der Pöbelei von Christopher Lauer auf dem aBPT in Halle ebenfalls gut und richtig war, war die Feststellung, dass die Piratenpartei verpasst hat, die Wahlerfolge und Misserfolge der letzten Zeit aufzuarbeiten.

Aus beidem folgt, dass es verfrüht ist, jetzt Flausch zu fordern, denn:

Nur die kompromisslose Zurückweisung ihrer Ideen und Kandidaten hat die Bullies und Antidemokraten aus Berlin in ihre Schranken gewiesen. Dieser Sieg gegen den linksextremen Wahnsinn darf jetzt nicht durch einen verfrühten Kuschelkurs verschenkt werden. Beißhemmung gegenüber denjenigen, die immer wieder im Rudel gnadenlos zugebissen haben, ist fehl am Platze. Gegen die Antidemokraten und ihre Ideologie muss weiter eine harte Kante gefahren werden.

Wenn die halbe Partei jetzt aus Angst vor der eigenen Courage — wie von der unerwarteten Schwäche des Silberrückens verunsicherte Beta-Männchen — den Schwanz vor den ideologisch in der Wolle gefärbten, neurotischen Extremisten-Alphas einzieht, haben wir diese und ihre Mobbing-Hilfstruppen übermorgen wieder am Hals. Jetzt gilt es Mobber konsequent aus der Partei zu werfen und sicherzustellen, dass diese Leute nicht wieder zurückkommen.

Die auch von Lauer geforderte Aufarbeitung der jüngeren Vergangenheit, die „partei-amtliche“ Einordnung von Erfolgen, Misserfolgen und Gates durch die Partei, muss jetzt stattfinden. Der Kurs muss neu bestimmt werden, und wer dann keinen Bock mehr hat, in diese Richtung mitzusegeln, der muss von Bord gehen.1

Wer jetzt fordert, diese Aufarbeitung, die auch eine schmerzhafte innerparteiliche Abrechnung sein wird, zu verschieben, auch wegen der Wahlen in Brandenburg, der hat meiner Meinung nach nicht verstanden, dass es genau diese Abrechnung und die Klärung der Ziele und Visionen der Piratenpartei ist, die die Partei jetzt dringend braucht. Sofort!

Längst fällige Entscheidungen müssen getroffen werden, wie z.B. die Priorisierung der Ziele der Partei, und ob man sich nicht doch lieber wieder zu einem Themenfokus bekennt, statt zum Vollprogramm.

Update 2: Also ganz platt und konkret: Was wollen wir? Sind BGE, Frontex, Gender, Refugees und SMV wichtig, oder doch eher Netzneutralität, NSA, Transparenz und TTIP?
Wollen wir eine aktionistische Betroffenheitspartei (Das Patriarchat! Die Refugees! Alles so schlimm!!!1!!) sein, die alle Themen gleichzeitig mit Schnellschuss-Aktionen angeht, oder eine Realopartei, die sich Ziele setzt, aber auch strategisch für den Wähler interessante Themen identifiziert und glaubhaft für sich in Anspruch nimmt, und hartnäckig auf diese Ziele hinarbeitet? Das ist doch die Frage! Und wenn wir uns für zweiteres entscheiden, dann passen vielleicht einige Leute einfach nicht mehr in diese Partei.

Update 1: Abrechnung klingt hart, aber wenn man die Vergangenheit ernsthaft aufarbeiten will muss man auch mit Ergebnissen wie eindeutigen Schuldzuweisungen rechnen. Wer eine Aufarbeitung ohne möglicherweise schmerzhafte Ergebnisse für irgendwen will, der kann die Aufarbeitung auch gleich lassen.
Es ist auch richtig, dass eine Partei eine „Fehlerkultur“ haben sollte, damit Fehler auch zugegeben werden können, damit ausgeschlossen wird, dass Menschen als politische Bauernopfer verbrannt werden.
Jedoch muss man unterscheiden zwischen Fehlern, die in bester Absicht gemacht worden sind, und vorsätzlichen Manipulations- und Übernahmeversuchen wie z.B. der versuchten Umformung der Partei in eine extremistische linksideologische Kaderpartei mittels Einschüchterung und Unterwanderung.
Hin und wieder muss eine Partei sich umorientieren, müssen notfalls auch politisch nicht mehr mit der Mehrheitsmeinung konforme Mitglieder vor den Kopf gestoßen werden, oder muss eine politisch verirrte Führung ausgetauscht werden.
Ich glaube wir sind an einem Punkt, wo Weichen gestellt werden, und wo einige Mitglieder das Schiff werden verlassen wollen. Die, die aufrichtig anderer Meinung sind halten zu wollen ist sinnlos; die, die heimlich auf eine erneute Chance zum linksextremistischen Umsturz hoffen halten zu wollen ist gefährlich. Darum bin ich nicht dafür, irgendwelche Versöhnungsmaßnahmen durchzuführen. Wer sich mit der aktuellen Mehrheitsmeinung identifizieren kann soll bitte bleiben. Wer nicht, der soll bitte gehen.

  1. Wie so oft: Nautische Metaphern FTW! []

Gegen Günstlingswirtschaft und politische Inzucht: JuPis abkoppeln!

Für die, die es noch nicht wussten: Ich war mal Mitglied einer Altpartei. Ich bin ausgetreten, als mir bewusst wurde, dass man in Altparteien vor allem dann gewählt wird, wenn man außer Politik kein Leben mehr hat und vom 16ten Lebensjahr an bei den jungen (Sozialisten|Liberalen|Unionlern) genetzwerkt hat. Man muss sich da nur mal die Karrieren von Daniel Bahr, Philipp Mißfelder und Andrea Nahles und fast allen anderen „führenden“ oder medial zu „Hoffnungsträgern“ ernannten jungen MdBs und MdLs ansehen. Immer das gleiche Muster: Die Jugend für die Jugendorganisation geopfert, dann Studium, währenddessen Kofferträger eines MdB, dann ohne Berufs- oder Lebenserfahrung in den Bundestag. Keine sozialen oder ökonomischen Fähigkeiten, aber sich einbilden, über das Leben der Menschen bestimmen zu können, die im wirklichen Leben wirkliche Arbeit verrichten, wirkliche Probleme haben, mit echten Menschen umgehen müssen, etc..

Wer nicht zum Club der Karrieristen gehört, wer nicht frühzeitig Protegé/Kofferträger/Mitarbeiter eines MdBs oder MdLs wird, wer sich nicht hochdient, nicht am System der Günstlingswirtschaft teilnimmt, der hat bei den Altparteien kaum eine Chance.

Und nun sehe ich verwundert, dass es bei der Piratenpartei fast schon ähnlich zugeht. Menschen ohne erkennbare Fähigkeiten wie Julia Reda werden auf Platz 1 der Europa-Wahlliste und dann sogar ins EP gewählt, weil sie mal JuPi-Vorsitzende waren, wegen der Frauen- und Junge-Menschen-Quote, und weil sie ja verdiente Funktionäre einer Organisation waren, die eigentlich von der Partei „völlig unabhängig“ ist oder jedenfalls rechtlich sein soll.

Und MdLs und MdAs halten sich auch teilweise schon eine Entourage und züchten die erste Generation von Kofferträgern heran, so dass die Durchdringung der Piraten mit auf ökonomischer und politischer Abhängigkeit basierenden Seilschaften ihren Anfang nehmen wird.

Ich hoffe nicht, dass die Piraten eine Partei sein wollen, die sich eine Jugendorganisation hält, um linientreuen Parteinachwuchs heranzuzüchten — so wie andere Parteien.
Ich hoffe, die Piratenpartei will statt dessen eine Partei sein, die auf überzeugte erwachsene Mitglieder zählt und nicht auf eigens früh-indoktrinierte Parteinachwuchs-Zombies.

Darum wünsche ich mir, dass die Piratenpartei bald zwei Dinge tut:

1. Den JuPis den Status der Piraten-Jugendorganisation entziehen und in Zukunft keine Jugendorganisation anerkennen. Die Piraten brauchen keine Mitglieder, die keine normale Jugend hatten und ihre Sozialisation quasi exklusiv in einer politischen Filterblase erhalten haben. Auch dann nicht, wenn es eine „piratige“ Filterblase ist.

2. Einen Verhaltenscodex erlassen, der die partei-interne Günstlingswirtschaft und Patronage verhindert, indem er es verbietet, dass Mitarbeiter von MdA, MdL, MdB, MdEP und anderen Abgeordneten führende Mitglieder irgendwelcher politischen Jugendorganisationen sind. Mitarbeiter sollten entweder keiner Partei angehören oder zumindest keine führenden Positionen innerhalb der Piratenpartei oder einer parteinahen Organisation innehaben.

Wenn die Piratenpartei nicht genau so werden will wie alle anderen Parteien, dann müssen wir die partei-interne Vetternwirtschaft und die politische Inzucht durch Nachwuchsorganisations-Karrieristen aufhalten. Das klingt jetzt vielleicht übertrieben dramatisch, aber wer Augen hat um zu sehen sieht doch, wie sich auch bei den Piraten schon Anfänge dieses System ausbreiten, dass bisher noch jede Partei unterwandert und zu einer quasi geschlossenen, vom normalen Bürger abgeriegelten Gesellschaft gemacht hat.

Die Selbst-Enttarnung der Linksextremisten oder: Nerds sind rechts!!!1!!Elf!!

Was mit am gestrigen aBPT-Tag gefallen hat war nicht nur die Wahl von vernünftigen Leuten in den BuVo, sonder vor allem die Selbst-Enttarnung der Linksextremisten.

Ein bekannter linker Twitterer behauptet z.B. in seinem Zorn, die Piraten seien nun eine stramm rechte Splitterpartei.

Die Bezeichnung „stramm rechte Splitterpartei“ kann man nur so mit der Realität in Einklang bringen, dass „rechts“ alles ist, was nicht linksextrem ist. Danke, dass durch diese Selbstoffenbarung jetzt jeder Pirat sehen kann, dass die Piratenpartei tatsächlich ein Problem mit von der Realität abgekoppelten Linksextremisten hat.

Ein anderer Twitterer stellt fest, nun werde offenbar, „dass die Nerd-Kultur strukturell rechts“ sei.

Ich finde es schön, dass hier ganz klar der Bruch zwischen Kernpiraten und hinzugestoßenen Links-Utopisten offenbar wird. Eine Spaltung, die hier durch die Ablehnung der ganzen Tradition und Kultur der Nerds als „rechts“ endlich mal klar sichtbar wird. Hier gibt es nichts zu reparieren, keine Brücken zu bauen, hier ist ein Graben der nicht zuzuschütten ist. Entweder die Piratepartei bleibt „nerdig“ und „diskordianisch“ und pragmatisch und leicht politisch inkorrekt, oder sie wird „links“ und ideologisch und von „Awareness-Teams“ auf Linie gebracht.

Ich jedenfalls kann weder den neuen BuVo noch die Nerd-Kultur rechts finden. Darum bin ich überzeugt: Wir haben ein Problem mit Linksextremisten, die überall nur noch Nazis und Feinde und Rechte sehen können. Mit diesen Leuten, die teilweise die Demokratie als Brückentechnologie sehen, kann man nicht konstruktiv zusammenarbeiten. Diese Leute predigen Respekt für andere Kulturen, aber wollen sogar die Nerd-Kultur als „rechts“ bekämpfen. Und würden wahrscheinlich auch jede andere Kultur außer ihrer eigenen linksextremen Filterblasen-Kultur bekämpfen wollen1, wenn sie sich mal damit beschäftigten.

Also: Piraten, kommt klar. Werft die Linksextremisten raus:

Es gibt keine Schnittmenge für demokratische Zusammenarbeit mit Menschen, die die Demokratie ablehnen.
Es lohnt sich nicht auf Leute zuzugehen, die selbst „keinen Fußbreit“ entgegenkommen wollen, weil die einzige Richtung, in die man vom „linken Pol“ gehen kann, „rechts“ ist.
Man kann niemanden in eine Nerd-Partei integrieren, der die „rechte Nerd-Kultur“ wohl am liebsten „desintegrieren“ würde.

Die nächsten Monate sind die Zeit der Entscheidungen. Für eine „Realo“-Partei und Pragmatismus, oder für Utopismus und Realitätsverleugnung. Denkt und entscheidet selbst.

  1. Inklusive der patriarchalen Rape-Culture jener „Refugees“, die sie selbst vermehrt herbringen wollen? []

Schwächen des GO-Vorschlags 01 für den #aBPT

Leider keine Zeit für viel Nachdenken, darum meine Gedanken zum GO-Vorschlag 01 für den aBPT, http://wiki.piratenpartei.de/Bundesparteitag_2014.2/Gesch%C3%A4ftsordnung/Vorschlag_01#.C2.A7_17_Antr.C3.A4ge_zur_Gesch.C3.A4ftsordnung.

Vielleicht einfach in einem anderen Fenster öffnen und parallel zu diesem Post lesen.

Also… $1 (2): Akkreditiert wird durch „vom BuVo beauftragte Personen“… ist das eigentlich eine kluge Bestimmung? Wenn man sich ansieht, was die Piraten für einen BuVo haben? Wäre es nicht vielleicht besser, wenn die Akkreditierung durch ein anderes Gremium vorgenommen würde, dem z.B. auch der Bundesschatzmeister angehörte, damit ggf. definitiv geklärt werden kann, wer seinen Mitgliedsbeitrag gezahlt hat. Oder glaubt der LV Berlin, was der LV NRW sagt, und umgekehrt?

§9, Wahlleitung, Wahlhelfende… wie wer bestimmt, wer „Wahlhelfender“ wird, ist nicht geregelt. Die gefährdet ggf. das Vertrauen aller in die Manipulationsfreiheit der Wahl, die in „Altparteien“ normalerweise durch einen „Regionen-und-Flügel-Proporz“ gesichert wird, bei einem unübersichtlichen basisdemokratischen Riesenparteitag mit willkürlich ernannten „Wahlhelfenden“ aber natürlich nicht mehr gesichert sein kann.

$15, $16: In Altparteien gibt es soetwas wie erste, zweite und dritte Lesung und Änderungsanträge. Nicht so bei den Piraten. Da kann man Anträge laut diesem GO-Entwurf nur so beschließen wie eingereicht, oder stückweise. Das bedeutet, wenn in einem Antrag ein Wort nicht stimmt (oder jemand NATIONALE IDENTITÄT schlimm findet), dann kann man daran nichts mehr ändern und den Antrag nicht mehr korrigieren. Bullshit Galore! Piraten!

$16(7): Die Antragskommission entscheidet (…) über die Konkurrenz von Anträgen. Welche Antragskommission genau? Das Wort kommt im Text genau einmal vor. Ist also nirgendwo definiert. FAIL!1

$17 (11): Die Versammlungsleitung behandelt GO-Anträge nach ihrer Dringlichkeit. Es wird aber nicht festgelegt, ob z.B. ein Antrag zur Änderung der GO ($17o) oder ein Antrag zur Neuwahl eines Versammlungsamtes (17b) oder zur Änderung der Tagesordnung (17n) Priorität hat. Oder ob z.B. die Zulassung von Gastrednern (17a) am wichtigsten ist. D.h. die Versammlungsleitung könnte ihre eigene Absetzung durch Zulassung von Gastrednern verzögern o.ä..

$20 ermächtigt die Versammlung, auf Antrag der Versammlungsleitung „durch Beschluss“ von der GO abzuweichen. D.h., die Versammlungsleitung wird ermächtigt, durch eine undefinierte Art von Beschluss (Einfache/absolute Mehrheit, Beschluss der Versammlungsleitung?) die GO außer Kraft zu setzen. Das habe ich so in den GOs anderer politischer Gruppen auch noch nicht gesehen.

Ergänzungen werden gern angenommen.

  1. Wenn die GO-Vorschläger wenigstens Ahnung von Requirement-Tracing oder technischer Dokumentation hätten… []

Parteipolitiker vs. Aktivisten?

In der Flaschenpost stellt Wilm Schumacher den Richtungsstreit in der Piratenpartei als Konflikt zwischen „Parteipolitikern“ und „Aktivisten“ dar..

Da ist auch etwas Wahres dran. Allerdings sind die linksradikalen Gate-Verursacher-PiratInnen meiner Meinung nach keine Aktivisten im eigentlichen Sinne, denn:

Aktivisten müssen das Ziel haben, durch ihre Aktionen positive Aufmerksamkeit für die eigenen Ziele zu schaffen und die Menschen dazu zu bringen, sich ebenfalls für diese Ziele einsetzen zu wollen. Denn sonst wären diese Aktionen sinnlos, und Aktivismus wäre ein Hobby für sehr gelangweilte Nihilisten.

Doch den Piraten-„AktivistInnen“ ist es — wie es in der Geschichte der linksradikal-anarchistischen Bewegungen anscheinend ständig passiert, siehe z.B. die Geschichte der sogenannten „Propaganda der Tat“ — bisher nicht gelungen, durch die durchgeführten Aktionen Menschen für die Ziele der Aktivisten zu begeistern; statt dessen hat man sogar Leute in der eigenen Partei abgeschreckt! Also Leute, die vergleichsweise einfach zu überzeugen gewesen sein sollten, da sie positiv voreingenommen gewesen sein müssten. Wie also will man auf diese Tour in der Bevölkerung irgendeine Unterstützung, geschweige denn Mehrheit, für die eigenen Ziele erreichen?

Dabei ist ein Aktivismus, der die Menschen „mitnimmt“ und motiviert, durchaus möglich. Greenpeace z.B. hat die Balance gefunden zwischen notwendiger Regel-Überschreitung und gebotener Zurückhaltung. Und zwar durch große, gute geplante Aktionen, die starke, positive Bilder erzeugen, aber keine großen Sach- oder Personenschäden verursachen, die als negative Bilder den positiven Eindruck beschädigen könnten.

Schlauchboot gegen schwimmende, stählerne Wal-Todes-Fabrik, Kletterer gegen Chemie-Gift-Schleuder, „David gegen Goliath“ — professioneller Aktivismus inszeniert Bilder, auf denen moderne Helden mutig gegen „das Böse“ kämpfen, so dass der Betrachter sich dem Sog, sich mit den Helden zu identifizieren, kaum entziehen kann, und auch Gegner der Aktion zumindest Respekt für die Entschlossenheit der Aktivisten empfinden müssen.

Doch die Piraten-„Aktivisten“ im Sinne von Wilm Schumacher sind leider offensichtlich so wenig informiert, dass sie nicht einmal genug Einsicht haben, um beurteilen zu können, wie mies ihre Aktionen im Vergleich mit gut gemachtem Aktivismus wirklich sind.

„Frau, die mit nackigem Oberkörper eine symbolische (da leere) Brandflasche in den leeren Vorgarten einer Botschaft in Berlin wirft“ ist ein Bild, das nicht für sich selbst spricht und nicht das Gefühl vermittelt, man würde selbst vielleicht auch gern jemand sein, der symbolische Brandflaschen in leere Vorgärten wirft.

Niemand, weder Mit-Piraten noch die Bevölkerung noch „die Arbeiterklasse“ wird durch so eine Aktion dazu gebracht, sich mit den Piraten oder der Pirantifa zu solidarisieren oder irgendetwas zu tun außer vielleicht, die vermummte, teil-nackige Werferin für verwirrt zu halten.

Und Bombergate? Auch eine Aktion ohne ein positives Bild; zwei Frauen mit menschenverachtendem Unsinn auf der Brust. Auch hier nichts episches im Bild, kein Gegner, kein Mut, keine Entschlossenheit, keine Aussage, die irgendjemand ohne größere Recherche verstehen könnte.

Und darum ist das, was diese Leute machen, meiner Meinung nach kein Aktivismus, der von irgendwem ernstgenommen werden könnte, sondern Aktionismus. Unüberlegter, unausgegorener, kontraproduktiver Aktionismus auf „Wir-dachten-es-wäre-irgendwie-cool“-Niveau, ohne Sinn und Verstand, Planung oder Folgenabschätzung.

Und darum verläuft die Spaltung in der Piratenpartei meiner Meinung nach auch nicht entlang der Linie „Parteipolitiker“ vs. „Aktivisten“, sondern entlang der Linie zwischen Realos, die arbeiten und vernünftige Politik machen wollen, und Utopisten-Aktionisten, die sich weitgehend von der Realität abgekoppelt haben und nichts wirklich Sinnvolles, Nachhaltiges auf die Reihe bekommen, sondern nur an sich, ihre unrealistischen Vorstellungen und ihre Peergroup denken.

Darum hoffe ich auf eine Piratenpartei, die „klar Schiff macht“ und alles gescheiterte, utopische über Bord wirft. LQFB, die schlechte e-Voting-Implementierung mit Überwachungspotential zum Beispiel, und den dysfuntionalen basisdemokratischen Bundesparteitag, der mit Rick Valkvinges Vorstellungen von Organisation übrigens überhaupt nicht zusammengeht und ebenso teuer wie ineffizient ist.

Die CSD-Saison

In den USA, in New York, wo am 28.6.1969 im „Stonewall Inn“ in der Christopher Street in New York der sogenannte Stonewall Riot ausbrach1, gibt es bis heute den LGBT Pride March, zu dem Ende 1969 (für den Juni 1970) erstmalig unter dem Titel „Christopher Street Liberation Day“ aufgerufen wurde, und der konsequenterweise immer am letzten Wochenende im Juni stattfindet.
Wie ich finde eine sehr würdige und angemessene Veranstaltung um an die Diskriminierung von Homosexuellen in den USA in den 1960ern zu erinnern, wobei man natürlich nicht vergessen darf, dass auch heute noch allenthalben Defizite bei der Gleichberechtigung gewisser Minderheiten bestehen, in den USA und anderswo.

Weniger würdig finde ich leider, dass in Deutschland jede mittelgroße Stadt ihren eigenen CSD veranstaltet, so dass es dutzende kleiner, mitunter eher kläglicher CSD-Umzüge gibt. Veranstaltet von Menschen und Städten, die dies mitunter — dem Anschein nach — nur tun, um sich selbst weltoffen und tolerant zu zeigen bzw. eher nur zu geben. Wo dann mitunter nur eher wenige richtige, überzeugte LGBT-AktivistInnen herumlaufen, und Mitglieder von politischen Jugendorganisationen, Parteien, Sponsoren und irgendwelchen Grüppchen, die auf den „CSD-Zug“ aufspringen und in die Lokalzeitung wollen, manchmal die „optische Mehrheit“ stellen.
Dass es von Juni bis August immer mal wieder irgendwo einen CSD gibt macht die Berichterstattung darüber ermüdend und langweilig. Yet another CSD? Ach was!
Beim dritten CSD, also schon Anfang Juni, interessiert dieser ggf. keinen mehr, und das Thema ist auch medial verbrannt. Lediglich die Lokalzeitungen, die davon teilweise leben, betreiben wahrscheinlich den üblichen Verlautbarungsjournalismus und drucken die Pressemitteilungen der jeweils beteiligten Gruppen und Grüppchen ab, aber relevante überregionale Medien werden wahrscheinlich einen großen Bogen um die allermeisten CSDs machen oder vielleicht sogar über keinen einzigen berichten.

Aus dem einen, großen Event, das an ein wichtiges historisches Ereignis erinnert, hat man in Deutschland eine Art langatmiger hedonistischer zweiter Karnevals-Saison gemacht.
Das finde ich schade. Denn obwohl ich die Anliegen der LGBT-AktivistInnen in vielen Bereichen für durchaus unterstützenswert halte, nervt mich die CSD-Karnevalssaison in ihrem Verlauf genau so wie die „richtige“ Karnevalssaison in deren Verlauf. Denn natürlich können Menschen sich auf ein Event freuen und dann ausgelassen und fröhlich sein – aber wenn das jede Woche ist, dann glaubt mein Unterbewusstsein einfach nicht mehr daran, dass das „echt“ ist. Egal ob sich die Veranstaltung CSD nennt oder Prunksitzung und aufgrund welcher Tradition Menschen plötzlich als Kopie der Village People oder Darsteller in „ES“ verkleidet sind.

Ich glaube, es würde der politischen Sache gut tun, wenn man auch in Deutschland zu einem oder zumindest wenigen am gleichen Tag stattfindenden CSDs finden könnte. Die aktuelle zeitliche und personelle Überstreckung führt zu vielen wenig beeindruckenden und in ihrer Masse die jeweilige Relevanz reduzierenden Regional-CSDs mit einem gewissen Nerv-Faktor, bei denen der historische, LGBT-politische Hintergrund angesichts der mitunter karnevalesken Züge und der Einmischung jeder unbedeutenden lokalen politischen Gruppe, Sponsoren etc. total untergeht.

Homophobie-Vorwürfe nehme ich natürlich billigend in Kauf, gern auch in den Kommentaren.

  1. und ich würde nicht wetten, dass das die Mehrheit der deutschen CSD-Besucher überhaupt weiß []